[Dem Chris seine Filme] Berechenbarer als das Original: Pelé – der Film

peleSepp Herberger war nicht nur der Trainer, der das „Wunder von Bern“ herbei geführt hat. Herberger hat der Welt auch den vielleicht profundesten Fußball-Aphorismus überhaupt geschenkt. Nämlich als er auf die Frage „Warum, denken Sie, gehen die Menschen zum Fußball?“ wie aus der Pistole geschossen „Weil sie nicht wissen, wie‘s ausgeht.“ antwortete. Dieser scheinbare Allgemeinplatz charakterisiert jedoch auch das Dilemma, in dem Filmemacher stecken, wenn sie die Biographien großer Sportler realisieren. Wie gehen Sie damit um, dass die Leute – wie in diesem Fall, einem Film über die Ikone des Fußballs überhaupt, über Pelé – vorher schon sehr genau wissen, wie‘s ausgeht? weiterlesen…

[Dem Chris seine Filme] Hoff the Record – David wird zum Facepalm-Goliath

HofftheRecord-Sleeve-final-RZ.inddUm Himmelswillen, David Hasselhoff! Was soll man zu dem Typen noch schreiben? Knight Rider, Baywatch, und dann diese unseligen Platten… was für eine peinliche Type! Oder eher nicht, denn „The Hoff“, wie er auch sich selbst nennt“, weiß ziemlich genau, dass die künstlerische Qualität seines Gesamtwerks im unterirdischen Bereich liegt. Und – das muss ich ehrlich zugeben – die Selbstironie, eine Mockumentary-Sitcom über den total abgehalfterten Schauspieler David Hasselhoff zu drehen, der grundsätzlich zu ALLEM bereit ist, nur um wieder ins Gespräch zu kommen… die hätte ich Hasselhoff nicht zugetraut. Genau das hat er mit „Hoff the record“ aber getan. Und ich hab mich schlapp gelacht. Seitdem ich die sechs Folgen der 1. Staffel dieser Serie gesehen hab, bin ich Hasselhoff-Fan. Ohne Scheiß. weiterlesen…

[Dem Chris seine Filme] Der Drücker – Sklaverei anno 1986

cover„Entschuldigen Sie die Störung, aber ich befinde mich in einer schrecklichen Notlage. Ich bin auf Bewährung draußen und muss bis heute Abend zehn Zeitschriftenabos verkaufen, sonst muss ich zurück in den Knast…“ Den Spruch kennt jeder, der schon mal einem Drücker die Tür aufgemacht hat. Doch Tommy, der Drücker aus Uwe Frießners gleichnamigen Film aus 1986, probiert eine ganz eigene Masche: Er erzählt die Wahrheit über sein Leben als „Mitarbeiter im Außendienst“. Und die ist schrecklicher als jedes Knastmärchen.

Als „Der Drücker“ 1986 im Fernsehen uraufgeführt wurde, war der Film eine echte Sensation. Zum ersten Mal bekam das saturierte TV-Publikum der BRD in realistischen Bildern gezeigt, wie Drücker hierzulande lebten. Übernachtungen in verdreckten Mehrbettzimmer sind die Regel, Wecken ist morgens um sechs, dann geht’s im Kleintransporter in die nächste Stadt. Schon im Auto wird Druck ohne Ende gemacht. „Soundsoviel Abos muss jeder heute schaffen, sonst fällt das auf die Kolonne zurück…“ Und was das heißt, wird am Abend klar: kein Essen vor der Nacht“ruhe“ in der nächsten Siff-Bude. Psychische und physische Gewalt sind an der Tagesordnung, so leben moderne Sklaven. weiterlesen…

[Roberts Blu-rays] Schrotten! – Lieber tot als Sklave!

schrotten_coverSchrottplätze. Wer, wie ich, die 70iger und 80iger Jahre noch „richtig“ erlebt hat und auf den so genannten „Autofriedhöfen“ nach Ersatzteilen für’s Mofa, dann Motorrad und schließlich das erste Auto gesucht hat, durfte diese Atmosphäre noch selbst inhalieren. Es war schon ein besonderer Menschenschlag, die Jungs (ein paar Mädels gab’s auch, doch meistens nur als Pin-Up im Bürowagen) vom Schrottplatz. Regisseur Max Zähle, von dem auch das Drehbuch stammt, verbrachte in seiner Jugend ebenfalls viel Zeit auf dem Schrottplatz. Das merkt man dem Film an, der – bis ins Detail stimmig – diese Atmosphäre einfängt. „Heimat ist mehr als ein Ort“. Ja. Dass sein „Familienfilm“ nicht ins Klischee abdriftet und über die gesamten gut 90 Minuten beste Unterhaltung bietet, ist auch dem gut gelaunten Cast zu verdanken. Allen voran Frederic Lau, liefern sie eine tolle Darstellung, die Spaß macht. Obwohl teilweise vorhersehbar, halten einige überraschende Twists und sogar streckenweise der eine oder andere spannende Einfall die Story am Laufen. Obwohl grade der Eisenbahnraub als zentrales Element dermaßen abstrus ist, dass nicht einmal die neunmalklugen physikalischen „Weisheiten“ von Mirko die Logiklöcher auch nur annähernd stopfen können. Aber das muss in einer Komödie dieser Art auch mal durchgehen dürfen … weiterlesen…

[Kochbuch-Test] Abspecken für echte Kerle – die Hairy Bikers auf Kalorienspar-Flamme

indexWer hierzulande den “Bongusto”-Kochkanal empfangen kann, kennt Dave Myers und Si King, die im englisch-sprachigen Raum als “Hairy Bikers” ziemlich weit oben auf dem Olymp der TV-Köche sitzen. Myers und King sind freundliche Spät-Hippies, die auf Motorrädern durchs Land brummen und arglosen Landfrauen mit lässigem Charme und Humor Kochrezepte abschwatzen. Klingt ein wenig abstrus? Macht nix, die Show funktioniert, nicht zuletzt, weil die Hairy Bikers einiges vom Kochhandwerk verstehen. Und weil sie sich selbst nicht so ernst nehmen, schau auch ich gelegentlich ein oder zwei Folgen ihrer Show gerne an. In England sind Myers und King längst feste Größen des Kochbuch-Markts. Dort sind die Hairy-Bikers-Kochbücher zuverlässig Bestseller, und das ist kein Wunder: die Rezepte funktionieren, machen richtig Appetit, die Ausstattung ist liebevoll bis luxuriös, das sind Bücher, in denen man gerne blättert, aus denen man gerne mal was probiert. Der Heel Verlag hat nun Pionierarbeit geleistet, ein Hairy-Bikers-Kochbuch übersetzt und auf den deutschen Markt geworfen: “Abspecken für echte Kerle”. weiterlesen…

[Roberts Blu-rays] The Nice Guys – Nett war gestern: Beste Unterhaltung

niceguys_coverIm Los Angeles der 70er Jahre verbünden sich der abgehalfterte Privatdetektiv Holland March und der Mann fürs Grobe, Jackson Healy, zu einem ungleichen Ermittlerduo. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Amelia, der Tochter der Bezirksrichterin, die auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Als March und Healy herausfinden, dass offenbar auch der Tod der Pornodarstellerin Misty Mountains mit Amelias Fall in Verbindung steht, nimmt die Angelegenheit eine neue Wendung: Die beiden Schnüffler schlittern geradewegs in eine Multi-Milliarden-Dollar-Verschwörung, die sie schon bald in Lebensgefahr bringt. Dass sie Marchs aufmüpfige Teenie-Tochter Holly bei ihren Ermittlungen im Schlepptau haben, sorgt bei den Männern für zusätzlichen Zündstoff, zumal ihnen die Kugeln von allen Seiten um die Ohren fliegen …
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[Dem Chris seine Filme] Dirty Games – Best of Schattenseiten

91wauayhoml-_sy550_Wir Männer gucken gerne Sport. Schon Sepp Herberger hat erkannt, warum wir das tun, nämlich weil wir nicht wissen, wie’s ausgeht. Wenn wir einem Fußballspiel, einem Tennismatch oder einem Leichtathletik-Wettbewerb zuschauen, denken wir, dass jetzt, in dieser Minute, Sportler Dinge tun, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Benjamin Bests herausragende Sportdoku „Dirty Games“ belehrt uns eines besseren. Sie klärt uns darüber auf, dass es Menschen gibt, die lange vor uns wissen, wie’s ausgeht. Die einiges dafür tun, dass sportliche Entscheidungen in ihrem Sinne beeinflussen. Und die davon profitieren. weiterlesen…

[Roberts Blu-rays] „Dirty Grandpa“ – Kommst du noch oder stirbst du schon?

DirtyGPRobert de Niro gilt als einer der größten Schauspieler unserer Zeit. Vollkommen zurecht, denn mit Rollen wie Travis Bickle (Taxi Driver), Vito Corleone (Der Pate II) oder Jake LaMotta (Raging Bull) hat er die Grenzen des schauspielerisch Möglichen erweitert und uns tiefe Einblicke in die menschliche Seele ermöglicht. Derartiger Meriten ist Zac Efron bisher gänzlich unverdächtig. Nach diesen High-School-Musical-Filmen hat er begonnen, sich mit Filmen wie „Mike and Dave need Wedding Dates“ oder der „Bad Neighbors“-Serie als Experte für Bad-Taste-Komödien zu profilieren. Was geschieht nun, wenn man – wie in „Dirty Grandpa“ – De Niro und Efron gemeinsam aufs Publikum loslässt? Dass Efron als der seriösere Schauspieler rüberkommt, hätte wohl niemand erwartet. Und doch ist haargenau das geschehen. weiterlesen…

[Lesetipp] Alex Capus: Eine Frage der Zeit

FrageZeit_Alex Capus ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Der Mann schreibt faszinierende Geschichten, haarscharf an der Realität entlang recherchiert und mit einem Schuss eigener, unnachahmlicher Fantasie angereichert und weitergesponnen. Mittlerweile hab ich fast alle Capus-Bücher gelesen, und ich hab noch keins in der Hand gehabt, das mich nicht ausgezeichnet unterhalten hätte. „Eine Frage der Zeit“ gehört zu Capus‘ Besten: eine mordsspannende Abenteuergeschichte, die während des 1. Weltkriegs in Afrika spielt. weiterlesen…

[Roberts Blu-rays] Brannigan – würdevoll gealtert (Gastbeitrag von Chris)

BranniganCover„Was? Ist das wirklich John Wayne?“, fragt man sich unwillkürlich, wenn man beginnt, „Brannigan“ anzuschauen. Wayne ohne Stetson, Revolvergurt und Pferd ist ein ungewohnter Anblick, und tatsächlich hat der Duke in seiner langen Karriere nur in einer Handvoll Filmen mitgespielt, die nicht dem Western-Genre zuzurechnen sind. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob Brannigan tatsächlich KEIN Western ist. Auch wenn der Film im London der ausgehenden „Swingin‘ Sixties“ spielt. weiterlesen…