[Streaming-Tipp] Die dunkle Seite der Fußballmacht – die Doku „Schwarze Adler“

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Video-Link: https://youtu.be/a63s2wBOvpg

Seit ein paar Tagen steht die Doku „Schwarze Adler“ bei amazon prime online. „Schwarze Adler“ lässt Nationalspielerinnen und Nationalspieler schwarzer Hautfarbe zu kommen und lässt sie von Ihren Erfahrungen und Erlebnissen in Deutschlands Fußballstadien erzählen. Sie erzählen nicht nur von Ihren Erlebnissen mit der Nationalmannschaft, sondern auch vom Alltag in der Bundesliga, von ihrer Zeit in der Fußballjugend und von ihrem Leben abseits der Fußballplätze. Ich hab mir den Film gestern angeschaut und war begeistert, vor allen Dingen von den langen Passagen, in denen die Spielerinnen und Spieler erzählen und reflektieren. Da erlebt man nicht nur ein Stück Fußballgeschichte, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte: Wie der Fußball sich in den letzten fünfzig Jahren verändert hat, wie dieses Land sich verändert hat. Und da werden einem die Dinge in den Blick gerückt, die sich eben nicht geändert hat, die Dummheit und der Rassismus, mit denen Menschen anderer Hautfarbe begegnet wurde und begegnet wird.

Wenn man Ausschnitte aus Sportsendungen der 60er und 70er Jahre anschaut, dann ist man unwillkürlich entsetzt, über die Blödheit und unverfrorene Gönnerhaftigkeit, mit der damalige Spitzenjournalisten den Spielern mit schwarzer Hautfarbe begegnet sind. War das wirklich so schlimm? Ja, das war so schlimm, der Film zeigt’s einem in aller Deutlichkeit. Und es ist heute noch schlimm, man muss sich schämen, was Menschen in diesem Land nicht nur von den Stadiontribünen runterrufen, sondern wie Menschen mit anderer Hautfarbe im Alltag behandelt werden. Wenn Gerald Asamoah erzählt, wie er seinem eigenen Sohn rassistische Beschimpfungen erklären musste, mit denen der gerade von einem anderen Spielervater während eines Jugendspiels bedacht worden war, wird einem ganz anders.

Was diesen Film so eindringlich macht, ist die Nachdenklichkeit, mit der die 14 Spielerinnen und Spieler ihre Karrieren noch einmal Revue passieren lassen und bewerten. Da ist kein Raum für larmoyantes Gejammer oder Anklagen an „die Gesellschaft“, da wird emotional und doch nüchtern erzählt, was war und was ist. Der große Held des Films ist Erwin Kostedde, der erste Spieler schwarzer Hautfarbe, der es zum Nationalspieler gebracht hat. Was hat dieser Mann alles erleben müssen, was hat der für eine Last geschultert! Und trotzdem spricht er, trotz aller verständlichen Bitternis, mit einer großen, freundlichen Zärtlichkeit über den Fußballsport. Wie überhaupt alle Akteure nicht nur von den dunklen Seiten des Fußballs erzählen, sondern auch von der großen Kraft, mit der dieser Sport Menschen zueinander bringen und miteinander versöhnen kann.

„Schwarze Adler“ ist ein großer, ein wichtiger Film, der einen nachdenklich und wütend macht, gleichzeitig aber auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft weckt. Für Menschen, die sich für Fußball interessieren, ist er schlichtweg ein Muss. Ich hab lange nicht so etwas Beeindruckendes gesehen. Zur Zeit wird er bei amazon prime im Stream gezeigt, im Juni läuft er im ZDF.

 

 

 

 

 

Löws Abschied

Foto: Steindy (Diskussion) 10:00, 27 June 2011 (UTC) (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Jogi Löw wird nach der Europameisterschaft – unabhängig davon, wie’s sportlich läuft – nicht mehr als Bundestrainer weitermachen. Dann hat er 17 Jahre beim DFB in verantwortlicher Position gearbeitet, 2 als Assistent von Jürgen Klinsmann, 15 Jahre als Bundestrainer. Löw hat sehr, sehr viel richtig gemacht, und bis zum Jahr 2017 fast alles richtig gemacht. Neben dem Weltmeistertitel 2014 hat er in jedem großen Turnier mit der Nationalmannschaft mindestens das Halbfinale erreicht – ein beispielloser Trainer-Score. Der Absturz 2018 war dann zwar nicht ganz beispiellos (als amtierender Weltmister in der Vorrunde rauszukegeln hatten zuletzt die Franzosen 2002 hingekriegt), aber doch ziemlich heftig: Die Zahl der Freunde, die Löw zuletzt beim DFB und in der Öffentlichkeit noch hatte, war durchaus überschaubar. Wie viele andere erfolgreiche Bundestrainer hat er den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt verpasst: seit Lahm und Schweinsteiger nicht mehr spielten und die Mannschaft auf dem Platz in seinem Sinne führten, scheint er die Spieler nicht mehr richtig erreicht zu haben – wie seinerzeit Herberger nach Fritz Walters Abgang und Schön, nachdem Beckenbauer zurückgetreten war. weiterlesen…

Weil egal ist, wie’s ausgeht…

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In den Rumpelkicker-Jahren der deutschen Fußballnationalmannschaft (1998 bis 2006) bediented sich Günter Netzer als TV-Experte gern der Formulierung „neuerlicher Tiefpunkt“, wenn es galt, ein Spiel einzuordnen. Am letzten Mittwoch hatten wir – was das Zuschauerinteresse am Aushängeschild des deutschen Fußballs anbelangt – den neuerlichsten, tiefsten Tiefpunkt erreicht: Horst Lichter hatte mit seinem parallel ausgestrahlten Ramschladen mehr Zuschauer als das Spiel gegen Tschechien. Ist das verwunderlich? Nein. weiterlesen…

Einwurf des Tages: Fußball geht weiter

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Letzte Woche ist die Welt untergegangen. Alle deutschen Vereine sind im Achtelfinale aus der Champions League gekegelt, wie forchtbar! Weltuntergang! Alle Spieler feuern, alle Trainer sowieso, Löw muss SOFORT von Klopp abgelöst werden und wir müssen uns alle Pay-TV zulegen, damit unsere BuLi-Vereine genauso viel verdienen wie die Neureichen aus der Premiere League und auf Shopping Tour gehen können…

Wir sollten auf dem Teppich bleiben. Wir sind Deutschland. Wir sind bisher so alle zwanzig Jahre Weltmeister geworden, deutsche Vereine haben alle zehn, zwanzig Jahre mal den Pokal der Landesmeister/die Champions League gewonnen1… das ist normal. Warum hätte sich das plötzlich ändern sollen? Auf jede goldene Generation folgt eine aus etwas weniger edlem Metall. Niemand hat ein Recht auf Titel. Nehmen wir Vernunft und den Alltag an. Heute testet Deutschland gegen Serbien, Sonntag geht’s gegen die Niederlande in die EM-Quali. RTL überträgt. Ich bin gespannt.

Die beste DFB-Elf aller Zeiten?

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Der DFB will eine Fußball-WalhallaFußballhalla „Hall of Fame“ einrichten und hat dafür eine „beste Nationalelf aller Zeiten“ wählen lassen, die aus 
Maier, Brehme, Beckenbauer, Breitner, Fritz Walter, Sammer, Matthäus, Netzer, Müller, Seeler und Rahn. Bis auf Fritz Walter und Helmut Rahn habe ich alle anderen Erwählten spielen sehen und widerspreche vehement auf 3 Spieler-Positionen: weiterlesen…

Wer muss hier zurücktreten?

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„Au, au, au, ganz schlimmes Eigentor!“ – „Unverschämtheit!“ – „Die müssen zurücktreten!“ – „Ausschluss aus der Nationalmannschaft, sofort!“ Äh, ja, nun… weiterlesen…

Tele Santana – die Verweigerung des Resultats

Foto by Tales.ebner (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Foto by Tales.ebner (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wenn ich mir ein Fußball-Match angesehen habe,, schalte ich nach dem Schlusspfiff reflexartig ab, um die Interviews nicht anhören zu müssen. Wobei es nicht unbedingt die Statements von Spielern und Trainern sind, die mir auf den Zeiger gehen, es ist vielmehr die Mentalität der fragenden Reporter.

Die reduzieren nämlich den Fußballsport auf die einfachst mögliche Formel, auf die Unterscheidung in Gewinner und Verlierer. Wer gewinnt hat recht gehabt und wird gelobt. Wer verliert hat unrecht gehabt, und muss erklären, warum er alles falsch gemacht hat. weiterlesen…