Beine rasieren – nur was für Frauen und Profis?

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Was haben die Fußball-Europameisterschaft und „Germany’s Next Top-Model“ gemeinsam? Auf den ersten Blick natürlich wenig bis gar nichts, aber wenn man genauer hinschaut entdeckt man: bei beiden Events legen die Akteure Wert auf möglichst glattrasierte Beine. Bei den angehenden Models sind die Gründe klar, die liegen im ästhetischen Bereich. Aber sind Fußballspieler genauso eitel? Oder haben die glattrasierten Beine bei den Profis handfestere Gründe? Das zweite ist tatsächlich der Fall… weiterlesen…

[Eine wie keine] Gutes Spiel! – Turniertagebuch, Eintrag 4

Eine Europameisterschaft wie diese hat’s noch nicht gegeben: in mehreren Ländern… unter Pandemie-Bedingungen in beinahe leeren Stadien ausgetragen… ohne Fanmeilen und Public-Viewing-Volksfeste… was für ein Turnier wird das werden? Ich habe auch keine Ahnung, aber bis zum Finale werde ich’s vielleicht herausfinden. Und wenn ich mich reinschreiben muss.

Ich habe gestern ein gutes Spiel der deutschen Nationalmannschaft gesehen. Und nein, ich hab mir nicht das Halbfinale von 2014 nochmal von der Festplatte reingezogen, ich meine das Vorrundenspiel Frankreich – Deutschland bei der EM 20/21. Okay, wir haben 0:1 verloren, aber wir haben gestern das erste Vorrundenspiel eines Turniers gespielt, und zwar gegen die derzeit weltbeste Nationalmannschaft. Die Franzosen haben einen Super-Torwart, eine Weltklasse-Verteidigung, und die Offensive ist noch einmal einen Zacken besser. Und diese Offensive der Sonderklasse mit Benzema, Mbappé, Griezmann und Pogba hat es nicht geschafft, auch nur ein einziges Tor gegen uns zu schießen, da mussten wir den Herrschaften mit einem Eigentor behilflich sein1Wobei den Eigentorschützen Hummels keinerlei Schuld trifft, der entscheidende Fehler geschah viel früher, die linke Seite DARF nicht so frei sein![/een_note]. Die Null hätte gegen diesen Weltklassesturm also beinahe gestanden, und das soll uns erstmal einer nachmachen: Zu Null wird gegen diese Franzosen in diesem Turnier keiner spielen.

Okay, unsere Offensive. Da hat es nicht nur gehakt, weil irgendwie kein kongeniales Zusammenspiel zwischen Havertz, Müller und Gnabry zustandekam, da wurde wieder ein gewisses taktisches Manko des Bundestrainers sichtbar. Löw kann oder will der Mannschaft keine moderne Offensiv-Taktik nahebringen. Wenn man sich von Klopp, Guardiola, Tuchel oder Flick trainierte Mannschaften anschaut, sieht man den Unterschied sofort: Da ist die ganze Mannschaft in Bewegung, wobei bei Löw meistens nur der ballführende Spieler plus sein Nebenmann in Bewegung sind, während die anderen sich brav eine Anspielstation suchen und dort erstmal stehenbleiben. Was für die gegnerische Verteidigung natürlich leicht auszurechnen ist. Letztlich war die Schwäche im Sturm eher der Grund für die Niederlage als das vermaledeite Eigentor. Ansonsten haben wir gut ausgesehen und die Franzosen phasenweise sogar dominiert und in der eigenen Hälfte eingeschnürt, auch das soll uns erst einmal einer nachmachen.

Ich sag nicht, dass wir durch sind und die Franzosen im Finale wiedersehen, da sind wir noch weit davon entfernt, aber mir hat das 0:1 von gestern Abend Mut gemacht. Portugal kann kommen, ich freu mich auf Sonnabend. Tatsächlich.

Meine Tipps für die nächsten Spiele:
Finnland – Russland 1:1
Türkei – Wales 0:0
Italien – Schweiz 2:0
Ukraine – Nordmazedonien 2:1
Dänemark – Belgien 0:1
Niederlande – Österreich 2:0
Schweden – Slowakei 0:1
Kroatien – Tschechien 0:2
England – Schottland 2:0

[Eine wie keine] Weg mit den Anführungszeichen! – EM-Turniertagebuch, Eintrag 3

Eine Europameisterschaft wie diese hat’s noch nicht gegeben: in mehreren Ländern… unter Pandemie-Bedingungen in beinahe leeren Stadien ausgetragen… ohne Fanmeilen und Public-Viewing-Volksfeste… was für ein Turnier wird das werden? Ich habe auch keine Ahnung, aber bis zum Finale werde ich’s vielleicht herausfinden. Und wenn ich mich reinschreiben muss.

Tatsächlich, ich freue mich richtig auf das Spiel heute Abend gegen Frankreich. Da wird richtig Klasse auf dem Rasen stehen, lauter Gesichter, die man in den Champions-League-Finals der letzten Jahre gesehen hat, in beiden Teams. Und natürlich werde ich heute Abend, wie ich das seit 1965 tue, der deutschen Nationalmannschaft die Daumen drücken.

Wird aber, fürchte ich, nix nützen. Die Franzosen kommen als amtierender Weltmeister daher, sind seit dem Titelgewinn 2018 gewiss nicht schwächer geworden, und machen eine ziemlich zeitgemäße Bugwelle:

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Video-Link: https://youtu.be/paKh2Pztvy8

Man vergleiche diesen treibenden, mutigen, selbstbewussten Song mit Bierhoffs peinlich-vorgestriger „Die Mannschaft“-Marketing-Schaumschlägerei, dann ahnt man, wie schwer das für die deutsche Nationalmannschaft werden wird. Nicht nur heute Abend gegen Frankreich, nein, auch im ganzen Turnier1 und generell: Der DFB und die Nationalmannschaft müssen irgendwie versuchen, endlich im Jahr 2021 anzukommen. Das wäre wirklich hilfreich. Für den Verband. Für uns Fans. Und fürdie Mannschaft (ausdrücklich ohne Anführungszeichen).

Meine Tipps:
Ungarn – Portugal 0:1
Frankreich – Deutschland 2:1

[Tipp der Woche] Zu spät! – Herausragende Fußball-Doku „Schwarze Adler“zu nachtschlafener Zeit

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Video-Link: https://youtu.be/a63s2wBOvpg

Seit April steht die herausragende Fußball-Doku „Schwarze Adler“ bei amazon prime zum Streamen – wir haben schon ausführlich darauf hingewiesen. Diesen Freitag können auch Jeff-Bezos-Skeptiker sich endlich den Film im ZDF anschauen, allerdings müssen Sie bis 23 Uhr 30 wach bleiben oder den Recorder entsprechend programmieren. Dieser Sendetermin ist einigermaßen erstaunlich. Ich begreife nicht, warum eine derart spannende, wichtige und emotionale Doku über die dunkleren Seiten unseres Volkssports Nr. 1 nicht zur besten Sendezeit, zur Primetime, gesendet wird, wo sie hingehört. Ist 20 Uhr 15 fußballmäßig nur für Live-Übertragungen und EiapopeiaFriedeFreudeEierkuchen reserviert, wenn es um Fußball geht? Möchte man berechtigte Kritik am DFB, an den Fernsehanstalten und an den Fans lieber auf einen Zeitpunkt verschieben, dam dem diejenigen, die sich angegriffen fühlen könnten, bereits den Schlaf des Ungerechten Schlafen. Herrschaften, in diesem Film schütten Männer und Frauen, die sich um den Fußballsport in diesem Land verdient gemacht haben, ihr Herz aus und erzählen von den Wunden, die sie siurch ihr Engagement für diesen Sport davongetragen haben, und ihr versteckt das im Nachtprogramm? Ich geb euch Brief und Siegel: Ein Fan, der diesen Film angeschaut und die Geschichten, die Erwin Kostedde so erzählt, verstanden hat, wird sich beim nächsten Stadionbesuch dreimal überlegen, ob er nochmal rassistischen Mumpitz von der Tribüne runterbrüllt. Ja, so wirkmächtig ist dieser Film, und das ZDF versteckt ihn im Nachtprogramm. Unverständlich. Unverzeihlich.

Schaut euch den Film an, wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt. Egal um wieviel Uhr. Er lohnt.

[Eine wie keine] Auf Italien ist Verlass – EM-Turniertagebuch, Eintrag 2

Eine Europameisterschaft wie diese hat’s noch nicht gegeben: in mehreren Ländern… unter Pandemie-Bedingungen in beinahe leeren Stadien ausgetragen… ohne Fanmeilen und Public-Viewing-Volksfeste… was für ein Turnier wird das werden? Ich habe auch keine Ahnung, aber bis zum Finale werde ich’s vielleicht herausfinden. Und wenn ich mich reinschreiben muss.

Gestern Abend sind meine Turnier-Motivations-Probleme von einer Sekunde auf die andere verschwunden. Ganz einfach so. Als ich die Hymne der Italiener hörte, begann mein Blutdruck sofort zu steigen, genau wie in alten Zeiten. Und dann erschien auch noch Chiellinis lieblich-knabenhaftes Antlitz im TV… der Lieblingsfeind war wieder da! Ich war sofort bereit für das Turnier.

Die Squadra Azzurra leider auch. Beachtliche Frühform, meine Herren! Und… drei Tore. Italien spielt nach vorne und schlägt einen Gegner mit drei Toren Unterschied. Okay, ein Eigentor war dabei, und sie mussten nach vorn spielen, weil die Türken sich hinten reingestellt haben. Was bleibt sind also zweieinhalb Tore gegen eine massierte Deckung, haargenau das, wogegen sich ein Löw-Team traditionell schwer tut. Wenn die Italiener so weitermachen, werden sie um den Titel mitspielen.

Und das darf nicht sein. DIE nicht! DIE gerade nicht! Herr Löw, das muss verhindert werden! Herr Löw, wir müssen reden!

Einmal im Turnier angekommen, ist mir aufgefallen, dass es einen offiziellen EM-Song gibt.

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Video-Link: https://youtu.be/kGT73GcwhCU

Lauter alte Säcke am Mikro und im Video, offenbar will man meine Altersgruppe ansprechen. Dafür war die Stimmung im Stadion gestern Abend sehr ordentlich, die paar Gestalten haben ordentlich Krach gemacht. So kann’s tatsächlich weitergehen.

Meine Tipps für heute und morgen:
Wales – Schweiz 2:1
Dänemark – Finnland 1:1
Belgien – Russland 2:1
England – Kroatien 2:1
Österreich – Nordmazedonien 1:2
Niederlande – Ukraine 2:1
Schottland – Tschechien 1:2
Polen – Slowakei 2:0
Spanien – Schweden 2:0

[Eine wie keine] Auf der Suche nach der verlorenen Freude – EM-Turniertagebuch, Eintrag 1

Eine Europameisterschaft wie diese hat’s noch nicht gegeben: in mehreren Ländern… unter Pandemie-Bedingungen in beinahe leeren Stadien ausgetragen… ohne Fanmeilen und Public-Viewing-Volksfeste… was für ein Turnier wird das werden? Ich habe auch keine Ahnung, aber bis zum Finale werde ich’s vielleicht herausfinden. Und wenn ich mich reinschreiben muss.

Das Kribbeln ist nicht da. Seit vielen Jahren freu ich mich auf die großen Fußballturniere, auf die EMs und WMs, seit ich 1966 zum ersten Mal im World-Cup-Willie-T-Shirt vor dem Fernseher saß1Ja, ich bin tatsächlich so alt.[/efn_Note] Spätestens ein halbes Jahr vor einem großen Turnier pflegte die Vorfreude einzusetzen, das erwartungsvolle „Bald geht’s los“-Kribbeln, das Nachdenken über das kommende Turnier: Was für einen Fußball werden wir zu sehen bekommen? Werden neue Stars geboren? Wer wird Europameister? Und – natürlich – können wir, kann die deutsche Nationalmannschaft Europameister werden. Von all dem merke ich bis heute… nichts. weiterlesen…

Wir haben einen Champion! Und nach dem Tippspiel ist vor dem Tippspiel…

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Am letzten Sonnabend war der letzte Bundesligaspieltag. Der Meister – zum neunten Mal die Bayern – stand schon längere Zeit fest, und auch bei unserem Tippspiel lag der spätere Champion am letzten Spieltag bereits uneinholbar vorn: Mit satten 427 Punkten hat sich „samuelf“ den Titel „Tippspielmeister“ gesichert, in den nächsten Tagen wird er seine Preise erhalten. Unser Wanderpokal, der „El Jefe“ ist bereits unterwegs zu ihm, die Urkunde mit der „Goldenen Ananas“ ist ausgedruckt, gerahmt und eingetütet, und im Shop von nassrasur.com kann er für 50 Euro einkaufen.

Unter allen 97 Teilnehmern unseres Tippspiels haben wir die anderen Preise verlost: „Garfield hat das Spiel „Chaos-Karten Fußball-Edition“ gewonnen. „don_martin“ bekommt ordentlich auf die Ohren: „Ich bin Zlatan“ als Hörbuch auf 6 Audio-CDs dreht sich bald in seinem Player. „Sauerland82“ kann sich demnächst „Trautmann auf Blu-ray anschauen, und „Milan 10“ erhält ein wahres Meisterwerk der Filmkunst, die Beckenbauer-Doku „Libero“. Die Preise sind bereits unterwegs und werden in den nächsten Tagen bei den Gewinnern eintreffen.

Bei allen anderen Mitspielern bedanken wir uns ganz herzlich fürs Mittippen. Mit euch macht das einen Riesenspaß, weil hier wirklich mit Sachkunde getippt wird. In anderen Tipprunden gewinnt man schon mit 50 oder gar 80 Punkten weniger, das wäre bei uns undenkbar. Wir freuen uns jedenfalls schon auf das nächste Tippspiel zur nächsten Bundesligasaison, aber – da die Zeit bis zur Saison 21/22 noch sehr lang hin ist – schieben wir noch ein Tippspiel zur Fußball-Europameisterschaft ein. Das geht rechtzeitig vor dem Turnier online. Tipper, die in unserer Tipprunde angemeldet sind, nehmen automatisch teilen, alle anderen, die mittippen wollen, warten bitte, bis wir das Tippspiel und die Preise, die es geben wird, ankündigen. Das wird spätestens am 15.6. der Fall sein. Wir freuen uns schon.

[Tipp der Woche] Cl-Finale: Was wird Tuchel machen?

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Video-Link: https://youtu.be/Kyh6XXqv56w

Auch wenn’s wieder ein Pandemie-Finale vor leeren Rängen sein wird: auf das rein englische Finale City gegen Chelsea freue ich mich… vielleicht. Zwar lassen beide Trainer für sich allein gesehen, auf einen guten, vielleicht herausragenden Fußball hoffen. Beide stehen eigentlich für attraktiven, offensiven Fußball. City-Trainer Pep Guardiola hat vor über zehn Jahren beim FC Barcelona angefangen, den Fußball weiterzudenken. Er hat Cruyffs Ideen genommen und dem Spiel eine neue, vorausschauende Sichtweise verpasst, die das Spiel nachhaltig verändert hat. Und Guardiolas Mannschaften, egal ob Barcelona, die Bayern oder jetzt Manchester City waren immer für ein atemberaubendes Angriffsspektakel gut. Problematisch wurde es, wenn ein Guardiola-Team auf Maurermeister gestoßen ist, Teams die sich einfach hinten reinstellten und abwarteten, bis Guardiolas Spieler sich in sinnlosen Ballstafetten erschöpft hatten. Man vertraute auf den einen gelungenen Konter oder das Elfmeterschießen, und dann scheiterte Guardiolas Spektakelfußball oft ganz unspektakulär.

Und damit bin ich bei der Tuchel-Frage: Was wird der Mann machen? Auch Tuchel ist ein innovativer Trainer, der in ähnlichen Bahnen wie Guardiola denkt, von ihm beeinflusst wurde. Wird er sich für die offensichtliche, „vernünftige“ Maurer-Taktik entscheiden? Oder wird er versuchen, Guardiola mit dessen eigenen Waffen zu schlagen? Den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken wäre logisch und erfolgversprechend: Peps Mannschaften sind anfällig, wenn der Gegner derart destruktiv spielt, und Chelsea hat die Spieler, um so ein Konzept durchzuziehen. Andererseits sollte einem Trainer wie Tuchel eine solche Verweigerungstaktik in der Seele weh tun. Wenn das so kommt und der Mannschaftsbus vor dem Stadion parkt, wie es sich gehört, dann dürfen wir uns auf einen großen Fußballabend freuen.

DAZN und Sky übertragen, ich such mir einen Biergarten, wo man schauen kann.

[Streaming-Tipp] Die dunkle Seite der Fußballmacht – die Doku „Schwarze Adler“

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Video-Link: https://youtu.be/a63s2wBOvpg

Seit ein paar Tagen steht die Doku „Schwarze Adler“ bei amazon prime online. „Schwarze Adler“ lässt Nationalspielerinnen und Nationalspieler schwarzer Hautfarbe zu kommen und lässt sie von Ihren Erfahrungen und Erlebnissen in Deutschlands Fußballstadien erzählen. Sie erzählen nicht nur von Ihren Erlebnissen mit der Nationalmannschaft, sondern auch vom Alltag in der Bundesliga, von ihrer Zeit in der Fußballjugend und von ihrem Leben abseits der Fußballplätze. Ich hab mir den Film gestern angeschaut und war begeistert, vor allen Dingen von den langen Passagen, in denen die Spielerinnen und Spieler erzählen und reflektieren. Da erlebt man nicht nur ein Stück Fußballgeschichte, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte: Wie der Fußball sich in den letzten fünfzig Jahren verändert hat, wie dieses Land sich verändert hat. Und da werden einem die Dinge in den Blick gerückt, die sich eben nicht geändert hat, die Dummheit und der Rassismus, mit denen Menschen anderer Hautfarbe begegnet wurde und begegnet wird.

Wenn man Ausschnitte aus Sportsendungen der 60er und 70er Jahre anschaut, dann ist man unwillkürlich entsetzt, über die Blödheit und unverfrorene Gönnerhaftigkeit, mit der damalige Spitzenjournalisten den Spielern mit schwarzer Hautfarbe begegnet sind. War das wirklich so schlimm? Ja, das war so schlimm, der Film zeigt’s einem in aller Deutlichkeit. Und es ist heute noch schlimm, man muss sich schämen, was Menschen in diesem Land nicht nur von den Stadiontribünen runterrufen, sondern wie Menschen mit anderer Hautfarbe im Alltag behandelt werden. Wenn Gerald Asamoah erzählt, wie er seinem eigenen Sohn rassistische Beschimpfungen erklären musste, mit denen der gerade von einem anderen Spielervater während eines Jugendspiels bedacht worden war, wird einem ganz anders.

Was diesen Film so eindringlich macht, ist die Nachdenklichkeit, mit der die 14 Spielerinnen und Spieler ihre Karrieren noch einmal Revue passieren lassen und bewerten. Da ist kein Raum für larmoyantes Gejammer oder Anklagen an „die Gesellschaft“, da wird emotional und doch nüchtern erzählt, was war und was ist. Der große Held des Films ist Erwin Kostedde, der erste Spieler schwarzer Hautfarbe, der es zum Nationalspieler gebracht hat. Was hat dieser Mann alles erleben müssen, was hat der für eine Last geschultert! Und trotzdem spricht er, trotz aller verständlichen Bitternis, mit einer großen, freundlichen Zärtlichkeit über den Fußballsport. Wie überhaupt alle Akteure nicht nur von den dunklen Seiten des Fußballs erzählen, sondern auch von der großen Kraft, mit der dieser Sport Menschen zueinander bringen und miteinander versöhnen kann.

„Schwarze Adler“ ist ein großer, ein wichtiger Film, der einen nachdenklich und wütend macht, gleichzeitig aber auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft weckt. Für Menschen, die sich für Fußball interessieren, ist er schlichtweg ein Muss. Ich hab lange nicht so etwas Beeindruckendes gesehen. Zur Zeit wird er bei amazon prime im Stream gezeigt, im Juni läuft er im ZDF.