[Männeressen] Wenn man sich mal ordentlich einen pfeffern will: Il Peposo

Rezepte wie das folgende hatten wir hier schon öfters: Durchwachsenes Fleisch, vorzugsweise vom Rind, wird sehr lange bei sehr milder Hitze geschmort, bis sich das Durchwachsene1 in der Schmorflüssigkeit aufgelöst hat. Das gibt butterzartes Fleisch und eine sensationelle, kräftige Sauce. So weit, so nix neues, aber dieses Traditions-Rezept aus der Toscana hat eine Besonderheit: Wie der Name „Il Peposo“ schon sagt: Hier wird sich ordentlich einer gepfeffert. Das ist zwar immer noch Lichtjahre von der Schärfe gewisser asiatischer Gerichte entfernt, doch man muss eine gewisse Schärfe schon mögen und abkönnen, um die wunderbare Aromatik dieses ansonsten sehr einfachen Schmorgerichts, das sich quasi von alleine kocht, genießen zu können. weiterlesen…

[Männeressen] Das Beste aus Resten: Rotkohlsalat

Manchmal hat man ja Glück: da haut man auf die Schnelle was aus Resten, „die weg müssen“ zusammen, und das Ergebnis ist so gut, dass man die Reste nachkaufen muss. Um es nochmal zu kochen. Und dann nochmal, bis es dann im Standardrepertoire gelandet ist. So ist es mir mit diesem Rotkohlsalat gegangen, den ich mal improvisiert hab, als von der Weihnachtsgans-Beilage Rotkohl übrig geblieben war. Außerdem hatte ich noch ein bisschen Hokkaido und ein paar Champignons im Vorrat und Bock auf ein KüBi1. Und da ich kein KüBi trinken amg, ohne zu kochen, hab ich eben einen schnellen Rotkohlsalat gemacht. Der rest war dann – siehe oben – Küchengeschichte. weiterlesen…

[Männeressen] Die volle Wucht aus dem Périgord – Pommes de Terres Sarladaises

Vor ein paar Wochen bin ich zufällig an Martin Walkers Krimis mit Bruno, Chef de Police geraten und hab mich in ihnen festgelesen. Ich fress gerade einen nach dem anderen weg. Was wörtlich zu nehmen ist, den ich les die erst in zweiter Linie wegen der Krimi-Handlung. Zuallererst ist olle Bruno nämlich ein typisch französischer Lebenskünstler, und da er im Périgord lebt und Verbrecher fängt, einer der kulinarisch attraktivsten Regionen Frankreichs, gibt’s bei Bruno immer gut zu essen und gut zu trinken. Ich glaub, nur von Wolfram Siebeck hab ich mehr über die französische Küche gelernt als von Bruno. Von dem gibt’s auch ein Kochbuch, das ich mir letzte Woche zugelegt habe. Und das erste, was ich draus gekocht haben, waren „Pommes de Terres a la Sarladaises“, eins der berühmtesten Gerichte im Périgord. Im Prinzip sind das ja nur Bratkartoffeln, aber wer zu diesem Essen „Bratkartoffeln“ sagt, für den ist auch ein Ferrari „nur ein Auto“. weiterlesen…

[Männeressen] Der Charme der Kindheit: Krautshäuptchen

Es gibt so Lieblingsessen, die aus vollem Halse „Kindheit! Heimat! Wohlfühlen!“ schreien, wenn sie vor einen hingestellt werden. Bei mir sind das die Krautshäuptchen, eine wunderbare Deftigkeit, die in der nordhessischen Ecke, in der ich aufgewachsen bin, des öfteren auf den Tisch kommt. Krautshäuptchen ist ein im Prinzip sehr einfacher Auflauf aus Weißkohl und Hackfleisch, der am Besten mit mehligen Kartoffeln (Bratkartoffeln, wie auf dem Foto links, gehen natürlich auch, Bratkartoffeln gehen immer) und ’ner schönen Senfsauce schmeckt. Beim Kochen kann praktisch nichts schiefgehen, Krautshäuptchen ist eins der idiotensichersten Gerichte, die ich kenne. Also genau das Richtige für mich. weiterlesen…

[Männeressen] Karnickelkeulen mit Pilzsauce

Ich ess gern Karnickel. Nicht unbedingt wegen des Geschmacks des Viechs, der ist meist eher zurückhaltend, wohlwollend gesagt. Aber Karnickel macht – ohne dass man sich als traditionell fauler Koch groß anstrengen müsste – eine Super-Sauce. Keine Ahnung, woran das liegt, aber es ist so: Wenn du Karnickel schmorst, dann wird in der Schmorflüssigkeit irgendein Aroma-Turbo gezündet, so dass die Papillen-Post abgeht. Bei diesem Rezept kommen noch getrocknete Steinpilze (und noch so’n bisschen dies und das) hinzu, wenn ihr also – wie ich – Saucen-Freaks seid, gibt’s kein Vertun: gehen wir kochen! weiterlesen…

[Männeressen] Da biste platt, wa?

Lecker Brathühnchen ist eine feine Sache. Saftiges Hühnerfleisch, knusprige Haut – Supersache. Wenn’s da nicht zwei grundlegende Probleme gäbe:
1. Die Menge der Haut: richtig knusprig ist die beim im Ofen geschobenen Huhn nur auf der Brust und auf den Oberseiten der Keulen. An den Seiten ist sie schon deutlich weniger braun und knusprig, und unten ist Sense: lappiger Schlabber, bäh.
2. Die Bratzeit: Vor allen Dingen, wenn man einen großen Kawenzmann in den Ofen schiebt, ist Warten angesagt: Anderthalb Stunden oder sogar mehr kann’s dauern, bis das Keulenfleisch gar ist. Da hat man vor lauter Hunger schon zwei Chipstüten gekillt, und das Brustfleisch ist wegen der überlangen Garzeit furztrocken geworden.
Die Lösung für das Hühnerproblem ist einfach: Ihr müsst das Huhn plattmachen, bevor ihr es in den Ofen schiebt. weiterlesen…

[Klartext] Der Name der Sauce

Wenn die eigene geistige und seelische Ausgeglichenheit davon abhängt, wie eine Fertigsauce heißt, wird’s bedenklich. Richtig gehend gefährlich ist es, sich solches Zeugs über ein Schnitzel zu kippen. Welchen Sinn hat der Aufwand, den man treibt, um eine knusprige Panade hinzubekommen, wenn man die gleich wieder mit irgendwelchem (meist zu süßem) Pappzeugs aufweicht? Wer sowas tut, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

[Männeressen] Parmigiana – Italiens Königin

Parmigiana auf dem Teller

Wenn’s nicht gerade um Fußball geht1, mag ich Italien. Sehr. Vor allen Dingen italienischen Wein und die italienische Küche. Italienische Gerichte ess ich gern, und die koch ich auch gern, weil mir der einfache, aufs Wesentliche reduzierte Stil sehr zusagt. Und wenn ich nach meinem italienischen Lieblingsgericht gefragt werde, muss ich nicht lange nachdenken: das ist die Parmigiana2, also ein Auflauf aus Auberginen, Tomatensauce und Käse. Hört sich vegetarisch an? Das könnte daran liegen, dass es vegetarisch ist. Aber keine Bange: Da die Endfertigung der Parmigiana im Backofen stattfindet, hat man ja Gelegenheit, gleichzeitig auf dem Herd lecker Bistecca zu braten. Der hungrige Unerschrockene macht gleich Bistecca Fiorentina, also Medium Rare gebratenes T-Bone-Steak. Aber erstmal machen wir die Parmigiana. weiterlesen…

[Küchentipp] Lasst die Zwiebeln weg!

Es ist ungefähr ein Jahr her, dass ich meinen letzten Beutel Zwiebel gekauft habe. Der war – wie immer – nach ein paar Tagen alle, und seitdem ich den leeren Beutel in den Mülleimer befördert habe, hat sich das Essen, was ich tagtäglich zusammenkoche, entscheidend verbessert.

Wie? Was? Wie soll das gehen, Essenmachen ohne Zwiebeln? Was kommt als nächstes, Kochen ohne KüBi1? Nein, keine Sorge, beim Betreten meiner Küche mache ich nach wie vor halbautomatisch ein KüBi auf, und selbstverständlich mache ich noch Zwiebeln ans Essen. Geht ja nicht Ohne. Zwiebeln geben Geschmack, Körper, Bindung, Zwiebeln gehören in (fast) jedes Gericht. Es muss nur nicht mehr die hundsordinäre deutsche Speisezwiebel sein. Denn deren Qualität hat – das ist meine Erfahrung – in den letzten Jahren dramatisch nachgelassen.

Zwiebeln aus dem Supermarkt oder gar vom Discounter hab ich schon länger nicht mehr gekauft. Meist war die Hälfte des Beutelinhalts schon halb vergammelt, und die lose Ware, die man angeboten bekam, war auch nicht das Gelbe vom Ei: seifiger Geruch, penetranter. muffiger Geschmack… sowas hab ich nur sehr ungern ans Essen getan, und mittlerweile sind die Speisezwiebeln, die ich auf dem Markt angeboten bekomme, auch nicht viel besser. Weiß der Teufel, was die ZWiebel-Anbauer sich denken. Dass die Leute eh jeden Scheiß kaufen, egal wie er riecht und schmeckt.

Dabei geht es anders, und zwar ohne großen Aufwand. Wo ich früher „normale“ Zwiebeln genommen habe, nehm ich jetzt rote Zwiebeln. Frühlingszwiebeln. Oder Schalotten. Schon das Handling macht einen enormen Unterscheid. Rote Zwiebeln und Schalotten lassen sich deutlich einfacher pellen als die normale Ware, auch der vollreife Glitsch, mit dem sich die gealterte Zwiebel meinem Messer gern entziehen wollte, kommt bei Schalotten und roten Exemplaren nicht vor, und Frühlingszwiebeln müssen sowieso nur gewaschen und gescheibelt werden.

Geschmacklich ist’s sowieso besser: meine drei Ersatz-Zwiebeln schmecken grundätzlich feiner, delikater und edler als die, die ich nicht mehr kaufe. Okay, ich muss ein paar Cents mehr auf den Tisch des Händlers legen. Mach ich aber gern. Lohnt sich. Was denkt ihr?

Küchentipp: Eis-Tuning

Foto: Christian Kadluba, Creative Commons CC BY-SA 2.0

So ein Eis im Sommer ist immer was Feines. Es ist schön kühl (der Sommer besinnt sich ja hoffentlich noch und sorgt endlich für der Jahreszeit angemessene Temperaturen), schmeckt – wenn man sich ein gescheites Eis gönnt – ganz ausgezeichnet und ist leicht und kalorienarm. Okay, eine der letzten drei Äußerungen war gelogen, wer kriegt’s raus? Super ist es natürlich, wenn man in der Nähe einer Eisdiele ist, wenn man Bock auf das Schleckzeug bekommt. Da kann man unter zahlreichen – manchmal echt abgefahrenen – Sorten auswählen, eisige Langeweile kommt nicht auf. Was macht man aber, wenn man Zuhause, vielleicht abends vor dem Fernseher, eisigen Bock bekommt, die nächste Eisdiele weit und das Eis im Tiefkühler nur schnödes, langweiliges Vanille-Eis ist. Kein Problem, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit habt ihr ein Tuning-Mittel zu Hause, um aus dem vanilligen Langeweiler eine Aromabombe zu machen. weiterlesen…