[Tipp der Woche] Verstümmelt, aber sehenswert – die Mutter aller Schlachtenepen: John Woos „Red Cliff“

Wenn etwas aus der Mode gekommen ist, dann ist das der Monumentalfilm, also in jeder Hinsicht überdimensionierte Filme, die vor allen Dingen mit enormen Schauwerten das Publikum ins Kino locken wollen. Das Genre hatte seine Höhepunkte in den 50ern und 60ern, seitdem wird der Monumentalfilm nur noch sporadisch bedient, bzw. wenn Peter Jackson mal wieder so richtig auf die Kacke hauen will, dann bekommen wir wieder einen zu sehen, meistens als Trilogie. Ansonsten gilt der Monumentalfilm hierzulande als infantil, als cineastisch dubios, als potenzielles Kassengift. Was zur Folge hatte, das ein absolutes Meisterwerk des Genres, John Woos fantastisches „Red Cliff“ hierzulande nur in einer grotesk verstümmelten Version anzuschauen war. Der Film, der sich um eine der bedeutendsten Schlachten der chinesischen Geschichte aus dem Jahr 208 n. Chr. dreht, dauert satte 7 Stunden(!) und kam in Asien in zwei Teilen in die Kinos. Hierzulande hat man erst gar nicht versucht, ihn in die Kinos zu bringen, sondern ihn stattdessen in einer extrem zusammengeschnittenen Fassung auf DVD und Blu-ray rausgehauen. Was verdammt schade ist.

Mal abgesehen von der grundsätzlichen Überlegung, ob derartige cineastische Kraftakte noch zeitgemäß sind: das ist großes, klassisches Kino mit einer absolut exquisiten Bildkomposition, stellenweiser genialer Kampfchoreographie im Großen wie im Kleinen und – in der langen Fassung – ein ständiger, souveräner Wechsel zwischen betäubenden Action-Szenen und ruhigen, kontemplativen Sequenzen. „Red Cliff“ ist ein Meisterwerk des konservativen Kinos, punktum.

Die gekürzte Fassung läuft in der Nacht von Freitag auf Samstag um 2:30 Uhr auf ProSieben. Ich empfehle jedem, der den Film noch nicht kennt, wachzubleiben bzw. den Festplattenrecorder entsprechend zu timen. Schaut eine halbe Stunde rein, wenn ihr dann nicht sofort die ungekürzte Fassung auf Disc ordert, weiß ich auch nicht. Großes, monumentales(!) Kino!

[Tipp der Woche] Endlich wieder Spocht!

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Ob’s nun der Sommer war, der die Inzidenzen runter getrieben haben, oder ob es irgendwelche Maßnahmen waren oder ob das Virus einfach mal ’ne Pause braucht ist letztlich wurscht. Hauptsache, man kann sich wieder dem normalen, lebenswerten Leben etwas annähern, und das bedeutet für simpel gestrickte Männer wie mich auch: Sport gucken., Okay, das konnte man auch während des Lockdowns vom Sofa aus, aber zum Sportgucken gehören ja immer zwei Dinge. Einmal der Typ, der auf dem Sofa hockt1 und ein großartiges Sportereignis, das sich anzuschauen lohnt. Von zweiterem haben wir diese Woche tatsächlich zwei: die zweite Woche der French Open steht im Tennis an, und die Fußball-Europameisterschaft startet am Freitag.

Die French Open in Roland Garros werden ja bekanntlich auf Sand gespielt, und Sand sorgt – meiner bescheidenen, von mehreren Jahrzehnten Amateur-Tennis geprägten Meinung nach – für das schönste, variantenreichste Tennis. Weil es wegen des langsameren Untergrunds weniger auf Athletik und mehr auf Ideenreichtum beim Spielen ankommt. Eurosport überträgt, wie gewohnt.

Am Freitag, zwei Tage vor dem Tennis-Finale, startet dann die EM mit dem Eröffnungsspiel Türkei-Italien. Da hab ich noch leise Schwierigkeiten, mich emotional zu positionieren, auf den gleichen Emotionalitäts- und Begeisterungslevel zu kommen, den ihr sonst von mir gewohnt bleibt. Der durch das miese Abschneiden unserer Nationalmannschaft verursachte Kater hält noch an, aber ich hoffe, dass sich das im Turnierverlauf gibt. Natürlich werden wir hier im Blog das Turnier wieder begleiten, jedoch nicht so umfangreich, wie wir das bei den letzten Turnieren gemacht haben. Ich werde mich nicht täglich melden, sondern alle zwei, drei Tage eine Art Turniertagebuch schreiben, mal sehen, wie sich das entwickelt. Am Freitag könnt ihr die erste Folge lesen.

Was sich nicht geändert hat: Wir veranstalten wieder ein Tippspiel zu EM, ich hab es vor ein paar Tagen ja schon angekündigt, in dem entsprechenden Post findet ihr alle Details. Wenn ihr noch nicht dabei seid, überlegt bitte, ob ihr einsteigen wollt. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos, die Konkurrenz knallhart, das Fachwissen groß und die Preise einmalig. Hier geht’s lang.

[Witz] Der Minister auf dem Dorf

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Es ist Wahlkampf, Jens Spahn besucht ein Dorf in seinem Wahlkreis. Dabei lässt er sich vom Bürgermeister des Orts erklären, wo hier der Schuh drückt. „Tja“, sagt der Bürgermeister, wir haben hier zwei große Probleme. Zum einen fehlt hier im Dorfspital dringend ein Arzt…“
„Moment!“, sagt Spahn, greift zu seinem Handy und redet mit gedämpfter Stimme hinein. Dann legt er auf und sagt: „So, dass mit dem Arzt hab ich geregelt, morgen sollte Ihr neuer Dorfarzt hier eintreffen. Und was ist das wzeite Problem?“
„Dass wir hier wirklich null Mobilfunkempfang haben.“

 

[Tipp der Woche] Wut macht erfinderisch – „Ich, Daniel Blake“ im TV

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Video-Link: https://youtu.be/Y0oGoVn49VQ

Wir Freunde von Robert Hill sind privilegiert: einmal pro Woche bekommen wir eine Mail von ihm, in der er die besten Filme, die in den kommenden Tagen im TV laufen, auflistet und mit kurzen, persönlichen Bemerkungen versieht. Das hilft ungemein, keinen guten Film zu verpassen, und für mich sind Roberts Mails unverzichtbar, wenn ich die Wochen- und Tagestipps für dieses Blogs recherchiere. In seiner Mail für diese Woche zum Beispiel hat Robert auf Ken Loachs „Ich, Daniel Blake“ hingewiesen, der am Mittwoch um 20 Uhr t5 auf arte läuft, und „Pflichtprogramm für alle!“ daneben geschrieben. Robert liegt damit goldrichtig: „Ich, Daniel Blake“ ist einer der anrührendsten, komischsten, bewegendsten Filme der letzten Jahre.
Daniel Blake ist ein 59jähriger Tischler, der sich gerade von einem Herzinfarkt erholt. Er ist auf Unterstützung durch das britische Sozialsystem angewiesen, und gerät dabei in ein Mittelding zwischen kafkaeskem Alptraum und Beamten-Schwank. Auf seinem langen Marsch durch die bizarrsten Winkel der Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe freundet er sich mit der alleinerziehenden Mutter Katie an. Die beiden helfen sich gegenseitig mit Menschlichkeit und staubtrockenem Humor, nicht den Mut zu verlieren und aufzugeben. Das ist stellenweise zum Schreien komisch, stellenweise sehr berührend und immer zutiefst menschlich: „Ich, Daniel Blake“ ist ein faszinierender, sehr unterhaltsamer Film, der einen, wenn man will, zum Nachdenken bringt: Kino abseits des Blockbusterkram,s Kino, wie es sein soll.

Das männliche Zitat der Woche: Mesut Özil (XIIC)

Foto: Anish Morarji from St Albans, England, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

„Kinder träumen davon, die Weltmeisterschaft zu gewinnen oder die Champions League – nicht irgendeine Super League. Zur Faszination großer Spiele gehört, dass sie nur ein- oder zweimal im Jahr stattfinden, nicht jede Woche. Das (mit der Super League) ist sehr schwer zu verstehen für all die Fans da draußen…“

Mesut Özil auf Twitter

[Tipp der Woche] Murot macht Urlaub – neuer Tukur-Tatort am Sonntag

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Video-Link: https://youtu.be/jFFnuXVlvAM

Als das losging mit den Tatorts, in den Ulrich Tukur Den Kommissar Murot spielte, konnte ich danmit überhaupt nichts anfangen. Bei den ersten, in denen er die ganze Zeit mit seinem Gehirntumor konferierte, hab ich nach ’ner Weile entnervt weggezappt, später hab ich gleich was anderes geguckt am Sonntagabend. Das änderte sich mit „Im Schmerz geboren“, für mich der beste Tatort aller Zeiten. Mit einem Schlag war ich Murot-Fan (Tukur-Fan war ich schon, brillanter Schauspieler, wacher Geist, sympathischer Mann), und auch die letzten Murot-Fälle, in denen Klassiker der Kino-Popkultur verwurstet wurden (Murot und das Murmeltier, Angriff auf Wache 08) fand ich brillant. Auch im Tatort am kommenden Sonntag wird ein Kino-Klassiker durch die Murot-Mühle gedreht, der Titel – „Die Ferien des Monsieur Murot“ sagt alles, diesmal knöpfgt sich Ulrich Tukor Jacques Tati, den großen Perfektionisten des Komik-Kinos, vor. Der Plot? Murot macht Urlaub und lernt dort einen Mann kennen, der genauso aussieht, wie er selbst, einen Doppelgänger. Der wird ermordet, aber es wird deutlich, dass eigentlich Murot ermordet werden sollte. Murot nimmt die Rolle des Toten an und begibt sich auf eine mit Jacques-Tati-Zitaten gespickte Mörderjagd. Ich hab mich lange nicht mehr so auf einen Tatort gefreut wie auf den.

[Klartext] Die Wellenbrecher-Chance

Peggychoucair / Pixabay

Als dieses merkwürdige Nicht-Staatsorgan von Ministerpräsidenten-und-Kanzlerin-Konferenz, das von unserer Verfassung gar nicht vorgesehen ist, gestern den neuen Lockdown verkündet hat, hätte ich mich beinahe geärgert. Paar Sachen sind ja richtig, aber einiges ist ziemlich dämlich und ein paar ganz wichtige Sachen haben sie vergessen – aber nach ein paar Stunden wütendem Vormichhingrummeln fiel mir auf: Adrenalinverschwendung. Kanzlerin hin, Ministerpräsident her, das sind arme Würstchen, die im dunklen Wald pfeifen und irgendwie versuchen, die unschöne Lage in den Griff zu bekommen, mehr nicht. Weil sie die Stellschräubchen nicht finden, mit denen die Maschine am Laufen gehalten werden kann, ohne Schaden zu nehmen, schalten sie die Maschine eben ab. Bevor sie Schaden anrichtet, der nicht wieder gut zu machen ist. Muss man vielleicht so machen, denn die Stellschräubchen kennt weltweit wohl derzeit niemand. Dann hoffen wir mal, dass der Schaden wiedergutzumachen ist, der durch den Stillstand der Maschine entsteht. weiterlesen…

No Wayne!

Der Flughafen von Orange County in Kalifornien ist nach John Wayne benannt. Doch jetzt soll der „John Wayne Airport“ nicht mehr so heißen, weil John Wayne ein übler Rassist gewesen ist. Als Beleg für diese Behauptung dient ein Playboy-Interview aus dem Jahr 1971, in dem Wayne – neben allerlei anderen Unfugs – erklärt hatte, dass er weiße Vorherrschaft ganz okay findet. So eine Äußerung ist natürlich ziemlich übel. Da bin ich dann auch dafür, dass der Flughafen nicht mehr nach ihm benannt wird.

Doch nach wem soll man den Flughafen dann benennen? Ich hab da einen Vorschlag. Es gibt einen John-Ford-Western, „Der schwarze Falke“ (The Searchers) in dem der Protagonist ein moralisch zweifelhafter, rassistischer Indianerhasser, am Ende eine bemerkenswerte Wandlung durchmacht und seine Nichte Debbie, die zur Indianerin geworden ist, nicht, wie alle es befürchten, tötet, sondern sie mit nach Hause bringt. Das ist eine der bemerkenswertesten Szenen des Weltfilms, wunderbar gespielt von einem Mann, den man für einen limitierten Schauspieler hielt, und der dann doch mal den Oscar gewonnen hat.

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Video-Link: https://youtu.be/IC-u2-aQXS4

Mit diesem trockenen „Let’s go home, Debbie“ haben sich Wayne und Ford ganz klar menschlich und antirassistisch positioniert, und ihre Botschaft hat Millionen Menschen auf der ganzen Welt erreicht. Wir sollten die herausragende Arbeit eines Schauspielers würdigen, nicht denn Unsinn, den er irgendwann mal irgendeiner Zeitschrift erzählt hat. Deshalb bin ich der Ansicht, dass der „John Wayne Airport“ von Orange County unbedingt in „John Wayne Airport“ umbenannt werden sollte.