Dicke Wagen

Papa pennt im Kinderwagen

So groß, dass sogar Papa reinpasst

Davon träumen Militärs: von einem einfachen, wendigen, von einer Person zu steuerndes Gefährt, dessen bloße Anwesenheit im Nahkampf eine gegnerische Kompanie durch Einschränkung der Bewegungsfreiheit beinahe komplett lahmlegen kann. Die Rede ist selbstverständlich von einem modernen Kinderwagen, über dessen massives militärisches Potential man sich in Berliner Doppeldeckerbussen ein Bild machen kann. Wenn einer (oder gar zwei!) dieser Panzerspähwagen mit einsitzendem Kleinkind mittig in den Bus gewuchtet werden, sind die restlichen Passagiere zur Immobilität verdammt, dann gibt‘s im Wagen weder vor noch zurück bis Mutter, Kind und fahrbarer Untersatz den Bus wieder verlassen haben. Warum um Himmelswillen erreichen diese Kinderwagen mittlerweile schon beinahe die Größe eines Smart?
Die Antwort ist einfach: Weil die Passagiere dieser Wagen immer größer werden. Nicht etwa, weil die Kinder heutzutage so viel größer sind als früher, sie werden einfach länger in ihren Aufklärungsfahrzeugen durch die Weltgeschichte geschoben.
Ein Beispiel: eins der größten Vergnügen meiner Kleinkinderzeit muss es gewesen sein, auf den Schultern meines Vaters durch die Gegend getragen zu werden. Mein Vater war ein 1,92m großer Hüne, der Ausblick muss fantastisch gewesen sein, und die Geschwindigkeit, mit der er mich mit seinen Sieben-Meilen-Schritten getragen hat, war für mich kleinen Jungen sicherlich atemberaubend.
Wie es wirklich war, kann ich nur vermuten, denn ich erinnere mich nicht. Lediglich ein paar alte Fotos zeigen mich auf seinen Schultern sitzend, wie ich mich fröhlich grinsend an seinen Haaren festklammere. Ich kann mich nicht daran erinnern, weil mit Kinderwagen und Auf-den-Schultern-Reiten Schluss war, als ich Laufen gelernt hatte. Ab diesem Zeitpunkt war ich für mein irdisches Fortkommen allein verantwortlich.
Heute scheint es anders zu sein, denn die Kinder, die ich in den von ächzenden Müttern durch die Gegend gewuchteten Ungetümen erblicke sind oft so groß, dass man „Können die noch nicht alleine laufen?“ fragen möchte.
Und wenn man sich das Fragen doch mal traut, kommt‘s: „Ja, klar, aber der braucht so lange. Wenn‘s schnell gehen muss, setzen wir ihn in den Buggy, das spart unglaublich Zeit.“
Nun ja, hätte man mir seinerzeit eine derartige Möglichkeit offeriert, wäre ich gar nicht aus dem Buggy herausgekommen. Ist doch viel besser, komfortabel durch die Welt kutschiert zu werden, als mühsam dieses unpraktische Gehen zu erlernen. Dann stell ich mich doch extra ungeschickt an, fall ein paar Mal hin, blöke laut los, bis Mama und Papa die Geduld verlieren und mich in den bequemen Kinderwagen setzen, ab geht die Post!
Und wer jetzt meint, das macht doch nix, wenn man die lieben Kleinen ein Weilchen länger herumkutschiert als früher, der soll sich gern einmal mit meinem Freund Andreas unterhalten. Andreas ist Tennistrainer und muss seit ein paar Jahren etwas machen, dass er vorher noch nie gemacht hat: Er muss mit kleinen Kindern, die zu uns in den Tennisclub kommen, um diesen Sport zu erlernen, rückwärts Laufen üben. Bis vor ein paar Jahren hatten die Kinder das beim Laufen lernen und Herumtoben von allein gelernt. Als die Kinderwagen noch kleiner waren.
Otto Rehagel pflegt junge Spieler davor zu warnen, sich zu früh in dicke Wagen zu setzen: „Wenn Sie jetzt schon mit dem Porsche ankommen, was wollen Sie denn fahren, wenn Sie fünfzig sind?“ Wenigstens hier hat Rehagel recht: Es ist nicht gut, in einen dicken Wagen hineingesetzt zu werden. Es ist viel besser, wenn man ihn sich in fortgeschrittenem Alter verdient.

Foto by Yoav Dothan (self taken) [Public domain], via Wikimedia Commons

Überleben im Dschungel der Großstadt: Bei Pimkie auf dem Sofa

schmelzende Uhren

Bei Pimkie zieht sich's hin

Pimkie hat ein Sofa.

Dieses Sofa ist für Männer, erschöpft und ausgezehrt von einer Odysee durch Promod, Xanaka, New Yorker und S.Oliver. Männer, die dort aber nur sitzen und stoisch starren, weil sie natürlich alle die Playstation Portable vergessen haben. Ein langes Warten – unterbrochen nur von gelegentlichen Diensten als lebender Kleiderbügel – hin und her geschickt zwischen Umkleidekabine und den Oberteilen zunächst in Größe 34, dann 36, 38, später 60.

Da sitzt Oliver, der den Nachmittag mit den Kumpels in der Hertha-Kneipe absagen musste, da der als romantisch verklärte Einkaufsbummel mit gemeinsamen Eisessen statt einer nun schon glatte fünf Stunden dauert – ohne Ansatz von Eis – und der vor lauter Langeweile die Zierlöcher in der Deckenverkleidung zählt – es sind 4856.

Neben ihm lümmelt Thorsten, der mit einem Besuch in der Daddelecke von Medimax geködert wurde und der nun langsam beginnt zu realisieren, dass daraus heute nichts mehr werden wird, weil er hier erst rauskommt wenn um 19:40 Uhr Gute Zeiten – Schlechte Zeiten anfängt. Thorsten zählt seit acht Stunden die attraktiven Kundinnen bei Pimkie – er ist noch deutlich einstellig.

Und hier sitzt Andreas, an dessen ritterliche Ehre appelliert wurde – sollte er doch auf dem weißen Schimmel den Jahresvorrat Always Ultra Long Plus von Rossmann nach Hause reiten – und der sich stattdessen seit sechs Stunden auf dem Sofa bei Pimkie wiederfindet – mit der Jahrespackung Always Ultra Long Plus in der Hand und einem iPhone, dem vor vier Stunden nach zwei Spielstunden Winter Games der Akku leer lief.

Paul hingegen versucht immer noch verzweifelt, sein zappeliges ADS-Kind zu beruhigen, seine Partnerin hat er seit Tagen nicht mehr gesehen, sie verschwand irgendwann zwischen Spaghettiträgern, Leggins und diesen hässlichen aufgeplusterten Lackjacken für Mandys und Chantalles, die es irgendwie aus dem Plattenbau nach Prenzlauer Berg geschafft haben. Paul schwitzt sehr und sieht schon desillusioniert dem Schicksal seines neben ihm sitzenden Leidensgenossen entgegen:

Dem Skelett.

Dieses Skelett ist schon sehr lange hier – quasi ein Pimkie-Veteran. Es trägt Vollbart, Baggy Pants und G-Star Sneakers aus dem letzten Jahrzehnt und stinkt auch seit einigen Monaten nicht mehr, in der verknöcherten Hand hält es noch ein BenQ-Handy, auf dem allerdings schon lange kein Tetris mehr läuft. Die Maden sind auch schon seit vielen Monden zu Mango weitergezogen, wo auf einem der sehr unbequemen Hocker ein neuer Vergessener verwest.

Und so warten sie alle darauf, dass sie irgendwann abgeholt werden oder auf dem Sofa bei Pimkie zu Staub zerfallen.

In der Serie “Überleben im Dschungel der Großstadt” begibt sich mike-o-rama für uns in die Wildnis Berlins und testet ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit Imbiss-Buden, Fast-Food-Restaurants, Supermärkte und Orte, die nie ein zurechnungsfähiger Mensch gesehen hat. Seine Berichte erscheinen auch auf dem Bewertungsportal qype.de.

Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Der erste Hippie

Cover des ersten Tarzan-Romans

Mein Bruder ist wegen Tarzan von der Schule geflogen. Er hat im Biologie-Unterricht heimlich einen Tarzan-Comic gelesen. Dabei wurde er von Dr. Z., dem Biologie-Lehrer ertappt, der das Heft natürlich sofort konfiszierte. Während Dr. Z. dann – mit sich und der Welt sehr zufrieden – weiter über irgendeinen biologischen Quatsch daher schwadronierte, nahm mein Bruder ein neues Heft aus der Schultasche und vertiefte sich wieder in die unglaublich spannenden Abenteuer Lord Greystokes, den man im Dschungel Tarzan nannte. Der Comic muss sehr spannend gewesen sein, denn er war von seiner Lektüre so gefesselt, dass er nicht merkte, wie Dr. Z. sich ihm ein zweites Mal näherte. Und weg war das nächste Tarzan-Heft. Mein Bruder nahm es mit Gelassenheit: er war grundsätzlich auf alles vorbereitet und hatte immer ausreichend Lesestoff dabei. Also holte er das nächste Tarzan-Heft aus seiner Schultasche, vertiefte sich in die Lektüre, und… als Dr. Z. ihm das dritte Tarzan-Heft wegnahm, durfte Thomas ihn auch gleich zum Direktor der Lehranstalt begleiten…
Soviel Aufregung um ein paar Tarzan-Hefte ist heutzutage einigermaßen erstaunlich. Zwar galten damals, in den fünfziger Jahren, Comics („Heftromane“) per se als „Schund“, der die Jugend verdirbt, aber Tarzan war das schlimmste, was man sich vorstellen konnte. So schlimm, dass die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die Tarzan-Hefte „Tarzan – Der Riese aus grauer Vorzeit“ und „Tarzan – Der Urwald brennt“ am 9 Juli 1954 als erste Comics überhaupt auf den Index setzte. Es handele sich um Schriften, die auf Jugendliche „nervenaufpeitschend und verrohend wirken“ und die sie „in eine unwirkliche Lügenwelt versetzten“, so das Urteil, „derartige Darstellungen seien das Ergebnis einer entarteten Phantasie“ (lt. sueddeutsche.de).
Naja, gut, „unwirkliche Lügenwelt“ kommt irgendwie hin, aber „entartete Phantasie“ geht gar nicht. Schließlich war Tarzans Erfinder, Edgar Rice Burroughs, Science-Fiction-Autor, was sag ich, er war einer der Gründerväter der modernen Science Fiction, der heute noch in den USA als Klassiker der utopischen Literatur geht. Und die Tarzan-Reihe war seine erfolgreichste Kreation, ein enorm populärer Welterfolg von zuvor nicht gekannten Dimensionen, denn Tarzan verließ bald die Buchdeckel und eroberte sein Publikum in den verschiedensten Medien.
Bereits 1918, sechs Jahre nach dem Erscheinen der ersten Tarzan-Geschichte, kam der erste Tarzan-Film heraus, an die hundert weitere sollten folgen. Im Radio wurden Hörspiele gesendet, am 7. Januar 1929, heute vor 82 Jahren, erschien der erste Tarzan-Comic, gezeichnet von Hal Foster, der später mit Prinz Eisenherz in den Comic-Olymp einziehen sollte, vor ein paar Jahren schaffte es der König des Dschungels sogar auf die Musical-Bühne… kein anderer Pop-Mythos hat die Menschen über Generationen hinweg immer wieder so fasziniert wie Tarzan.
Mit Tarzan hatte Burroughs den Urvater aller Superhelden geschaffen: einen von Affen aufgezogenen Mensch, der gleichzeitig zivilisiert und wild, freundlich und rücksichtslos, vernunft- und instinktgesteuert ist. Zwei Seelen kämpfen in ihm und zwingen ihn – bei allen übermenschlichen Taten, die er vollbringt – zur ständigen Selbstreflexion. Das ist das Material, aus dem man Figuren schafft, die den Leser damals wie heute fesseln, vom Jugendlichen bis zum Erwachsenen.
Was damals die Jugendschützer jedoch auf den Plan rief, das war Tarzans Lebensweise. Der Mann hatte die gesellschaftlichen Schranken hinter sich gelassen, lebte in einem (Baum-) Haus, das er nicht bezahlt hatte, bevorzugte rhythmische, von Trommeln dominierte Musik, trug die Haare lang, pflegte eine „Zurück-zur-Natur“-Lebensweise und ließ sich von niemandem etwas sagen… Richtig, Edgar Rice Burroughs hat mit Tarzan den ersten Hippie geschaffen, und eine solche Figur musste in den sittenstrengen, verklemmten Fünfziger Jahren Misstrauen erregen.
Und doch hatten die Jugendschützer recht. Tarzan hatte mit seiner frechen Ablehnung jeglicher Autorität einen schädlichen Einfluss auf die heranwachsende Jugend, wie man am Beispiel meines Bruders sieht. Dem wurde im Büro des Schuldirektors eine goldene Brücke gebaut, er brauchte sich nur zu entschuldigen, dann würde man es bei einer Androhung des Verweises von der Anstalt belassen. Mein Bruder nickte, entschuldigte sich halbherzig und fragte dann mit der typischen, rebellischen Arroganz des Dschungelkönigs: „Kann ich jetzt meine Tarzan-Hefte wieder haben?“
Fortan besuchte er das Gymnasium im Nachbarort. Und las Tarzan während der Bahnfahrt dorthin.

Die besten Tarzan-Links:
Die „offizielle“ Tarzan-Seite
Die Welten von Edgar Rice Burroughs
Englische Tarzan-Bücher im Project Gutenberg
Der Tarzan-Schrei in der englischen Wikipedia
Tarzan-Comics in der englischen Wikipedia
Homepage von Burne Hogarth, dem vielleicht bekanntesten Tarzan-Comics-Zeichner
Die Tarzan-Filme (englisch)

Die gefährlichste Jahreszeit

Diät

Diät - Quatsch ohne Sauce

Die gefährlichste aller Jahreszeit beginnt. Die Plätzchenbüchsen sind leergegessen, der Appetit auf deftiges Winteressen ist – vorübergehend – gestillt, die Gedanken beginnen sich langsam auf das in ca. drei Monaten unerbittlich über uns hereinbrechende Frühjahr zu richten, und das bedeutet, dass Ehefrauen („Gattinnen“ heißt das, wenn man zu Guttenberg heißt), Freundinnen, Lebensabschnittsgefährtinnen oder wie man die unverzichtbaren Damen nun mal nennen möchte, langsam beginnen, einen mit noch kritischerem Auge als sonst anzusehen. Dieser Blick ist wohl bekannt, er wird nämlich jährlich geblickt, und jährlich folgt dann der Satz: „Ein paar Pfund weniger würden dir gar nicht schaden …“
Volle Deckung, die Auswahl der Frühjahrsdiät steht an, und spätestens zum Beginn der Fastenzeit wird aus theoretischem Unfug praktischer Quatsch, dann wird man in das neueste Atkins-Glyx-Sonstwas-Diät-Korsett gezwängt, bekommt statt Essen etwas serviert, wo eine Kaninchenfamilie drin schläft und hat trotzdem spätestens nach einem Jahr das alte Kampfgewicht (plus 1 oder 2 Kilo) wieder erreicht.
Denn alle Diäten, die im Wochentakt über die adipöse Gemeinde hereinprasseln, haben eines gemeinsam: sie funktionieren nicht. Wenn man mich fragt, ob in meinem erweiterten Bekanntenkreis jemand mit einer Diät sein Gewicht dauerhaft reduzieren konnte, kann ich – leichten Herzens, schweren Leibes – mit „Nein“ antworten. Kenne keinen, der dieses Kunststück vollbracht hat.
Mit nicht funktionierenden Diäten reich geworden sind hingegen viele. Wer die Zeit übrig hat, der googele mal den Satz „Warum Diäten nicht funktionieren“. Zwei Drittel der Seiten, auf denen Google diesen Satz findet, erklären sehr schön und sehr luzide, warum es nicht funktioniert, preisen aber gleichzeitig irgendwelche Pillen oder Pülverchen an, mit denen es dann trotzdem gehen soll.
Mittlerweile gibt es eine Milliarden umsetzende Diät-Industrie, deren Geschäftsmodell ausschließlich auf dem schlechten Gewissen ihrer meist weiblichen Kundschaft basiert. Da kann die Diät noch so wirkungslos gewesen sein, der Jojo-Effekt so unbarmherzig zuschlagen, wie er will: die Frau, die vorhersehbar an einem nicht funktionierendem Konzept gescheitert ist, gibt unfehlbar sich selbst die Schuld und nicht den Ernährungs-Gangstern, die sie auf diesen Holzweg geführt haben.
Erstaunlicherweise funktioniert diese weibliche Selbstschuldzuweisung ausschließlich beim Thema Diät, bei allen anderen Themen wird sofort der meist vollkommen unbeteiligte Ehemann („Gatte“ bei den zu Guttenbergs), Lebensabschnittsgefährte, Freund, „Bekannter“ als Hauptschuldiger ausgemacht.
Eine Erklärung für dieses Phänomen habe ich – trotz jahrelangen Nachsinnens – nicht gefunden. Ich weiß nur, dass es regelmäßig wiederkehrt. Jetzt, in der gefährlichsten Jahreszeit.

Foto: RainerSturm/pixelio.de

Der Koma-Kater

Die Unschärferelation des Komatrinkers

Ein Jahr ist vergangen, in dem man es wieder nicht zu Ruhm oder wenigstens Berühmtheit gebracht hat, die Silvesternacht ist Geschichte. Es sind nur noch wenige Zeugnisse nächtlicher Feierlaune in Berlin zu sehen, ein paar leere Sektflaschen, verschmorte Böller-Hülsen und einige komabesoffene Jugendliche liegen auch noch in den Parks und auf den Spielplätzen herum. Zumindest sollte das der Fall sein, wenn es nach den unverbesserlichen Rabauken der Deutschen Angestellten Krankenkasse geht, die kurz vor Tores- bzw. Jahresschluss mit den neuesten Horrorzahlen bezüglich jugendlicher Komasäufer aufgewartet haben. In Rheinland-Pfalz haben sich elf Prozent mehr Jugendliche als 2008 bewußtlos getrunken, in Niedersachsen 10,3 Prozent und in Berlin – die Hauptstadt schlappt wie immer statistisch hinterher – immerhin noch sechs Prozent. Trotzdem: welche Schmach für den Champagner-gestählten Klaus Wowereit, satte 5 Prozent besoffene Jugendliche weniger zu haben als der biedere Dornfelder-Mann Kurt Beck.
Trotzdem kein Grund zur Aufregung, weder für Wowereits Wahlkampfteam noch für die ständig überbesorgten Gutmenschen („Um Himmelswillen, unsere Jugend ist nur noch blau, die Renten sind nicht mehr sicher!“). Denn einerseits haftet der Statistik der DAK ein gewisser Odeur an: zwar sind die Zahlen besonders junger Menschen (jünger als 15), die sich bewusstlos getrunken haben, tatsächlich im angegebenen Maße gestiegen, die Zahl jugendlicher Komasäufer insgesamt ist sogar gesunken, zum Beispiel in Brandenburg um 7,6 Prozent (lt. Märkischer Allgemeine) Und andererseits gibt es – meiner bescheidenen Ansicht nach – gar nicht mehr jugendliche Komasäufer als vor zehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahren. Jugendliche müssen sich ausprobieren, ihre Grenzen austesten, und wenn man seine Grenzen beim Thema Alkohol definieren will, geht das nicht ohne die ein oder andere Grenzüberschreitung. Das ist meist nicht sehr schön, aber letztlich kein Grund zur Aufregung, die Welt ist vor vierzig Jahren auch nicht untergegangen, als der Schreiber dieser Zeilen in höchst beklagenswertem Zustand nach Hause kam, und auch die düstere Zukunft, die ihm seinerzeit prophezeit wurde, ist nicht eingetreten.
Vermutlich waren seinerzeit genauso viele junge Menschen genauso strunzbreit wie heute, und vermutlich war es vor hundert, zweihundert, dreihundert Jahren ebenfalls so. Es gibt allerdings einen feinen Unterschied: heute haben die jungen Menschen Mobiltelefone.
Und mit denen lässt sich ganz einfach der Krankenwagen alarmieren, wenn einer von den Kumpels soviel getrunken hat, dass er weder Sprach- noch Bewegungsapparat mehr koordinieren kann und sich möglicherweise seines Abendessens auf dem Wege entledigt hat, auf dem es zu sich genommen wurde. Was wäre denn die Alternative? Selbst die Kotze wegwischen, den Semi-Bewusstlosen nach Hause transportieren und da seinen Eltern den Zustand ihres Sprößlings erklären? Da ist der Griff zum Handy doch kommoder, zumal die 112 auch noch kostenfrei zu erreichen ist. Eigentlich schade, dass man das noch nicht per SMS (GPS-Daten der Schnapsleiche werden automatisch eingefügt) erledigen kann.
Und dann gibt es natürlich noch eine Presse, die hinter den für ihre Beitragserhöhungen trommelnden Alarmisten der Krankenkassen nicht zurückbleiben will, und jeden, aber auch wirklich jeden Scheißdreck schreibt und druckt, mit dem man besorgten Eltern Angst einjagen kann. Die Tagessspiegel-Headline „Jugendlicher sitzt betrunken auf Schulklo“ mag als Beispiel dafür dienen, dass man mit wirklich jeder Nicht-News zum König des Schulhofs werden kann: „Kiek ma, ich steh im Tagesspiegel, wie die Merkel und der Bohlen!“
Noch nie war es so einfach, berühmt zu werden. Hat mal wer ’n Bier?

Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Überleben im Dschungel der Großstadt: Albtraum in Penisform

Ein Albtraum wird wahr

Der Kings Bratwurststand auf dem S-Bahnhof Frankfurter Allee hat ein offenkundiges Problem mit seiner Wurst. Obwohl der Bahnhof hinsichtlich der Passagierzahlen vor Kraft kaum gehen kann, da sich hier die wichtige Linie der U 5 und die auf dem Ostring verkehrenden S-Bahn-Linien kreuzen, haben die Würste in diesem Büdchen offenbar eine relativ lange Liegezeit, was man ihnen schon von weitem deutlich ansieht. Gefühlte Millionen Menschen laufen jeden Tag daran vorbei und wollen dort keine Wurst kaufen, obwohl die Werbetransparente immer größer und schriller werden.

Woran liegt das? Nun, das Kings steht ganz klar vor dem Dilemma,

1. bereits fertig gegrillte – aber nicht direkt am Optimalpunkt verkaufte – Würste konsequent wegzuschmeißen,

2. die fertig gegrillten Würste erstmal stoisch weiterzugrillen und wenn es nicht mehr geht irgendwie notdürftig warmzuhalten, bis sich einer erbarmt oder

3. gar nicht auf Halde, sondern „auf Sicht“ zu grillen und die Kunden damit im Falle eines Ansturms warten zu lassen bis die Wurst fertig ist.

Das Kings entscheidet sich für Variante 2 – eine nur kurzfristig ökonomische Lösung, die darin besteht, dem Kunden auch noch jede bis zum Erbrechen missbrauchte Wurst zum vollen Preis zu verkaufen. Das ist deshalb nur kurzfristig ökonomisch gedacht, da man zwar zunächst den Verlust einer weggeschmissenen Wurst gänzlich vermeidet, ergo kurzfristig den kalkulierten Gewinn einfährt, aber dadurch keinen einzigen Wurst-Kunden langfristig bindet, was sich auf Dauer negativ auf den Umsatz auswirkt, wenn man eine ausreichende Anzahl Kunden verärgert hat. Ein Eigentor sozusagen.

Die Bratwurst zu beschreiben ohne dabei ausfallend zu werden ist sehr schwierig. Wäre dies hier ein reguläres Weblog, so entstünde links am Rand eine Begriffswolke mit Schlagwörtern wie unterirdisch, widerwärtig, Zumutung, No-Go, Kriegserklärung und spastisches Würgen.

Versuchen wir es daher ganz sachlich: Die Bratwurst liegt ja wie schon festgestellt ganz offenkundig überdurchschnittlich lange auf ihrem Grill, wobei die absurde Situation entsteht, dass je weniger Bratwürste verkauft werden desto länger sie da liegt, was wiederum dazu führt, dass sie noch länger liegt, so dass sie keiner will und sie dann noch länger da liegt, was wiederum dazu führt, dass noch mehr Kunden wegbleiben.
Ein Teufelskreis. Bis mal eine arme Sau kommt und sich so eine Bratwurst andrehen lässt.

Mit der Bratwurst passiert nach Überschreitung des idealen Garpunkts folgendes: Die schwarz-braun verfärbte Haut wird gleichzeitig hart und trocken, nimmt eine fast lederartige rissige Konsistenz an und löst sich dabei von dem zusammengeschmolzenen Inneren bis auf etwa zwei bis drei Millimeter ab, wobei sich in dem dadurch entstehenden Zwischenraum ein seltsamer braungetönter fädenziehender Sud mit Kohlearoma bildet, der mit dem tendenziell völlig geschmackslosen Inneren der Wurst (man setzt bei der Rohmasse ganz offenkundig auf einen höheren Salz/Fett- und eher geringeren Fleischanteil) eine sehr üble Mischung bildet, die irritierend sauer-salzig daherkommt.

Die Tatsache, dass die Wurst irgendwann weit nach dem Idealzeitpunkt auf eine kühlere Stelle des Grills gelegt wird, wonach sie lau serviert wird, potenziert das Desaster zusätzlich.

Ganz plastisch gesagt: Es ist ein Albtraum in Penisform.

Einmal erhielt ich eine noch nicht ganz fertig gebratene Wurst – Variante „Kräuter“, innen noch kalt und roh, die mich erahnen ließ wie das ideal gebratene Endwerk planmäßig schmecken soll.

Das allerdings ist schnell erzählt: Nach nichts.

Die Geschmacksvariation „Kräuter“ ist im Ergebnis nur optisch eine Innovation – hat sie doch grüne Punkte im Brät, geschmacklich bleibt sie in jeder Beziehung so fad wie das Normalprodukt. Sie schmeckt schlicht nach nichts, macht in Konsistenz und Geschmack sogar eher einen haarsträubend synthetischen Gesamteindruck – keine Spur von würzigem frischem Bratwurstaroma, man kann sich ersatzweise auch einen Brocken zimmerwarmes Fonduefett mit etwas getrockneter Petersilie in den Mund stecken und darauf rumlutschen, das dürfte dem wahrscheinlich sehr nahe kommen.

Auch die Variation „Käse“ blieb, da sie sich natürlich schon ärgerlich lange auf dem Rost befand und dadurch ihren „Käse“ mittlerweile durch ihre Lederhautritzen in den Grill entsorgt hat, unfassbar fad und nichtssagend – im Ergebnis eigentlich nur sinnlos fettig. Vielleicht ist der „Käse“ ja auch als eine Art Paste im Grill wirklich besser aufgehoben als in einem menschlichen Magen – das wird sicher seinen Sinn haben.

Ehrlich, ich habe es gut gemeint und im Laufe der Zeit wirklich alle Bratwurst-Varianten in dieser Bude durchprobiert – aber mit der Erfahrung langjähriger Feldversuche auf dem weitreichendem Sektor kulinarischer Terrorcamps stelle ich nüchtern fest: So eine schlechte Wurst ist mir bisher noch nicht untergekommen und es erscheint mir hinreichend wahrscheinlich, dass es auch nicht mehr schlechter geht. Hier stimmen weder Grundprodukt noch Zubereitung.

Der maßstabsetzende Tiefpunkt der Berliner Wurstkultur befindet sich also derzeit hier auf dem S-Bahnhof Frankfurter Allee.

In der Serie “Überleben im Dschungel der Großstadt” begibt sich mike-o-rama für uns in die Wildnis Berlins und testet ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit Imbiss-Buden, Fast-Food-Restaurants, Supermärkte und Orte, die nie ein zurechnungsfähiger Mensch gesehen hat. Seine Berichte erscheinen auch auf dem Bewertungsportal qype.de.

Foto: www.JenaFoto24.de / pixelio.de

Die guten Vorsätze fürs Neue Jahr

Guten Rutsch!

Heute ist Silvester, der Tag, an dem die guten Vorsätze fürs Neue Jahr gefasst werden Für die Männer, die noch unentschlossen sind, was sie sich für das nächste Jahr vornehmen sollen, haben wir die zehn bestmöglichen Vorsätze für ein männliches 2011 zusammengestellt.

2011 könnte man endlich mal

  • mit einem Golf II ein Ampelrennen gegen einen Porsche 911 gewinnen.
  • die zehn coolsten Anmachsprüche von Frank Sinatra an einem Feministinnen-Kränzchen ausprobieren.
  • eine Website mit Nacktfotos von Erika Mustermann aufbauen und damit stinkreich werden.
  • mal wieder mit den Kumpels einen Rummelplatz-Wettbewerb veranstalten: Bier – Bratwurst – Dreifach-Looping. Solange, bis der erste aufgibt. Der zahlt alles.
  • sich im Baumarkt, wenn die Sonderangebote durchgesagt werden, zu Boden werfen und „Die Stimmen sind wieder da! Die Stimmen sind wieder da!“ brüllen.
  • sich im ersten Fotohaus am Platze mindestens eine Stunde lang die neuesten Digitalspiegelreflexkameras vorführen lassen und dann entrüstet „Was soll das heißen, man kann damit nicht telefonieren?“ ausrufen.
  • endlich mal wegen Groben Unfugs (heißt heute „Belästigung der Allgemeinheit“) belangt werden.
  • die Gesundheitsapostel aus dem erweiterten Bekanntenkreis zum Grillfest einladen, Bacon Explosion servieren, im scheinheiligsten Ton „Ach je, ich hatte ja ganz vergessen, dass ihr sowas nicht esst“ rufen und einen Bund ungeputzter Biomöhren auf den Tisch klatschen.
  • mit einem guten Kumpel in einem Sternelokal die Restaurant-Szene aus „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (inkl. stilechter Kostüme) nachspielen.
  • ein Haus abreißen, einen Baum fällen, Verhütungsmittel benutzen!

Wir wünschen allen unseren Lesern einen Guten Rutsch in ein männliches, erfolgreiches Neues Jahr!

Foto: Florian Korthaus/pixelio.de

Zum Weihnachtsfest

Es weihnachtet sehr

Zum Weihnachtsfest gibt’s hier keinen besinnlichen Quatsch, keine trantütigen Lebensweisheiten und schon gar keinen Jahresrückblick, der echte Kerl schaut nur nach vorn und erzählt einen Witz.
In diesem Fall den Lieblingswitz von Herbert Grönemeyer, bzw. den von Herbert Grönemeyers Opa, wie Grönemeyer ihn irgendwann in den achtziger Jahren dem Stern erzählt hat:

Weihnachten in Bethlehem, das kleine Jesulein ist gerade geboren, Maria hat es in die Krippe gelegt, die Tiere stehen andächtig drumrum, da klopft es plötzlich an der Tür. Josef geht aufmachen, und vor der Tür stehen zwei Nilpferde, ein großes und ein kleines.
„Ja, bitte?“ sagt Josef.
„Guten Tag“, sagt das kleine Nilpferd, „wir sind die heiligen drei Könige und möchten die Geschenke abholen.“

Okay, entweder man lacht sich scheckig oder man schüttelt den Kopf. Hat auch schon Grönemeyer gesagt.

Wir wünschen allen Lesern von „Männer unter sich“ (und Herbert Grönemeyer) ein Frohes Weihnachtsfest!

Foto: Uriel 1998 under Creative Commons Attribution 2.0 Generic License

Wie tranchiere ich eine Gans?

Wenn man zum ersten Mal eine Gans gebraten hat, durchströmt einen ein Gefühl der Erleichterung, wenn man den Geier endlich unfallfrei aus dem Ofen geholt hat. Appetitlich goldbraun verknuspert liegt er da auf der vorgewärmten Servierplatte, jetzt kann man endlich reinhauen… Ja, Teufel noch eins, wie zerteilt man so ein Ding überhaupt? Ähmmmm…
Keine Panik. Das geht einfacher, als man denkt. Wenn man

  1. ein scharfes Tranchiermesser
  2. eine rutschfeste Unterlage (nasses Küchentuch unterm Schneidbrett wirkt manchmal Wunder)
  3. eine wirklich durchgegarte, zarte Gans
  4. und einen Plan hat,

kann eigentlich nix schiefgehn.
Unser Plan sieht folgendermaßen aus: erst die Keulen, dann die Brust, schließlich die Flügel. So, kann losgehen. Wir halten das Viech mit der Tranchiergabel oder am Keulenende fest und schneiden rund um die Keulen Haut und Fleisch ein.

rund um die Keule einschneiden

Keule umklappen und im Gelenk durchschneiden

Und dann packen wir die Keule an und klappen sie einfach nach hinten um, so dass das Gelenk freigelegt wird. Und im Gelenk können wir sie dann mit dem Messer (oder einer Geflügelschere) ganz einfach durchschneiden. Wenn’s eine große Gans war oder besonders viele Mitesser am Tisch sitzen, können wir die Keule noch in Ober und Unterschenkel teilen, dazu in der Mitte auseinanderklappen und wieder im Gelenk durchschneiden. Wenn die Gans langsam durchgebraten wurde, sollte das ohne große Anstrengung klappen. Wenn’s schwer geht, ist die Gans nicht durch oder das Messer stumpf. Oder wir haben das Gelenk verfehlt. Mit der anderen Keule verfahren wir genauso und wenden uns anschließend der Brust zu.

Der Gans mutig an die Brust gehen

Der Knochen in der Mitte der Brust ist deutlich zu sehen. Dort mit dem Messer längs einschneiden und die eine Brusthälfte im Ganzen von oben nach unter vom Knochen schneiden. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: wenn die Hitze niedrig und die Gans lange genug im Ofen war, dann fällt sie beinahe vom Knochen. Mit der anderen Brusthälfte genauso verfahren. Je nach Größe der Gans die Hälften in zwei oder drei Stücke schneiden. Jetzt sind die Flügel dran.

Zum Schluss die Flügel

Jetzt haben wir schon Routine, im Prinzip wissen wir, was zu tun ist, nämlich das gleiche wie mit den Keulen: Flügel umklappen und im Gelenk abtrennen.
Und das war’s auch schon fast: Restliches Fleisch und Haut von der Karkasse fieseln, auf die Servierplatte packen und das ganze kurz zum Aufknuspern unter den vorgeheizten Grill schieben. Und servieren.

Noch’n paar Tipps:
Bevor man sich zum ersten Mal an eine Gans wagt, kann man an einem Grillhähnchen oder einer Ente trainieren und sich die nötige Sicherheit holen. Je öfter man übt, desto besser.:)
Ein Schneidbrett aus Holz oder Plastik verwenden, Finger weg von Glas oder Marmor. Das Zeugs ist so hart, dass das schärfste Messer sofort stumpf wird, wenn man auf solcher Unterlage schneidet.
Den Vogel nicht am Tisch tranchieren, auch wenn’s der Vater immer so gemacht hat. Das Tranchieren der Gans braucht seine Zeit – vor allen Dingen, wenn man’s noch nicht so oft gemacht hat – die Fleischstücke kühlen ab, und da die lieben Gäste auch erst zulangen wollen, wenn der Trancheur das Messer beiseite gelegt hat, hat man am Ende eine kalte Gans auf dem Teller. Deshalb in der Küche tranchieren und die Teile nochmal unter den Grill schieben, bevor man aufträgt.
Und, ja, man kann auch erst die Flügel abtrennen, bevor man die Brust abschneidet. Die Reihenfolge ist reine Geschmackssache.

Fotos: Chris Kurbjuhn

Männeressen: Gans einfach

Die Gans ist einer der beliebtesten und gleichzeitig gefürchtetsten Vögel Deutschlands. Beliebt, weil es ja einen Grund haben muss, dass in beinahe jedem deutschen Haushalt mindestens einmal im Jahr ein Gänsebraten auf den Tisch kommt. Die Viecher schmecken wirklich ziemlich gut. Gefürchtet sind sie hingegen, weil man sie vorher zubereiten muss, und da rutscht vielen Hausfrauen alljährlich das Herz in die Kochhose: Riesenviech, sperrig, schwierig…
Hier ist der starke Mann in der Küche gefragt, ein Kerl, der Mut zu einfachen und unkonventionellen Lösungen hat. Es gibt eine Methode, nach der die Gans extrem einfach zuzubereiten ist und absolut köstlich schmeckt. In diesem Jahr ist der Gänsebraten Männersache.

Rezept

Man benötigt: 1 Gans und Salz

Die vorbereitete Gans

Die Gans putzen, also Innereien-Beutel entfernen, Fett aus dem Inneren polken (kleinschneiden und bei kleiner Hitze auslassen: gibt lecker Gänseschmalz), eventuell noch vorhandene Federkiele rauszuppeln (Pinzette), die Flügelspitzen abschneiden, evtl. den Hautlappen an der Halsöffnung mit Zahnstochern feststecken, innen und aussen waschen, abtrocknen.
Der Ofen wird auf ca. 140 Grad vorgeheizt, die Gans von innen und außen großzügig mit Salz eingerieben. Ein Löffelchen Schmalz in den Bräter, damit nix anhängt, und die Gans hineingelegt. Wenn sie anfängt, deutlich hörbar vor sich hinzuschmurgeln, anfangen, sie mit dem austretenden Fett zu begießen, so etwa alle zwanzig Minuten. Nach dem Ende der Bratzeit (ca. 1 Stunde pro Kilo Vogel) zwanzig Minuten im ausgeschalteten Ofen bei geöffneter Ofenklappe ruhen lassen und tranchieren.
Und das war‘s. Mehr ist nicht. Nach Ende der Bratzeit (ca. 1 Stunde pro Kilo Vogel) hat man eine unglaublich knusprige, herrlich saftige Gans. Doch, ja, es ist so einfach.

Die zubereitete Gans

Die zubereitete Gans

Gans häufig gestellte Fragen: Gans-FAQ

Was ist mit Sauce?
Musst du separat machen, ist kein Problem. Innereien aus dem Beutel (ohne Leber, die wird in Butter gebraten und mit einem Schlückchen Rotwein verspeist, das stärkt den Koch) inkl. Flügelspitzen dunkelbraun anbraten, etwas Zwiebel, Karotte, Sellerie, Lauch dazu, mit Rotwein ablöschen, einkochen lassen, mit Geflügelfond auffüllen, ca. 3 Stunden lang köcheln lassen, durchsieben und entfetten (wenn man die Sauce am Tag vorher macht, kann man sie über Nacht in den Kühlschrank stellen und das Fett ganz einfach abheben) mit Salz, Pfeffer, Portwein abschmecken, gegebenenfalls mit etwas Saucenbinder für Saucenbindung sorgen, fertig.

Was für eine Gans soll ich kaufen?
Beim Kauf der Gans hat man grundsätzlich zwei Optionen: tiefgekühlt oder frisch. Die Preise sind extrem unterschiedlich: Für einen Bio-Freiland-Luxus-Geier muss man bis zu 20 Euro pro Kilo löhnen, TK-Gänse sind schon für 5 Euro das Kilo zu haben. Gibt es Unterschiede? Ja, sogar ziemlich große. Grundsätzlich gilt: frische Gänse haben eine andere, etwas festere Konsistenz im Fleisch, was viele Menschen (ich inklusive) als sehr angenehm empfinden. Was den Geschmack angeht… da gibt es solche und solche (sehr hilfreich, ich weiß). Ich hatte schon schlappe Freilandgänse und vor Gans-Aroma strotzende TK-Tiere im Ofen, und umgekehrte Fälle gab es ebenfalls. Bei preiswerten TK-Gänsen muss in Betracht gezogen werden, dass mit dem Leben und Sterben dieser Tiere möglicherweise nicht sonderlich respektvoll umgegangen wurde. Bei der Schnäppchenjagd immer daran denken: Wenn man eine Gans kauft, bezahlt man das ganze Leben des Tieres, alles, was es gefressen hat, die Hege und Pflege durch den Züchter, Schlachtung und Putzen, sowie Groß-, Zwischen- und Einzelhandel. Geiz ist hier wirklich nicht geil.
Fazit: Am besten sucht man sich eine verlässliche, erschwingliche Quelle und bleibt dabei. Ich selbst nehme meist polnische TK-Gänse der gehobener Qualität, ausgezeichnet im Geschmack und der Konsistenz von Freilandgänsen nur wenig nachstehend. Bei der Verwendung von TK-Gänsen: die Gans muss komplett aufgetaut sein, bevor man sie in den Ofen schiebt, sonst wird sie zäh wie Schuhsohle. Bei einemm großen Viech kann das Auftauen bis zu zwei Tage dauern, wenn man das im Kühlschrank macht.

Meine Gans ist noch schlechter rasiert als ich, und das Gezuppel an den Kielen raubt mir den letzten Nerv. Gibt‘s einen Trick?
Ja. Die Kiele erst mal dranlassen, die Gans unrasiert in den Ofen schieben und nach einer halben Stunde mal nachschauen. Wenn sich die Kiel-Stoppeln aufgerichtet haben, die Gans aus dem Ofen holen und mit der Pinzette rangehen. Die Kiele flutschen jetzt viel leichter raus.

Wie – keine Füllung?
Nein, keine Füllung. Füllung ist kontraproduktiv hinsichtlich der Knusprigkeit der Gans, und ist letztlich überflüssig. Wenn ich Hackbraten essen will, ess ich Hackbraten. Wenn ich Apfel-Zwiebel-Kompott essen will, ess ich Apfel-Zwiebel.-Kompott. Wenn ich Gans essen will, ess ich Gans. So einfach ist die Welt.

Hilfe, meine Gans wird nicht richtig braun!
Keine Panik. Wenn das Gänschen zu blond ist, in der letzten halben Stunde die Backofenhitze hochdrehen.

So, die Gans ist fertig. Aber wie schneid ich die auseinander?
Das kriegen wir morgen.

Für die Rezeptidee bedanke ich mich bei Stevan Paul.

Fotos: Chris Kurbjuhn