Männeressen: Spargel

Viele Kerle werden jetzt abwinken: Um Himmwelswillen, Spargel! Völlig überschätztes Zeugs, schmeckt entweder nach nichts oder bitter, da löffel ich doch die Hollandaise lieber gleich pur…
Nuja, von ihrer Warte aus haben diese Kerle möglicherweise durchaus recht. Vermutlich haben Sie noch nie anständigen Spargel auf dem Teller gehabt. „Anständiger Spargel“ heißt: frisch und richtig zubereitet.

Thema frischer Spargel. Ich habe jahrelang genauso gedacht wie die oben zitierten Kerle. Doch dann fiel die Mauer und ein paar Jährchen später erschienen die ersten Stände in Berlin, an denen zu zivilen Preisen Spargel angeboten wurde, der noch am gleichen Tag in Beelitz gestochen worden war. Ich probierte und… mutierte zum Spargelfan. Nichts geht über frischen Spargel, der am Stichtag in den Kochtopf wandert. Nun hat nicht jeder Kerl ein Spargelbeet direktemang vor der Haustür. Nuja, Spargel der einen Tag alt ist… geht auch.
Den delikatesten Spargel bekommt man sowieso beim Bauern, auf dem Spargelbeet, wo er unmittelbar nach dem Stechen in den Kochtopf wandert. Frischer geht’s nicht und besser geht’s nicht, von der Qualität des Spargels her.
Leider kochen sie den Spargel auf allen Spargelhöfen, die ich um Berlin herum kenne, viel zu weich. Und sie kochen ihn überhaupt. Was kreuzdämlich ist. Womit wir beim nächsten Thema wären.

Thema Spargelzubereitung. Die meisten Kochbücher empfehlen, den Spargel zu kochen. Und das ist riesengroßer Blödsinn. Weil der ganze schöne Spargelgeschmack ins Wasser wandert. Kein Wunder, dass die meisten Rezepte empfehlen, das Kochwasser vom Spargel nicht wegzukippen, sondern eine Suppe draus zu kochen. Dahin hat sich nämlich das ganze Spargelaroma verabschiedet. Ich empfehle daher drei alternative Garmethoden: dämpfen, im Ofen dünsten oder braten.

der Spargelknast

1. Fürs Dämpfen braucht man einen Spargeltopf. Das sind diese hohen Dinger mit dem Spargelknast zum Rausnehmen innen drin. In diesen Spargelknast werden die großzügig (!) geschälten Spargel gestellt und der Topf soweit mit Wasser gefüllt, dass maximal das untere Drittel der Stangen nass wird. Das Wasser wird zum Kochen gebracht, die Spargel hineingestellt, Deckel drauf und abwarten. Gekocht werden bei dieser Methode nur die unteren Enden, der Rest des Spargels gart im aufsteigenden Wasserdampf und behält sein Aroma.
Wie lange braucht der Spargel? Je nach Dicke der Stangen zwischen acht und zwölf Minuten. Am besten hebt man nach acht bis zehn Minuten den Korb mal raus und schneidet mit einem Messer ins untere Ende einer Stange. Wenn‘s reinflutscht, ist der Spargel gar.
Dies scheint mir übrigens ein weiterer Grund zu sein, warum viele Menschen Spargel nicht mögen: weil er schlichtweg totgekocht wird. In den meisten Kochbüchern steht etwas von zwanzig bis dreißig Minuten, was viel zu lang ist. Ich habe selbst ganz dicken, weißen Spargel noch nie länger als 15 Minuten kochen bzw. dämpfen müssen. Spargel muss zwar weich sein, sollte aber noch Biss haben und etwas elastisch sein, dann schmeckt er am besten. Die weichen, schlappen Nudeln, die Oppa am Stück in sich reingeschlürft hat, sind nun wirklich kein Ruhmesblatt der Spargelküche.
Wo war ich? Ach ja, Spargel fertig gedämpft. Muss jetzt noch gesalzen werden, bißchen Zitrone bei und ist fertig. Mit zerlassener Butter, Hollandaise oder noch kurz mit Parmesan gratiniert.

im Ofen gedünsteter Spargel

2. Wenn man den Spargel im Ofen dünsten möchte, sollte man die Spargelschalen und –abschnitte aufheben, gründlich waschen und – feucht wie sie sind – in einen Bratentopf legen (alternativ geht auch ein Bratschlauch). Darauf legt man die vorbereiteten Spargelstangen, salzt, gibt vielleicht ein wenig Puderzucker drüber, legt ordentlich Butterflocken drauf, Deckel zu (oder Bratschlauch zubinden) und rein in den Ofen (180 Grad, Gas 3). Nach so 20, 25 oder 30 Minuten (je nach dem, wie viel Spargel man in den Ofen geschoben hat und wie dick die Stangen sind), mal nachschauen, wie weit er ist. Im Ofen auf den Schalen bekommt der Spargel ein sehr intensives Aroma, hätte man den blassen Stängchen gar nicht zugetraut.

lecker Avocadopampe

Für den, dem Butter oder Hollandaise zu den Ohren rauskommen, hab ich einen Vorschlag, der bei mir seid ein paar Jahren der Hit zum Spargel ist: die Avocadopampe. Einfach das Fruchtfleisch von zwei, drei reifen Avocados mit etwas Hühnerbrühe zermusen, paar Frühlingszwiebelringe dazu, Salz, Pfeffer, Zitronensaft (Wichtig! Sonst wird die Pampe braun!) und einen ordentlichen Schuß Kürbiskernöl. Noch’n bisschen Kresse drauf, fertig. Harmoniert mit Spargel wie ein Zwölfzylinder mit Ferrari.

gebratener Spargel

3. Gebratener Spargel ist derzeit mein Favorit. Hier tut’s auch der preiswerte Bruchspargel (solange er frisch ist), denn der Spargel wird nach dem Schälen in Stücke geschnitten, so drei, vier Zentimeter lang. Dicke Stange können halbeirt oder geviertelt werden, die Köpfe legt man erst mal beiseite. Dann bringt man ein bisschen Öl gemischt mit Butter am besten in einem Wok auf Temperatur (so zwei Drittel Power ungefähr) und wirft die kleingeschnittenen Stangen rein. Salz, Pfeffer, bißchen Puderzucker dazu.  In der Pfanne tut sich ein paar Minuten lang nicht viel, die Stangen bleiben weiß und hart, trotzdem sollte man gelegentlich umrühren und so nach drei, vier Minuten die Köpfe dazugebe. Nach sechs, sieben Minuten ist es dann so weit, die Spargelstücke werden schlagartig weich und beginnen zu bräunen. Spritzer Zitronensaft dazu und rühren, dass nix anbrennt. Passiert leicht. Wer jetzt noch ein paar in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln, ein paar Stücke von enthäuteten, entkernten Tomaten und eine Handvoll Schnittlauch unterrührt, weiß, was er tut und kann seinen Spargel zu Tisch bringen. Und da kann man sich dann noch ein Löffelchen Schmand unter den Spargel rühren. Der kühle Schmand, der heiße, nussige Spargel… herrlich!
Dazu passt ein Riesling, ein Silvaner, ein Gutedel, aber auch ein schönes Bier ist nicht verkehrt. Mahlzeit!

Was liegt an? 2.5. bis 8.5.

Das ist nicht zu fassen! Die Slowakei geschlagen und dann die Russen! Die Russen! Im Eishockey! Geschlagen! Die Eishockey-WM diktiert ab sofort den Terminkalender. Morgen geht’s noch gegen Slowenien (16 Uhr, Sport1), dann steht die bereits gesicherte Zwischenrunde an, Wahnsinn!
Wirklich gut, dass das Eishockey in die Bresche springt, denn aus dem Fußball ist die Luft derzeit ziemlich raus. Dortmund ist Meister, auf den Abstiegsrängen wird sich wohl auch nicht mehr allzuviel ändern, nuja, die Saison ist rum. In Liga zwo geht‘s immerhin noch um die Plätze hinter Hertha BSC, Augsburg kann heute gegen Cottbus Platz 2 (fast) sichern, der Eishockey-Sender Sport1 überträgt.
Am Tag des Eishockey-Spiels gegen Slowenien wurde auch Clásico 4 angesetzt, das Rückspiel im Champions-League-Halbfinale zwischen Barcelona und Real Madrid. Wird Mourinho endlich mal den Betonmischer in der Kabine lassen, weil Barca mit zwei Treffern vorne liegt? Oder werden wieder die Verschwörungstheorien auf der PK deutlich unterhaltsamer sein als das sture Gemaure auf dem Platz? Wer Sky einschaltet, wird es sehen.
Am Mittwoch laufen die letzten Gruppenspiele der Eishockey-WM, sowie das andere CL-Halbfinal-Rückspiel, ManU gegen Schalke, und das ist ungefähr so spannend wie die xte Wiederholung eines Miss-Marple-Krimis: ManU ist durch.
Am Donnerstag beginnt dann die Zwischenrunde der Eishockey-WM. Wenn Deutschland am Donnerstag nicht spielt, können wir ins Kino gehen, zwei möglicherweise interessante Filme stehen an, zum einen „Scream 4“, Original-Regisseur Wes Craven und Original-Drehbuchautor Kevin Williamson haben sich der Sache wieder angenommen, das Ergebnis soll mehr als akzeptabel sein.
Der Preis für den Filmtitel der Woche geht – natürlich – an „Metaller, die auf Brüste starren“, eine Doku über Kerle, die beim Festival in Wacken derbe abfeiern. Der Trailer sagt alles:

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=kQEvpiYBDAk

Bleibt die Frage, ob es wirklich lustig ist, anderen Kerlen beim Feiern zuzugucken, ich würd ja lieber selber mitmachen. Nuja. Es gibt ja noch Eishockey.
Und die U17-Fußball-EM, die Eurosport während der Woche überträgt. Und heute das Finale der Snooker-WM in Sheffield, Judd Trump führt gegen John Higgins 10:7, da ist noch alles drin.
Donnerstagabend überrascht Kabel1 mit einer Konferenz der Euro-League-Halbfinalspiele Villarreal – FC Porto, Sporting Braga – Benfica Lissabon. Am Wochenende dann die Bundesliga, die Formel 1 in der Türkei (Sky und RTL), Samstagnacht-Boxen in der ARD (Sebastian Sylvester – Daniel Geale) und – natürlich – die Eishockey-WM!
Und sonst? Den Weg in die Videothek kann man sich sparen, vor allen Dingen Finger weg von „Meine Frau, unsere Kinder und ich“, lauter alte Witze, schlecht erzählt.
Im Fernsehen läuft heute um 20 Uhr 15 unsere Lieblingsserie „Der letzte Bulle“ auf Sat1, und auf arte gibt‘s noch einen Monty-Python-Abend, sie zeigen „Die Ritter der Kokosnuss“ (Beim ersten Mal Anschauen wäre ich schon während des Vorspanns beinahe erstickt) und zwei weitere Folgen einer Doku über die Komik-Legenden.
Am Mittwoch kann man sich Liefers als Rocker im Seniorenheim angucken, „Die Spätzünder“ (ARD, 20 Uhr 15), sollen ein paar nette Dialoge drin sein. Freitag kann man – wenn die deutsche Eishockey-Mannschaft nicht spielt – auf Pro Sieben einen Martial-Arts-Abend einlegen, erst Jackie Chan in dem Spaß-Karate-Western „Shang-High Noon“ und dann der sehr sehenswerte „Ong Bak 2“.

http://www.youtube.com/watch?v=hIVOv1JQgsk

Alles okay? Eishockey! Viel Spaß, eine schöne Woche.

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Bange machen gilt nicht

Als Tschernobyl in die Luft flog, dachte ich noch: Naja, die Russen…
Als Fukushima in die Luft flog, bekam ich Angst, und die Angst hat mich seitdem nicht mehr verlassen.
Ich weiß, es ist nicht sexy, sich als Mann zu einer Angst zu bekennen, aber es muss sein, um zwei Arten von Angst zu unterscheiden.
Die eine ist eine sehr reale, auf Erfahrung beruhende Angst, das Ergebnis eines Lernprozesses. Alle 25.000 Jahre, so prophezeiten die „Atomkraftexperten“ einst, könne es zu einem GAU kommen. Von Tschernobyl bis Fukushima hat es ganze 25 gedauert. Daraus kann man lernen.
Die andere Angst ist eine künstlich erzeugte Angst. Gerne in ihrer Hilflosigkeit von Politikern und Managern verbreitet, die im Rahmen eines Umbruchs um ihre Posten fürchten. Sie hängen sich ein grünes Mäntelchen über und verweisen schulterzuckend darauf, der Atomausstieg sei „nicht zum Nulltarif zu haben“. So schüren sie bewusst Angst in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen immer weniger auszugeben haben.
Bullshit! Die Solarbranche und die Windenergiebranche sind jetzt schon boomende und hochentwickelte Geschäftszweige -und Jobmaschinen par excellence. Die Investoren stehen in den Startlöchern. Die Chance ist riesengroß, dass Deutschland zum Marktführer bei den Erneuerbaren Energien wird. Und da soll es abwärts gehen?
17 Prozent unserer Energie (der Atomanteil) müssen kurzfristig und die restlichen Luftverpester mittelfristig ersetzt werden. Mit deutscher Handwerks- und Ingenieurskunst ist das doch wohl zu packen.
Apropos Männlichkeit: Solange wir nur in dem Maß wachsen, wie unser Spielzeug größer, teurer und zahlreicher wird, bleiben wir große Jungs. Zum Mann-Sein gehören unter anderem Mut, Prinzipientreue (von Frauen auch schon mal als Sturheit missdeutet) sowie zur rechten Zeit übertragene oder übernommene Verantwortung.
Kopf hoch, Männer, lasst euch nicht für dumm verkaufen. Jeden Montag finden in hunderten deutscher Städte Veranstaltungen für den Atomausstieg statt. Geht da hin und bekennt Farbe. Bange machen gilt nicht.
Mutprobe: Einen Windpark besuchen und sich unter die drehenden Rotoren stellen. Die Dinger sind gigantisch.
Suchbegriff gefällig? „Windgas/Solargas“. Könnte die Antwort auf die Frage nach der Speicherung erneuerbarer Energie sein.

Schaumermal

Ansgar Tolksdorf ist Übersetzer für Englisch und Französisch und Töpfer. Er hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Rheinbach bei Bonn.

Links der Woche – 22.4. bis 29. 4.

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Was wäre wenn…
die Enterprise für Queen Victoria geflogen wäre

„Mit dem W210 hat Mercedes den Rost neu erfunden.“
Interessantes MB- und Schrempp-Bashing im SpOn-Forum

Constable Velumurugan wollte den Weltrekord. Und dann gelang ihm… Die Mutter aller Bauchklatscher!

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=_h3bhobQdr8

Indianer, Büffelrennen und Schamhaar-Toupets
SpOn-Fotostrecke zum Sony World Photography Award

Alte Liebe rostet nicht – der Flieger und Uhrenbauer Helmut Sinn

Helmut Sinn, der junge FliegerEr hat die Geschichte des Fliegerchronographen maßgeblich mitgeschrieben, seine Uhren befinden sich seit Jahrzehnten in vielen Flugzeugen. Unzählige Piloten schwören noch heute auf die exakten und gut ablesbaren Zeitmesser am Handgelenk. Wer ist der Mann mit der Junkers Ju 52/3m auf der Visitenkarte?

Helmut Sinn: Er ist Zeitzeuge fast eines ganzen Jahrhunderts. Seine Eltern sind um 1910 aus der Pfalz nach Metz, Lothringen umgesiedelt und haben dort ein Geschäft für Öfen und Herde gegründet. Am 3. September 1916 wurde er in Metz geboren.

Nach Ende des ersten Weltkrieges 1918 musste die Familie Elsass-Lothringen verlassen. Haus und Grund wurden enteignet, so dass das gesamte Vermögen zurückgelassen werden musste. Sie kamen dann mittellos in die Pfalz zurück, wo die Not, insbesondere für Flüchtlinge, groß war. Die Franzosen hatten auch das Rheinland besetzt und unter den Besatzungstruppen waren in der Nähe die französischen Fliegereinheiten stationiert. Tag und Nacht konnte Helmut Sinn die Flieger sehen und hören. Dabei entstand der unumstößliche Wunsch einmal Flieger zu werden.

He's got the whole world in his hands...

Der Vater war 100% schwerbeschädigt, so dass die Mutter die fünfköpfige Familie mit einem kleinen Kolonialwarenladen ernähren musste. Deutschland war verarmt, besetzt und musste für die Besatzungskosten aufkommen. Wer diese Zeit nicht erlebt hat, kann sich die Armut nicht vorstellen.

Nach 1930 bis 1935 besserten sich die Verhältnisse und man konnte unter bescheidenen Verhältnissen seinen Lebensunterhalt verdienen. In dieser Zeit gab in der Gegend, in der Familie Sinn lebte, durch den Westwall und den Straßenbau Arbeit. Nachdem die Franzosen das Rheinland verlassen hatten fing der Aufbau der Wehrmacht an. Helmut Sinn meldete sich als Flugzeugführeranwärter, musste vorher Arbeitsdienst in der Pfalz ableisten und wurde 1936 einberufen. Bereits in der Grundausbildung schloss er sich dem zivilen Segelflugverein Würzburg an und erreichte schnell die Lizenz, in einer Zeit in der man noch ohne Lehrer Segelflieger werden konnte. 1937 wurde er zu einer Aufklärungseinheit versetzt und von dort aus zur Motorflugschule nach Quedlinburg.

Ein Wiedersehen

Er wurde noch von Zivilisten im Motorflug ausgebildet, ein Traum war erfüllt. Doch schon kurze Zeit später begann der zweite Weltkrieg. Zunächst flog er vorwiegend Beobachtungs- und Aufklärungseinsätze am Ärmelkanal in Frankreich. Schon nach drei Wochen wurde mit der Französischen Republik ein Friedensvertrag geschlossen und er freute sich im Glauben, dass der Krieg vorbei sei. Seine Einheit wurde in die Nähe von Wien nach Österreich verlegt, wo er seine gesamte Freizeit bei Segelfliegern in Pressburg verbrachte. Doch dann folgte der Balkanfeldzug, in dem er ebenfalls als Aufklärer zum Einsatz kam. Bereits nach einigen Wochen war auch dieser Feldzug beendet. In Posen und Waldpolenz wurde er anschließend auf größere Flugzeuge umgeschult. Gleich zu Beginn des Russlandfeldzuges wurde er bei einer Notlandung im Wald verletzt und musste einige Monate in einem Speziallazarett in Paris Clichy behandelt werden. Nachdem er wieder fliegen durfte, wurde er ins heutige Polen, zur Blindflugschule Posen, versetzt und als Fluglehrer ausgebildet. Bis zum Ende des Krieges war er dann Fluglehrer auf Junkers Ju 52/3M, Ju 88, HE 111, HE 86 und einigen mehr. In erster Linie schulte er Piloten auf den Nachtflug um.

Erinnerung

Nach Ende des Krieges schaffte er es, sich nach Westen durchzuschlagen. Er wurde von den Amerikanern in ein Freilichtlager interniert und nach einigen Monaten auf die Insel Fehmarn verlegt. Von dort wurde er schwer erkrankt entlassen. Jetzt war der Krieg endlich beendet, aber ebenso der Traum vom Fliegen.

Wie seine Eltern am Ende des ersten Weltkrieges stand er nun mit 28 Jahren vor dem Nichts. Schwer erkrankt wegen Hungerödemen aus der Gefangenschaft und mit einer zerstörten Ehe. Was nun?

Die zweite Leidenschaft

Außer dem Fliegen hatte er noch eine zweite Leidenschaft: Uhren. Aber es gab kaum Industrie, keine Verkehrsmittel und letztlich hatte die Bevölkerung kein Geld. Für jede Scheibe Brot musste man eine der wertvollen Lebensmittelmarken abgeben. Was Helmut Sinn in dieser Zeit verdiente, reichte kaum für die Ernährung. Wegen der Gefahr erneut in ein Lager zu kommen, durfte er als in Lothringen Geborener nicht in die französische Besatzungszone gehen. Doch konnte er bei Bekannten in Frankfurt am Main unterkommen. Und auch hier wurde die Zeit besser.

Eine Sinn

Sinn

Wieder einmal ging es ohne Lehre in einen Beruf, der nicht minder schwierig war als eine Pilotenausbildung. Schnell hatte er ausfindig gemacht, wo es Uhren zu kaufen gab und mit einem Rucksack fuhr er auf einem Mofa zu den Uhrenfabriken in Pforzheim. Bald hatte er auch ein Auto, das den Krieg überstanden hatte. Es war ein Viertakter von Audi. Oft fuhr er in den frühen Morgenstunden in den Schwarzwald, kaufte ein und verkaufte die Uhren auf der Rückfahrt. Nicht selten stand er am nächsten Morgen wieder beim selben Hersteller. Schon damals stellte er einige Uhren selber her oder ließ sie anfertigen und schon um 1953 hatte er ein florierendes Geschäft. Die meisten Umsätze machte er anfangs mit den in Südwestdeutschland stationierten Amerikanern, die Geld hatten. Erst nach der Währungsunion kam auch nach Deutschland Geld, wenn auch zunächst sehr bescheiden.

Am Arbeitsplatz

Durch die Uhren kam Helmut Sinn um 1950 in die Schweiz. Der erste Flugplatz den er sah, erweckte wieder die alte Berufung, er machte dort erneut die Flugscheine. Fünf Jahre später war in der Bundesrepublik Deutschland das Fliegen wieder erlaubt und er konnte sie umschreiben lassen. Als er, 2003, mit 87 Jahren nach 64 Jahren aktiver Fliegerei den Flugschein nicht mehr verlängern ließ, hatte er über 15.000 Starts im Flugbuch stehen. Vom Segelflug, über Passagier- und Kunstflug bis zum Blind­fluglehrschein für die Ju 52/3m reichen die Einträge einer bemerkenswerten Karriere in der Luft.

Die eigenen Uhren

Wegen des Flugverbots für Deutsche nach dem Krieg beteiligte er sich damals in seiner Freizeit an Autorallyes und wurde 1953 sogar Klassensieger bei der „Rallye Algier – Kapstadt“. Es ging im von Öttinger mit einem Porsche-Motor getunten VW-Käfer etwa 18.000 km unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen von Algerien an der Nordküste bis zu der südlichsten Spitze Afrikas. Seine Firma „BASI“ – für „Bader und Sinn“ – übertrug er während seiner Abwesenheit seiner Frau und seinem Partner. Nach der Rückkehr gegründete er neues Unternehmen: „Sinn Spezialuhren Frankfurt am Main“. Um nicht mit dem noch zu dieser Zeit existierenden Unternehmen „BASI“ in Konkurrenz zu treten wurde vereinbart, dass „Sinn Spezialuhren Frankfurt am Main“ ausschließlich instrumentelle Uhren anbietet.

Ein Mann der Praxis

Er fing also an, Fliegeruhren herzustellen. Als Einbau-Flugzeugchronograph gab es seinerzeit nur die Borduhr von Junghans J 30 BZ und einige sehr alte Konstruktionen. Helmut Sinn erkannte sofort, dass diese Uhren aus Entwicklungen stammten, die Jahrzehnte alt waren. Deshalb gestaltete er aus dem Werk Valjoux VJ 5 seine erste Borduhr. Am Ende der Entwicklungen hatte er ein eigenes Kaliber mit Zentralminutenzähler. Dieses Kaliber HS 58 wurde seit 1957 unter anderem von der Lufthansa flächendeckend, in einigen Junkers Ju 52/3m und wird noch heute in vielen Flugzeugen der Bundeswehr verwendet. Auch erwähnenswert die Tatsache, dass 1985 am Handgelenk  von Astronaut Reinhard Furrer während der Spacelab Mission eine Sinn „142 S“ am Handgelenk tickte und damit den ersten automatischen Chronographen ins Weltall brachte.

Jubilar Sinn

Nach dem Verkauf seines Unternehmens „Sinn Spezialuhren Frankfurt am Main“ gründete er mit 82 Jahren als „ältester Jungunternehmer Deutschlands“ 1998 die Firma „Jubilar Uhren“ mit den Marken „Chronosport“ und „Guinand“. Dazu hat er mit Guinand das seit 1865 bestehende Schweizer Traditionsunternehmen, das seit 1960 einen Teil seiner Chronometer herstellte, gekauft. Dies, und der Umstand, dass um die Handelsaufschläge zu vermeiden, ausschließlich im Direktvertrieb an die Kunden verkauft wird, ermöglicht noch heute den Grundsatz: „Die denkbar beste Uhr zu dem machbar günstigsten Preis“.

Helmut Sinns faszinierendes Leben ist Thema des Dokumentarfilms „Die Zeitmaschine“. Die DVD gibt’s bei amazon, den Trailer hier…

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=FbVaveTPCpU

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Fotos: Helmut Sinn, Robert Hill

Was liegt an – 26. 4. bis 1. 5.

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Wäre der Schwarze Freitag nicht, wär die Woche ganz okay. Okay, schwaches TV-Programm, dafür aber ordentlich Sport und am Donnerstag laufen im Kino zwei Popcorn-Filme an, die möglicherweise ganz sehenswert sind. Zum einen neue Comic-Verfilmung aus dem Marvel-Universum: „Thor“. Der arrogante Donnergott fliegt aus dem nordischen Götterhimmel wird auf die Erde verbannt und muss sich mit allerlei Menschlichem und Übermenschlichen herumschlagen. Der Trailer sieht überzeugend aus, wer nichts gegen schwachsinnige Prämissen und Kreaturen, die sich selbst für Götter halten und arg wichtig nehmen hat, kann ja mal einen Blick riskieren.

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=4Zgdayg1MuU

Apropos schwachsinnige Prämissen: beim zweiten halbwegs interessanten Filmstart der Woche handelt es sich um den fünften(!) Teil des Fast&Furious-Formats. Alles wie gehabt, jede Menge Auto-Stunts, Prügeleien, Mädels im Bikini und diesmal spielt auch noch Dwayne „The Rock“ Johnson mit, eigentlich sind alle Ingredienzen für einen Spaß-Film vorhanden… wäre da nicht eine Kreatur, die sich selbst für einen Gott hält und arg wichtig nimmt, genau: Vin Diesel foltert uns mit einem seiner ironiefreien Auftritte. Wer einen Protagonisten erträgt, der über das Talent einer Stehlampe und die Grazie eines Betonklotzes verfügt, kann sich eine Eintrittskarte kaufen. Ich warte auf die DVD, die kann ich mir zuhause preiswerter schön saufen als den Film im Kino.
Thema DVD – da lässt sich eine Entdeckung machen. „Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen“ kommt hierzulande ohne Kino-Umweg auf DVD heraus, fernöstliche Martial-Arts-Fantasy mit Atmosphäre, wenn der Film genauso viel Spaß macht wie der Trailer…

http://www.youtube.com/watch?v=bkfUaNGywLk

Sport. Heute Abend Hinspiel Champions-League-Halbfinale Schalke-ManU (Sat1), und hier ist Endstation für Schalke (ja, ich weiß, ich hab Schalke schon chancenlos gegen Inter gesehen), aber spätestens im Rückspiel sollte ManU alles klar machen. Morgen kommt dann Clásico III (Sky), Real gegen Barca und Real wird das Finale erreichen. Mit Defensiv-Fußball, dass es weh tut, aber Mourinho kann gegnerische Mannschaften lesen wie kein Zweiter. Und um Barca zu lesen hatte er wahrlich genug Zeit.
Überraschenderweise überträgt Kabel1 am Donnerstag um 21 Uhr das Euro-League-Halbfinale Porto gegen Villareal, für das andere Spiel (Benfica-Braga) muss man sich einen Stream suchen. Und am Wochenende die Platzierungsspiele der Bundesliga. Nein, Dortmund kommt nicht ins Stolpern. Unsinn.
Eurosport überträgt weiterhin die Snooker-WM aus Sheffield, bei Sport1 kann man endlich mal wieder Live-Tennis sehen (tägliche Übertragungen von den BMW-Open in München!), außerdem ab Freitag die Eishockey-WM, und am Sonntag startet die DTM, live übertragen von der ARD.
Bleibt die Glotze. Die Woche über läuft nix herausragendes, und dann kommt der Schwarze Freitag. Entweder, man versteckt die Fernbedienung, oder man bliebt einfach weg, bis diese Hochzeit vorbei ist. Die Familie Windsor zieht ihr Ding durch, der europäische Hochadel trabt zur Leistungsschau an, Frauen brechen keuchend vor dem Fernsehschirm zusammen und röcheln Unfug wie „Ihr Hut! Hast du ihren Hut gesehen?“… da hilft nur die Flucht. Geht angeln, macht eine ausgedehnte Wanderung, beschäftigt euch irgendwie, aber lasst die Glotze aus und haltet euch von den Hochzeits-Rockerinnen fern! Hier in Berlin gibt‘s sogar Public-Viewings, wir leben in einer großen Zeit…
Den Fernseher braucht man also erst Samstag einschalten, dann sendet 3Sat Shine a Light, Scorsese verfilmt ein Stones-Konzert, wobei die Backstage-Szenen mit Scorsese („Der Effekt würde Mick Jagger verbrennen? So richtig in Flammen aufgehen? Hm, wir wollen den Effekt, aber wir können doch nicht Mick Jagger verbrennen. Schade.“) amüsanter sind als das routinierte Stones-Gerocke.
Sonntag Abend dann ein Monty-Python-Themenabend auf arte, zuerst Erik der Wikinger (naja…), danach aber zwei Folgen einer sechsteiligen Doku über die stilbildenden Komiker. Spätestens jetzt sollte der Schwarze Hochzeits-Freitag vergessen sein. Eine schöne Woche, viel Spaß!

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Da draußen

Die Zeiten sind schon lange vorbei, wo Mann mit Speer und Tunnelblick durch die Wälder streifte, den Auerochs zu erlegen. Das heißt aber nicht, dass man sich damit abfinden muss, sein Leben ausschließlich in miefigen Büros, vor dem Bildschirm oder in der Knochenmühle eines Wechselschichtsystems zu verbringen.  Gelegenheiten zum Ausbruch aus dem städtischen Alltag gibt es immer, man muss sie nur wahrnehmen.
Überall, auch am Rande einer Großstadt finden sich Naturräume, Rückzugsräume, in denen man einen Auszeit nehmen kann.  Ein paar Quadratkilometer Wald und Flur sind alles, was nötig ist ist, um abzuschalten. Die schönsten Ecken finden sich oft direkt neben dem Massentreffpunkt Naherholungsgebiet. 1 Kilometer vom Parkplatz entfernt, auf einer Lichtung kann man schon allein sein.

Ein Platz zum Feuermachen zwischen zwei Waldwegen, jeder ist nur 20 Meter entfernt, man kann die Stimmen anderer Menschen hören und ist dennoch weit weg.
Nicht mal einer Landkarte bedarf es in diesen digitalen Zeiten. Google Earth hilft, die schönsten Flecken in unmittelbarer Nachbarschaft zu finden und die GPS-Funktion des Handy lotst einen dann auch wieder zum Auto oder Bahnhof zurück. Abgesehen davon, was wäre so schlimm daran, mal nicht zu wissen, wo genau man sich gerade befindet? Die wirklich schönen Flecken findet man nur, wenn man sich treiben lässt, und früher oder später kreuzt man die nächste Landstraße, ist die nächste Ortschaft nicht mehr weit.
Einer extra Ausrüstung dafür bedarf es auch nicht, kaum mehr als nötig wäre, um einen Nachmittag im unbedachten Fußballstadion zu überstehen. Na ja, die Schuhe dürfen gerne wasserdicht und geländegängig ein, aber sonst braucht es nicht viel, um einige schöne Stunden zu verbringen. Vielleicht eine klein verpackbare Hängematte für die Herbstsiesta?

Ein sinnvolles Accessoire ist natürlich der kleine Esbitkocher, den viele in der einen oder anderen Ausführung noch vom „Campingclub Oliv“ her kennen. Sei es nun die Fleck- oder Stricheltarnfraktion gewesen. Ohne Kaffee, Tee oder eine kleine Suppe ist die Pause nur halb so schön.

Unverzichtbar ist jedoch ein guter Freund, mit dem man loszieht, „verrückte“ Dinge zu tun. Ein Freund ist der, mit dem man schweigt, genießt, sich durch einige wenige Worte verständigt und von dem man weiß, dass er da ist.

Verrückt ist man aber nur in den Augen derer, die nicht dabei sind und sich gar nicht vorstellen können, auch nur für einige Stunden auf die lebensnotwendige Zivilisation in Form von Zentralheizung und Asphalt zu verzichten. Somit auch nicht erfahren werden, was es wirklich heißt draußen zu sein. Sich den alltäglichen Zwängen zu entziehen, sei es auch nur für kurze Zeit, das ist wirkliche Freiheit. Nicht mit Geld aufzuwiegen oder zu ersetzen, wichtiger als jeder Titel oder beruflicher Erfolg.

Männer sind auch Väter. Bei uns in der Familie war es üblich, am Wochenende wandern zu gehen. Frühmorgens los, am späten Nachmittag zurück. Das war einfach so. Mein Vater war da in seinem Element. Mit seiner üblichen Kluft – Baskenmütze, Wanderstock und Haferlschuhen – angetan, erklärte er uns Bäume, Pilze und wusste immer, wirklich immer, wo Norden war. Ein Orientierungssinn, den er in seiner Jugend eingetrichtert bekommen hatte und über den ich nicht verfüge. Vermutlich zum Glück, denn seine Ausbildung erfolgte in der HJ.
Aber lehren und lernen können Väter und Söhne zu jeder Zeit. Es gibt männliche Refugien ausserhalb mütterlicher Begluckung, die für eine gesunde Entwicklung einfach notwendig sind. Immer in Watte gepackt, wird aus dem Kind kein Mann. Deshalb ist es auch sinnvoll, eines Tages zu sagen „Junge, Du bist jetzt sechs Jahre alt, da wird es höchste Zeit dass Du lernst, mit einer Axt umzugehen“. Also geht es am nächsten Wochenende in den Wald und ein umgestürzter, morscher Baum ist auch schnell gefunden.
Die Regeln sind einfach. „Die Axt ist ein Werkzeug, mit dem man sich richtig verletzen kann. Du tust genau, was ich sage, sonst ist der Tag gelaufen. Nie mit der nackten Schneide herumlaufen, erst wenn Du stehst, packst Du sie aus. Bevor Du gehst, wird sie wieder eingepackt. Der Baum befindet sich zwischen Deinen Beinen und der Axt. Sie wird sauber geführt, ohne Wucht geschwungen. Erst kommt die Technik, dann die Kraft.“

Das geht dann eigentlich ganz einfach, nötig ist nur, den kindlichen Übermut unter Kontrolle zu halten und immer wieder die Technik zu kontrollieren „drei Schläge links, dann drei rechts, so entsteht die Kerbe. Nicht mit roher Kraft, aber mit Konzentration das Beil führen.“ Ja, so ein Beil ist gefährlich, aber noch gefährlicher ist es, den Kurzen von allem fernzuhalten, was  auch nur theoretisch eine Bedrohung der Gesundheit darstellen könnte. Selbstbewusstsein und manuelles Geschick wollen trainiert werden und wer könnte das einem Jungen besser beibringen als Vater oder Onkel?
Spätestens mit der Einschulung beginnt für unsere Kinder endgültig die Zeit des Stubenhockens. Waren es vorher schon Fernseher und Spielkonsole, die die Freizeit regierten, so kommt jetzt noch Sitzen und Lernen hinzu. Wie kompensiert man das als Vater? Man lässt seinen Filius die zwei besten Freunde einladen und geht dann zusammen in den abendlichen Wald, um dort ein Feuer zu machen.
Grundvoraussetzung ist ein bekanntes Ziel, ca. 30-40 Minuten zu Fuß entfernt. Die Kinder haben genug warme und wasserdichte Sachen dabei, denn nichts verdirbt die Freude an der Natur so nachhaltig wie Nässe und Kälte. Feuer wird nur dort entzündet, wo sich auch eine Feuerstelle  befindet. Alles bis auf das Feuerholz wird mitgenommen und auch wieder nach Hause geschleppt. Sehr wichtig neben den Streichhölzern ist auch ein geeigneter Fidibus, um eventuell feuchtes Holz einfacher zum Brennen zu bringen. Nie macht man so etwas in einem trockenen Sommer, die Waldbrandgefahr ist viel zu groß!

Würstchen und Brot an selbstgeschnittenen Ästen ins Feuer zu halten und dann mit Genuss zu essen, ist eine sehr elementare Erfahrung, die eigentlich jedes Kind mal machen sollte.
Das wichtigste kommt aber am Schluss, denn das Feuer muss auch gelöscht werden, indem man reinpieselt. Absolut unverzichtbar, denn die Sicherheit im Wald geht vor. Da kann dann noch eine weitere elementare Fertigkeit geübt werden, nämlich im Stehen zu pinkeln. Unglaublich, aber wahr, die Söhne alleinerziehender oder dominanter Mütter haben so etwas im Zweifelsfall nie gelernt. Um den zu erwartenden Hänseleien zukünftiger Klassenkameraden zuvorzukommen, ist hier jetzt die Möglichkeit zum Üben gegeben. Hinstellen, Hose auf, Piephahn raus, zurückziehen und laufen lassen. Natürlich zwecks Verhütung eines Waldbrandes, aber auch, weil Mann es kann und deshalb tun sollte, wenn er unter seinesgleichen ist.

Alexander Barduas Motto ist „Natur beginnt vor der Haustür. Er betreibt die Seite www.outdoor-professionell.de, die Informationsquelle für jeden, der sich gerne in der freien Natur aufhält. Der Schwerpunkt liegt bei Informationen zur Outdoorausrüstung und Testberichten.

Bild Nr. 4: Nagual, www.bushcraftuk.com
Alle anderen Bilder: Alexander Bardua

Links der Woche – 16.4. bis 21.4.

Jeden Freitag (diese Woche wg. Ostern schon am Donnerstag) auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum langen Oster-Wochenende, viel Spaß!

Straßenbahnführer werden – davon hat man als Junge mal geträumt.
Ein knallharter Job

Spielt noch wer Tetris?
Cooler XCD-Cartoon

Die Geburt einer Auto-Nation.
Spiegel-„Eines Tages“ über die IAA 1951

Ganz normale Männerkriegsgespräche.
Besprechung des Buchs „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ in der taz

Wenn mein Ringfinger länger ist als mein Zeigefinger… stehen die Frauen auf mich.
Wenigstens in einer Studie bei Spiegel-Online

Und… Frohe Ostern!

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=FG0wxOg4zMM

 

Faszination Modellflug

Warum stellen sich erwachsene Männer (vereinzelt sind auch schon Damen dabei beobachtet worden!) mit einer Fernsteuerung vor dem Bauch auf eine Wiese und lassen kleine Flugzeuge fliegen? Was macht die Faszination am Modellflug aus? Der Versuch einer Erklärung.

Während man in Wien die Sorgen in ein Glaserl Wein schüttet, sind die Chinesen seit ein paar Jahrtausenden schlauer. Sie schreiben ihre Wünsche auf einen Zettel und lassen sie mit einem Drachen in den Himmel aufsteigen. Ganz nebenbei haben sie wahrscheinlich deswegen das Papier gleich mit erfunden. Die hierzulande zu dieser Zeit üblichen Steinplatten hatten nicht annähernd so gute Flugeigenschaften.
Drachen haben allerdings den Nachteil, dass sie nur zu günstigen Windverhältnissen steigen können. Wünsche und Träume hat man aber auch bei Flaute. Oder gerade dann. Was tun? Ein Modellflugzeug ist da eine veritable Lösung. Mit oder ohne Antrieb hat man es selbst in der Hand, wann man ein Stück von sich den Elementen anvertrauen will und dennoch festen Boden unter den Füßen behalten.

Modellbauer. Oder Modellflieger? Wo ist der Unterschied? Es gibt sie beide. Erstere erkennt der unbedarfte Beobachter daran, dass sie die größten, schönsten und aufwändigsten Flugmodelle selbst bauen. Und dann damit oft mehr oder weniger hilflos in der Luft herumeiern, weil sie vor lauter Konstruieren, Planen und Basteln kaum auf dem Flugfeld zu sehen sind. Ganz im Gegensatz zu den Modellfliegern. Die haben überwiegend auch schöne Flugzeuge. Aber die haben sie meistens entweder von der ersten Gruppe gekauft oder sich mit einem Fertigmodell eingedeckt. Die Werkstatt der Flieger ist, sofern überhaupt vorhanden, lediglich für schnelle Reparaturen ausgelegt. Denn viel häufiger sieht man diese Piloten dort, wo sie sich am wohlsten fühlen: Auf dem Flugfeld. Die Grenzen zwischen den beiden Gruppen sind natürlich fließend. Da die meisten sowohl ganz passabel bauen, als auch sehr ordentlich fliegen können. Oder umgekehrt. Und genau damit ist ein wichtiger Punkt für die Faszination dieses Hobbys gefunden.

Denn es gibt kaum eine andere Freizeitbeschäftigung, die ähnlich vielseitig ist. Das beginnt, wie erwähnt, schon beim Bau. Auch wenn immer mehr Fertigmodelle auf den Markt drängen, zu tun gibt es noch genug. Angefangen von der Wahl des Antriebs und der Fernsteuerkomponenten und dem fachgerechten Einbau, bis zum gekonnten Finish. Viele legen Wert auf ein perfektes Cockpit mit allen Instrumenten und Pilotenpuppe, Liebhaber von Oldtimer-Flugzeugen verpassen ihren „Fliegenden Kisten“ die Patina, die für ein realistisches Outfit sorgt.

Und genau so vielseitig wie die Piloten sind auch ihre Modelle. Der eine erholt sich bei stundenlangen Flügen mit seinem Segler in der Thermik, der andere findet den richtigen Kick mit einem rasanten Turbinenjet. Vom Doppeldecker bis zur modernen Reisemaschine reicht das Spektrum, über 100 Jahre Luftfahrtgeschichte werden im Modell wieder lebendig. Technikverliebte begeistern sich für Hubschrauber, die es in allen Größen und Antriebsvarianten gibt.

Motormodelle waren lange Zeit mit Schuld am manchmal schlechten Image der Modellflieger. Die knatternden 2-Takt-Motoren aus den 70iger Jahren sind leider immer noch in den Köpfen. Wenn das heute grundlegend anders geworden ist, hat das einen einfachen Grund: Auch die Piloten „en Miniature“ sind ganz normale Leute. Sie haben Freude an der Natur und den schönen Dingen des Lebens. Und stören sich massiv daran, wenn es in ihrer Freizeit über Gebühr laut und hektisch zugeht. Denn schließlich wollen sie sich ja auch in der Natur erholen. Darum haben sie in den letzten Jahren alles daran gesetzt, ihre Flugzeuge so leise wie möglich auszulegen. Das beginnt bei großvolumigen Viertaktmotoren mit aufwändigen Schalldämpfern und endet beim fast geräuschlosen Elektroantrieb, der mittlerweile fast noch effizienter arbeitet als Verbrennermotoren. Da Modellflieger größten Wert auf eine gute Nachbarschaft mit Anwohnern, Landwirten, Jagdpächtern und Naturschützern legen, wird bei ihnen keine Möglichkeit ausgelassen, ihre Modelle in dieser Hinsicht zu optimieren.

Um zur Eingangs gestellten Frage zurückzukommen: Was macht denn nun die „Faszination Modellflug“ aus? Die Antwort auf diese Frage ist so vielseitig wie unser Hobby. Am besten, Du probierst es einmal selbst aus!
Der einfachste Weg zu einem ferngesteuerten Flugmodell zu kommen, ist wohl das Internet, z. B. über das Fliegerportal Airmix. Allerdings kann das Internet auch der sicherste Weg sein, genauso schnell wieder frustriert die Lust an dem schönen Hobby zu verlieren. Denn auch, wenn das Modell fast fertig aus der Schachtel kommt und nach ein paar Minuten fliegen kann, heißt das noch lange nicht, dass der Pilot es auch sicher zu landen im Stande ist. Spätestens, wenn der schöne Vogel nach der ersten unsanften Landung zerbröselt im „Gelben Sack“ steckt, ist man schlauer: Der sicherste und beste Weg in die Luft zu gehen, startet beim Fachhändler. Der kann Dir Dein Modell für den Erstflug einstellen und entweder selbst Starthilfe durch eine kurze Einweisung am Modellflugplatz geben, oder einen Verein in der Nähe nennen. Die Adressen von Modellflugclubs erfährst Du auch beim Deutschen Modellflieger Verband „DMFV“ (www.dmfv.de). Dort bekommst Du auch eine günstige Haftpflichtversicherung, die mittlerweile für ferngesteuerte Flugmodelle gesetzlich vorgeschrieben ist.
So vorbereitet, erlebst auch Du schnell das tolle Glücksgefühl der gelungenen Landung nach Deinem ersten Alleinflug: Gentleman, start your engines!

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Fotos: Robert Hill

Was liegt an – 18.4. bis 25.4.

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Es geht auf Ostern zu, es geht auf den Sommer zu, die Wintersportsaison verabschiedet sich endgültig mit dem Finale um die Deutsche Eishockeymeisterschaft, und niemand schaut zu. Quatsch, niemand. Natürlich schauen die Kollegen in den Hallen in Wolfsburg und Berlin zu. Und die Jungs mit einem Sky-Abo. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob die DEL sich einen Gefallen damit tut, DAS Eishockey-Top-Ereignis hinter Bezahlschranken zu verstecken. Ist ja klar, das Geld von Sky haben die Vereine bitter nötig, aber so lange spannendes Eishockey nur von einer kleinen Minderheit begutachtet werden kann, bleibt Eishockey hierzulande einen Nischensportart. Nuja, die Eisbären führen bereits zwonull, wenn Wolfsburg sich nicht zusammenreißt, ist die Sache morgen eh entschieden.
Okay, wie schaut‘s mit anderem Sport aus? Heute abend er-re-gen-der Zweitliga-Fußball auf Sport1, der KSC gegen die Augsburger. Am Mittwoch dann ein echtes Fußball-Highlight, das ZDF überträgt ab 21 Uhr 15 das Finale um den spanischen Pokal, die Copa del Rey, also Barca gegen Real, „Il Clásico“, wie das Traditionsspiel genannt wird. Hatten wir schon zweimal diese Saison, in der Hinrunde der spansichen Liga gab‘s eine derbe Fünfnull-Klatsche für Real, aber Mourinho ist einer der lernfähigsten Groß-Trainer überhaupt, letzten Sonnabend (konnte man auf laola.tv gratis live angucken) sah es schon ganz anders aus, Real stand defensiv ganz ausgezeichnet und schaffte trotz Unterzahl ein respektables 1:1. Mourinho hatte wieder 90 Minuten Zeit, den Gegner und seine Taktik 90 Minuten von ganz nah zu studieren, die Partie am Mittwoch ist noch offen mit leichten Vorteilen für Real. Bei den nächsten beiden Clásicos (Halbfinale Champions League) kennt Mourinho Barca so gut, dass er auf dem Klub taktisch Klavier spielen kann. Ich sehe Real im CL-Finale.
Am Wochenende finden dann die Platzierungsspiele der Bundesliga hinter Dortmund statt, und am Ostermontag nochmal zweite Liga bei Sport1, Duisburg gegen die so gut wie aufgestiegene Hertha.
Snookerfreunde schalten die Woche über auf Eurosport, die WSA WM in Sheffield wird übertragen, und am Ostersonntag ebenfalls auf Eurosport der nächste Radsport-Klassiker: Lüttich-Bastogne-Lüttich.
Darf man Witze über Selbstmord-Attentäter machen? Selbstverständlich, vor allen Dingen, wenn sie so gut sind, wie in „Four Lions“, der britischen Filmsatire, die endlich einen deutschen Verleiher gefunden hat und am Donnerstag in die Kinos kommt. Dicke Empfehlung, hier der Trailer

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=3CwUYg7VJwE

Ein Gang in die Videothek des Vertrauens lohnt ebenfalls, ab Donnerstag kann dort „Nowhere Boy“, ein Film über den jungen John Lennon, ausgeliehen werden.
Und in der Glotze? Klar, heute abend 20 Uhr 15 wieder Mick Brisgau auf Sat1, eine neue Folge „Der letzte Bulle“ mit dem schönen Titel „Die Nackttanker von Huttrop“, das kann Mann sich nicht entgehen lassen.
Regelmäßigen Lesern dieser Seiten sollte aufgefallen sein, dass ich alternder Sack ein gewisses Faible für Filme habe, in denen alte Säcke zeigen, dass sie‘s noch drauf haben, am Donnerstag zeigt Sat1 „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Der Anfang ist sensationell, zwischendrin gibt es ein paar sehr gelungene Sequenzen, insgesamt hätte ich mir etwas mehr Harrison Ford, etwas weniger Shia LaBeouf (wie kommen berühmte Schauspieler nur zu diesen Namen?) und ein knalligeres Finale gewünscht, aber ich will nicht maulen, schönes Popcorn-Kino.
Am Ostersonntag kommt ebenfalls zur Primetime eine absolute Perle des Abenteuerfilms auf Kabel1: „Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm“. Ausgerechnet die Oberösterreich-Nachrichten haben den Film auf den Puntk gebracht: „Niederträchtige wie stolze Wüstensöhne, Intrigen und Gefahren, ein Pferd, das seinen Reiter zu sich selbst führt, grandiose Landschaftsaufnahmen, kulturelle Vorurteile, charmanter Witz – und logische Ungereimtheiten.“ Sowas sieht Mann doch gern, da schalte ich ein.
Am Ostermontag schließlich sendet Vox zum xten Mal den leicht konfusen „Bulletproof Monk“ um 20 Uhr 15 auf Vox, es gibt Martial-Arts-Fans, die mit dem Streifen nichts anfangen können, versteh ich nicht, ich seh den immer wieder gern.
Die nächste Wochenvorschau gibt‘s am Dienstag nach Ostern, bis dahin – eine schöne Woche und viel Spaß!

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de