Der Paradigmenwechsel

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Wer die Suchfunktion der Nassrasurforen nutzt und mal so zehn, fünfzehn Jahre in der Zeit zurückgeht, wird eine verblüffende Entdeckung machen: Damals war die Welt der Rasierseifen eine ziemlich andere als heute. Damals galten die britischen Klassiker wie Trumper, DR Harris, Truefitt & Hill und Co. waren einmal das Maß aller Dinge, die Referenzklasse unter den Rasierseifen, und das – damals – vollkommen zu Recht. Diese Seifen produzierten einen voluminösen, üppigen Schaum, und die Düfte waren State-of-the-Art, was die Oldschool-Richtung anbelangt. Rasierseifen von kleineren Herstellern, die manufaktur-mäßig hergestellt wurden, kamen damals nicht über den Geheimtippstatus hinaus. Man probierte sie mal, um dann doch wieder zu den Klassikern zurückzukehren und ihre Vorzüge zu loben. weiterlesen…

Duft auf Vorrat? Lieber nicht!

Ich bin ein Fan der Rasierseifen von Haslinger. Mit denen ist es ein leichtes, einen schlotzigen Rasierschaum aufzuschlagen, der meine Barthaare optimal einweicht. Bei der nachfolgenden Rasur schneidet die Klinge die Stoppeln mühelos ab, und wenn ich mir die restliche Seife aus dem Gesicht gewaschen habe, bleibt ein angenehmes Hautgefühl zurück, da macht das Rasieren richtig Spaß. Eine Sonderstellung nimmt die Haslinger „Meeresalgen“ zu, die riecht so schön nach Sonne, Strand und Meer, da kommt auch noch eine geistige Erfrischung dazu, die mein Wellness-Ritual abrundet. Trotzdem hab ich die „Meeresalgen“ jetzt fast zwei Jahre lang nicht verwendet… weiterlesen…

Ein bisschen Streit muss sein…

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Wenn man die Nassrasur als Hobby betreiben. also über die morgendliche Haarentfernung hinausgehen und den nassrasürlichen Dingen auf den Grund gehen will, ist eines am schwierigsten zu erreichen: Gelassenheit. Man befindet sich ja beinahe auf einer ritterlichen Queste – nur dass man nicht nach irgendeinem Heiligen Gral sucht1 sondern nach der gründlichsten und gleichzeitig angenehmsten Rasur überhaupt. Bis man dieses Ziel erreicht hat, muss man vielleicht einen langen und steinigen Weg zurücklegen, sich vielleicht sogar ein paar Mal verirren, bevor man endlich am Ziel angelangt jst. Dann aber, wenn man endlich die perfekte Rasur hinbekommen und wiederholbar gemacht hat, ist man natürlich von seiner Methode überzeugt – vollkommen zurecht, weil man ja auch jede Menge Arbeit und Mühen in das Erreichen dieses Ziels gesteckt hat. weiterlesen…

Pinsel mit Massage-Effekt

Ich bekenne: ich bin ein Dachshaar- und Synthetik-Mann. Die Gründe dafür hab ich in diesem Blog oft genug geschrieben. Letztlich ist die Pinselwahl Geschmackssache. denn auch mit Pinseln aus Schweineborste, über die ich heute schreiben will, kann man herrlich schlotzigen Schaum schlagen, der den Bart optimal auf die Rasur vorbereitet. Borstenpinsel haben Dachshaar- und Synthetik-Pinseln sogar etwas voraus. weiterlesen…

Im Wartesaal der Nassrasur

Ein Thema, das in den Nassrasurforen immer wieder gern diskutiert wird, ist die Einweichzeit – also die Zeit, die man zwischen Einschäumen der Bartzone und dem Ansetzen des Rasiergeräts abwarten sollte, um dem Barthaar Zeit zur Erweichung zu geben. Dass das Einweichen der Barthaare wesentlich dazu beiträgt, dass eine Rasur angenehm und mühelos verläuft, habe ich hier ja schon öfters geschrieben. Aber wie weich ist weich genug? Und wie lange brauche ich, um das Softness-Nirvana zu erreichen, das es meiner Klinge ermöglicht, das Barthaar mühelos zu durchschneiden? weiterlesen…

Härter als Stahl – unter Umständen

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Das Rasierklingen stumpf werden ist so normal wie der Regen. Es ist eben so, man kann nichts dagegen Machen. Oder vielleicht doch? Im letzten Jahr wurde am MIT eine Studie erarbeitet, die ein vollkommen neues Licht auf die Beziehung zwischen Rasierklinge und Barthaar wirft. Bisher hab ich immer geglaubt, dass Klingen stumpf werden, weil sie sich bei der Rasur gewissermaßen abnutzen. Doch die Studie beweist, dass beim Rasieren etwas anderes passiert. Tatsächlich sind Barthaare unter gewissen Umständen in der Lage, Stahl zu zerbrechen.

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Das Blutbad

Letzten Sonnabend ist mir bei der Morgenrasur etwas gelungen, was ich schon lange nicht mehr hingekriegt habe: Ich hab mich wirklich geschnitten. War eigentlich ganz einfach: Ich hatte gute Laune, angenehme, schwungvolle Musik dudelte im Hintergrund, da möchte man doch im Rhythmus mitrasieren, und mit Schmackes auf die 1… Zack, hatte ich den Hobel mehr auf die Haut geworfen als angesetzt und mir einen Cut in die Lippe versetzt, mehr als einen halben Zentimeter lang. Sonderlich weh hat’s nicht getan, das Blutbad hingegen war ziemlich eindrucksvoll. Das rote Zeugs strömte mir das Kinn herunter und tropfte in breitem Strom über den Umweg Bauch ins Waschbecken. weiterlesen…

Was ist ein Scuttle?

Eigentlich müsste man die Frage zweiteilen: Was waren Scuttles früher, und was sind sie heute? Denn das ursprüngliche Shaving Scuttle stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und hat nur das Grundprinzip mit den Rasurutensilien gemein, die heute als Scuttles angeboten werden. Fangen wir mit den historischen Scuttles an. Die wurden zu einer Zeit erfunden, in der heißes Wasser noch ein absoluter Luxusartikel war. Mitte des 19. Jahrhunderts kam das Wasser meistens aus der Pumpe, und heißes Wasser machte man daraus, in dem man es auf dem Kohlenherd oder über dem offenen Feuer erhitzte. Wenn man sich also mit heißem Wasser rasieren wollte, musste man meist erst mal in die Küche gehen, um es sich zu organisieren. Und irgendein findiger Kopf ist dann auf die Idee gekommen, so ein Kombi-Teil zu bauen. Mit dem man nicht nur heißes Wasser aus der Küche holen konnte, sondern das auch zum Aufbewahren und Aufschlagen der Rasierseife diente. Das Shaving Scuttle war geboren. weiterlesen…

Zen oder die Kunst der gepflegten Nassrasur

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Die regelmäßigen Leser meiner Posts zum Thema Nassrasur wissen es: Ich nutze die Minuten meines täglichen Wellness-Rituals gern dazu, die Gedanken mal fliegen zu lassen. Manchmal denke ich über Dinge nach, die mich aktuell bewegen, manchmal über Gott und die Welt und manchmal auch an – nichts. Dann fangen, wenn ich mein Gesicht einschäume, plötzlich alle Gedanken an, aus meinem Gehirn zu verschwinden. Wenn der Schaum in meinem Gesicht steht und ein wenig meinen Bart eingeweicht hat, setzte ich den Hobel an, und plötzlich gibt es nichts anderes mehr als meinen Hobel, die Bartstoppeln und mich. Der Rest der Welt ist unwichtig geworden, wichtig ist nur, dass der Hobel meinen Bart ab- und nicht in meine Haut einschneidet. Zug um Zug. Lange Züge auf den Wangen und am Hals, kurze am Kinn und um den Mund herum. Immer schön im Rhythmus bleiben, nicht nachlässig werden, und wenn der Schaum verschwunden ist, wiederholt sich das Spiel im zweiten Durchgang gegen den Strich: Zug um Zug, lang und kurz, immer im Rhythmus. Und schließlich, wenn ich die Seifenreste aus meinem Gesicht wasche, das Aftershave auftrage und meine Rasur-Utensilien säubere, komme ich in die Wirklichkeit und die Gedanken in mein Bewusstsein zurück. Ich fühle mich herrlich entspannt und erfrischt. Körperlich und geistig. Ganz erstaunlich, was so eine Nassrasur für einen tun kann.