Männeressen: Full Irish Breakfast

Es gibt einige Dinge, die aus der Mode gekommen sind, z.B. Politiker mit Würde und Anstand, gepflegte Film-Prügeleien und das Full Irish Breakfast1, eine üppige Morgenmahlzeit, die klassischerweise aus Spiegeleiern, Speck, Würstchen, Tomaten, Pilzen, Baked Beans und Black and White Pudding2 besteht. Unverständlicherweise denken viele Menschen, dieses Frühstück sei zu schwer, zu fett und aufwändig zuzubereiten.
Das stimmt nicht. Die Zubereitung des Full Irish Breakfasts ist unaufwändig und einfach.

Beginnen wir mit der Beschaffung der Zutaten. Problemlos sind Speck, Eier, Champignons, Tomaten, Baked Beans (aus der Dose oder – viel besser – selbstgemacht).
Hierzulande White Pudding zu bekommen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, drum lässt man ihn am besten weg. Black Pudding hingegen geht, eine irgendwie bratbare Blutwurst sollte im Land der Würste aufzutreiben sein, ihr müsst nur darauf achten, dass es eine feste Wurst ist. Weiches, locker gestopftes Zeugs, wie es im Sauerkraut warmgemacht wird, läuft euch in der Pfanne davon.
Kommen wir zum echten Problemfall, den Bratwürsten, den berüchtigten „Bangers“3. Vergesst Nürnberger Rostbratwürstchen oder ähnliches: die können zwar auch ganz manierlich schmecken, aber für das „Full Irish“ ist dieser typische Bangers-Geschmack4 absolut unerlässlich. Großstädter haben es einfacher, z. B. hier in Berlin gibt’s Geschäfte mit englischen Spezialitäten, wo man sie tiefgekühlt bekommt, ansonsten bleibt nur der Versandhandel.
Okay,  das Zeugs hätten wir besorgt, jetzt machen wir lecker Frühstück. Als erstes heizen wir den Backofen auf 80 Grad vor, wenn wir die Sachen nacheinander zubereiten und warm halten, erleichtern wir uns das Leben sehr. Dann legen wir ein paar Streifen Speck in eine kalte (!) Eisenpfanne und bringen die bei mittlerer Hitze auf Temperatur. Den Speck nicht anrühren, bis er Geräusche macht und sich an den Rändern kräuselt, dann umdrehen, noch ein paar Augenblicke weiterbraten und dann auf einem Teller im Ofen parken. Zaghafte Naturen entfetten auf Küchenpapier, echte Kerle betrachten sich mit Wohlgefallen im Cholesterin-Spiegel.
Jetzt wandern die Würstchen ins in der Pfanne verbliebene Speckfett, werden schön durchgebraten (fünf bis zehn Minuten) und wandern ebenfalls in den Ofen. Gescheibelte Champignons sind nun an der Reihe, darauf achten, dass die Pfanne schön heiß ist, dass sie richtig braten und kein Wasser ziehen. Salz, Pfeffer und Zitronensaft drauf, und jetzt werden die gehälfteten Tomaten in der Pfanne gebraten5.
Kurz vor Schluss hat die Blutwurst, in zentimeterdicke Scheiben geschnitten, ihren Auftritt, das sollte ranz schnell gehen, rein, rum raus, so dreißig Sekunden von jeder Seite sollten genügen, um für Kruste und Hitze zu sorgen.
Jetzt gießen wir das Fett ab und geben ein großzügig bemessenes Stück Butter in die Pfanne, wenn das geschmolzen ist und schäumt, braten wir die Spiegeleier darin. Separat haben wir die Baked Beans in ’nem kleinen Topf warm gemacht, und wer so’n irisches Sodabrot da hat, kann davon noch ein paar Scheiben in der Pfanne aufbraten, ich mach Toast, stell noch salzige Butter und Orangenmarmelade auf den Tisch, befreie meine Schätze aus dem Ofen und trage sie zu Tisch.

Full Irish Breakfast

Der Typ, für den das Frühstück auf diesem Foto war, mag keine Baked Beans. Deshalb liegen sie nicht auf dem Teller. Wer vergessen hat, wie Baked Beans aussehen, kann sich das nachfolgende Foto anschauen.

Baked Beans

War das kompliziert? Nö. War das aufwändig? Nö. Ist das schwer und fettig? Aber ja. Deshalb essen wir’s ja gerne. Mahlzeit!

Fotos: Gabriele Helbig (Full Irish), Chris Kurbjuhn (Baked Beans)

  1. Ebenso wie das Full English Breakfast, das sich vom Irish gar nicht so sehr unterscheidet. In England verzichtet man meist auf Black und White Pudding, legt aber gelegentlich einen gegrillten Hering dazu. Gewöhnungsbedürftig.
  2. Black Pudding ist Blutwurst. White Pudding ist Blutwurst ohne Blut. Ist ganz logisch, wenn man einen Moment drüber nachdenkt.
  3. Die Bezeichnung kommt von Eigenschaft der Dingerchen, gelegentlich mit  lautem Knall in der Pfanne oder auf dem Grill zu zerplatzen.
  4. Defaitisten beschreiben ihn als „wie fettes Brot“.
  5. Ich bin absolut kein Freund der  klassischen Grilltomaten, die ist meist oben schwarz, bis sie innen weich ist, nee, muss nicht sein, der Pragmatiker brät und genießt!
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3 Responses to Männeressen: Full Irish Breakfast

  1. In den Siebzigern habe ich zweimal Irland als Anhalter bereist. Übernachtet haben wir bei älteren Damen und Ehepaaren, die in ihren übergroßen Privathäusern Bed&Breakfast angeboten haben. Das Full Irish Breakfast habe ich genossen! Aber eines morgens war es mir dann doch zuviel, als mir die Aromen der pan-fried Spezialitäten den Weg in den Frühstücksraum wiesen. Ich habe von der ganzen Pracht schließlich ein klitzekleines Würstchen auf dem Teller liegen lassen.

    Die Hausfrau war sehr aufgebracht. Ich entschuldigte mich mit dem Hinweis auf unsere heimischen Frühstücksgewohnheiten. „Ja, was glauben Sie denn, was wir zum Frühstück essen?“ konterte die Wirtin, die morgens auch nur ein Marmeladenbrot verzehrte. „Ich bereite das nur für Touristen zu, die einen anstrengenden Reisetag vor sich haben!“

    Ich setzte die Unterhaltung höflich fort, und wir kamen auf Brotspezialitäten zu sprechen, wozu unsere Gastgeberin bemerkte: „Als die verdammten Engländer uns in den Krieg mit den Deutschen hineingedrängt haben, da gab es kein weisses Brot. Eine schlimme Zeit war das!“

    Wie gesagt: ich war ein höflicher junger Mann und habe hoffentlich doch noch etwas zur Völkerverständigung beigetragen …

  2. Jetzt habe ich gerade mit dem „english breakfast“ begonnen, das schiebst Du so´ne Nummer nach! 🙂

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