Dicke Wagen

Papa pennt im Kinderwagen

So groß, dass sogar Papa reinpasst

Davon träumen Militärs: von einem einfachen, wendigen, von einer Person zu steuerndes Gefährt, dessen bloße Anwesenheit im Nahkampf eine gegnerische Kompanie durch Einschränkung der Bewegungsfreiheit beinahe komplett lahmlegen kann. Die Rede ist selbstverständlich von einem modernen Kinderwagen, über dessen massives militärisches Potential man sich in Berliner Doppeldeckerbussen ein Bild machen kann. Wenn einer (oder gar zwei!) dieser Panzerspähwagen mit einsitzendem Kleinkind mittig in den Bus gewuchtet werden, sind die restlichen Passagiere zur Immobilität verdammt, dann gibt‘s im Wagen weder vor noch zurück bis Mutter, Kind und fahrbarer Untersatz den Bus wieder verlassen haben. Warum um Himmelswillen erreichen diese Kinderwagen mittlerweile schon beinahe die Größe eines Smart?
Die Antwort ist einfach: Weil die Passagiere dieser Wagen immer größer werden. Nicht etwa, weil die Kinder heutzutage so viel größer sind als früher, sie werden einfach länger in ihren Aufklärungsfahrzeugen durch die Weltgeschichte geschoben.
Ein Beispiel: eins der größten Vergnügen meiner Kleinkinderzeit muss es gewesen sein, auf den Schultern meines Vaters durch die Gegend getragen zu werden. Mein Vater war ein 1,92m großer Hüne, der Ausblick muss fantastisch gewesen sein, und die Geschwindigkeit, mit der er mich mit seinen Sieben-Meilen-Schritten getragen hat, war für mich kleinen Jungen sicherlich atemberaubend.
Wie es wirklich war, kann ich nur vermuten, denn ich erinnere mich nicht. Lediglich ein paar alte Fotos zeigen mich auf seinen Schultern sitzend, wie ich mich fröhlich grinsend an seinen Haaren festklammere. Ich kann mich nicht daran erinnern, weil mit Kinderwagen und Auf-den-Schultern-Reiten Schluss war, als ich Laufen gelernt hatte. Ab diesem Zeitpunkt war ich für mein irdisches Fortkommen allein verantwortlich.
Heute scheint es anders zu sein, denn die Kinder, die ich in den von ächzenden Müttern durch die Gegend gewuchteten Ungetümen erblicke sind oft so groß, dass man „Können die noch nicht alleine laufen?“ fragen möchte.
Und wenn man sich das Fragen doch mal traut, kommt‘s: „Ja, klar, aber der braucht so lange. Wenn‘s schnell gehen muss, setzen wir ihn in den Buggy, das spart unglaublich Zeit.“
Nun ja, hätte man mir seinerzeit eine derartige Möglichkeit offeriert, wäre ich gar nicht aus dem Buggy herausgekommen. Ist doch viel besser, komfortabel durch die Welt kutschiert zu werden, als mühsam dieses unpraktische Gehen zu erlernen. Dann stell ich mich doch extra ungeschickt an, fall ein paar Mal hin, blöke laut los, bis Mama und Papa die Geduld verlieren und mich in den bequemen Kinderwagen setzen, ab geht die Post!
Und wer jetzt meint, das macht doch nix, wenn man die lieben Kleinen ein Weilchen länger herumkutschiert als früher, der soll sich gern einmal mit meinem Freund Andreas unterhalten. Andreas ist Tennistrainer und muss seit ein paar Jahren etwas machen, dass er vorher noch nie gemacht hat: Er muss mit kleinen Kindern, die zu uns in den Tennisclub kommen, um diesen Sport zu erlernen, rückwärts Laufen üben. Bis vor ein paar Jahren hatten die Kinder das beim Laufen lernen und Herumtoben von allein gelernt. Als die Kinderwagen noch kleiner waren.
Otto Rehagel pflegt junge Spieler davor zu warnen, sich zu früh in dicke Wagen zu setzen: „Wenn Sie jetzt schon mit dem Porsche ankommen, was wollen Sie denn fahren, wenn Sie fünfzig sind?“ Wenigstens hier hat Rehagel recht: Es ist nicht gut, in einen dicken Wagen hineingesetzt zu werden. Es ist viel besser, wenn man ihn sich in fortgeschrittenem Alter verdient.

Foto by Yoav Dothan (self taken) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die gefährlichste Jahreszeit

Diät

Diät - Quatsch ohne Sauce

Die gefährlichste aller Jahreszeit beginnt. Die Plätzchenbüchsen sind leergegessen, der Appetit auf deftiges Winteressen ist – vorübergehend – gestillt, die Gedanken beginnen sich langsam auf das in ca. drei Monaten unerbittlich über uns hereinbrechende Frühjahr zu richten, und das bedeutet, dass Ehefrauen („Gattinnen“ heißt das, wenn man zu Guttenberg heißt), Freundinnen, Lebensabschnittsgefährtinnen oder wie man die unverzichtbaren Damen nun mal nennen möchte, langsam beginnen, einen mit noch kritischerem Auge als sonst anzusehen. Dieser Blick ist wohl bekannt, er wird nämlich jährlich geblickt, und jährlich folgt dann der Satz: „Ein paar Pfund weniger würden dir gar nicht schaden …“
Volle Deckung, die Auswahl der Frühjahrsdiät steht an, und spätestens zum Beginn der Fastenzeit wird aus theoretischem Unfug praktischer Quatsch, dann wird man in das neueste Atkins-Glyx-Sonstwas-Diät-Korsett gezwängt, bekommt statt Essen etwas serviert, wo eine Kaninchenfamilie drin schläft und hat trotzdem spätestens nach einem Jahr das alte Kampfgewicht (plus 1 oder 2 Kilo) wieder erreicht.
Denn alle Diäten, die im Wochentakt über die adipöse Gemeinde hereinprasseln, haben eines gemeinsam: sie funktionieren nicht. Wenn man mich fragt, ob in meinem erweiterten Bekanntenkreis jemand mit einer Diät sein Gewicht dauerhaft reduzieren konnte, kann ich – leichten Herzens, schweren Leibes – mit „Nein“ antworten. Kenne keinen, der dieses Kunststück vollbracht hat.
Mit nicht funktionierenden Diäten reich geworden sind hingegen viele. Wer die Zeit übrig hat, der googele mal den Satz „Warum Diäten nicht funktionieren“. Zwei Drittel der Seiten, auf denen Google diesen Satz findet, erklären sehr schön und sehr luzide, warum es nicht funktioniert, preisen aber gleichzeitig irgendwelche Pillen oder Pülverchen an, mit denen es dann trotzdem gehen soll.
Mittlerweile gibt es eine Milliarden umsetzende Diät-Industrie, deren Geschäftsmodell ausschließlich auf dem schlechten Gewissen ihrer meist weiblichen Kundschaft basiert. Da kann die Diät noch so wirkungslos gewesen sein, der Jojo-Effekt so unbarmherzig zuschlagen, wie er will: die Frau, die vorhersehbar an einem nicht funktionierendem Konzept gescheitert ist, gibt unfehlbar sich selbst die Schuld und nicht den Ernährungs-Gangstern, die sie auf diesen Holzweg geführt haben.
Erstaunlicherweise funktioniert diese weibliche Selbstschuldzuweisung ausschließlich beim Thema Diät, bei allen anderen Themen wird sofort der meist vollkommen unbeteiligte Ehemann („Gatte“ bei den zu Guttenbergs), Lebensabschnittsgefährte, Freund, „Bekannter“ als Hauptschuldiger ausgemacht.
Eine Erklärung für dieses Phänomen habe ich – trotz jahrelangen Nachsinnens – nicht gefunden. Ich weiß nur, dass es regelmäßig wiederkehrt. Jetzt, in der gefährlichsten Jahreszeit.

Foto: RainerSturm/pixelio.de

Der Koma-Kater

Die Unschärferelation des Komatrinkers

Ein Jahr ist vergangen, in dem man es wieder nicht zu Ruhm oder wenigstens Berühmtheit gebracht hat, die Silvesternacht ist Geschichte. Es sind nur noch wenige Zeugnisse nächtlicher Feierlaune in Berlin zu sehen, ein paar leere Sektflaschen, verschmorte Böller-Hülsen und einige komabesoffene Jugendliche liegen auch noch in den Parks und auf den Spielplätzen herum. Zumindest sollte das der Fall sein, wenn es nach den unverbesserlichen Rabauken der Deutschen Angestellten Krankenkasse geht, die kurz vor Tores- bzw. Jahresschluss mit den neuesten Horrorzahlen bezüglich jugendlicher Komasäufer aufgewartet haben. In Rheinland-Pfalz haben sich elf Prozent mehr Jugendliche als 2008 bewußtlos getrunken, in Niedersachsen 10,3 Prozent und in Berlin – die Hauptstadt schlappt wie immer statistisch hinterher – immerhin noch sechs Prozent. Trotzdem: welche Schmach für den Champagner-gestählten Klaus Wowereit, satte 5 Prozent besoffene Jugendliche weniger zu haben als der biedere Dornfelder-Mann Kurt Beck.
Trotzdem kein Grund zur Aufregung, weder für Wowereits Wahlkampfteam noch für die ständig überbesorgten Gutmenschen („Um Himmelswillen, unsere Jugend ist nur noch blau, die Renten sind nicht mehr sicher!“). Denn einerseits haftet der Statistik der DAK ein gewisser Odeur an: zwar sind die Zahlen besonders junger Menschen (jünger als 15), die sich bewusstlos getrunken haben, tatsächlich im angegebenen Maße gestiegen, die Zahl jugendlicher Komasäufer insgesamt ist sogar gesunken, zum Beispiel in Brandenburg um 7,6 Prozent (lt. Märkischer Allgemeine) Und andererseits gibt es – meiner bescheidenen Ansicht nach – gar nicht mehr jugendliche Komasäufer als vor zehn, zwanzig, dreißig, vierzig Jahren. Jugendliche müssen sich ausprobieren, ihre Grenzen austesten, und wenn man seine Grenzen beim Thema Alkohol definieren will, geht das nicht ohne die ein oder andere Grenzüberschreitung. Das ist meist nicht sehr schön, aber letztlich kein Grund zur Aufregung, die Welt ist vor vierzig Jahren auch nicht untergegangen, als der Schreiber dieser Zeilen in höchst beklagenswertem Zustand nach Hause kam, und auch die düstere Zukunft, die ihm seinerzeit prophezeit wurde, ist nicht eingetreten.
Vermutlich waren seinerzeit genauso viele junge Menschen genauso strunzbreit wie heute, und vermutlich war es vor hundert, zweihundert, dreihundert Jahren ebenfalls so. Es gibt allerdings einen feinen Unterschied: heute haben die jungen Menschen Mobiltelefone.
Und mit denen lässt sich ganz einfach der Krankenwagen alarmieren, wenn einer von den Kumpels soviel getrunken hat, dass er weder Sprach- noch Bewegungsapparat mehr koordinieren kann und sich möglicherweise seines Abendessens auf dem Wege entledigt hat, auf dem es zu sich genommen wurde. Was wäre denn die Alternative? Selbst die Kotze wegwischen, den Semi-Bewusstlosen nach Hause transportieren und da seinen Eltern den Zustand ihres Sprößlings erklären? Da ist der Griff zum Handy doch kommoder, zumal die 112 auch noch kostenfrei zu erreichen ist. Eigentlich schade, dass man das noch nicht per SMS (GPS-Daten der Schnapsleiche werden automatisch eingefügt) erledigen kann.
Und dann gibt es natürlich noch eine Presse, die hinter den für ihre Beitragserhöhungen trommelnden Alarmisten der Krankenkassen nicht zurückbleiben will, und jeden, aber auch wirklich jeden Scheißdreck schreibt und druckt, mit dem man besorgten Eltern Angst einjagen kann. Die Tagessspiegel-Headline „Jugendlicher sitzt betrunken auf Schulklo“ mag als Beispiel dafür dienen, dass man mit wirklich jeder Nicht-News zum König des Schulhofs werden kann: „Kiek ma, ich steh im Tagesspiegel, wie die Merkel und der Bohlen!“
Noch nie war es so einfach, berühmt zu werden. Hat mal wer ’n Bier?

Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

Die guten Vorsätze fürs Neue Jahr

Guten Rutsch!

Heute ist Silvester, der Tag, an dem die guten Vorsätze fürs Neue Jahr gefasst werden Für die Männer, die noch unentschlossen sind, was sie sich für das nächste Jahr vornehmen sollen, haben wir die zehn bestmöglichen Vorsätze für ein männliches 2011 zusammengestellt.

2011 könnte man endlich mal

  • mit einem Golf II ein Ampelrennen gegen einen Porsche 911 gewinnen.
  • die zehn coolsten Anmachsprüche von Frank Sinatra an einem Feministinnen-Kränzchen ausprobieren.
  • eine Website mit Nacktfotos von Erika Mustermann aufbauen und damit stinkreich werden.
  • mal wieder mit den Kumpels einen Rummelplatz-Wettbewerb veranstalten: Bier – Bratwurst – Dreifach-Looping. Solange, bis der erste aufgibt. Der zahlt alles.
  • sich im Baumarkt, wenn die Sonderangebote durchgesagt werden, zu Boden werfen und „Die Stimmen sind wieder da! Die Stimmen sind wieder da!“ brüllen.
  • sich im ersten Fotohaus am Platze mindestens eine Stunde lang die neuesten Digitalspiegelreflexkameras vorführen lassen und dann entrüstet „Was soll das heißen, man kann damit nicht telefonieren?“ ausrufen.
  • endlich mal wegen Groben Unfugs (heißt heute „Belästigung der Allgemeinheit“) belangt werden.
  • die Gesundheitsapostel aus dem erweiterten Bekanntenkreis zum Grillfest einladen, Bacon Explosion servieren, im scheinheiligsten Ton „Ach je, ich hatte ja ganz vergessen, dass ihr sowas nicht esst“ rufen und einen Bund ungeputzter Biomöhren auf den Tisch klatschen.
  • mit einem guten Kumpel in einem Sternelokal die Restaurant-Szene aus „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (inkl. stilechter Kostüme) nachspielen.
  • ein Haus abreißen, einen Baum fällen, Verhütungsmittel benutzen!

Wir wünschen allen unseren Lesern einen Guten Rutsch in ein männliches, erfolgreiches Neues Jahr!

Foto: Florian Korthaus/pixelio.de

Zum Weihnachtsfest

Es weihnachtet sehr

Zum Weihnachtsfest gibt’s hier keinen besinnlichen Quatsch, keine trantütigen Lebensweisheiten und schon gar keinen Jahresrückblick, der echte Kerl schaut nur nach vorn und erzählt einen Witz.
In diesem Fall den Lieblingswitz von Herbert Grönemeyer, bzw. den von Herbert Grönemeyers Opa, wie Grönemeyer ihn irgendwann in den achtziger Jahren dem Stern erzählt hat:

Weihnachten in Bethlehem, das kleine Jesulein ist gerade geboren, Maria hat es in die Krippe gelegt, die Tiere stehen andächtig drumrum, da klopft es plötzlich an der Tür. Josef geht aufmachen, und vor der Tür stehen zwei Nilpferde, ein großes und ein kleines.
„Ja, bitte?“ sagt Josef.
„Guten Tag“, sagt das kleine Nilpferd, „wir sind die heiligen drei Könige und möchten die Geschenke abholen.“

Okay, entweder man lacht sich scheckig oder man schüttelt den Kopf. Hat auch schon Grönemeyer gesagt.

Wir wünschen allen Lesern von „Männer unter sich“ (und Herbert Grönemeyer) ein Frohes Weihnachtsfest!

Foto: Uriel 1998 under Creative Commons Attribution 2.0 Generic License

Die Ursache der Euro-Krise

Euro

Warum der Euro untergeht

Seit ich an diesem Blog mitarbeite, stelle ich mir abends oft die Frage: Hast du heute etwas männliches gemacht? Bei den männlichen Klassikern wie Haus bauen (wohne zur Miete), Baum pflanzen (Ja, wo denn, wir haben noch nicht mal einen Balkon), Sohn zeugen (bin über fünfzig und möchte nicht vor den Augen eines Heranwachsenden vergreisen) muss ich meistens passen, aber hin und wieder gelingt mir eine echt männliche Tat, wie zum Beispiel gestern. Da hab ich den Grund für die Euro-Krise entdeckt.
Eigentlich wollte ich nur ein wenig Geld auf mein Konto bei der Commerzbank einzahlen. Das wenige Geld hatte ich natürlich sorgfältig sortiert und gebügelt, weil es mir der Einzahlungsautomat sonst wieder um die Ohren haut („Ich will dein dreckiges Geld nicht!“), aber dazu sollte es gar nicht erst kommen, denn der Einzahlungsautomat entschuldigte sich bereits im Vorfeld der Transaktion via Display dafür, dass er heute unpässlich wäre und kein Geld entgegennehmen könne. Kein Problem, die Filiale war noch offen, also flugs zur Kasse… nanu? Wo ist die Kasse? Wo sonst die Kasse war, stand nur eine einsame Dame hinter einem spukhässlichen (Banker-Feng-Shui?) Stehtischchen. Als ich demütig darum bat, etwas Geld auf mein Konto einzahlen zu dürfen, beschied sie mich abschlägig: „Diese Filiale hat zur Zeit keine Einzahlungs-Funktionalität.“
Ich brauchte ein paar Augenblicke, bis ich den Satz verstanden hatte, dann drückte ich ihr meine Bewunderung aus („Auf so einen Satz muss man erst einmal kommen!“) und fragte, wie ich denn nun das Geld auf mein Konto beamen könnte. Sie nannte mir ein paar Filialen in der näheren Umgebung und meinte: „Sie können es da ja einmal versuchen.“
Das klang nicht optimistisch, und die Dame hatte recht. Erst in der dritten Filiale wurde ich mein Geld los, weil das eine ehemalige Dresdner Bank war, die noch nicht an das moderne Banking-System der Commerzbank angeschlossen war („Nächste Ostern sollen wir auch online sein, hat man uns gesagt..“), und daher hatte der dortige Kassierer noch eine analoge Einzahlungsfunktionalität: er quittierte mir mit altmodischem Kugelschreiber meine Einzahlung und rief eine Frau Scarlett Zimmermann bei der Commerzbank an, um ihr zu sagen, dass er mein Geld entgegengenommen hatte.
Nachdem ich ein wenig darüber nachgedacht hatte, wunderte mich das nicht mehr: wer sich Neukunden mit dem Wegfall der Kontoführungsgebühren und Geldgeschenken auf dem Giro angelt, der muss das Geld eben anderswo sparen, klar dass man keine Leute mehr bezahlen kann, die Geld händisch entgegennehmen…
Und plötzlich begriff ich, woran es zur Zeit in Euroland hapert. Warum die Griechen, die Iren oder die Spanier ihre Schulden nicht zurückzahlen. Diese hervorragenden Nationen wollen und können natürlich ihre Schulden bezahlen, aber ihnen geht es wie mir: sie werden bestimmt ihr Geld nicht los, weil die Banker am falschen Ende gespart haben. An der Einzahlungs-Funktionalität.
Damit betrachte ich die Euro-Krise als gelöst. Soweit zu meiner männlichen Tat von gestern, mal sehen, was der heutige Tag so bringt.

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Na, dann Prost!

Scherben auf dem Bürgersteig

Hat's geschmeckt?

Es gab einmal eine klare Trennlinie, die die Welt in Privatsphäre und Öffentlichkeit teilte. Wenn man sich im öffentlichen Raum bewegte, war man sozusagen auf einer Bühne. Alles, was man öffentlich tat und sagte, war ein Mosaiksteinchen, und die Mosaiksteinchen des Handelns und Redens eines Mannes formten sich zu dem Bild, das er in der Öffentlichkeit abgab. Was privat war, blieb privat: in den eigenen vier Wänden, im Verein mit den Sportkameraden, in der Kneipe mit den Freunden, und wo noch überall – ich weiß es nicht, es war ja privat.
War. Denn vor nicht allzu langer Zeit, haben wir begonnen, die Trennung von Privatsphäre und Öffentlichkeit aufzugeben. Männer begannen in unsäglichen Jogging-Anzügen in der Öffentlichkeit aufzutreten, in Outfits, in denen man sich eigentlich vor der eigenen Frau nicht präsentieren kann, ohne eine schneidende Bemerkung zu riskieren.
Mit der Ächtung des Tabakgenusses wurde auch das Rauchen systematisch auf die Straßen, in den öffentlichen Raum verlagert. War die Zigarette einmal Symbol des entspannten , weltläufigen Genießens, ist sie heute ein mit mehr oder weniger Schamgefühl ausgestelltes Requisit der eigenen Nikotinabhängigkeit: „Schaut her, die Sucht hat mich so sehr in den Krallen, dass ich mir 5 hastige Minuten an der zugigen Straßenecke abknapse!“
Auch das Telefongespräch, einstmals eine höchst private Eins-zu-Eins-Situation, hat der Mann in den öffentlichen Raum verlagert. Ungeniert werden intimste private oder geschäftliche Details in die Öffentlichkeit gebrüllt, es dürfen alle mithören – vor allen Dingen die, die es gar nicht hören wollen.
Soweit sind die Grenzen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit mittlerweile verwischt, dass besonders verwirrte Zeitgenossen glaubten, wegen Fotoaufnahmen von zum öffentlichen Raum gehörenden Straßenfassaden lautstark die Wahrung ihrer Privatsphäre anmahnen zu müssen.
Es sieht also tatsächlich so aus, als hätten wir begonnen, unser Privatleben auf der Straße zu führen, eine schändliche Veränderung des männlichen Lebens, die von totaler Gedankenlosigkeit zeugt.
Mit der schlimmste Ausdruck dieser kreuzdämlichen Verwirrung von privat und öffentlich ist das Trinken von Bier und anderen Alkoholika in U-Bahn, Bus etc. Wohlgemerkt: niemand missgönnt dem arbeitenden Mann sein Feierabend-Bier, niemand will irgendwem den Wein oder gar den Single Malt verbieten, es stellt sich nur zwingend die Frage nach dem Ort, an dem man seinen Alkohol genießt. Wenn man sich zu Hause ein Bier genehmigt oder eine Kneipe aufsucht, um in netter Gesellschaft ein paar Gläser zu trinken, ja, um Himmelswillen, warum denn nicht?
Aber diese Typen, die um 16 Uhr in der U-Bahn ihre Bierpulle aus der Tasche ziehen, den Kronkorken knacken, die lauwarme Plörre mitten im Waggon in sich reinlaufen lassen und sich dann fröhlich rülpsend umgucken… was versuchen diese Männer der Öffentlichkeit zu signalisieren? Dass es vollkommen okay ist, sich gehen zu lassen? Dass der moderne Mann eine Instant-Befriedigung benötigt, wenn er Bierdurst hat? Oder dass eh schon alles egal ist, die Titanic sinkt, die Kapelle spielt, heidewitzka, Herr Kapitän?
Es ist höchste Zeit, sich wieder auf die Trennung von Privatem und Öffentlichem zu besinnen, bevor wir endgültig in der oberflächlichen Bequemlichkeit eines jede Entgleisung tolerierenden Laissez-faire versumpfen. Denn das drücken diese ganzen Jogging-Anzüge aus, die hastig auf dem Trottoir entsorgten Zigarettenstummel, die dahergestammelten Telefonate, das ungenierte Saufen in der Öffentlichkeit: ich möchte mir keine Gedanken machen, ich hab’s gern bequem.
Das Leben eines Mannes kann unendlich viele Facetten haben. Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit sollten keine Optionen sein.

Foto: Bardewyk/pixelio.de

Schönes Wochenende!

Bier

Wochenende!

Freitagnachmittag – die ersten drei Tage „Männer unter sich“ liegen hinter und das Wochenende vor uns. Hier wird es am kommenden Montag mit neuen Artikeln weiter gehen, ich freue mich schon auf mein erstes Wochenend-Bier mit den Kumpels in der Kneipe.
Hier könnt ihr natürlich weiter kommentieren, wenn ihr möchtet. Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere Leser uns sagen würde, was ihm an unserem neuen Blog gefallen hat und was nicht. Was können wir anders machen, was besser, was soll so bleiben, wie es ist? Und – ganz wichtig für mich und die anderen Autoren – welche Themen sollen wir für euch beackern? Worüber möchtet ihr etwas lesen, was soll hier erscheinen?
Und wenn ihr einfach nur ein bißchen quatschen wollt oder über etwas diskutieren, das euch gerade auf den Nägeln brennt, nur zu! Auch dafür ist die Kommentarfunktion da. Ich werde auch gelegentlich reinschauen. Nach dem ersten oder zweiten Wochenend-Bier.

Foto: Günter Havlena / pixelio.de

In der Wüste

FIFA-Dämmerung in Katar

„In der Wüste gibt es keine Fußball-Tradition, keine Fans, wahrscheinlich nicht mal einen Ball. Es gibt nur Sand und Geld, beides reichlich, und man darf wohl davon ausgehen, dass der Sand die Fifa-Exekutive nicht besonders interessiert hat.“
Sven Goldmann im Tagesspiegel

Damit ist eigentlich alles gesagt, was zur Vergabe der Fußballweltmeisterschaft nach Katar zu sagen ist. Dass Blatter und seine Leute sich einen Dreck um Traditionen scheren, dass sie den größtmöglichen Profit über das stellen, was sentimentale Fans wie unsereins die Seele des Spiels nennen, ist nichts neues. Geschenkt. Aber eine Scheiß-Wut hab ich trotzdem.
Andererseits nötigt einem die Chuzpe, mit der „Slippery Sepp“ eins der bedeutendsten Sportereignis dieser Welt an einen Zwergstaat ohne Fußballstadien vergibt, der etwas kleiner als Schleswig-Holstein ist, in dem ein Alkoholverbot herrscht und der Homosexualität unter Strafe stellt – um nur einige der Highlights des zukünftigen Fußball-Mekka (sic!) zu nennen – nötigt mir beinahe schon wieder Bewunderung ab.
Und eine gewisse Erleichterung verspüre ich darüber, dass 2018 und 2022 vermutlich, hoffentlich die letzten beiden Weltmeisterschaften waren, die nach dem System Blatter vergeben wurden. „Es kann nur besser werden“, hätte ich beinahe geschrieben, aber meistens wird es schlechter, wenn man diesen Satz sagt, schreibt oder denkt. Wenn schon nicht besser, dann muss es wenigstens anders werden.
Das Spiel gehört nicht irgendwelchen alten Säcken aus Exekutiv-Komitees, die von einer VIP-Loge in die andere taumeln. Das Spiel gehört auch nicht den Spielern, nicht dem millionenschweren Profi, nicht dem Amateur, der sich sonntags früh auf irgendeinem Aschenplatz die Lunge aus dem Leib rennt. Das Spiel gehört auch nicht den Zuschauern, nicht den Dauerkarteninhaber in den Bundesligastadien, nicht den Rentnern neben den Trainingsplätzen, erst recht nicht den krakeelenden Besserwissern vor den Fernsehern. Das Spiel gehört niemandem allein, das Spiel ist sogar noch mehr als die Summe derer, die es lieben. Deshalb wird das Spiel auch diese Weltmeisterschaft überleben, vielleicht nicht unbeschadet, aber das Spiel wird es auch nach Katar noch geben.
Spätestens dann wird es aber Zeit, dass der Fußball sich von der FIFA erholt.

Foto: Katharina Wieland Müller/pixelio.de