[Eine wie keine] Auf der Suche nach der verlorenen Freude – EM-Turniertagebuch, Eintrag 1

Eine Europameisterschaft wie diese hat’s noch nicht gegeben: in mehreren Ländern… unter Pandemie-Bedingungen in beinahe leeren Stadien ausgetragen… ohne Fanmeilen und Public-Viewing-Volksfeste… was für ein Turnier wird das werden? Ich habe auch keine Ahnung, aber bis zum Finale werde ich’s vielleicht herausfinden. Und wenn ich mich reinschreiben muss.

Das Kribbeln ist nicht da. Seit vielen Jahren freu ich mich auf die großen Fußballturniere, auf die EMs und WMs, seit ich 1966 zum ersten Mal im World-Cup-Willie-T-Shirt vor dem Fernseher saß2. Nein, bei mir hat sich die Sinnfrage in den Hinterkopf geschoben. Was soll die Gruppenphase dieses Turniers? Vor uns liegen zwei Wochen Getöse auf maximaler Lautstärke, und letztlich geht’s um die goldene Ananas. Bei diesem Modus werden Mannschaften, die ernsthaft weiterkommen wollen, auch weiterkommen, sofern sie den Fußballspielen können. Da auch die besten Gruppendritten weiterkommen können, muss man also lediglich vermeiden, Gruppenvierter zu werden. Man muss zwei Wochen lang Leerlauf erdulden, bevor das Turnier dann mit dem Achtelfinale richtig losgeht.

Auf den Tag genau vor 41 Jahren begann übrigens die Europameisterschaft 1980 in Italien, die erste EM, bei der es eine Gruppenphase gab. Zuvor fanden EMs nur als Endrunden statt, die Turniere begannen mit den Halbfinals: drei spannende Spiele, Europameister gekürt, fertig! Dadurch hatte man nicht nur ein sportlich sehr kompaktes Turnier (haha), die Quali-Spiele waren durch diesen Modus ebenfalls erheblich spannender, weil’s von Anfang an um die Wurst ging. Okay, das war früher, und früher kommt nicht wieder. Sehen wir’s positiv: Wir haben vier Wochen Fußball vor uns, davon zwei Wochen sogar spannend. Vielleicht kommt die verloren gegangene Freude ja mit der Zeit zurück.

Okay, heute Abend wird die erste goldene Ananas vergeben. Die Türkei und Italien bestreiten das Eröffnungsspiel. Mein Tipp: Italien gewinnt, es geht 0:2 aus. Hast du einen anderen Tipp? Dann mach bei unserem Tippspiel mit!

Mein Link des Tages: Jens Weinreich erinnert daran, wie es dazu kam, dass diese EM europaweit ausgetragen wird. Hatte ich so nicht mehr präsent.

Der nächste Tagebucheintrag kommt morgen, ich wünsche allen ein schönes Spiel!

 

  1. Ja, ich bin tatsächlich so alt.[/efn_Note] Spätestens ein halbes Jahr vor einem großen Turnier pflegte die Vorfreude einzusetzen, das erwartungsvolle „Bald geht’s los“-Kribbeln, das Nachdenken über das kommende Turnier: Was für einen Fußball werden wir zu sehen bekommen? Werden neue Stars geboren? Wer wird Europameister? Und – natürlich – können wir, kann die deutsche Nationalmannschaft Europameister werden. Von all dem merke ich bis heute… nichts.

    Wenn ich ehrlich bin, dann liegt das Ausbleiben dieses Kribbelns nur bedingt an dem ganzen nervigen Pandemiekram oder dem bei mir immer noch andauernden Nationalmannschafts-Kater von 20181Es ist besser geworden, zugegeben, aber die Klatsche gegen Spanien war ein herber Rückschlag.

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2 Antworten zu [Eine wie keine] Auf der Suche nach der verlorenen Freude – EM-Turniertagebuch, Eintrag 1

  1. Pingback:Kein Genderstern in Frankreich, Pig Shots und die Mittagspause in Schnösel City – die Links der Woche vom 4.6. bis 10.6. | Männer unter sich

  2. AvatarPlatzger sagt:

    Bei mir kribbelt auch nichts. 1988 / 1992 /1996 war ich noch live dabei. Mit diesem aufgeblähtem Scheissdreck kann ich nicht mehr viel anfangen. Werde mir die deutschen Spiele anschauen, dass wars dann. Kann schon mal die Enthaltsamkeit für die lächerliche WM in Katar testen….

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