Stell dir vor, es ist Wimbledon und keiner guckt zu…

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Die Überschrift ist natürlich idiotisch: Es IST gerade Wimbledon und keiner guckt zu, denn hierzulande gibt es keine Free-TV-Übertragungen vom berühmtesten Tennis-Turnier der Welt. Das ist schon seit Jahren so. Als die „goldene Spielergeneration“, also Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich abtrat, waren keine Nachwuchsspieler in Sicht, die diesen Giganten spielerisch oder von der Ausstrahlung her auch nur nahe kamen. So schnell, wie man „Matchball Becker!“ sagen konnte, war Tennis in Deutschland vom Volkssport zum Nischensport geworden. Die Einschaltquoten von Tennis-Turnieren sanken rapide, und schließlich wollte kaum ein Sender mehr Tennis übertragen. Die Situation hat sich gebessert. Mittlerweile haben wir wieder Spitzenspieler, die auch Grand-Slam-Siege draufhaben, und 3 von 4 Grand Slams sind zumindest bei Eurosport zu sehen. Aber eben Wimbledon nicht, das mythischste Turnier der Welt, und eben auch das Turnier, bei dem – mit den ersten Siegen von Boris Becker und Steffi Graf – das deutsche Tenniswunder begann.

Und ohne Wimbledon im Free-TV wird auch Tennis hierzulande eine Nischensportart bleiben. Vom Bolkssport zum Nischensport geht sehr schnell, der Weg zurück ist lang, hart und steinig. Das sollte sich auch die UEFA hinter die Ohren schreiben, die den bedeutendsten europäischen Vereinswettbewerb im Fußball, die Champions League, auch hinter einer Bezahlschranke versteckt hat. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen. Wer seine Fans vor den Kopf stößt, wird sie verlieren.

In anderen Ländern geht es anders. In Großbritannien überträgt die BBC live im Free TV und via Livestream ins Internet. Kunststück, im UK ist Tennis Volkssport, dort gibt es zahlreiche öffentliche Tennisplätze, die man ohne Vereinsbeitritt nutzen kann. Und auch das Schweizer Fernsehen bietet einen Live-Stream im Internet an. Ob das mit einem Schweizer Bürger namens Federer zusammen hängt? Wie dem auch sei, derartige Angebote können User mit deutscher IP nicht nutzen, die Bilder sind ausschließlich für Briten bzw. Schweizer bestimmt. Übrigens  kann man derartige Hindernisse relativ leicht umgehen, die Möglichkeiten werden einem bei einer entsprechenden Google-Suche („Geoblocking umgehen VPN“)sofort angezeigt. Empfehlen möcten wir das nicht, das wäre ja illegal.

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8 Responses to Stell dir vor, es ist Wimbledon und keiner guckt zu…

  1. AvatarCarsten says:

    Die Herren Gojowczyk, Kohlschreiber, Stebe, Alexander Zverev und Mischa Zverev sind ja nicht so stark ins Turnier gestartet. Und bei Mona Barthel und Anna-Lena Friedsam hat es auch nicht so gut geklappt.

    • Nuja, das bestätigt mich im Prinzip. Die aktuelle Spielergeneration war z. T. noch gar nicht geboren, als Steffi, Boris und Micha in Wimbledon dominierten. Für die aktuellen deutschen Spieler ist Wimbledon ein Turnier wie jedes andere, deshalb sind sie eben nicht besonders motiviert. Sowas kommt von sowas.

      • AvatarRalf Stiegler says:

        Boris Becker war mir nie besonders sympathisch. Aber er hat Wimbledon gerockt, wie kein Zweiter.
        Wirklich ein Kämpfertyp, der sich oft nach 2-Satz-Rückständen wieder herausgekämpft hat.

        Legendar auch das Spiel Lendel vs. Chan in dem letzterer mit Beinkrämpfen noch gewonnen hat (indem er zum Return 2 Schritte nach vorne ging und Lendl somit aus dem Konzept brachte).

        Ach ja, und McEnroe durfte ich auch noch erleben (Gnade der frühen Geburt), verbunden mit der diebischen Vorfreude, bei knappen Entscheidungen der Linienrichter… 🙂

  2. Pingback: [Tipp zum Wochenende] Showdown in Wimbledon | Männer unter sich

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