Buchstäblich richtig rasiert

Wenn man auf dem Gebiet der klassischen Nassrasur topaktuell über Neuigkeiten informiert sein will, gibt es nichts besseres als die Teilnahme am Nassrasurforum. Die Forumsmitglieder sind bestens informiert und hören sogar die eingeschäumten Flöhe husten, Und so habe ich letzte Woche im Forum gelesen, dass ein neues Buch zum Thema klassische Nassrasur erschienen ist, und zwar “Rasier dich richtig!” von Ulli Tückmantel. Tückmantel ist Journalist und somit Vollprofi, was das Schreiben anbelangt. Er schreibt in einem süffigen, angenehm zu lesenden Stil und – besonders wichtig – er weiß, wie man recherchiert und die so gefundenen Fakten dem Leser serviert. Das macht “Rasier dich richtig!” zu einer spannenden, amüsanten Lektüre auch für Männer, die sich schon seit vielen Jahren morgens mit Pinsel und Hobel die Stoppeln attackieren.

Denn Tückmantel hat nicht nur einen Ratgeber über die Handhabung klassischer Nassrasur-Utensilien geschrieben. Sein Buch enthält auch einige bedenkenswerte Grundsatzüberlegungen und eine sehr kurzweilige Kulturgeschichte der Rasur. Hier hat der Autor offensichtlich sehr viel Zeit und Arbeit investiert, denn sonst wäre es ihm nicht gelungen, so viele Informationen zusammenzutragen, die auch für “alte Nassrasur-Hasen” überraschend sind. Für die lohnt schon dieser “allgemeine Teil” den Kauf des Buchs.

Im Ratgeberteil, wenn’s konkret an die Ausrüstung und deren Handhabung geht, beschränkt Tückmantel sich. Er will keinen kompletten Überblick über alle Möglichkeiten der Nassrasur geben, sondern er propagiert die Nassrasur mit Rasierpinsel, Rasiercreme und Hobel. Männer, die sich z. B. über die Messerrasur informieren wollen, sollten also zu einem anderen Buch greifen.

Überhaupt ist Tückmantel ein überzeugter und durchaus überzeugender Vertreter der “Keep it simple”-Philosophie. Und damit hat er ja recht: Die Nassrasur ist prinzipiell ein sehr einfaches Ritual, sonst wären ja nicht hunderte Millionen Männer in der Lage, dieses Ritual allmorgendlich erfolgreich zu praktizieren. Tückmantel hat kein Verständnis für Männer, die versuchen, aus der Nassrasur eine Wissenschaft zu machen, und das sagt er klar und deutlich. Seine Vorgehensweise ist eindeutig subjektiv, und bei einigen besonders meinungsstark vorgetragenen Direktiven möchte man widersprechen: z. B. lehnt Tückmantel Pre-Shave-Produkte kategorisch ab, was Männer, für die ein Rasieröl oder die beliebte Proraso-Preshave-Creme eine Nassrasur erst angenehm machen. sicher zum Widerspruch anregen wird. Und auch beim Schaumschlagen geht Tückmantel die Sache – nach meiner Ansicht – zu puristisch vor: Er erkennt nur das Schaumschlagen in der Rasierschale an, das direkte Aufschäumen im Gesicht, wie ich es seit vielen Jahren praktiziere, scheint er abzulehnen. Warum eigentlich?

Aber trotzdem: Diese Einseitigkeit, diese Meinungsstärke, dieses “Wir machen das jetzt so, weil ICH das gut finde” machen ja den Charme des Buchs auf. Tückmantel spielt nicht den gütigen, allwissenden Nassrasur-Onkel, der über den Dingen steht und weise Allgemeinplätzchen verteilt, er gibt sich authentisch als subjektiver Streiter für die Nassrasur und für seine Methode. Das macht Spaß, auch wenn es gelegentlich zum Widerspruch reizt. Deshalb gibt’s von mir eine klare Kaufempfehlung für dieses Buch für alle Nassrasierer, vom Anfänger bis zum Profi.

Ulli Tückmantel
„Rasier Dich richtig!“
(164 Seiten, Taschenbuch, auch als e-book für 5,99 erhältlich)
ISBN: 978-3749453184
€ 8,99

 

Disclaimer: Ulli Tückmantel hat Nassrasurforum und den Shop von Nassrasur.com in seinem Buch lobend erwähnt. Das hat er aus eigenem Antrieb getan, wir haben den Mann nicht irgendwie gesponsert. Auch auf diese Rezension hatte er keinen Einfluss, wir haben auch kein Rezensionsexemplar erhalten.

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2 Responses to Buchstäblich richtig rasiert

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