[Tipp der Woche] Wenn Wünsche wahr werden – Mythos-Western „Barbarosa“ endlich auf DVD

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Video-Link: https://youtu.be/QOmNwG0c8kc

Wenn man einen Wunsch eine lange Zeit lang hegt, dann glaubt man irgendwann nicht mehr, dass er in Erfüllung geht. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ – dieser Satz wird zwar gern und oft zitiert, aber irgendwann stirbt die Hoffnung doch. Aber manchmal gibt man die Hoffnung doch ein wenig vorschnell auf. Wie ich, als ich an Weihnachten 2015 einen Blogbeitrag über einen meienr unerfüllbaren Wünsche schrieb: Dass der fantastische Western „Barbarosa“ endlich in einer akzeptablen Fassung auf DVD herauskommt. Nun, letzten Freitag war es soweit. „Barbarosa“ ist in Deutschland auf DVD erschienen…

… und die Scheibe lag pünktlich (ich hatte vorbestellt) erst in meinem Briefkasten und wenig später in meinem Player. Ich will jetzt nicht sagen, dass das Warten sich gelohnt hat. Dazu war die Zeit ohne diesen Film zu lang und zu frustrierend. Was ich sagen möchte, ist, dass die Zeit an diesem 1982 herausgekommenen Film beinahe spurlos vorübergegangen ist. „Barbarosa ist immer noch ein hervorragender, sehr unterhaltsamer Western, und als Beitrag zum Thema „Outlaw-Mythos“ steht er auf einer Stufe mit dem John-Ford-Klassiker „Der Mann, der Liberty Valance erschoss.“

Willie Nelson (Ja, DER WIllie Nelson) spielt die Titelrolle, den Outlaw Barbarosa, der das gutmütige Greenhorn Karl Westover (Gary Busey) unter seine Fittiche nimmt. Beide sind auf der Flucht: Karl, weil er aus Versehen einen Nachbarn getötet und von dessen Familie verfolgt wird. Barbarosa wird seit Jahrzehnten von Don Braulios (Gilbert Roland) Familie verfolgt, weil er dessen Tochter gegen seinen Willen geheiratet ist. Immer wieder schickt Don Braulio Familienmitglieder los, um Rache zu üben und Barbarosa zu töten, doch bisher sind sie alle gescheitert und haben so Barbarosas Ruhm zum Mythos werden lassen. Schließlich kommt es, wie es kommen muss: Don Braulios letzter Attentäter hat Erfolg und tötet Barbarosa. Doch Karl, der eine komplette Ausbildung zum Outlaw durchlaufen hat, nimmt Barbarosas Identität an und führt die Fehde und den Mythos weiter – der Outlaw ist unsterblich.

„Barbarosa“ ist ein „realistischer“ Western. Hier wird nicht in Schönheit gestorben, sondern in Staub und Dreck. Die Schießereien werden nicht durch perfektionistischens Gunslinging gewonnen, sondern durch Nervenstärke und Hinterlist. Und der von Willie Nelson porträtierte Outlaw hat so gar nichts von einem edlen Robin Hood, er ist ein Mann, der seinen Lebensunterhalt durch Mord und Diebstahl verdient und sich darüber keine Illusionen macht. Für den Mythos, zu dem er geworden ist, haben andere gesorgt, die dann letztlich auch für das Weiterleben des Mythos sorgen werden. Schauspielerisch ist „Barbarosa“ grundsolide, zwischen Willie Nelson und Gary Busey stimmt die Chemie, und vor allen Dingen Nelson schießt ein paar One-Liner mit derart trockener Lakonie ab, dass der staubige Wüstenboden neidisch wird. Fred Schepisi hat im Howard-Hawks-Stil („die Kamera in Augenhöhe“) lässig-unaufdringlich Regie geführt, und Kameramann Ian Baker hat – vorwiegend mit der Teleoptik – faszinierend-flirrende Bilder eingefangen, die im Gedächtnis hängenbleiben.

Aber… wenn dieser Film so toll ist… warum kennt den dann keiner? Warum ist der erst jetzt auf DVD rausgekommen? Schlichtweg unglaubliches Pech: Kaum war der Film 1982 in die Kinos gekommen, ging die Produktionsfirma in Konkurs, der Film wwar plötzlich Konkursmasse geworden und wurde – trotz anfänglich guter Zahlen – nach zwei Wochen aus dem Kino zurückgezogen. Und verschwand dann erstmal für viele Jahre wegen irgendwelcher Rechtsstreitigkeiten zwischen den Gläubigern. Auf VHS ist er m. W. niemals rausgekommen, erst Anfang der 200er wurde er von ein paar amerikanischen Kabelsendern gesendet. Zeitgleich gab’s auch eine DVD aus Australien, verschnitten und in falschem Bildformat, nicht anzuschauen. Die vorliegende DVD ist technisch okay, den Film kann man gut anschauen, Extras sucht man leider vergeblich. Und die „verlorene Szene“ leider auch…

Ja, die „verlorene Szene“ von „Barbarosa“. Die war nur 14 Tage lang zu sehen, in der amerikanischen Kinofassung. Ein paar Publikkumskritiker auf der IMDB erwähnen Sie, und ich hab sie auch gesehen, als ich den Film 82 in New York im Kino gesehen habe (Ich Glücklicher!).

Spoilerwarnung!

Die Szene spielt kurz vor Schluss des Films, als der junge Mann, dem es gelungen ist, Barbarosa zu töten, auf das Anwesen der Familie Don Braulios zurückkehrt. Don Braulio kündet ein großes Fest an, um Barbarosas Tod zu feiern, und bittet den Attentäter in sein Büro, wo er ihn… gnadenlos zusammenscheißt! Was denn das für eine Schnapsidee gewesen wäre, Barbarosa zu töten?! Alles, was die Braulio-Familie ausmacht, ihren Reichtum, ihr Land, ihren Besitz und ihre Fähigkeiten verankt sie doch eben diesem Barbarosa. An der jahrelangen Fehde mit ihm, an den Kämpfen, Hinterhalten, Finten und Tricks wäre die Familie gewachsen und hätte überhaupt erst die Fähigkeiten entwickelt, mit denen sie es zu etwas gebracht hat. Jetzt, wo Barbarosa tot ist, ist auch Don Braulios Familie dem Untergang geweiht.

Geschmeidige Wendung, nicht wahr?

Ende der Spoilerwarnung.

Wie dem auch sei, der Film funktioniert auch ohne diese Szene, obwohl es schade ist, dass man sie nicht mehr sehen. kann. Aber ach ohne diese Szene ist „Barbarosa“ jetzt schon meine DVD des Jahres. Es sei denn, die Barbrosa-Blu-ray, die es in den USA zu kaufen gibt, kommt endlich auch hierzulande raus. Die enthält Extras… Man wird sich ja noch was wünschen dürfen!

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