Vive le Mutter aller Elfmeterschüsse – Turnier-Tagebuch Tag 11

Frankreich ist deutlich näher als Brasilien, trotzdem haben wir auch bei diesem Turnier keinen Sonderkorrespondenten vor Ort. Wir verfolgen die Spiele vor dem Fernseher. Zuhause, in der Kneipe, bei den Public Viewings, überall da, wo Männer sich treffen, die den Fußball lieben und leben. Wie bei jedem Turnier führt Chris Kurbjuhn spieltäglich ein Turnier-Tagebuch mit Kommentaren, Anekdoten, dummem Fußballzeugs und Erinnerungen an frühere Turniere. Football, bloody hell!

Boah, ist das spannend heute bei den letzten Spielen der Gruppe B. Alles offen, theoretisch kann jeder noch weiterkommen, England, Wales, die Slowakei, sogar Russland kann sich theoretisch noch als einer der besten Gruppendritten qualifizieren… Mörder-spannend! Oder eher nicht. Wer auch immer hier weiterkommt wird vermutlich im Viertelfinale nicht mehr zu sehen sein. Spannend ist einzig und allein, ob England noch alles verdaddelt, denn man kolportiert das Gerücht, Hodgson wolle heute Rooney nicht bringen, um ihn für ein mögliches Duell mit Deutschland im Achtelfinale zu schonen. Äh, ja! Der Engländer. Wie war das noch mal 1970 im Viertelfinale von Mexico? „Ich nehm Bobby raus, dann ist er im Halbfinale frisch. Ein 0:2 holen die Deutschen niemals auf…“ A pro pos 0:2, Deutschland und Aufholjagd… diesbezüglich haben wir heute ein historisches Datum…

Genau, exaktemang heute jährt sich zum 40. Mal die „Nacht von Belgrad“ angesagt, das Finale der EM 1976 zwischen Deutschland (Be-Err-Deh damals) und der Tschechoslowakei. Der Hoeneß-Elfmeter überstrahlt alles in diesem Match, deshalb vergisst man gerne, dass es auch damals in Belgrad eine „typisch deutsche“ Aufholjagd gegeben hat. Nach 25 Minuten lagen nämlich die Tschechien 2:0 vorne (Abwehrfehler 1: Vogts, Abwehrfehler 2: unfassbarerweise Beckenbauer) und waren die Herren auf dem Platz. Das hörte ich im Radio, dass ich in der Theaterpause gegen 20 Uhr 40  kurz angestellt hatte. Ich jobbte damals als Inspizient im Theater 44 in München und konnte nicht vor dem Fernseher sitzen. Nach der Vorstellung wollte ich gerade das Radio wieder anschalten (Nein, es gab keinen Fernseher im Theater.) als zu meiner Verblüffung mein Bruder Thomas vor mir stand, der mich gerade in München besuchte. Thomas packte mich ins Taxi und wir fuhren in sein Hotel, so dass ich noch einen Teil der Verlängerung und das Elfmeterschießen mitbekam. Dieter Müller hatte, kurz nachdem ich das Radio ausgeschaltet hatte, den Anschlusstreffer besorgt und in der 90 Minute hatte ausgerechnet Hölzenbein sehr schnellingeresk ausgeglichen. Nach Verlängerung mündete das Spiel im ersten Elfmeterschießen der Final-Geschichte. Ausnahmslos alle Schützen trafen, bis der spätere Wurst-Uli anlief, um den Ball in eine erdnahe Umlaufbahn zu befördern. Der Rest ist Raumfahrtgeschichte.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/LMQPYd6ZhVM

Pikantes Detail am Rande: Hoeneß‘ Elfmeterschuss war gleichzeitig ein Schuss ins eigene Knie durch DFB und Nationalmannschaft. Bei Unentschieden nach Verlängerung war eigentlich ein Wiederholungsspiel statt eines Elfmeterschießens vorgesehen gewesen, aber der DFB hatte kurz vor dem Finale mit weltmeisterlicher Wucht das Elfmeterschießen durchgesetzt, damit die Spieler zeitig in Urlaub fahren konnten. Je nun.

Genug Geschichte, meine Tipps für heute:
Slowakei – England 0:2 (MIT Rooney, ohne Rooney max. Unentschieden)
Russland – Wales 1:1

Markiert mit , , , .Speichern des Permalinks.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bitte nicht wundern: nach dem Absenden verschwindet Dein Kommentar einfach und wird erst nach Freischaltung durch uns sichtbar -- also nicht mehrfach absenden!