Abschaffen! Aber schnell!

Foto: Immanuel Giel (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

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»Bundesjugendspiele abschaffen!« ist eine Forderung, die gerade in einer Twitter-Ecke besprochen wird, eine entsprechende Petition ist gestartet worden, hier zu finden.

Bundesjugendspiele abschaffen? Warum, um Himmelswillen? Die Begründungen laufen alle auf das gleiche heraus: Weil die Kinder, die bei den Bundesjugendspielen nicht so gut abschneiden wie die anderen, sich hinterher schlechter fühlen und von den Gewinnern gehänselt bis gemobbt werden. Weil es schlecht fürs Selbstbewusstsein der Heranwachsenden ist, wenn sie vor Augen geführt bekommen, dass sie in einem Teilbereich des Lebens schlechter sind als die anderen.

Ich finde den Gedankengang interessant, er geht mir aber nicht weit genug. Denken wir das doch mal konsequent zu Ende und wenden wir die Argumente auf den Mathematik-Unterricht an. Auch hier fühlen sich Schüler, die schlechter abschneiden als der Klassen-Primus, gedemütigt. Auch hier sollte es nicht nur um die Vermittlung mathematischer Grundkenntnisse gehen, sondern auch um das Stärken jugendlichen Selbstvertrauens. Da kann es nicht angehen, dass ein Schüler gleich durch eine schlechte Note vor allen anderen bloßgestellt wird, bloß weil er sich mal eben um 93,8 verrechnet oder eine Hypothenuse mit einem Impuls-Nadler verwechselt hat. Nein, in dieser Form ist Mathematik-Unterricht nicht mehr zeitgemäß. Schaffen wir ihn ab.

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11 Antworten zu Abschaffen! Aber schnell!

  1. AvatarKlaus Klattke sagt:

    Typisch Zeitjeist. Passt wat nich, soll et eben abgeschafft werden. Leute die sowat fordern müssen nur uffpassen, dess sie nich ooch irgendwat machen, wat anderen nich passt…!

  2. AvatarReinhold Klein sagt:

    Junge Junge, was es nicht alles gibt.
    Damals vor ein paar Jahrzehnten, ich ich war einer der schlechtesten bei den Bundesjugendspielen.
    Deshalb habe ich mich doch nicht aufgehängt.
    Es gehört doch zum Mensch sein dazu, dass man lernt mit Niederlagen umzugehen.

  3. AvatarAldres sagt:

    Mein Mathelehrer hat zu mir gesagt:“Muss ja nicht jeder Abi machen.“ Ich habe es dann mit Sport rausgerissen. Damals ging das zum Glück noch.

  4. AvatarNils sagt:

    „Weil die Kinder, die bei den Bundesjugendspielen nicht so gut abschneiden wie die anderen, sich hinterher schlechter fühlen und von den Gewinnern gehänselt bis gemobbt werden.“

    Warum ist das keine gültige Begründung? Die Bundesjugendspiele sind nicht für irgendwas relevant. Sie tragen nicht zur körperlichen Ertüchtigung bei (einmalige Sache. Nein, in der Schule wird man nicht langfristig auf diesen einen Tag vorbereitet)

    Es wird auch keiner der schlechten Matheschüler zu einer Matheolympiade gezwungen, wo er vor den Augen aller an die Tafel gestellt wird.
    Es wird keiner gezwungen, ein Gedicht vor den Augen aller vorzutragen.
    Es wird keiner gezwungen, vor den Augen aller zu singen.
    Warum muss das bei Sport anders sein?
    Natürlich muss man auch mit Niederlagen umgehen können, aber warum muss man sich denn vor allen blamieren müssen?
    Niemand fordert, den Sportunterricht abzuschaffen, was absolut dämlich wäre. Es geht nur um diesen einen Tag. (Der Vergleich mit dem Matheunterricht ist ein eindeutiger Kategorienfehler. Die beiden Sachen sind nicht vergleichbar)

    Warum darf eigentlich für so etwas Unterricht ausfallen?

  5. AvatarNils sagt:

    PS: Schön, dass alle, die die BJS befürworten, ihre Zeit mit dem Zwang zur Teilnahme schon hinter sich haben. Wenn schon, dann sollten alle zu sowas gezwungen werden.
    Mal gucken, wie lange das dann noch beibehalten wird.

  6. Also, ich würde gern nochmal mitmachen. Ich hätte den Spaß meines Lebens, obwohl ich beim Sprint, beim Weitwurf und beim Weitsprung vermutlich wieder letzter werden würde. Wie damals.

  7. AvatarNils sagt:

    Wenn du dazu gezwungen wirst? Aber dann hattest du anscheinend Spaß, kannst dir aber nicht vorstellen, dass Menschen auch anders fühlen können als du.

    Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass es einige gibt, die auf eine Veranstaltung, die keinen Mehrwert bietet und auch für den Schulalltag völlig irrelevant ist, keinen Bock haben. Man könnte es ja freiwillig machen, wie so viele Zusatzveranstaltungen in anderen Fächern. Eigentlich habe ich noch kein Argument gelesen außer: Haben wir immer schon so gemacht. Sollen sich die Schüler von heute nicht so anstellen.

    „Wer schon einmal versucht hat, etwas zu verändern, weiß, wie beharrlich die Kräfte sind, die den Status Quo bewahren wollen.“ http://blog.nassrasur.com/2015-05-21/klartext-wir-brauchen-mehr-streitbare-maenner/

  8. Festzuhalten ist auch auf jeden Fall, dass es Schüler gab und gibt, die gern an den Bundesjugendspielen teilnehmen. Die sich dort Erfolgserlebnisse holen, die sie sich vielleicht in den klassischen Fächern nicht holen können. Das sind Menschen, die anders denken und fühlen als du, und du scheinst dir die nicht vorstellen zu können oder zu wollen.
    Während der Schulzeit – und übrigens auch im darauffolgenden Leben – nimmt man an jeder Menge Veranstaltungen teil, auf die man keinen Bock hat und die einem keinen Mehrwert bieten. ICh muss mich täglich dazu zwingen, Dinge zu tun, die ich ungern tue, da ist es äußerst hilfreich, wenn man schon als junger Mensch lernt, Strategien zu entwickeln, wie man solche Situationen meistert. Und die Argumente für die Abschaffung der Bundesjugendspiele erschöpfen sich in: „Macht einigen Kindern keinen Spaß.“ Finde ich nicht so überzeugend.
    Und die von dir zitierten „beharrlichen Kräfte“, die ich meinte, finden sich jenseits von Petitionen und Kommentarspalten, die kommen später, dafür umso heftiger. Wenn man versucht, das umzusetzen, was man fordert. Ich sehe nicht, dass das auch nur ansatzweise gelingen könnte.

  9. Der Vergleich mit dem Mathe-Unterricht hinkt in der Tat, es müsste „Mathematik“-Klassenarbeit heißen. Die BJS sind eine angekündigte, inhaltlich bekannte, benotete Klassenarbeit im Fach Sport. Sogar noch leichter als Mathe, für Mathe muss man aktiv üben, für Fitness muss man eigentlich nur ein normales Kind sein. Normal wie „von der Natur vorgesehen“, nicht das heutige SCH-Normal (Shoppen, Chillen, Handy). So wie man sich in jedem Fach schlecht fühlt, bei dem man den Prüfungsstoff nicht beherrscht (sei es aus mangelnder/m Neigung/Talent oder weil man nicht geübt hat) ist das auch im Sport so. Ich war immer einer der schlechtesten Jungen, da ich keinen Vereinssport betrieben habe, trotzdem ist die kleine Urkunde nie ein Problem gewesen, die schafften damals sogar die Streber wie ich. Heute sind brutal viele übergewichtig wie und komplett unsportlich, das ist das Problem! Die BJS decken auf, welches „Verbrechen“ die Eltern, die Industrie (und ein wenig auch die Kinder, die ja ihre Freizeit selbst gestalten wollen und sollen) begehen. Man sollte das auch als Fitness-/Gesundheitstest sehen. Wer da komplett versagt, der ist entweder krank (und entschuldigt) oder eigentlich kerngesund, aber unnatürlich unsportlich. Rennen-Springen-Werfen-Gleichgewicht sind mindestens ebenso lebenswichtige Alltagsfähigkeiten wie Kopfrechnen oder die Beherrschung von Sprache. Die Schule soll auch diesen Aspekt des Lebens lehren und prüfen. Bei Gedicht und Singen können wir eher diskutieren, ob das überlebenswichtig ist, das Wichtigste ist Gesundheit. Dass unser Sportunterreicht nicht ideal ist, um Gesundheit und Fitness (Spaß an Bewegung und vernünftiger Ernährung) zu lehren, ist ein ganz anderes Thema. Als allgemeiner Fitnesstext ist ein Leichtathletikwettbewerb wie die BJS aber m.E. bestens geeignet. Warum man sich da bei schlechtem Abschneiden mehr Kopf draus machen sollte als bei einer miserablen Mathearbeit, erschließt sich mir nicht. Mathe ist wichtiger für das Zeugnis! Und wer wegen seiner Leistung bei den BJS ausgelacht wird, der (kann eigentlich nur ein Junge sein) wird auch im restlichen Sportunterricht und auf dem Schulhof oder auf dem Bolzer ausgelacht. Das ist eine ganz andere Problematik. Das ist doch alles eine Idee von diesen modernen Über-Eltern, die Ihren Kindern alles abnehmen wollen und sie dadurch zu völlig unnatürlich entwickelten Menschen heranziehen. Sie sitzen auf den Elternabenden und schimpfen über unangekündigte Tests und zu schwere Schultaschen und die Existenz versetzungsgefärdender Noten…

  10. AvatarNils sagt:

    „Das ist doch alles eine Idee von …“

    Mit diesem Satzanfang hast du leider mein ganzes Interesse weggezaubert, diese Diskussion fortzuführen.
    Ich lasse euch zumindest bei diesem Blogpost alleine mit euren Verallgemeinerungen. Meine bisherigen Kommentare zeigen vielleicht, dass mir das ganz schön schwer fällt.

    http://www.nido.de/artikel/auf-die-petition-fertig-los/

  11. Wie jetzt, Du postest einen Artikel, in dem auch keine sinnvollen Argumente für die Abschaffung stehen und in dem die Ur-Forderin verlinkt ist, welche auch nur schreibt: „Ich tue das für all die Kinder, die jedes Jahr am Abend vor den Bundesjugendspielen Bauchschmerzen haben, für jene, die während der Wettkämpfe am liebsten im Boden versinken würden, und für alle, die hinterher beim Verteilen der Urkunden am liebsten in Tränen ausbrechen würden.“. Ersetze das durch Mathearbeit oder Zeugnisse und die Forderung wird absurd (oder auch nicht, kann man ja auch ‚mal fordern). Die BJS oder jeden anderen Sporttest auf eine öffentliche Demütigungsveranstaltung (vor der Peer Group, köstlich) zu reduzieren, ist ja EXAKT das, was ich nach dem von Dir zitierten Satzanfang skizziere! Eltern, die Ihren (und spannenderweise auch fremden, sie nichts angehenden!) Kindern jede negative Erfahrung ersparen wollen, und zwar nicht etwa durch durch Vorbereitung auf solche (im Leben unumgänglichen) Erlebnisse oder durch Erziehung zu mehr als dem Minimumeinsatz (Sport treiben oder zumindest Bewegen, nicht nur zu den Arbeiten pauken, sondern den Lehrstoff wirklich beherrschen lernen, mehr als 2 Bewerbungen schreiben), oder bei den BJS durch das Naheliegende: NUR FÜR DAS EIGENE KIND eine Entschuldigung schreiben — sondern durch generelle Verhinderung (Abschaffung für alle) von BJS, von Überraschungstests, am besten auch Nachmittagsunterricht uvm. Ich sehe also nicht, dass meine Verallgemeinerung die Urheberin falsch charakterisiert hat. Sie ist Journalistin und promovierte Sprachwissenschaftlerin und schreibt „Ein Wettkampf, bei dem Einzelne schon vorher wissen, dass sie chancenlos sind, ist sinnlos und unfair.“. Das ist entweder Rhetorik oder Naivität, weil das für JEDE Prüfungssituation in der Schule gilt. Und wenn sie mit „(ursprünglich auf die Reichsjugendwettkämpfe zurückgehend)“ die Fascho-Karte spielt, entlarvt sie obendrein als komplett (pun intended!) „unsportlich“.

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