Der perfekte Block – Filmkritik zu „Red Army – Legenden auf dem Eis“

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Video-Link: http://youtu.be/TRGi1V1vlNE

Wer in den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts Eishockey geguckt hat, erinnert sich zwangsläufig an das Spiel der russischen Nationalmannschaft. Ein derartiges Team hat es vorher und nachher nicht gegeben, die haben das Passspiel zur Kunstform erhoben, ständig die Positionen getauscht, über die gesamte Eisfläche rochiert und (beinahe) jeden Gegner schwindlig gespielt. Von der russischen Nationalmannschaft – die quasi identisch mar mit der Eishockey-Mannschaft von ZSKA Moskau, dem Klub der Roten Armee – handelt die herausragende Sport-Dokumentation „Red Army – Legenden auf dem Eis„.

Es waren 5 Männer, die zu Legenden ihres Sports wurden, die beiden Verteidiger  Slava Fetisov und Alexei Kasatonov und die Angreifer Sergei MakarovIgor Larionov und Vladimir Krutov bildeten damals DEN perfekten Eishockey-Block überhaupt. Sie spielten ein System wie niemand sonst, indem die Verteidiger angriffen und die Angreifer verteidigten, ein verwirrend komplexes System von Pässen spielten, die wie improvisiert wirken, aber in ihrer Präzision natürlich einstudiert sein MUSSTEN.

Wer sich »Red Army – Legenden auf dem Eis« anschaut, weiß schlussendlich Bescheid: Der Film zeigt, wie das sowjetische Eishockey damals zur Übermacht wurde: Wie Eishockey-Talente bereits im Kindesalter gesiebt und rekrutiert wurden, um anschließend jahrelang trainiert, gedrillt und immer wieder ausgesiebt wurden, bis nur noch die wenigen übrig waren, die dann für ZSKA Moskau und die sowjetische Nationalmannschaft spielten. Und diese wenigen wurden weiter gedrillt und kaserniert, hatten gerade mal dreißig freie Tage pro Jahr (!), an denen sie ihre Familien sehen durften – ein unglaubliches, unmenschliches System.

Protagonist des Films ist Verteidiger Slava Fetissov, an den sich Eishockey-Kenner zweifelsohne erinnern werden. Einer der besten Spieler aller Zeiten, der als Verteidiger mehr Tore geschossen hat als mancher Angreifer und der rückwärts schneller Schlittschuh laufen konnte als die meisten Profis vorwärts. Und eine der coolsten Socken, die jemals auf einer Eisfläche oder Kino-Leinwand zu sehen waren. Allein die Ausstrahlung dieses Mannes, diese Mischung aus lässiger Coolness und unterschwellig präsenter Gefährlichkeit lohnt schon den Kino-Besuch. Und die Beschäftigung mit der Biographie dieses außergewöhnlichen, streitbaren und unbeirrbaren Mannes, der es bis zum Sportminister gebracht hat.

Dabei ist »Red Army« wesentlich mehr als eine Sportdokumentation, es ist auch ein überzeugender Männerfilm, denn es wird nicht nur die Geschichte der »Red Army« auf dem Eis erzählt, sondern eine Geschichte von Männer-Freundschaft und – Feindschaft, von Intrige, Verrat und Versöhnung.

Und außerdem erzählt der Film die Geschichte der sportlichen und gesellschaftlichen Implosion der Sowjetunion, eines Systems, dass auf Zwang, Unterdrückung und Angst beruhte und sich schließlich nicht mehr halten konnte, weil selbst die Protagonisten und Privilegierten aufbegehrten: faszinierende Einblicke.

Kurz und knapp, wer sich irgendwie für Sport oder Politik interessiert, sollte diesen Film sehen. Für diejenigen, die beides anspricht, ist der Film ein absolutes Muss. „Red Army – Legenden auf dem Eis“ startet heute in den deutschen Kinos. Leider in nicht allzu vielen, Dokus haben’s hierzulande schwer. Auf der Facebook-Seite von „Red Army“ ist ein Kinofinder, da könnt ihr euch schlau machen, ob ein Laden in eurer Nähe den Film spielt.

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3 Responses to Der perfekte Block – Filmkritik zu „Red Army – Legenden auf dem Eis“

  1. AvatarLafette says:

    Nix gegen die fantastischen Fünf, aber wir wollen doch den besten Torhüter in der Geschichte des Eishockeys nicht vergessen. 😉 Wladislaw Tretjak! 🙂

    Gruß

    Marc

  2. AvatarAldres says:

    Habe noch eine Reportage zum Thema gefunden: http://youtu.be/GdFHKXXPLhg

  3. Pingback: Napoleon Solo, der Beginn einer Männerfreundschaft und ein Zug im Schnee - die Links der Woche vom 5.2. bis 12.2. | Männer unter sich

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