Männajetränke im Wandel der Zeit

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Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Früha, ja früha. Da war allet bessa. De Schrippen warn jrößer und billijer, de Jugend war nich so uffsässich und nen Kaiser jab et ooch noch. Außadem war die Jetränkewelt noch völlich in Ordnung. Der Mann trank für jewöhnlich Molle mit Korn, ooch als Jedeck bekannt. Für die besonders harten jesellten sich denn noch diverse Schnäpperken hinzu: Danzijer Joldwassa, nen Stonsdorfa, oda nen Mampe, um hier nur einije zu nennen . Für Extremsportler jabs schließlich den Futschi hell oda dunkel und et jalt. „Futschi macht futschi!“ Andere Jetänke jehörten nich ins Glas. Höchstens an janz heeßen Tajen, in Bejleitung der Jattin durfe et ooch ne Weisse mit Schuss sein. Der männliche Nachwuchs wurde mit na Sportlermolle langsam an die Männawelt heranjeführt!

Säfte, Wein, Sekt und Likör waren den Frauen vorbehalten. Lediglich an Sylvesta um Mitternacht nippte man (n) an der Arbeetabrause. Normalerweise stellte der Mann dit Jlas aba sofort wieda ab und bemerkte, des dit süße Jesöff nur wat für Weiber iss und jing wieda zur bewährten Molle mit Korn üba. Schließlich war man ja am Neujahrstach zum Katafrühstück injeladen und da brauchte man ja nen Jrund zum stöhn und der Rollmops schmeckte nur mit richtijen dicken Kopp jut…

Doch die Zeiten änderten sich. Och Männer durften langsam ihre weichen Seiten zeijen und mussten nich imma druff bestehn: „Wat meene Leba so allet aushält!“. So durfte et inna Budike nen jepflechta Wein, een Fruchtsaft oda nen Mangolassi sein.

HerrenjedeckDer Durchbruch kam schließlich mit der breiten Akzeptanz, des nen Mann nich imma ne Ische braucht, sondern och nen Freund haben kann. Berlin war schließlich schon imma ne Schwulenhochburg und so wurden plötzlich Sekt und Baileys salonfähich. Eenmal im Jahr, zum CSD übanimmt denn entjültich der „Tuntendiesel“ (so heeßt der Sekt alladings nur in der „Szene“) dit Zepta der Männajetänkewelt. Am Straßenrand stehn die vabliebenen „echten“ Männer und kieken sich vawundert dit bunte Treiben an. Manch eener täte jerne mitmachen und ooch ma am Sektkelch nippen und seenen besten Kumpel eenen uffdrücken…

Wie dem ooch sei, der Berliner Dialekt hat nich so janz schritt jehalten mit dem Wandel der Zeit und noch keene passenden Namen für die neuen Männagetränke, also Wein, Saft, Mangolassi & Co. jefunden. Sekt iss schließlich schon lange keene Arbeetabrause mehr und Tuntendiesel heeßt et eben nur inna Schwulenszene.

Villeicht fällt ja uff diesa feinen Seite dem een oda anderen wat in oda kann zweckdienliche Hinweise uff im Jebrauch befindliche Namen jeben!

Jeboren wurde in den 1960er Jahren als Axel Gödel mitten in Berlin. Da meene Eltern ooch schon hier dit Licht der Welt ablickten, bin ick somit een waschechta Berliner. Uffjewachsen in Kreuzberch, alernte ick nie Hochdeutsch. Deshalb treibe ick seit einijer Zeit uff Berlinerisch im World Wide Web meen Unwesen und vaöffentliche Kurzgeschichten und Blogartikel, unter anderem uff „Berliner Dialekt“ und bei „Da kiekste, wa? – Berlin typisch„.

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