Das Blutbad

Letzten Sonnabend ist mir bei der Morgenrasur etwas gelungen, was ich schon lange nicht mehr hingekriegt habe: Ich hab mich wirklich geschnitten. War eigentlich ganz einfach: Ich hatte gute Laune, angenehme, schwungvolle Musik dudelte im Hintergrund, da möchte man doch im Rhythmus mitrasieren, und mit Schmackes auf die 1… Zack, hatte ich den Hobel mehr auf die Haut geworfen als angesetzt und mir einen Cut in die Lippe versetzt, mehr als einen halben Zentimeter lang. Sonderlich weh hat’s nicht getan, das Blutbad hingegen war ziemlich eindrucksvoll. Das rote Zeugs strömte mir das Kinn herunter und tropfte in breitem Strom über den Umweg Bauch ins Waschbecken.

Immer wieder erstaunlich, wieviel Blut aus so einem kleinen Cut kommen kann. Und obwohl man mit ein wenig Lebenserfahrung ja weiß, dass man die Sache ziemlich schnell in den Griff bekommen wird, wird einem – zumindest mir – ganz schön mulmig, wenn man sich selbst heftig bluten sieht. Okay, Schluss mit Angst haben, Situation verbessern!

Ich griff nach Alaunstein und Alaunstiften, machte den Alaunstein kurz nass und fing geduldig an, mit dem Teil über den Cut auf meiner Unterlippe zu wischen. Nach ungefähr einer Minute wurde der Blutstrom schon weniger, und nach zwei Minuten konnte ich den Cut sehen.

Jetzt war der Zeitpunkt für die Alaunstifte gekommen, die eine deutlich stärkere Wirkung als mein Stein haben, aber mit denen man punktgenau arbeiten muss. Drei Stück hab ich verbraucht, immer wieder den Cut abgetupft, und dann war der Spuk vorbei. Jetzt noch das Waschbecken saubermachen, und mein Blutbad war Geschichte.

Und dann klopfte ich mir selber auf die Schulter, dass ich mein Blutstillzeugs grundsätzlich griffbereit im Spiegelschrank über dem Waschbecken aufbewahre, auch wenn ich es wochen- oder monatelang nicht brauche1. Hätte ich nämlich erst nach dem Zeugs suchen müssen, hätte ich das ganze Badezimmer (oder die Wohnung, wenn’s in meiner Rasurkram-Schublade gewesen wäre) vollgekleckert, und hätte eine Großreinigungsaktion starten müssen. Zubehör, was man im Notfall braucht, muss doert aufbewahrt werden, wo der Notfall eintreten könnte, nirgends sonst.

 

  1. Mit ein bisschen Routine schneidet man sich bei der Nassrasur sehr selten.
Markiert mit , , , , , , , .Speichern des Permalinks.

Eine Antwort zu Das Blutbad

  1. Avatarklarinos sagt:

    Ja das passiert halt trotz jahrelanger Übung irgendwann mal. Auch bei mir kommt es höchst selten vor, aber wenn, dann nehme ich meistens den Alaun-STEIN, der ohnehin nach der Rasur kurz über das Gesicht fährt und der deshalb immer griffbereit ist, drücke ihn aber mindestens 1 Minute auf den Schnitt, evtl. mit Wiederholung. Das hilft meistens…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bitte nicht wundern: nach dem Absenden verschwindet Dein Kommentar einfach und wird erst nach Freischaltung durch uns sichtbar -- also nicht mehrfach absenden!