[Männeressen] Da biste platt, wa?

Lecker Brathühnchen ist eine feine Sache. Saftiges Hühnerfleisch, knusprige Haut – Supersache. Wenn’s da nicht zwei grundlegende Probleme gäbe:
1. Die Menge der Haut: richtig knusprig ist die beim im Ofen geschobenen Huhn nur auf der Brust und auf den Oberseiten der Keulen. An den Seiten ist sie schon deutlich weniger braun und knusprig, und unten ist Sense: lappiger Schlabber, bäh.
2. Die Bratzeit: Vor allen Dingen, wenn man einen großen Kawenzmann in den Ofen schiebt, ist Warten angesagt: Anderthalb Stunden oder sogar mehr kann’s dauern, bis das Keulenfleisch gar ist. Da hat man vor lauter Hunger schon zwei Chipstüten gekillt, und das Brustfleisch ist wegen der überlangen Garzeit furztrocken geworden.
Die Lösung für das Hühnerproblem ist einfach: Ihr müsst das Huhn plattmachen, bevor ihr es in den Ofen schiebt.

Ne, ihr müsst das arme Viech nicht selber killen. Wär ja noch schöner, Kollateralschäden bei Profilierungsfahrt durch den Hühnerstall, was? Träumt weiter. Gehen wir erstmal einkaufen, dann zeig ich euch, wie man so’n Huhn standesgemäß und kultiviert verplättet. Für 2 – 4 Hühnervertilger (je nach Hunger und Größe1) braucht ihr:
1 strammes Huhn2
Gemüse zum Mit-Braten und -Essen: Was euch schmeckt, bei mir war’s eine Fenchelknolle, zwei drei kleine Zucchini, 3 Flaschentomaten und 1 Bund Frühlingszwiebeln
Das war’s auch schon. Olivenöl, Knoblauch und reichlich KüBi3habt ihr hoffentlich im Vorrat.

Als erstes greifen wir – wie immer – zum KüBi und trinken es sinnig an. Derart gestärkt sind wir in der Lage, beim Huhn oben (Brustseite) und unten (die andere] zu unterscheiden. Auf der Unterseite des Tieres befindet sich das Rückgrat, und das schneiden wir raus. Einfach zwei Schnitte mit der Geflügelschere oder dem großen Küchenmesser links und rechts davon, dann haben wir’s in der Hand. Wenn wir demnächst eine Hühnerbrühe kochen wollen, heben wir das Rückgrat dafür auf, ansonsten kommt’s in die Tonne. Das rückgratlose Huhn drehen wir nun auf die Brustseite und drücken es platt. Das knirscht ein bisschen, dann hat’s die Grätsche vor uns auf der Arbeitsfläche gemacht. Wir salzen und pfeffern das Huhn auf beiden Seiten und legen es – Brust nach oben – auf die Saftpfanne des Backofen,s den wir bei der Gelegenheit gleich auf 200 Grad vorheizen. Empfindsame Naturen lösen jetzt mit den Fingern die Haut der Brust und schieben ein paar Scheiben Butter oder Kräuterbutter zwischen Brust und Haut. Verhindert jedes Austrocknen des Brustfleisches und sorgt für echtes Sterne-Feeling beim Koch.

Einige Rezepte empfehlen übrigens, anfangs irgendein Gewicht auf die Brust des Huhns zu legen, damit es sich nicht aufrichtet. War bei mir noch nie nötig. In meinen Ofen kommen nur ordnungsgemäß getötete Tiere, die können sich nicht mehr aufrichten.

Jetzt schneiden wir ohne Firlefanz die Gemüse klein. Fenchelknollen vierteln oder achteln, Zucchini scheibeln, Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden, und – immens wichtig – eine größere Menge Knoblauchzehen von den Häuten befreien. Das gesunde Zeugs drapieren wir jetzt um das Huhn herum, würzen mti Salz, Pfeffer und Cayenne, geben nicht zu knapp ein schönes, kaltgepresstes Olivenöl über die Chose, und wenn das so aussieht wie auf dem Foto rechts, schieben wir’s in den Ofen. Perfektionisten kleckern noch ein bisschen Zitronensaft drüber und legen vielleicht ein paar Zweige Thymian und/oder Rosmarin dazu, was gerade zur Hand ist. Und das war’s auch schon.

Wir lassen das Viech jetzt für anderthalb KüBi-Längen (ca. 40 Minuten) in Ruhe, dann starten wir unsere letzte küchentechnische Amtshandlung und Erhöhen die Ofenhitze auf 220 bis 230 Grad, damit die Haut schön braun wird. Nach 20 Minuten ist es dann soweit. Huhn raus, auf ’ner vorgewärmten Anrichteplatte anrichten, Gemüse und fettigen Bratensaft4 in eine Schüssel geben, alles auf den Tisch, Baguette dazu und einen gescheiten Wein5 aufmachen.

Mahlzeit!

  1. Die des Tieres, nicht deine!
  2. Legt etwas mehr Geld auf den Tisch, und kauft ein Tier, dass ein längeres, anständiges Leben gehabt hat. Diese Tiere schmecken um Welten besser als die gequälten Winzlinge vom Discounter.
  3. Küchen-Bier
  4. Das Angebackene von der Saftpfanne unbedingt loskratzen und dazu geben!
  5. Weiß, rot, rosé – vollkommen egal, Hauptsache gescheit.
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6 Antworten zu [Männeressen] Da biste platt, wa?

  1. AvatarKlaus Klattke sagt:

    So leicht bin ick nich platt zu kriejen…

    Doch so een Hühnchen, dit wär et jetz!

  2. AvatarLou6 sagt:

    Löse doch die Brüste von allem und gib sie 15 Min. vor Garende dazu.
    Ofen auf 250°, dann hast Du das gleiche wie vorher, nur mit krossen, saftigen Brüsten.

  3. AvatarBavarianLebowski sagt:

    Werde ich probieren. Am besten schmeckt das Tier ja immer noch im Bierzelt, aber die Saison fällt ja heuer flach 🙁

  4. Chris KurbjuhnChris Kurbjuhn sagt:

    @Louis: Die Fummelei mit dem Auslösen der Brüste geb ich mir, wenn du mal wieder zum Essen kommst. Ansonsten hab ich’s gerne einfach. Und bin sowieso Keulenesser, Und mit reichlich Butter unter der Haut werden die Brüste gar nicht so trocken.

  5. AvatarMechthild Mühlstein sagt:

    Warum ist das nun »männeressen«?

    Ganz simpel: eine frau würde so ein hinkelsche einfach auf den drehspieß packen, damit es rundrum knusprig wird. Sofern man keinen drehspieß hat, empfehle ich die Russische methode: man setzt das hühnchen aufrecht auf eine bierflasche (die man natürlich vorher ordnungsgemäß geleert haben sollte), die man mit etwas warmen wasser gefüllt hat. Es gelingt wie von selbst.

    Wenig arbeit, keine großen küchengeheimnisse, stattdessen lieber lecker. ^^

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