Was Jungs auf dem Schulhof lernen

Henry Gerbault [Public domain], via Wikimedia Commons

Henry Gerbault [Public domain], via Wikimedia Commons

Eigentlich wollte ich zu dem ganzen Islamismus-Terrorkram nix schreiben, dazu ist alles gesagt, und von Menschen, die das besser ausdrücken können als ich. Sogar bei der Islamkonferenz gestern gab es erfreulich deutliche Worte von Vertretern einiger muslimischer Verbände, aber dann hab ich heute in ZEIT-Online was über die Islamkonferenz gelesen, was wohl so neben den Mikrofonen her gesprochen wurde:

Die große Mehrheit der Muslime sei gegen Gewalt, war auf der Konferenz überall zu hören. Etwas aber blieb an den Mikrofonen ungesagt. Was die Täter von Paris auf die Zeichner von Charlie Hebdo feuern ließ, ärgert auch Teilnehmer des Treffens: Karikaturen, die Mohammed zeigen, Karikaturen von Turbanträgern mit Waffen, Sprengsätzen oder Blut. „Das ist für mich geschmacklos“, sagt Pürlü vom Koordinationsrat am Rande des Treffens. Für die Muslime sei Mohammed der Friedensbote. Und für Muslime gelte, sich kein Bild von ihm zu machen. „Wer Mohammed als Förderer von Terror darstellt, verletzt uns, weil das nicht der Wahrheit entspricht und nimmt die Gläubigen in Sippenhaft.“ Bitternis klingt durch. Ähnlich sagt es Bekir Alboga, Vorstandssekretär im Dachverband Ditib. „Den IS oder andere Terroristen kann man karikieren, Mohammed sollte man nicht“, formuliert er. „Mohammed bedeutet mir viel.“ 

Unterstützung von den Grünen

Beide wünschen sich mehr Respekt und Sensibilität von den Zeichnern, auch vonCharlie Hebdo. „Ich gehe mit anderen Religionen auch respektvoll um“, sagt Pürlü. „Man muss keine Würdenträger in den Dreck ziehen.“ Deshalb würden Muslimvertreter in den nächsten Tagen auch Zeitungsredaktionen besuchen, um Respekt vor religiösen Gefühlen anzumahnen, kündigte er an. Unterstützung erhalten sie dabei von den Grünen im Bundestag: „Nicht alles, was Meinungs- und Pressefreiheit schützen, muss man auch sagen und schreiben“, sagte der religionspolitische Sprecher der Fraktion, Volker Beck. „Das ist die Verantwortung, die mit Freiheit immer einhergeht.“ Allerdings sollten Respekt und Rücksicht die rote Linie bestimmen, nicht Angst vor Terror, betonte er. 

Liebe Muslim-Vertreter, liebe Grüne, ihr habt immer noch nicht begriffen, um was es geht. Ihr habt selbst-ver-ständlich recht, dass es vollkommen respektlos ist, Bilder von Mohammed zu zeichnen. Genauso respektlos ist es, den Papst zu karikieren. Oder Kruzifix-Blowjob-Videos zu drehen. Total respektlos. Aber respektlos ist gut.

Wir leben in einem Land, in einem Kulturraum, der sich die Möglichkeit, respektlos zu sei, über Jahrhunderte hinweg mühsam erkämpft hat. Für die Respektlosigkeit sind mehr Menschen gestorben als Al Qaida und ISIS zusammen ermordet haben. Das begann irgendwann im Mittelalter, als die Menschen begannen, gegen die Allmacht der Kirche aufzumucken und von der Inquisition auf den Scheiterhaufen verbrannt wurden, und das hat mit den Schüssen auf Rudi Dutschke noch nicht aufgehört.

Es geht um Freiheit, Herrschaften, und Freiheit ist nunmal unbequem, sonst wäre es keine. Als Mitglied einer freien Gesellschaft hat man tagtäglich tausende anderer Meinungen, Gesinnungen und Glaubensbekenntnisse auszuhalten. Man darf sie alle in Frage stellen, man darf sie mit friedlichen Mitteln bekämpfen, man darf sie verspotten, ja, tatsächlich, man darf Andersdenkenden auf die Nerven gehen (gelegentlich MUSS man das sogar), und dass man das jederzeit darf, haargenau das macht unsere Kultur aus.

Natürlich hat die Bundeskanzlerin recht, wenn sie sagt, der Islam gehört zu Deutschland. Viele Bürger dieses Landes sind muslimischen Glaubens, leben seit Generationen hier und sind damit Teil dieses Landes, aber solange sie Ausnahmen von den Grundlagen unserer Kultur, der Meinungsfreiheit, der Pressefreiheit, der Freiheit der Kunst einfordern, solange sind sie in diesem Land noch nicht richtig angekommen.

Und, liebe Muslim-Vertreter, noch ein kleiner Tipp: Solange ihr bei jedem neu auftauchenden Mohammed-Bildchen die beleidigte Rinds-Leberwurst spielt, solange wird es immer neue und immer mehr Mohammed-Bildchen geben. In dem Moment, wo ihr es hinkriegt, bei einem Propheten-Bild einfach nur was zu sagen wie »Ja, gut, alter Hut[1. meinetwegen auch „alter Turban“. Ihr wisst ja, dass mir das nicht gefällt.« oder es einfach zu ignorieren, anstatt an der Empörungsschraube zu drehen, dann kommen auch keine neuen Bilder mehr. Doch, echt. Funktioniert. Das lernen bei uns schon die kleinen Jungs auf dem Schulhof. Das nennt sich »in Freiheit aufwachsen«. Dies nur mal zur Erinnerung, liebe Grüne.

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10 Responses to Was Jungs auf dem Schulhof lernen

  1. Pingback: …ein anderes Wort… | MyStory Verlagsservice Chris Kurbjuhn

  2. AvatarMario Wohllebe says:

    Das „predige“ ich schon seit langem jedem, der es hören, bzw. nicht hören will. Leider sinnlos. Mit Atheismus kann eh keine Religion umgehen. Warum nur?

  3. Avatargerdos says:

    Eine jüdische Zeitung hat alle Frauen in der Zombie-Walze in Paris wegretuschiert:

    http://4.bp.blogspot.com/-_7jdXoilrnU/VLTVVG5XIsI/AAAAAAAAZnQ/lLdubeBbWdw/s1600/HebdoZeitung1.jpg

    Darauf kam eine ebenso satirische Retourkusche:

    http://blog.todamax.net/2015/the-million-merkel-march/

    Satire darf vieles, nur nicht sterben.

  4. AvatarAldres says:

    Hört auf hier zu predigen ich hab’s:

    goo.gl/WoHNYK

    Schlägerei der Sonderklasse: Chris gegen den Papst im Kettenhemd.

  5. Ach, der Papst. Der hat gerade noch gefehlt. Eine windige Type, der es gelungen ist, sich als Reformator zu positionieren, nur indem sie den Dienstwagen zwei Nummern kleiner gewählt hat. Präsidiert aber immer noch über eine Kinderschänder-Mafia, die die Gläubigen in den Entwicklungsländern lieber verrecken lässt, als ihnen die Kondome zu gestatten… Der ist moralisch nicht kompetenter als ein x-beliebiger Hassprediger in einer Neuköllner Hinterhof-Moschee. Wobei der Hassprediger noch ehrlicher ist.

  6. AvatarHeine says:

    @Blogger
    „Natürlich hat die Bundeskanzlerin recht, wenn sie sagt, der Islam gehört zu Deutschland. Viele Bürger dieses Landes sind muslimischen Glaubens, leben seit Generationen hier und sind damit Teil dieses Landes…“
    Frage: Verwechseln Sie („natüriich“) wie Frau Dr. M. da nicht den Islam mit den hierzulande lebenden Muslimen?
    Anders gesagt: Hat nicht dieser unsägliche CDU-Wulff diesen schon formallogischen Unsinn über „den Islam“, wobei Muslime gemeint waren, in die Welt gesetzt?

  7. Ja, Sie haben recht, ich verwechsle. Genauso wie Menschen, die sagen, Deutschland wäre ein christliches Land. Es leben hier mehrheitlich Christen, und die meisten sind es nur auf dem Papier. Es leben hier Muslime und viele (ich habe keine belastbaren Zahlen, vielleicht sind es auch die meisten) praktizieren ihren Glauben so wenig, wie die meisten Christen es tun. Der Zeitungshändler, bei dem ich einkaufe, ist Muslimischen Glaubens. Er geht aber nicht in die Moschee, er schaut lieber Fußball, die Fastenzeit interessiert ihn nicht die Bohne, er trinkt gern Bier oder einen Wein, so what. Genau, wie Christen, die ebenfalls die Kirche von innen nicht sehen, vor Ostern nicht fasten und es mit den zehn Geboten auch nicht so genau nehmen. Ich nehme an, so wird das Herr Wulff gemeint haben, so wird das Frau Merkel gemeint haben und so meine ich das. Ist das irgendwie schlimm?

  8. AvatarHeine says:

    Hallo Herr Kurbjuhn, was der ehemalige CDU-Spitzenfunktionär Wulff vor Jahren öffentlich behauptete und auf was Sie sich positiv bezogen, ist („natürlich“) nicht „schlimm“, sondern nur nicht richtig bzw. historisch falsch, vgl. als Argumentation aus wissenschaftlicher Sicht http://journalistenwatch.com/cms/2015/01/20/allahs-ungeliebte-kinder-lesben-und-schwule-im-islam/

  9. Sorry, Herr Heine, aber das Geschwurbel hinter ihrem Link ist ein bisschen zu viel für einen einfach gestrickten Menschen wie mich. Und wieso überhaupt sollte irgendeine Religion NICHT zu Deutschland gehören? In Artikel 4 des Grundgesetzes wird keine Religion ausgeschlossen, folglich sind für mich hier ALLE Religionen zugehörig, ob Christentum, Islam oder die Kirche des heiligen Spaghetti-Monsters.

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