Das Schweigen der Medien – Kommentar von Richard Albrecht

Gerade weil ich immer noch kein „Truther“ im Sinne der „Wahrheitsbewegung“ bin, sondern noch immer als „Sozialwissenschaftsjournalist“ (Lars Clausen) so bekwellt wie engagiert arbeite, möchte ich hier an eine Erfahrung erinnern:

in der ganzdeutschen Medienlandschaft gab es Mitte Dezember 2012 im Skandal-„Fall Mollath“ ein so plötzliches wie unerwartete SCHWEIGEN DER MEDIEN, die immer noch als Qualitätsmedien gelten (möchten): Spiegel, Spon, Zeit und im Gefolge auch Berliner Tagesspiegel1. Das veranschaulichte: MACHT MUSS NICHT KOMMUNIZIERT WERDEN. UND MACHT WIRD TYPISCHERWEISE AUCH NICHT KOMMUNIZIERT.

Auch deshalb darf ich an William Blums2 kritische US-Gesellschaftsanalysen seit Rogue State (2000)3 (Deutsch etwa: Ausnahmestaat; auch Schurkenstaat) erinnern:

The media´s most effective tool – silence.

Die Formel Das wirksamste Mittel der Medien ist ihr Schweigen habe ich einer 2007/08 an entlegenen Stellen gedruckten mikroempirischen Studie 4 über Inhalt und Form, dass und wie die bis heute weltweit bedeutendste Suchmaschine (nicht in der asiatischen Volksrepublik) China, sondern in der (europäischen Bundesrepublik) Deutschland (nach)zensiert5, vorangestellt. Der Beitrag steht in einer Reihe kritischer Autorentexte; diese begann mit einer bis heute in Deutschland unveröffentlichten empirischen Fallstudie mit dem Nachweis, daß Mitte der 1990er Jahre etwa 60 Millionen DM von einer deutschen Landesregierung zur Finanzierung einer Kunststiftung nur marktig hochgerechnet, mithin allein dargestellt oder schlicht erschwindelt wurden. Auch damals schwiegen ganzdeutsche Kulturjournale: der Text erschien in der damals führenden helvetischen Kultur(monats)zeitschrift.6

Im Anschluß an die erste journalistische Aufarbeitung 7 und eigene aktuelle „Fall“-Kommentare8 möchte ich die Blum-These in die Pro-Mollath-Debatte einbringen.

Und daran erinnern, dass das so unerwartete wie plötzliche SCHWEIGEN DER MEDIEN Mitte Dezember 2012 9 inszeniert war, dass es bis heute bei genannten Medien im Kern andauert und dass es mitgetragen wird von einer Corona ganzdeutscher Verbände und Organisationen, die sich als Bürgerrechtler ausgeben.

Und dagegen ist, auch bei zu Recht eingeforderter besserer Vernetzung von Netzblogs, bisher kein öffentlichkeitswirksames publizistisches Kraut gewachsen.

Richard Albrecht ist unabhängiger Sozialwissenschaftler, wurde 1976 extern promoviert, 1989 habilitiert, anschließend als Privatdozent beurlaubt, lebt als freier Autor in Bad Münstereifel, vertritt in der empirischen Kultur- und Sozialforschung den Utopian Paradigm-Ansatz (-> Communications, 16 [1991] 3: 283-318), edierte 2002/07 das online-Magazin rechtskultur.de, veröffentlicht/e als Sozialwissenschaftsjournalist regelmäßig unregelmäßig in Aufklärung & Kritik, Auskunft, Hintergrund, Sozialwissenschaftliche Literatur Rundschau, soziologie heute, Zeitschrift für Politik, Zeitschrift für Weltgeschichte, in den Netzmagazinen ein-buch-lesen, filmundbuch, nassrasur, Notizen aus der Unterwelt und poetenladen sowie zuletzt die Bücher Genozidpolitik im 20. Jahrhundert. Drei Bände (2006/08): Völkermord(en) (2006), Armenozid (2007), Hitlergeheimrede 1939 (2008), StaatsRache. Justizkritische Beiträge gegen die Dummheit im deutschen Recht(ssystem) (²2007), Crimes Against Mankind, Humanity, and Civilisation (2007), SUCH LINGE (2008), die Edition FLASCHEN POST (2011) und den Erzählband HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (2011). Bio-Bibliographischer Link -> http://wissenschaftsakademie.net e-Archiv des Autors -> http://eingreifendes-denken.net

Anm. der Red.: Hier bei „Männer unter sich“ hat auch Chris Kurbjuhn mehrfach die Rolle der Medien im Fall Mollath kommentiert und kritisiert, unter anderem hier und hier.

  1. Richard Albrecht, Vierte Gewalt? http://www.ein-buch-lesen.de/2013/04/vierte-gewalt-eine-gastkolumne-von.html
  2. siehe http://en.wikipedia.org/wiki/William_Blum und http://de.wikipedia.org/wiki/William_Blum
  3. siehe ttp://geoffolson.com/page5/page13/page56/page56.html
  4. Richard Albrecht, nachzensur.de: Einblicke in die deutsche „Google-Gesellschaft“; in: Aufklärung und Kritik, 14 (2007) II: 214-224; Nachdruck in ders., SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert (= Berichte aus der Sozialwissenschaft), Aachen: Shaker, 2008: 85-100
  5. Richard Albrecht, Literatur – Medien – Zensur; in: die horen 24 (1979) 113: 121-140
  6. Richard Albrecht, Dubiose Vorgänge ums Hans-Arp-Museum in Remagen; in: Schweizer Monatshefte, 78 (1998) 7/8: 53-56
  7. Jürgen Roth, Spinnennetz der Macht. Wie die politische und wirtschaftliche Elite unser Land zerstört. Düsseldorf: Econ, 2013: 217-227
  8. siehe https://blog.nassrasur.com/2013-02-25/wie-im-fall-mollath/https://blog.nassrasur.com/2013-03-25/skandal-fall-mollath-zu-beginn-der-passionswoche-ueber-autoritaeres-staatshandeln-mit-regierungs-und-staatskriminellen-zuegen/https://blog.nassrasur.com/2013-04-04/wiederaufnahmeverfahren-zum-skandalfall-mollath/http://opablog.net/2013/04/19/kritik-rechtsstaatsfetisch/
  9. Sabine Rückert u.a. belegten in der ZEIT am 14.12.2012 netzöffentliche pro-Mollath-Aktivitäten mit der Invektive Internet-Mob http://www.zeit.de/2012/51/Mollath-Bankenskandal-Steuerhinterziehung 
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4 Responses to Das Schweigen der Medien – Kommentar von Richard Albrecht

  1. AvatarRA Veits says:

    Warum – so frage ich mich – schafft es selbst die engagierte Süddeutsche Zeitung nicht, über ihre Berichterstattung im Bayerteil hinauszukommen?

    Wer übt(e) Macht über die genannten 4 weiteren Zeitungen/Magazine aus?

    Was sagt die Politik in Berlin, München und anderswo dazu? Was BP Gauck?

    Wann klärt uns, den Souverän, demnächst (noch vor der Wahl in Bayern) ein Themenabend z.B. auf ARTE auf, eine Sendung, die den Fall Mollath, der kein Einzelfall ist, inter- und transdisziplinär von A bis Z „zerlegt“ und das Geschehen bis in die Gegenwart – Richtertun in Bayreuth und Regensburg – dokumentiert?

    Über den Fall Mollath hinaus gilt es zu fragen und zu untersuchen:

    Wo gab es und gibt es (noch) den Mißbrauch der Psychiatrie als patentes Mittel politischer Repression?

    Was richtet Wirtschafts-, Politik- und Medienoligarchie mit „unserer“ Demokratie an?

    Meint Fassadendemokratie vielleicht Merkels „marktkonforme Demokratie“, die im Ergebnis es „gut“ findet, wenn potentielle Steuerhinterzieher vor berechtigten Vorwürfen „geschützt“ und mittels der Justiz „shoot the messenger“ exekutiert wird?

    WIR SIND MOLLATH !

    Das gilt auch für all jene, die in den Redaktionen das Recht der Mächtigen beschweigen, damit die Macht des Rechts untergraben wird ….

  2. AvatarRichard Albrecht says:

    Kein Widerspruch, Herr Veits. Im Gegenteil.

    Daß Herr Mollath immer noch als politischer Gefangener einsitzt, hängt (nicht nur, aber) auch mit DEM SCHWEIGEN DER MEDIEN zusammen.

    Ich bitte Sie und viele andere, nicht nachzulassen und sich weiter und öffentlich zu engagieren FÜR DIE SOFORTIGE FREILASSUNG GUSTL MOLLATHS aus dem BKH Bayreuth, in dem (nicht nur, aber) auch Herr Mollath schikanös behandelt wird:
    hören Sie selbst, was er gestern sagte, hier -> http://www.youtube.com/watch?v=y5K_FjJ-WCw&feature=youtu.be

    Besten Gruß, Richard Alrbecht, 220513.

  3. AvatarSteveGeshwister says:

    Zu RA Veits‘ Kommentar:

    „Was sagt die Politik in Berlin, München und anderswo dazu? Was BP Gauck?“

    Die Politik in Berlin oder Präsident Gauck rufen bei den Verantwortlichen an und fragen, was denn da los sei. Die Verantwortlichen sind aber leider Merk, Seehofer etc. Und diese antworten: „Du, da ist nix… wird aufgebauscht… kriegen wir alleine hin…“

    Die Politik in Berlin oder Präsident Gauck darauf: „Ach so, dachte schon da wär vielleicht was. Danke für die Info!“

    Und der politische Betrieb läuft dort ungestört weiter.

  4. Pingback: U21-EM, "The Rock" und die Mollath-Doku - die Wochenvorschau vom 3.6. bis 9.6. | Männer unter sich

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