Blattkritik: Das neue Yps

Im Januar wurde das Comeback angekündigt, heute wurde es vollzogen: Yps, die Legende unter den Jugendzeitschriften, liegt mit einer neuen, auf ein erwachsenes Männer-Publikum zielenden Ausgabe am Kiosk. Natürlich wieder mit Gimmick, und natürlich sind es wieder die dubiosen Urzeitkrebse, die von Hunderttausenden oder gar Millionen angeekelter Mütter in den Ausguss gekippt worden sind. Okay, die Krebse sind – wie es sich für ein Yps-Gimmick gehört – außen auf dem Heft. Aber wie sieht’s drinnen aus? Wir haben für euch das neue Heft gelesen und sagen, ob sich der Kauf lohnt.

 

Es heißt ja, dass eine Publikation immer dann Erfolg hat, wenn man für eine möglichst klar definierte Zielgruppe arbeitet und die Bedürfnisse dieser Zielgruppe bedient. Nimmt man das als Maßstab, dann dürfte die neue Yps ein rauschender Erfolg werden. Das Magazin richtet sich an erwachsen gewordene Yps-Leser, die immer noch ihr Lieblingsheft vermissen.

Dementsprechend sieht der Inhalt aus: Das Heft beginnt mit einer Yps-Chronik von 1975 bis heute, Fun Facts zum Heft und seinen Lesern, dann kommen mittlerweile mehr oder weniger prominent gewordene yps-Leser zu Wort, der Zeichner der alten Comic-Serie „Yinni und Yan“ wird interviewt, ebenso wie Rüdiger Nehberg und Michael Groß, Männer, die ihre große Zeit gleichzeitig mit Yps hatten. Man erinnert an Konsolen und Heimcomputer der 80er und die Rücksitze von Familienkutschen aus der gleichen Zeit, druckt ein paar alte Comics (geht mit Nostalgie-Bonus gerade noch) und sogar ein paar neue (eher naja) und beschließt das Heft mit einer Witzseite, die in unfassbarer Weise tutig ist (einen der darauf veröffentlichten Witze kannte ich bereits vor Erscheinen der allersten Yps-Nummer).

Man sieht: Nostalgie wird hier mit ganz großem YPSilon am Anfang geschrieben, das Heft dreht sich beinahe ausschließlich um das Lese-Erlebnis von vor zwanzig Jahren und die Jugend seiner damaligen Leser, die – seien wir doch mal ehrlich – so cool wohl doch nicht wahr. Wer hat denn damals Yps gelesen?

Yps war das Heft, dass der Klassenprimus gelesen hat, der die Comics mit spitzen Fingern überblättert hat. Yps war das Blatt für Weicheier, die noch nicht mal in der Lage waren, bei ihren Eltern den Ankauf eines Marvel-Comics durchzusetzen. Die Leute, die im nußbaumfurnierten Jugendzimmer einen Kim-Carnes-Starschnitt an die Wand pappten und beim Anhören einer Suzi-Quattro-Single von einer gnädigen Ohnmacht umfangen wurden, die hatten unfehlbar auch eine riesige Yps-Sammlung. Wer sich mit dieser Zielgruppenbeschreibung identifizieren kann, soll die 5,90 am Kiosk hinlegen und die „neue“ Yps nach Hause tragen. Für diejenigen, die eine rasantere Kindheit und Jugend hatten, gilt: Finger weg!

 

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6 Antworten zu Blattkritik: Das neue Yps

  1. AvatarTom sagt:

    > Wer hat denn damals Yps gelesen? Yps war das Heft,
    > dass der Klassenprimus gelesen hat, der die Comics mit
    > spitzen Fingern überblättert hat. Yps war das Blatt für Weicheier,
    > die noch nicht mal in der Lage waren, bei ihren Eltern den
    > Ankauf eines Marvel-Comics durchzusetzen.

    Mensch, da kommt aber ganz schön Frust durch. Hat Mutti Dir damals nicht genug Taschengeld gegeben, so dass das Yps nicht drin war und Du jetzt ein Trauma hast?

    Da frage ich mich doch ernsthaft, warum Du das überhaupt testet…

    • AvatarAndreas sagt:

      Da spricht mir aber einer aus der Seele.Ich fand Yps früher inclusive Comics klasse,und hatte auch Marvel gelesen.Mein 8-jähriger Sohn hat das neue Yps drei Tage nicht aus der Hand gelegt.Ich hatte ihm hin und wieder Geschichten von früher mit diesem Heft erzählt,und als er es mir wiedergab sagte er“Papa,du hast mich von Yps überzeugt.“

  2. Ich „teste“ das, weil dieser postpubertäre Schlonz für Nostalgiker, die sich zurück auf den Rücksitz von Papas Audi 80 sehnen, als „Männermagazin“ beworben wurde. Und das ist übler Etikettenschwindel, den ich beim Namen nenne.

  3. AvatarHorst Brack sagt:

    Bitte erlerne doch erst einmal auch nur ansatzweise die deutsche Rechtschreibung, bevor Du Dich derart auskotzt. Was ist eine tutige Witzseite? Und war die Jugend der ehemaligen Leser nun cool oder ist es doch nicht wahr?

  4. Och, Horst, vielleicht solltest du dir einen anderen Nick suchen. Der echte Brack, also Rochus Hahn, der u. a. das Drehbuch zum „Wunder von Bern“ geschrieben hat, ist ein Kenner der deutschen Sprache, zu der natürlich auch das Wort „tutig“ gehört (http://www.thuerk.de/hamburg/lexikon/t.html). Und ein echter Bestrafer ist auch nicht so tutig, gleich rumzujammern, wenn mal jemand sein Lieblingsheft ein bisschen kritisiert.

  5. Pingback:Yps mit Gimmick (#1258) – kein Nachdruck! | topfree.de

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