Causa Contador – nur Verlierer

Contador ist verurteilt. Der internationale Sportgerichtshof (TAS) in Lausanne sperrt ihn für zwei Jahre. Am 6. August 2012 ist “Schnitzel”aber schon wieder startberechtigt. Denn die Sperre tritt rückwirkend in Kraft.
O. K., den Giro d’Italia, die Tour de France und die Olympischen Spiele in London kann er damit knicken.
Natürlich könnte man jetzt wutschnaubend lospoltern: So eine Sauerei. Erst versuchen sie den Deckel drauf zu halten. Veröffentlichen die positiven Befunde erst zwei Monate nach der Tour. Sie hätten ihn sofort raus nehmen sollen. Spätestens seit der Fuentes-Liste wussten wir, dass er ein falscher Fuffziger ist.
Forderungen könnten lauten: Strengere Kontrollen, gnadenlos ausmerzen und schon ist der Radsport wieder eine saubere Sache. Leider ist die Gemengelage komplizierter.

Ein Blick auf die Fakten: Am 2. Ruhetag der Tour de France 2010 finden Kontrolleure in den Vacutainern von Alberto Contadorin in A- und B-Probe Clenbuterol.

Clenbuterol? Ausgerechnet Clenbuterol. Das war das Zeug mit dem Katrin Krabbe anno domini 1992 aufgeflogen war. Heutzutage gibt es dutzende Dopingmittel, die nicht von jedem Chemielaboranten im ersten Lehrjahr ohne Weiteres nachgewiesen werden können. Sind seine Betreuer so doof oder fühlten sie sich so sicher?

Vermutlich beides. Wenn keine wissenschaftliche Abteilung im Hintergrund arbeitet, geht man halt mit der seit Jahrzehnten bewährten Strategie vor. Und richtig strengen Kontrollen braucht auch keiner Angst haben. Denn die sind nicht im Interesse der Verbände –und nicht nur der Radsportverbände. Denn sie stecken in einem Dilemma.

Wird der ganz feine Kamm angesetzt, produziert man eine Flut von Dopingfällen und dann heißt es natürlich: Ha, der Radsport oder eine beliebige Sportart XY hat ein massives Dopingproblem. Sponsoren ziehen sich zurück. Das Fernsehen tut empört, will das Geld der Zuschauer nicht in so ein Lügenspektakel stecken.

Nachwuchsförderung? Welche Eltern würden die lieben Kleinen denn in Vereine schicken, wo klar ist, dass sie höchstwahrscheinlich mit illegalen Substanzen in Berührung kommen?

Der Sport leidet darunter, dass unterschiedliche Wertesysteme an ihn angeschlossen werde, er aber allen in gleicherweise genügen soll. Im Bereich Breitensport der Gesundheit zuliebe geht es vielleicht noch um die Frage: Sport ja/nein – gesund oder krank. Eine Stufe weiter geht es vielleicht noch um Fragen wie Fairplay und Chancengleichheit bei der Ermittlung von Siegern und Unterlegenen. Im Profisport zählt dann nur noch der Sieg. Denn der Sieg sichert Aufmerksamkeit, Sendezeit und Vermarktungseinnahmen.

Das sind auch die Gründe, warum bei der positiven Probe von Contador 2010 monatelang mit der Veröffentlichung gewartet wurde. Die ASO wollte nicht schon wieder ein Streichergebnis ganz oben auf der Siegerliste der Tour de France haben. Die Tour lebt von den Gesichtern und Geschichten der Vergangenheit, die zu Helden und Legenden verklärt werden. Wenn da mal einer dabei ist, der beschissen hat… oh là, là so ein Filou. Schwamm drüber. Aber wenn immer klarer wird, dass seit ewigen Zeiten die Sieger systematisch an die Spitze gedopt werden, funktionieren diese Geschichten nicht mehr. Dann ist am Ende nicht mehr der beste Fahrer, sondern der cleverste Doper Sieger der Tour de France. Geahnt haben wir es schon immer.

Foto: goldenbembel from Saarbrücken, Germany [CC-BY-2.0], durch Wikimedia Commons

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