Tour de France – 14. Etappe

“Hoch wie die Hämatokritwerte der Fahrer türmen sich die Berge vor ihnen auf”, Klaus Angermann, Tour de France 1998.

Plateau de Beille

Wer am Plateau de Beille den Sieg davontragen konnte, gewann bislang die Tour de France. So war es 1998 bei Marco Pantani, 2002 und 2004 bei Lance Armstrong und 2007 bei Alberto Contador – bei dem allerdings besonders kurios.

2007 war das Jahr, in dem ARD und ZDF hastig die Berichterstattung eurosport überließen. Das sei ja alles gar nicht echt, was da in Frankreich gezeigt werde, könne man den Zuschauern nicht zumuten usw. Los ging es damals in London. Ein schönes Spektakel mit Big Ben, Horse Guards und Abfahrt an der Tower Bridge. Fabian Cancellara gewann das Gelbe Trikot und musste es erst in Le Grand-Bornand an Linus Gerdemann abgeben, der eine sensationelle Abfahrt von der Colombière hingelegt hatte.

Gerdemann behielt das Gelbe Trikot allerdings nur einen Tag. Er musste sich auf der Etappe nach Tignes dem Dänen Michael Rasmussen geschlagen geben.

Beim Zeitfahren in Albi setzte dann erstes Augenreiben ein. Alexander Winokurow war auf der Etappe von Chablis nach Autun von einem Motorrad gerammt worden und hatte eine ordentliche Platzwunde am Knie, die mit 15 Stichen genäht werden musste. Mit Wickel am Bein deklassierte er die Zeitfahrer Cadel Evans und Andreas Klöden.

Am Plateau de Beille siegte Contador und dann holte Winokurow wieder den Hammer raus. Attacke am Peyresoude und Sieg in Loudenvielle.

Am zweiten Ruhetag kam dann raus, dass Winokurow mit Blut gepanscht hatte. Rasmussen hatte sich Kontrollen entzogen und durfte einen Tag später nach seinem Sieg am Aubisque die Sachen packen. Die Tour verließ Pau ohne Gelbes Trikot. In Castelsarrasin übernahm dann Contador das als Zweitplatzierter Gelb und behielt es bis Paris.

Positive Erinnerungen der anderen Art dürfte Thomas Voeckler an die Ankunft auf dem Plateau de Beille haben. Auf der Etappe nach Chartres übernahm der auch heute Gesamtführende das Gelbe Trikot von keinem geringeren als Lance Armstrong. Bei der Bergankunft der damals 5. Etappe verteidigte er es am Plateau gegen den Amerikaner mit einem hauchdünnen Vorsprung von 22 Sekunden. Voeckler rettete Gelb in die Alpen, wo der Armstrong dann bei der Etappe nach  Villard-de-Lans den Sack zu machte.

Gelingt ihm das heute wieder? Es kommt auf das Verhalten der Favoriten an. Wenn die noch nicht alle Karten auf den Tisch legen wollen – aus Angst vor den Hammeretappen in den Alpen – könnte es gelingen. Denn am Sonntag sind wieder die Sprinter dran, bei der Überführungsetappe von Limoux nach Montpellier.

Fakten-Check:
Länge: 168,5 Kilometer. Profil: Alpin. Zwei Bergwertungen der 1. und 2. Kategorie. Nach der Port de Lers (3. Kategorie) folgt der Anstieg der Ehrenkategorie zum Plateau de Beille. Dort oben wird der letzte Kilometer wieder flach und mir klingen noch die Worte von Klaus Angermann und Toni Rominger in den Ohren:”Jetzt sind sie im offenen Gelände.” Wer gewinnt? Keine Ahnung. Fränk Schleck?

Bike-Check:
Einige Fahrer nutzen die Leistungsmessgeräte eines deutschen Herstellers. Sensoren übertragen Daten wie Trittfrequenz, Herzrhythmus, Wattleistung usw. auf ein kleines Display am Lenker des Fahrers, auf das Laptop des sportlichen Leiters und auf die Herstellerseite im Internet: http://data.srmlive.de/tdf/

Fromage du Terroir1: Bethmale

Bethmale

Es ist ein sehr alter Käse aus roher Kuhmilch. Er soll während der Belagerung durch die Mauren entstanden sein. Fakt ist, dass bereits Ludwig VI., genannt der Dicke, ihn schätzte, als er ihn bei einer Passage der Region vorgesetzt bekam. Seit knapp zehn Jahren versuchen einige passionierte Winzer, das historische Weinbaugebiet im Ariège zu reaktivieren. Kleine Mengen, Ernte per Hand, oft in Bio-Qualität. Unter dem Etikette Côteaux d’Engraviès kommen fleischige Landweine aus den Rebsorten Cabernet-Franc und Merlot in den Handel, die mittlerweile regelmäßig in der Fachpresse gut abschneiden.

Foto Plateau de Beille: NASA Earth Observatory, Public Domain, via Wikimedia Commons
Foto Bethmale par PANDA 81 (Travail personnel) [Public domain], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.
Markiert mit , , , , , .Speichern des Permalinks.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bitte nicht wundern: nach dem Absenden verschwindet Dein Kommentar einfach und wird erst nach Freischaltung durch uns sichtbar -- also nicht mehrfach absenden!