[Dem Chris seine Filme] „Just One Look“ – Harlan Coben in Serie

Es gibt Dinge, über die kann man nur staunen. Zum Beispiel das die Geschichten von Harlan Coben, einem der beliebtesten und erfolgreichsten Thriller-Autoren der Gegenwart. Der Mann hat nicht nur weltweit über 70 Millionen Bücher verkauft, ihm ist die höchste Ehre zuteil geworden, mit der ein Autor heutzutage ausgezeichnet werden kann. Er ist als er selbst in einem Stephen-King-Roman („Der Outsider“) aufgetaucht. Mehr Lametta geht einfach nicht! Aber trotz dieser großen Erfolge macht Hollywood nach wie vor einen großen Bogen um Cobens Stories. Keine Ahnung warum. Die Franzosen machen’s anders. Gerade ist „Just One Look“ herausgekommen, ein fürs französische TV produzierter Sechs-Teiler nach Coben’s Bestseller „Kein böser Traum“. Wir haben die beiden DVDs für euch gesichtet.

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Video-Link: https://youtu.be/eVPywkzNIPI

Filmisch haben die Franzosen schon 2006 sehr gute Erfahrungen mit Coben gemacht, da kam nämlich „Kein Sterbenswort„, die Verfilmung von Cobens erstem wirklichen Welterfolg in die französischen Kinos. Hierzulande ist der bei Publikum und Kritikern gleichermaßen beliebte Film leider nur auf Video erschienen, ebenso wie jetzt „Just One Look„, eine Mini-Serie mit sechs Folgen á ca. 50 Minuten.

THIERRY NEUVIC

Cobens Story wurde von den USA nach Frankreich transferiert. Erst schwante mir Übles, denn ich halte Coben für einen durch und durch amerikanischen Autor. Aber zu meiner eigenen Überraschung hatte ich nach ein paar Minuten der ersten Folge vergessen, dass die GEschichte ursprünglich in den USA gespielt hat. Ob Amerika oder Europa, die Geschichten von Menschen, die von ihrer Vergangenheit oder der Vergangenheit ihres PArtners eingeholt werden, sind international.

VIRGINIE LEDOYEN THIERRY NEUVIC

Natürlich haben wir es auch in „Just One Look“ mit einer klassischen Thriller-Geschichte zu tun, in der der Protagonist am Anfang den Boden unter den Füßen weggezogen bekommt, dadurch seines bisherigen sicheren Lebens verlustig geht und keine andere Wahl hat, als die Verschwörung aufzudecken, um sein Leben zurück zu bekommen. Im Falle von „Just One Look“ haben wir es mit einer Protagonistin zu tun: Eva Beaufils wirft nur einen Blick auf ein zufällig hervorgekramtes Foto, auf dem sie ihren Mann Bastien zu erkennen glaubt. Bastien streitet ab, der Mann auf dem Bild zu sein, und kurz darauf ist er mit den beiden Kindern des Paares verschwunden. Eva Beaufils macht sich auf die Suche nach ihrer Familie und macht eine verheerende Entdeckung nach der anderen. Bastien hat sich alles andere als freiwillig aus dem Staub gemacht. Es war kein Zufall, dass sie dieses Foto gefunden hat. Und nichts war in ihrem Leben so, wie es geschienen hat…

VIRGINIE LEDOYEN

Niemand schreibt solche herrlich verzwickten, doppelbödigen Thriller, bei denen der Hauptfigur und dem Leser pro Kapitel mindestens einmal der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Und der Coben-Fan vermerkt entzückt, dass diese Serie ziemlich dicht am Buch bleibt und die Cobenschen Spannungsbögen kongenial ins Filmische umsetzt. Im Guten wie im Schlechten, denn auch der glühendste Coben-Fan muss zugeben, dass der Meister seine Plots gelegentlich überkonstruktiert und in Sachen Wahrscheinlichkeit gern mal etwas lax ist. Damit will ich Cobens Alleinstellungsmerkmal nicht kleinreden, aber im Bewegtbild werden solche dramaturgischen Bubus deutlicher als zwischen den Buchdeckeln, wo der Autor uns mit seiner Erzählstimme dermaßen in Bann zieht, dass er alles mit seinen Hauptfiguren und uns machen kann. 

THIERRY NEUVIC

Insbesondere in den letzten Folgen geht die Augenbrauen des Betrachters ein paar Mal in eine Höhe, die sie bei der Lektüre der Romanvorlage noch nicht mal annähernd erreicht hat. Starker Tobak, Mr. Coben! Aber Schwamm drüber. Solange es spannend ist, kann’s von mir aus ruhig ein bisschen konstruiert sein. Wenn man Thriller nach Ihrer Logik bewerten würde, könnte man vermutlich das ganze Genre einstampfen.

Thierry NEUVIC (BASTIEN)
JIMMY JEAN-LOUIS (TOUSSAIN)

Fazit: Diese Serie ist gut gemacht, extrem spannend, hält viele Überraschungen für den Zuschauer bereit, der dafür ein paar Abstriche bei der Wahrscheinlichkeit machen muss. Aber dass in dieser geschichte beinahe jeder jeden irgendwann mal gekannt hat, dass ist nicht den Machern der Serie, sondern Harlan Coben anzulasten. Alles in allem ist „Just One Look“ bestes Thriller-Futter für ein Binge-Wochenende.

„Just One Look“

  • Darsteller: Virginie Ledoyen, Thierry Neuvic, Thierry Frémont, Jimmy Jean-Louis, Joseph Malerba
  • Regisseur(e): tba
  • Format: Dolby, PAL
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Französisch (Dolby Digital 2.0)
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
  • Anzahl Disks: 2
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Polyband/WVG
  • Erscheinungstermin: 25. Januar 2019
  • Produktionsjahr: 2017
  • Spieldauer: 312 Minuten

Disclaimer: Wir haben ein Rezensionsexemplar von Polyband erhalten, für das wir uns herzlich bedanken. Auf den Inhalt unserer Rezension wurde kein Einfluss genommen.
Fotos von Fa. Polyband, alle Rechte vorbehalten.

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One Response to [Dem Chris seine Filme] „Just One Look“ – Harlan Coben in Serie

  1. AvatarArthurs Tochter says:

    Ein sooo großer Bogen wird um Harlan Coben eigentlich nicht gemacht. Kennst Du „The Five“? (amazon Prime) oder „Safe“ (Netflix)?
    Und ab März beginnt die neue Netflix-Produktion „The Stranger“, die ebenfalls auf einem Werk von Coben basiert.

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