Der will nur spielen! – Das Unimog-Modell von Carson

Wenn Papa seinen in liebevoller Bastelarbeit und toller Airbrushlackierung gestalteten Truck über den Parcours manövriert, steht der Rest der Familie oft nur gelangweilt daneben. Es dauert meist nicht lange, dann hängt der Haussegen schief. Ein gemeinsames Wochenende und Spaß am Hobby unter einen Hut zu bringen gleicht der Quadratur des Kreises? Wenn dem so ist, dann ist das Carson gelungen.
Denn der Unimog im Maßstab 1:12 sieht nicht nur richtig geil aus, er fährt auch gut. Und vor allem gutmütig. Dabei kommt er fix und fertig gebaut mit allem benötigten Zubehör aus dem Karton. Außer dem Modell selbst, liegen noch eine 2,4-GHz-6-Kanal-RC-Anlage, ein einfacher Steckerlader, ein 750-mAh-NiMh-Fahrakku und sogar acht Mignonbatterien für den Sender im Karton. Dem Spielspaß steht also wenig im Wege.

Bevor es losgehen kann…
muss nur noch der Fahrakku noch geladen werden. Das ist, mit dem beiliegenden Ladegerät, in ungefähr fünf Stunden erledigt. Mehr als ausreichend Zeit, sich die Anleitung zur Hand zu nehmen und den Unimog genauer unter die Lupe zu nehmen. Besonders sticht die sehr detailliert gestaltete Karosserie ins Auge. Die Strom- und Druckluftanschlüsse für die Anbaugeräte vorne wie hinten, originalgetreue Außenspiegel und die nahezu perfekte Innenausstattung der Fahrerkabine sind nur drei Punkte.
Beim Maßstab – 1:12 – ist Carson ein wenig von seiner bekannten Truck-Palette abgewichen. In Anbetracht des Vorgängermodells aus dem Hause Dickie-Tamiya ist das allerdings durchaus nachzuvollziehen. Er ist damit ein wenig größer als die zum Tamiya-Maßstab 1:14 passenden Auflieger. Aber das fällt nicht weiter ins Gewicht. Ist der Unimog doch ein eigenständiges Modell und bietet mehr als genug Spielpotenzial. Die Bodenfreiheit von 20 mm ist vollkommen ausreichend, um auf der gemähten Wiese oder in Mamas Blumenbeet sein Unwesen zu treiben. Sollte man sich doch immer wieder vor Augen führen, dass wir ein Modell vor uns stehen haben, das den ambitionierten Nachwuchs in die Modelltrucker-Szene begleiten soll.
Wie es sich für ein universelles Motorgerät gehört, kann auch der Unimog von Carson viel mehr als nur fahren und lenken. Mit Licht, einem realistischen Soundmodul, einer funktionsfähigen Seilwinde an der Front und einer kippbaren Ladefläche hat dieser Unimog alles an Bord, um an Modellbaustellen voll mitwirken zu können. Fast alle Funktionen können über den Sender betätigt werden. Am Unterboden des Fahrzeugs sind noch vier Schalter. Die sind etwas vertieft, und damit gegen unbeabsichtigtes Betätigen geschützt, angebracht. Das sind der Hauptschalter des Modells und die Tasten zur Aktivierung des Soundmoduls, des Warntons bei Rückwärtsfahrt und der Seilwinde.
Die Seilwinde hat genügend Kraft um den Unimog aus der Patsche zu ziehen, wenn man sich bei den Kletterkünsten einmal verschätzt hat. Das ist leider hin und wieder notwendig. Denn, um Platz für die Kipp-Mechanik der Ladefläche zu schaffen, muss auf 4 WD leider verzichtet werden. Angetrieben wird nur die Hinterachse.
Wenn die Seilwinde über ihren Schalter am Boden deaktiviert ist, liegt an einem, etwas versteckt angebrachten, Stecker die Betriebsspannung an. Damit kann zum Beispiel das, im Winter-Kit zum Unimog U300 enthaltene, Schneeräumschild betätigt werden.
Nun aber zur Vorbereitung unseres Praxistests. Wir wollen schließlich mit dem Unimog fahren und ihn nicht (nur) ins Regal stellen. Zuerst legen wir die Batterien in den Sender ein. Dann wird der Fahrakku im Unimog verstaut. Ansonsten gibt es nicht viel zu beachten. In meinem Fall haben sich Sender und Empfänger bereits verstanden. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Bindungs-Vorgang durchgeführt werden. Das ist in der Anleitung ausführlich und gut verständlich beschrieben. Damit also ein Kinderspiel. Der erfolgreiche Abschluss dieser Einstellung wird durch eine LED am Empfänger angezeigt.
Bevor wir allerdings losziehen, um die Welt zu retten, drehen wir schon mal eine Runde im Wohnzimmer. Dabei stellen wir die Trimmung für Gas und Bremse sowie den Geradeauslauf der Vorderräder ein. Die Rundumleuchten auf dem Dach lassen sich leider nicht separat schalten, sind jedoch eine sehr gut verpackte Anzeige, dass das Modell betriebsbereit ist.

Praxistest
Einem Ausflug auf die naheliegende Straßenbaustelle steht jetzt nichts mehr im Wege. Kleine und große Sandberge sind perfekt, um dem Unimog ordentlich auf den Zahn zu fühlen.
Auf einer asphaltierten Straße fahren wir zum Bauplatz. Erstmal unbeladen. Wie erwartet lässt sich der kleine Unimog flink und wendig steuern. Auch auf Kies und leichtem Schotter ist er noch gut unterwegs. Wird das Gelände schwerer, vermisst man den fehlenden Allradantrieb. Schon viel besser wird es, wenn der kleine rote Hebel am Heck des Fahrzeugs den Geländegang aktiviert. Die Beladung der Pritsche bringt zusätzliches Gewicht auf die angetriebene Hinterachse und verbessert die Traktion zusätzlich. Der moderate Lenkeinschlag könnte beim Rangieren ruhig etwas größer sein.
Mangels Bagger beladen wir den Unimog unter Zuhilfenahme einer kleinen Schaufel mit Schotter. Die Heckklappe sitzt fest in den Halterungen. Die Ladung bleibt auch bei steileren Bergauffahrten an ihrem Platz. Beim Abkippen bestätigt sich, was sich bei der Erstinspektion angedeutet hat. Die restlose Entleerung der Ladefläche ist mit diesem, zu flachen, Kippwinkel nicht möglich. Aber das wird die eigentliche Zielgruppe dieses Modells recht wenig stören. Auch die Winde muss Ihren Mann stehen. Am Stamm eines Strauches haben wir uns einen festen Punkt zum Anschlagen der Seilwinde geschaffen. Der Unimog erklimmt damit auch steile „Berge“. Kleinere Äste oder sonstige Hindernisse können damit ebenso von der Fahrbahn geräumt werden.
Erst nach ungefähr einer Stunde Betriebszeit zeigt der Fahrakku erste Schwächen. Es ist an der Zeit, am Ladegerät nachzutanken. Mit dem optional erhältlichen 1.300 mAh-NiMh-Akku lässt sich die Fahrzeit ordentlich verlängern. Allerdings hängt die auch stark von der Beanspruchung im Gelände und den eingeschalteten Zusatzfunktionen wie Licht, Sound oder der Seilwinde ab.

Fazit
Mit dem Unimog hat Carson ein sehr schön detailliertes und vor allem top ausgestattetes Modell auf den Markt gebracht. Zum einen sehr gut für Einsteiger geeignet. Es ist alles dabei, was man braucht und dazu noch ein Modell, das nicht nur Fahrfunktionen bietet. Zum anderen findet der Unimog auch in der etablierten Modelltrucker-Szene viel Zuspruch. Gehört er doch zu einer eher selten vertretenen Gattung auf den Fahrparcours. Außerdem bietet er doch an diversen Stellen Ausbaupotenzial – z. B. eine Kehrvorrichtung – für lange Bastelabende.
Aber Carsons Modell ist kein Crawler. Wer den sucht, wird bei Konzernmutter Tamiya fündig. Im Maßstab 1:10 rollt dort der Bausatz eines Kletterkünstlers mit Unimog-Karosserie vom Band.

Lieferumfang:
Unimog ● 6-Kanal 2,4 GHz Fernsteueranlage ● 9,6 V Fahrakku ● 8 Mignonbatterien ● 230V Steckerladegerät ● Anleitung
Ausstattung:
volle Fahrfunktion ● Sound- und Lichtfunktion ● Motorsound ab- und zuschaltbar ● Seilwinde und Ladefläche funktionsfähig
Technische Daten
Länge 450 mm ● Breite 225 mm ● Höhe 270 mm ● Radstand 255 mm ● Spurbreite 175 mm ● Bodenfreiheit 20 mm ● Gewicht 2.470 g ●; Maßstab: 1:12 ● Funkfrequenz 2,4 GHz ● Modellausführung RtR

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.

Fotos: Robert Hill (alle Rechte vorbehalten)

 

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One Response to Der will nur spielen! – Das Unimog-Modell von Carson

  1. AvatarDieter Pöhlmann says:

    Der Unimog von Carson ist wirklich ein super Teil.Mit den stärkeren Akku macht er noch länger Spass. Was ich allerdings schon überall gesucht habe, und super finden würde, wenn es das geben würde, wäre ein Kehrmaschinen -Anbau! Leider bin ich zum selber bauen zu grobmotorisch!

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