Mittelalterliche Tabakpfeifen schnitzen

Reinhold Klein

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit dem Mittelalter, so um das 12. Jahrhundert. Als Pfeifenraucher stellte ich mir die Frage, ob damals geraucht wurde. Ich habe viele Diskussionsforen durchsucht, aber so richtig wurde meine Frage nicht beantwortet. Bis ich auf einen Wikipedia Artikel gestoßen bin. Natürlich wurde damals kein Tabak geraucht, denn wie jeder weiß, wurde dieser bei uns bekannt nach dem Amerika entdeckt wurde und das war 1492. Es gibt zahlreiche heimische Pflanzen, die geraucht werden können, aber dazu später mehr.  Weiter dafür spricht, dass wir Menschen den Genuss mögen.

“Die ältesten europäischen Pfeifenfunde stammen aus Bad Abbach, Niederbayern, und werden zeitlich auf die mittlere Bronzezeit (1600–1300 v. Chr.) datiert. Vermutlich wurden hiermit Obst, getrocknete Kräuter und/oder Hanf geraucht.” (zitiert nach Wikipedia, siehe auch hier)

Zeitgleich versuchte ich mit einfachen Werkzeugen (Bohrer und Messer) Holz so zu bearbeiten, um es in ein Rauchinstrument zu verwandeln.

Die ersten Versuche
Zu Anfang versuchte ich es mit Birkenholz, da diese zufällig in meinem Garten wächst. Allerdings muss ich jedem davon abraten, das Holz ist zu weich. Wohl lässt es sich zwar gut mit dem Messer bearbeiten, franst aber beim Bohren aus und gibt keine glatte Innenwand. Zudem gibt es beim Rauchen keinen guten Geschmack. Ich tat es ab mit der Begründung, dass das eben so ist beim Einrauchen und quälte mich so mehrere Male durch die Prozedur. Es schmeckte schlichtweg verkokelt. Bei weiteren Recherchen nach dem optimalen Holz stieß ich auf Kirsche.

Die ersten Erfolge
Den besten Erfolg hatte ich mit Kirschholz. Es ist vergleichsweise härter, lässt sich aber dennoch gut mit dem Messer bearbeiten und erhält auch beim Bohren eine glatte Innenseite. Beim Rauchen hat es keinen nennenswerten Eigengeschmack.

Beim Herstellen oder Einrauchen habe ich vermutlich einen Fehler gemacht, denn der Pfeifenkopf ist an der Seite gesprungen.

Für das Mundstück und den Stiel habe ich Weide genommen, diese lässt sich durch den markigen Kern gut aushöhlen. Hier nahm ich einen dünnen Bohrer und bohrte ihn durch den Zweig. Beide miteinander verbunden und man erhält eine Pfeife.

Damit wäre das Rauchinstrument fertig. Zum Ausprobieren benutzte ich handelsüblichen Feinschnitt Tabak.

Rauchbare Kräuter
Ich informierte mich auch über rauchbare Kräuter. Natürlich ohne halluzinogene Wirkung – schließlich hat man ja einen verantwortungsvollen Beruf. Allen voran, habe ich den Huflattich entdeckt. Der Huflattich gehört zu den Korbblütlern wird von Bienen und Käfern bestäubt  und vermehrt sich wie der Löwenzahn durch Schirmflieger. Man findet ihn häufig dort wo nichts mehr anderes wachsen will. Geliebte Stellen sind Böschungen, Äcker, Brachland mit sandig, lehmigen Böden.

Eine Übersicht über weitere rauchbare Kräuter gibt es hier. Oder aber ihr besucht die diversen Mittelaltermärkte und schaut euch da einfach mal um.

Erfahrungen über rauchbare Kräuter kann ich hier noch keine zum Besten geben, da ich meinen normalen Pfeifentabak benutze.

Die Teile
Bevor ich beschreibe wie man mit einfachen Mitteln eine mittelalterliche Tabakpfeife herstellt, möchte ich die vier Teile einer Pfeife erklären.

die erste Pfeife Frühjahr 2010

  • Pfeifenkopf: wie oben erwähnt aus Kirschholz hergestellt
  • Mundstück und Stiel: aus zwei ziemlich gleich langen Zweigen, die zusammengesteckt wurden
  • Pfeifenstopfer und Ausräumer: so ziemlich das Einfachste an der ganzen Pfeife

 Das Werkzeug

  • Verschiedene Messer
  • Eine Säge
  • Eine Bohrmaschine
  • sowie Holzbohrer in verschiedenen Größen

Der Anfang
Bevor es also losgeht wird neben dem oben beschriebenen Werkzeug natürlich der Werkstoff benötigt. Also wandern wir mal los und fragen einen Kirschbaumbesitzer nach Baumschnitt. Die Dicke des Astes sollte so sein, dass man ihn gut in der Hand halten kann, denn das wird ja der Kopf der Pfeife. Bevor das Holz verwendet werden kann, sollte es mindestens eine Woche an einem trockenen Ort lagern. Ist das Holz zu feucht, kann es beim Einrauchen springen. So bei mir zu Anfang passiert.

Natürlich wird jetzt noch Weide benötig. Am besten eignet sich Kopfweide, da diese gerade ist, mit einer Stärke zwischen 10 und 12mm. Der dünne Ast der Kopfweide wird sogleich von der Rinde befreit und mindestens 2 Tage zum Trocknen weggelegt.

Man sägt sich nun also ein ausreichend langes oder kurzes Stück von dem Kirschast ab.

Die Rinde wird mit einem Messer entfernt. Jetzt bearbeitet man den Kopf so lange mit dem Messer bis er gut in der Hand liegt. An einer geeigneten Stelle mit dem Messer markieren wo später der Stiel rein soll. Nun mit einem Holzbohrer der Größe 3 bis zur Mitte reinbohren, das Ganze bis 10 mm wiederholen. Als nächstes wenden wir uns der Kopfbohrung zu. Wir fangen

klein an, also mit 3 mm und bohren in der Mitte des Rohlings bis zur seitlichen Bohrung. Wir steigern uns bis zum größten Bohrer, bei mir sind das 10mm.  Die Kopfbohrung sollte aber mindestens 12 oder 14mm haben. Man beachte aber dass die Wand nicht zu dünn wird, das merkt man dann spätestens beim Rauchen wenn die Pfeife heiß wird. Mit einem Messer wird der gesamte Rohling entgratet. Das Ergebnis sieht dann in etwa so aus:

Als nächstes wenden wir uns dem Stiel zu. Um die Länge zu ermitteln, wo abgesägt werden muss, steckt den 3mm Bohrer in die Bohrmaschine und zwar gerade so dass er gehalten wird. Wir legen den Bohrer an die Weide an und markieren mit einem Bleistift ca. 2mm vor der Spitze. Jetzt die doppelte Länge nehmen und schlicht abtrennen, das Ganze also 2 oder drei Mal machen. Das kommt ganz auf den eigenen Geschmack darauf an und wie lange der Stiel letztendlich werden soll.

Ich bevorzuge 2 Teile, damit wird die Pfeife ca. 23cm lang, was genügen sollte.

Mit dem Bohrer bohren wir nun vorsichtig in ein Ende des Stiels. Lieber immer wieder rausziehen, damit der Span abfallen kann, bis der Bohrer ganz eingetaucht ist. Das Ganze von der anderen Seite wiederholen. Wenn alles richtig gemacht wurde, ist das Bohrloch durchgängig und man kann ohne Wiederstand durchpusten. Andernfalls kommt man mit ein wenig Spiel oder kürzen des Stiels auch zum Ziel. Im schlimmsten Fall muss man eben an einem neuen Zweig nochmals von vorne beginnen.

Gehen wir also davon aus, dass alles passt und wir zwei Stiele haben die durchgebohrt sind. Hier ein kleiner Tipp: Spannt einen Pfeifenreiniger in die Bohrmaschine, stellt sie auf links und führt den Reiniger in den Stiel. Maschine an und in langsamen Bewegungen vor und zurück, damit werden nochmal Schmutz und Späne entfernt. Jetzt müssen die Stiele nur noch zusammengesteckt werden. Das Prinzip ist recht simpel.

Wir nehmen also einen 6mm Holzbohrer und bohren in das eine Ende ca. 6mm tief, ganz vorsichtig und langsam; nun markieren wir mit dem Finger am Bohrer die Eindringtiefe und übertragen das Maß auf den anderen Stiel. Jetzt mit dem Messer so lange Holz abtragen bis der Stiel nicht zu schwer aber auch nicht zu leicht in den anderen geschoben werden kann. Wenn es schwer geht, lieber noch ein wenig abtragen, sonst platzt natürlich der andere Stiel, die Arbeit war umsonst und muss aufs Neue begonnen werden.

Wenn alles erfolgreich war, stecken die Stiele gut ineinander. Sucht euch nun das Ende aus, welches das Mundstück werden soll und welches in den Kopf geschoben wird. Das Ende welches in den Kopf geschoben wird, wird noch ein wenig abgetragen, damit es auch in die Bohrung passt. Das andere Ende, also das Mundstück wird so geschnitzt dass es sich gut im Mund anfühlt. Am Schluss alles zusammenstecken und die Pfeife ist fertig.

Als letztes wird noch der Stopfer benötigt, die Länge ist relativ egal, das eine Ende wird flach gelassen und das andere spitz zu geschnitzt.

Natürlich kann man seine Pfeife behandeln, aber wer das nicht macht, kann von sich behaupten eine urtümliche, rustikale und einzigartige mittelalterliche Tabakpfeife zu besitzen. Mit der Zeit und Gebrauch wird sich die Farbe der Pfeife verändern.

Die hier abgebildete Pfeife ist meine Nummer 60. Sie war das Weihnachtsgeschenk für einen guten Freund. Wie man sieht kann man sich auch verletzen, passiert mir auch hin und wieder. Die Herstellung einer Pfeife dauert bei mir knapp eine Stunde, je nach Aufwand auch länger.

 

Es gibt wohl 1000 und mehr Möglichkeiten eine Pfeife einzurauchen, ich persönlich gehe so vor, dass ich sie mit Tabak bis oben hin fülle und fertigrauche.

Wer jetzt denkt, dass es viel zu kompliziert ist eine Pfeife herzustellen, der kann auch gerne eine kaufen. Ich biete unregelmäßig welche bei Ebay an.

Weitere Bilder meiner bisherigen Pfeifen findet man auf meinen Seiten bei Facebook: http://www.facebook.com/Pfeifenschnitzerey und Google+: https://plus.google.com/u/0/b/114856864198563839061/

Reinhold Klein, Altenpfleger, wohnt und arbeitet im Raum Heilbronn. In seiner Freizeit am liebsten Genussmensch. Kaffeetrinker, Pfeifenraucher, Hundemensch, Technikfreak und verheiratet. Seine Tochter sagte mal über ihn: „Held, Spass, Bescheidwisser“. Hat vor wenigen Jahren das Mittelalter für sich entdeckt und schnitzt Pfeifen nach mittelalterlichem Vorbild.

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18 Responses to Mittelalterliche Tabakpfeifen schnitzen

  1. Salm Sascha says:

    ich habe eine frage zum holz für den Pfeiffenkopf gib es da auch ein alternative ausser kirche z.b Eiche oder so.

    • h0ldi says:

      Grüß dich Salm Sascha,

      Ich habe mittlerweile mit verschiedenen Hölzern gearbeitet. Unter anderem habe ich gute Erfahrungen mit Apfel und Birne gemacht Eiche werde ich demnächst ausprobieren, habe aber noch keine Erfahrungen damit. Mein Rat probiers einfach mal aus. Wenn es beim Rauchen nicht komisch schmeckt, dann ist es gut.

  2. Fingerix says:

    moin holdi,
    schöne seite, tolle beschreibung. bin aktiver mittelalterer (frühzeit) und raucher. finde es unschön mit zigarette am markt zu sitzen. darum hatte ich mir kürzlich auch eine pfeife geschnitzt. der kopf aus esche und der stiel aus holunder. mit der esche bin ich nicht so zufrieden, werd es mal mit kirsche versuchen – hab jede menge da, danke für deine versuchsreihen 🙂
    aber die holundertechnik finde ich ganz gut. habe mir leicht gekrümmten holunder geholt und das weiche mark mit draht entfernt.
    werde das mit dem huflatich in jedem fall versuchen.

    gruß
    fingerix

  3. Moin!

    Es sollte klar sein, dass man sich bei den Versuchen gründlich informiert, ob die Hölzer giftige Stoffe enthalten — nicht dass einer auf die Idee kommt und sich einen Eibenkopf dreht o.ä.! Es gibt eine Vielzahl in- und ausländischer Holzsorten, die hier sehr gefährlich werden könnten — sowohl als Pfeifenkopf als auch als Mundstück. Es ist auch nicht auszuschließen, dass bestimmte Hölzer Substanzen enzhalten, die so nicht toxisch sind (so dass die Pflanzenteile in einfachen Listen nicht als giftig gekennzeichnet sind), die aber zu toxischen Verbindungen verbrennen oder verkohlen. Terpene gibt es z.B. nicht nur in Nadelbäumen. Nur meine 2ct…

    Gruß, Stefan.

  4. kevin says:

    Hallo,

    vielen Dank erstmal für die tolle Bauanleitung! meine Frage ist: muss man den Pfeifenkopf nicht vorher ausbrennen oder anderweitig behandeln?

    Danke schonmal im Voraus!

  5. Christian says:

    Hi Reinhold,
    Danke für die tolle Beschreibung.
    Ich werde mich Mitte / Ende nächster Woche mal an die Arbeit machen und mit eine Pfeife bauen. Habe schon einiges an Material gesammelt. Apropo Sammeln 🙂 der Link mit dem Rauchkrau geht nicht. Kannst du mir den evtl. mal aktualisiert schicken?
    Ich dank Dir.

    Beste Grüße
    Christian

  6. Maik says:

    Warum benutz man nicht gleich den größten Bohrkopf? Hat die Prozedur mit dem von Klein nach Groß einen bestimmten Zweck?

  7. Marcus Strotkamp says:

    Zwetsche geht auch.
    Zum Aushöhlen nehme ich einen 20mm Forstnerbohrer, dann franzt auch nix aus.

  8. Volker says:

    Hallo!
    gute und leicht nachzuvollziehende Beschreibung. Spricht etwas gegen Buchenholz? Oder sollten es unbedingt Obsthölzer sein?
    Grüße, Volker

    • Mittlerweile habe ich auch Buche probiert. Raucht sich auch ganz gut.
      Wichtig, ist, dass es sich beim verwendeten Holz unbedingt um hartes Holz handelt. Ich bin da recht experimentierfreudig und habe schon verschiedene Hölzer getestet.
      Mittlerweile verwende ich Apfel, Birne, Kirsche, Walnuss, Buche, Mooreiche, Zwetschge/Pflaume, Weissdorn, Jasmin. Habe ich noch was vergessen? Also wie man sieht sind etliche Hölzer gut geeignet. Wichtig ist was zum Schluss bei rauskommt. Jedes Holz wird den Geschmack des Tabaks auf seine Weise beeinflussen. Und man wird einen Unterscheid merken ob man eine Pfeife aus Apfelholz oder Birnholz in der Hand hält.

  9. André says:

    Ich würde es sehr schön finden, wenn es Möglichkeit gäbe, bilder auszutauschen. Nicht zum angeben wer die schönste hat, sondern als Inspiration.

    Geht sowas?

    Achja. Die Lösung für den stil und das Mundstück ist klasse, simple und genial zugleich. Tausend Dank!

  10. Carsten Wilms says:

    Danke für die Anleitung! Hat mir schon viel Freude bereitet und bin mittlerweile bei 5 Pfeifen und es werden mehr 🙂

  11. Patrick says:

    Hallo, mein Vater mich aufs Pfeifen rauchen aufmerksam gemacht da ich seit guten zwei Jahren regelmäßig Shisha rauche und daheim mögen meine Eltern die Shisha nicht weil so stark stinkt? Naja egal mein Vater hat selber mal von einem Freund damals ein Pfeife bekommen und hat gesagt das es sehr gut ist? Nun da ich dieses Jahr 19 Jahre alt werde hab ich mir gedacht ich will mir eine Pfeife zu legen aber die sind Verhältnis mäßig teuer und da ich auch Zuhause einen schöne großen ca. 70 Jahre alten Kirschbaum haben. Bin ich auf die Idee gekommen eine Pfeife selber zu bauen 😀 nur auf was muss ich achten beim Herstellen und Rauchen?

  12. Rainer Hammerschmitt says:

    Hallo Reinhold,

    Nochmal eine Verständnisfrage.
    Das Holz soll eine Woche trocknen, nach dem Schnitt. Also ziemlich frisches Holz verarbeiten. Wenn das Holz schon richtig trocken ist, kann man es auch noch verarbeiten oder geht das gar nicht?

    Dank vorab…

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