Luxus muss man wollen

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„Soll ich? Oder soll ich nicht?“ fragt sich der angehende Nassrasur-Aficionado manchmal, während sein Mauszeiger über dem „Jetzt bestellen!“ Button schwebt. „Soll ich mir wirklich diese  luxuriöse Rasierseife für 15, 20 oder gar 30 Euro kaufen? Oder tut’s nicht doch auch der preiswerte Seifenstick, den ich im Alltag benutze? Der kostet ein Bruchteil von dem teuren Zeugs, und die Rasur gelingt trotzdem mit schöner Regelmäßigkeit, Brauch ich den wirklich?“ Mein Rat in solchen Fällen ist immer der gleiche: Nicht klicken. Nicht bestellen. Auf keinen Fall.

Wenn man sich bei einem Luxus-Artikel die Frage „Brauch ich den wirklich“ stellt bzw. stellen muss, dann braucht man den wirklich nicht. Man braucht überhaupt keine Luxusgegenstände, weder bei der Nassrasur noch in anderen Bereichen des Lebens. Man kommt ganz wunderbar ohne Luxusgegenstände aus, und das ist gut und richtig so: Der eigentliche Sinn von Luxusgegenständen ist ja gerade, dass man sie nicht braucht, sondern haben möchte. In den Rasureigenschaften ist der Unterschied zwischen einer preiswerten Alltagsseife und einem Luxus-Einweicher der oberen Preisklasse letztlich marginal. Den Bart einweichen und für die Rasur vorbereiten, das machen beide. Wenn man mit dieser einfachen, alltäglichen Rasur zufrieden ist, dann braucht man tatsächlich keine Luxusseife.

Mit dem Autofahren ist es ähnlich. Wenn was Reiseziel im Vordergrund steht, dann ist es wurscht, welches Auto ich wähle. Ein Smart bringt mich genau so von von Frankfurt nach Stuttgart wie ein Mercedes. Die Fahrt im Mercedes kann aber um ein Vielfaches angenehmer sein. Wenn ich gerne Auto fahre. Und mir den BMW leisten kann und will. Wenn ich die ganze Zeit im Schalensitz hinterm Sportlenkrad sitze und denke „Mit dem Twingo wär’s aber doch preiswerter!“ werde ich keinen Spaß an meiner schicken Limousine habe. Und wenn ich im Badezimmer die ganze Zeit denke „So viel besser als die Arko ist dieses Luxus-Gedöns nun auch wieder nicht!“, wird meine Rasur keine angenehme sein. Wenn ich mich aber schon am Abend vorher auf die Rasur freue, und danach Hobel und Seife zufrieden und ohne Hintergedanken wegpacken kann, dann war ich reif für diesen Luxus. Weil ich ihn gewollt habe.

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