[Gedanken beim Rasieren] Manchmal muss es Brot und Butter sein

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Für mich ist die tägliche Rasur grundsätzlich ein unverzichtbares Wellness-Ritual. Das sollte jeder gemerkt haben, der hier regelmäßig oder gelegentlich mitliest. Die morgendlichen Minuten im Badezimmer mit mir selbst, den Bartstoppeln und den Rasierutensilien sind ein willkommener Moment der Entschleunigung. Trotzdem liegt mir nichts ferner, als die Rasur täglich aufwendig zu zelebrieren.

Sicher ist es immer wieder eine Freude, sich bei der Rasur etwas Besonderes zu gönnen: Heute mal ein Pre-Shave benutzen, am nächsten Tag die Luxusseife im polierten Holztiegel hervorkramen… die Möglichkeiten sind ja gottseidank vielfältig. Doch wenn das volle Programm von H wie heiße Tücher bis G wie Gesichtspuder jeden Tag durchgezogen wird, ermüdet es den Menschen. Wer das Besondere zur Normalität werden lässt, entwertet es. Auch das „Einfach mal ins Bad gehen und die Stoppeln möglichst schnell und unkompliziert loswerden“ gehört zur Abwechslung in der Nassrasur. Auch der Feinschmecker gönnt sich ja nicht täglich ausgeklügelte Mehrgang-Menüs, sondern greift gern auch mal zum Butterbrot, aber natürlich mit Brot und Butter von allererster Qualität. Genauso ist es mit der gelegentlichen Brot-und -Butter-Rasur des klassischen Nassrasierers. Der lässt auch dann die Finger von Einwegrasierer und Dosenschaum, sondern schäumt schnell mal eben eine Rasiercreme auf und schabt sich die Stoppeln mit dem Alltagshobel weg, ohne groß drüber nachzudenken: Hauptsache, die Stoppeln sind weg.

Die einfache, aufs Wesentliche reduzierte Rasur sorgt nicht nur für Abwechslung. Sie ist der unerlässliche Gegenpol zum ausführlichen, lustvoll zelebriertem vollen Programm, das ohne diesen Gegenpol seinen Reiz verlieren würde: Nur wer das Einfache zu schätzen weiß, weiß auch den Luxus einzuordnen.

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Eine Antwort zu [Gedanken beim Rasieren] Manchmal muss es Brot und Butter sein

  1. AvatarThomas sagt:

    Wahre Worte – auch ein Butterbrot ist ein sättigendes, schmackhaftes Gericht und es schärft den Blick auf das Wesentliche.
    Beim Lesen Deines heutigen Essays musste ich an meinen vor einigen Jahren verstorbenen Großonkel (Jahrgang 1919) denken – er fand es faszinierend und amüsant zugleich, dass es Leute wie uns gibt, die die Nassrasur als Hobby/ Leidenschaft/ Ritual verstehen und sich weltweit in Internetforen hierzu austauschen.

    Für ihn war die Nassrasur über Jahrzehnte hinweg ein Teil der täglichen Körperpflege und so rasierte er sich bis ins hohe Alter mit einem Merkur 34C, Rasierklingen aus dem Supermarkt, einem Palmolive-Stick oder Nivea-Rasiercreme und einer Ladung Old Spice Aftershave zum Abschluss. Eigentlich die Essenz einer Nassrasur.
    Und vielleicht ist es hin und wieder gar nicht schlecht, sich diese „Basics“ in Erinnerung zu rufen, damit einem der Blick aufs Wesentliche nicht abhanden kommt.

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