Platzgers Wetshaving-Speakeasy – 10 Jahre nassrasieren.ch

n37Man kennt sie aus alten Gangsterfilmen: die verschwiegenen Hinterzimmer von scheinbar unschuldigen Kneipen, den legendären Speakeasies. Man klopft an, ein kleines Schiebefenster öffnet sich, man muss ein Passwort („Swordfish“ o.ä.) sagen, und dann darf man eintreten. Im Chicago der Prohibitions-Ära landete man meist in einer Lasterhöhle und durfte sich am Schwarzgebrannten laben. Wenn man heutzutage in Bern das Hinterzimmer der Büchi Optik AG in der Kramgasse betritt, landet man in einem Paradies der Nassrasur. Hier hat Andreas Elmer seinen Traum von der perfekten, stilvollen Rasur Wirklichkeit werden lassen. Dieser Tage feiert er zehnjähriges Geschäftsjubiläum. Wir haben uns mit Platzger, wie sein Nick im Nassrasurforum lautet, ausführlich unterhalten.

Andreas, woher komt dein Forumsnickname, „Platzger“?

Der kommt von Platzgen, einer Schweizer Sportart, die vor allen Dingen hier in Bern gespielt wird. Dieser Sport wird nur noch von ca. 300 Menschen betrieben, und ich bin ihm ziemlich verfallen. Platzgen ist eine der wenigen Sportarten, bei denen das Bier mindestens so wichtig ist wie der Sport selbst.

Wie hast du mit der Rasur angefangen?

Ich hab mich immer schon nass rasiert, anfangs mit Dosenschaum und Gillette. Aber dann hab ich eine Fernsehsendung gesehen, ein Format von der Neuen Zürcher Zeitung. Die haben eine Dokumentation über Seifen aus England gezeigt. Da haben Sie bei Trumper gefilmt. Da wrude einer eingeseift, ganz stilvoll, mit einem Dachshaarpinsel. Das hat mir so imponiert, dass ich mir gleich aus England so ein Set bestellt habe. 5 Tage später hat FedEx die Rasiersachen vorbeigebracht. Und weitere 4 Tage später kam die Rechnung. Da hätte ich beinahe einen Herzinfarkt bekommen.

n4Aber du bist trotzdem bei bester Gesundheit geblieben…

Ja, ich habe dann selber Schaum geschlagen, mich rasiert und gestaunt, wie angenehm das war. Und die Gillette-Klingen haben doppelt so lange gehalten. Da habe ich gemerkt, hallo, da geht was. Da habe ich eine neue Welt entdeckt. Dann bin ich recht schnell im Nassrasurforum gelandet, und wollte immer mehr Sachen ausprobieren.

Und dann hast du angefangen, mit Rasurartikeln zu handeln.

So schnell ging das nicht. Wenn du dir in die Schweiz was schicken lässt, ist das saumäßig teuer. Versand, Gebühren Zoll… dann hab ich angefangen, so eine Art Tupper-Parties für Männer zu organisieren. Meinen Schwager hab ich genötigt, meine Kollegen hab ich genötigt, hab ihnen ein paar Flaschen Bier hingestellt, und dann haben wir zusammen Schaum gemacht. Und jeder war begeistert. Und dann konnte ich plötzlich in größeren Mengen bestellen.

Und der eigene Laden…

Ich hatte Glück. Ich hab ein Optiker-Geschäft, und das hatte ein Hinterzimmer. Da hab ich angefangen, die Sachen aufzustellen. Zuerst kamen die Rasierseifen und -cremes, die Rasierpinsel. Dann die Hobel. Und schließlich die Rasiermesser. Da bin ich hier in Bern zu einem Spezialgeschäft, aber die hatten keine Ahnung. Dann hab ich mich direkt an Dovo gewendet, und seitdem wird das kontinuierlich größer. Ich hab alles, was ich verdient habe, sofort reinvestiert. Und jetzt sind wir das größte Geschäft in der Schweiz, was Rasiersachen anbelangt. Nach zehn Jahren, nach zehn wunderschönen Jahren.

nAber ihr seid immer noch im Hinterzimmer?

Ja, natürlich. Ich hab das immer weiter ausgebaut, mit Tapeten, alten englischen Lampen und Armleuchtern. Vorne ist immer noch das Optik-geschäft. Aber ein Optiker, mit dem ich seit dreißig Jahren zusammenarbeite, der ist als Lehrling zu mir gekommen, der schärft mir die Messer. Der hat lange geübt, der hat tausende Messer geschärft, der ist mittlerweile perfekt. Der nimmt ein Messer in die Hand und spürt, welcher Stahl das ist, welchen Stein der nehmen muss… Der ist da auch so reingeschliddert, wie ich.

Wieviel Messer hast du persönlich?

Oh. Ja. Ein paar. Ich hab mir gesagt, ich kauf mal eins, und dann sehen wir weiter. Das sind dann einige geworden. Mein erstes Messer war ein Bergischer Löwe. Das war eine Zangengeburt. Das Ding hat gezupft ohne Ende. Da hab ich gedacht, wow, was sind das für harte Kerle, dass die sich so rasieren. Und dann hab ich einen vom Nassrasurforum kennengelernt, der hat mir ein richtig scharfes Messer gegeben. Und da hab ich dann gemerkt, dass die meisten Messer gar nicht scharf ausgeliefert werden. In meinem Laden prüfen wir alle Messer, ob von Aust oder von Dovo, auf Schärfe, bevor wir sie verkaufen. Und jedes dritte muss noch mal auf den Stein oder auf das Leder. Manche Kunden beschweren sich dann, dass das Siegel von Dovo kaputt ist, aber mir machen es trotzdem. Die Messer, die wir verkaufen, sollen ja rasurbereit sein.

n10Außerdem bietest du Kurse zur Nassrasur an…

Wir haben unter unserem Geschäft ein kleines Theater, das Katakömbli, da machen wir vier, fünf Mal im Jahr die Kurse. Ein Kurs geht von neun bis eins und beinhaltet wirklich alles, von der Schaumherstellung mit Seife, mit Creme, was ein Rasiermesser ist, wie man das benutzt, wir zeigen den Teilnehmern, wie man es abledert, und die, die wollen können zum Schluss noch zusehen, wie man eins schärft. Wobei die Faszination nachlässt. Vor dem Kurs sagen alle: Messer, Messer, Messer… und nach dem Kurs nehmen zwei das Messer und acht den Hobel. Aber das ist gut so. Sie können’s bei uns testen, und wenn sie merken, oh, das geht doch nicht so einfach wie im Film, dann nehmen sie eben den Hobel.

Nach welchen Kriterien stellst du dein Sortiment zusammen?

Wir testen alles selbst. Wir sind 5 bis 6 Männer, Kollegen, Kunden und Freunde. Wenn in London oder wo eine neue Rasierseife rauskommt, bestell ich einen Tiegel, und wir probieren die Reihum durch. Und wenn die Mehrheit sagt, das ist was, dann kommt die Seife ins Sortiment. Und wenn die sagen, das ist nix, dann lass ich’s sein.

Zukunftspläne?

Wenn’s so weiter läuft wie bisher bin ich zufrieden. Ich gehe immer mehr in den Rasierladen und lass die Optik meine rechte Hand machen. Mir machen die Rasiersachen sehr viel Spaß. Und unsere Kunden sind auch extrem angenehm. Das sind einfach angenehme Leute. Man kann mit den über gute Schuhe sprechen, über Uhren, über gutes Fleisch. Die wollen einfach Qualität. Und das macht Spaß mit denen.

n15Zum zehnjährigen Jubiläum von Nassrasieren.ch hat Andreas Elmer sich und seinen Kunden eine fantastische eigene Rasiercreme gegönnt. Er hat zwei Tiegel dieser in Berlin handgefertigten Rasiercreme gestiftet, die wir an euch verlosen. Alles, was ihr tun müsst, um einen Tiegel Rasiercreme zu gewinnen, ist, einen Kommentar zu diesem Posting abzugeben, in dem ihr den Namen eines Spielers oder Trainers von Young Boys Bern, Platzgers Lieblingsverein, nennt. Dazu habt ihr bis zum 7. 10. 2016 24 Uhr Zeit, dann schließen wir die Kommentare. Wenn mehr als zwei Kommentare abgegeben werden, entscheidet das Los. Mitarbeiter von Nassrasur.com und nassrasieren.ch dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Spaß!

Update: Einsendeschluss, die Kommentare sind geschlossen, wir haben gelost. Samael und Lars Westermann gewinnen je einen Tiegel Rasiercreme und werden per Mail benachrichtigt. Wir danken allen Teilnehmern fürs mitmachen.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von nassrasieren.ch, alle Rechte vorbehalten.

Bitte teilt diesen Beitrag:
Markiert mit , , , , , .Speichern des Permalinks.

15 Responses to Platzgers Wetshaving-Speakeasy – 10 Jahre nassrasieren.ch

  1. Basso says:

    Ich nehme Torhüter Marco Wölfli

  2. Samael says:

    Und ich dann Träiner Adi Hütter.

  3. Abel says:

    Steve von Bergen

  4. Lomdar67 says:

    Wie wäre es mit Sven Joss. 😉

  5. Christos says:

    Ich nehm den 10er 😉 Yoric Ravet.

  6. Carsten says:

    Ich sage: Torschützenkönig Eugen Meier.

  7. Bernhard Benz says:

    da fehlt doch noch der Alain Rochat

  8. Peter says:

    Und noch Leonardo Bertone…

  9. Manu says:

    Jan Lecjaks nicht vergessen…

  10. NoBeard says:

    Thorsten Schick

    … und eine schöne Geschichte, wie sich das Geschäft entwickelt hat 🙂

  11. Stef says:

    Thorsten Schick – kommt von Sturm Graz (aus AT wie Ich)

    Übrigens – toller Bericht mit süchtig machenden Fotos!

  12. Agouti says:

    Da mache ich mit und nenne Yuya Kubo 😀

    Dank dieser Aktion bin ich überhaupt erst auf den Laden aufmerksam geworden. Er wird sicher die Reise von Basel Wert sein!

  13. Oliver Klempa says:

    Gregory Wüthrich – hat auf dem Foto von Transfermarkt.de einen gepflegten Bart!

    Toller Laden! Weiter so!!

  14. Lars Westermann says:

    Alexander Gerndt – der könnte mal ’ne gute Rasur vertragen!
    Ich auch, deshalb mach ich mit. Platzger ist mir schon lange ein Begriff aus dem Nassrasurforum.

  15. Frank Hamann says:

    Ok, dann nehme ich Martin Rueda, der die Mannschaft ab 2012 übernahm und die Europa-League-Gruppenphase erreichte.
    Das wars dann aber auch mit Herrn Rueda. Mehr kam nicht.