Roberts Blu-rays: Joe – die Rache ist sein – Texas Blues

Im ländlichen Texas führt der Ex-Häftling Joe Ranson mit regelmäßigem Alkoholkonsum, kaputter Ehe und zurückgelassenen Kindern nicht gerade ein tugendhaftes Leben.
Als eines Tages der 15-jährige Gary vor ihm steht, gibt er ihm dennoch einen Job in seinem halblegalen Forstbetrieb und fühlt sich mit der Zeit immer mehr verantwortlich für den Jungen. Schnell gerät Joe mit dem alkoholkranken Vater Wade aneinander, der seinen Sohn immer wieder schikaniert. Als auch noch der psychopatische Willie Russell eine Rechnung mit Gary zu begleichen hat, scheint Joe sein letzter Ausweg aus dieser zunehmend gefährlichen Welt zu sein …

Amerika ungeschminkt. Menschen, die einst im Mittelstand die Basis der Gesellschaft bildeten, in hoffnungsloser Lage. „Yes we can“ klingt angesichts dieser Bilder wir blanker Hohn. „Joe“ zeigt die Gestrandeten, Hoffnungslosen im alltäglichen Kampf ums Überleben in Anstand. Authentisch, denn David Gordon Green vertraute überwiegend auf die Leute, deren Leben er schonungslos zeigt.

Nicolas Cage wirkt da ein wenig wie ein Profifußballer, der als Spielertrainer bei einem Provinzverein mitkickt. Versucht, das Spiel an sich zu reißen um den weniger erfahrenen Kollegen zu helfen. Dabei haben die das gar nicht nötig. Denn sie kennen ihren Platz. Besser als der Star. „Joe“ ist ein ehrlicher Film, der sich die Zeit nimmt, seine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte vom Abgesang des „American Way of Life“.

Ich dachte eigentlich, wir haben die Zeiten hinter uns, in denen krampfhaft versucht wurde, ausländischen Filmen einen, möglichst reißerischen, deutschen Titel zu verpassen. Wenn einem so gar nichts sinnvolles einfällt, ist es nun mal am Besten, man hält die Klappe. Und lässt den Namen des Films so, wie er von seinen Machern getauft wurde. Hat ja immer wieder ganz gut geklappt. Und jetzt häufen sie sich wieder. Titel oder zumindest Sublines, die uns in Deutschland für dumm verkaufen wollen. Hand auf’s Herz: Wer schaut sich im Jahre 2014 noch einen Film an, der „Die Rache ist sein“ hinter sich her schleppt?

Ich hab’s trotzdem getan. Dabei reicht doch auch „Joe“ vollkommen, so wie der Film in USA ganz einfach heißen darf. In’s Kino hat er es bei uns, so weit mir bekannt ist, nicht geschafft. Was, nicht nur eigentlich, sondern absolut, schade ist. Denn basierend auf der Vorlage von Larry Brown III und dem Drehbuch von Gary Hawkins hat David Gordon Green einen Film geschaffen, der Kraft seiner Bilder, der Handlung und der authentischen Leistungen der (überwiegend) Laiendarsteller tief unter die Haut geht. Wenn sonst Filme ab ca. zwei Stunden Laufzeit mit Längen zu kämpfen haben, ist „Joe“ keine Sekunde langweilig. Nicht, weil so viel passiert. Sondern ganz im Gegenteil: Weil Hawkins seinem „Joe“ die Zeit gibt, sich zu entwickeln, eine schlüssige Handlung aufzubauen, die zum Fatal führen muss. Langsam und immens kraftvoll.

Der Preis der Authentizität: Gary Poulter, auch im echten Leben ein obdachloser Trinker, ist kurz nach seinem Auftritt als Garys Vater tatsächlich auf den Straßen von Austin ums Leben gekommen.

Es ist die Geschichte der einfachen Leute, die auf ihre Weise den täglichen Kampf um ein Leben in Würde führen. Eine Würde, die ihnen der Alkohol und ihre aussichtslose Lage schon lange genommen haben. Die sich selbst helfen, da ihnen niemand hilft. Die anpacken und ihre Probleme unter sich regeln. Wenn auch nicht immer auf der Basis des Gesetzes.

„Joe“ ist kein Hochglanz-Streifen, „Joe“ ist schmutzig. Und macht sich schmutzig. Es ist ein Film der, trotz guter Synchro und sogar deutscher DTS HD-Master Audio 5.1-Tonspur im Original gesehen werden muss. Denn nur mit den echten Stimmen der Darsteller funktioniert er. Die deutschen Sprecher erledigen ihren Job ein wenig zu professionell. Es fehlen die Brüche in der Biografie, die einer Stimme das Gefühl geben, das ein Film mit dieser Verzweiflung benötigt.

Die Blu-ray ist technisch auf aktuellem Stand. Das Bild ist, auch bei Großprojektion, scharf und seht detailliert. Tim Orr hat Bilder eingefangen, die die gnadenlose Hitze der Südstaaten, die sintflutartigen Regenfälle und die Verzweiflung der Menschen in bedrückende Bilder packt. Der Ton kommt räumlich aus den Surroundboxen und ist für die tolle Atmosphäre maßgeblich mit verantwortlich.

Gewinnspiel
Es gibt eine Blu-ray von „Joe – Die Rache ist sein“ zu gewinnen. Gebt einfach einen Kommentar zu diesem Posting ab, in dem ihr einen anderen Film mit Nicholas Cage nennt. Dazu habt ihr bis zum 15.11.2014 bis 24.00 Uhr Zeit, dann schließen wir die Kommentare. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von nassrasur.com dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Technischer Hinweis: Wenn möglich, nicht NUR einen englischen Film-Titel als Kommentar posten, sonst landet der erst mal im Spamfilter. Natürlich holen wir ihn auf Anfrage gerne wieder raus, aber wenn der Kommentar aus mehr deutschen als englischen Wörtern besteht, nimmt er diesen Umweg nicht.

Koch Media präsentiert „Joe – Die Rache ist sein“ ab dem 23. Oktober 2014 auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensions- und das Verlosungsexemplar wurden von Koch Media zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Joe ● Land / Jahr: USA / 2013 ● Genre: Drama, Thriller ● Darsteller: Joe Ransom: Nicolas Cage, Gary Jones: Tye Sheridan, Wade a.k.a. G-Daawg: Gary Poulter, Willie-Russell: Ronnie Gene Blevins, Connie: Adriene Mishler, Junior: Brian Mays, Earl: Aj Wilson McPhaul, Merle: Sue Rock, Lacy: Heather Kafka, Mutter: Brenda Isaacs Booth, Dorothy: Anna Niemtschk, Shorty: Elbert Hill III, Sammy: Aaron Spivey-Sorrells, John Coleman: John Daws, Deputy: Jon Bonzor, Sue: Dana Freitag, Cathy: Erin Elizabeth Reed, Henry: Lazaro Solares u.a. ● Regie: David Gordon Green ● Drehbuch: Gary Hawkins ● Romanvorlage: Larry Brown III ● Produzenten: David Gordon Green, Lisa Muskat, Derrick Tseng, Christopher Woodrow ● Co-Produzenten:Alexander Uhlmann, Atilla Salih Yücer ● ausführende Produzenten: Maria Cestone, Hoyt David Morgan, Molly Conners, Sarah Johnson Redlich ● Kamera: Tim Orr ● Schnitt: Colin Patton ● FSK: 16

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 117 Min. + Bonus ● Bildformat: 16:9 – 2,35:1 ● Tonformat: DTS HD-Master Audio 5.1 ● Sprachen: Deutsch, Englisch ● Untertitel: Deutsch ● Extras: Audiokommentar mit Cast & Crew, Making of, Vom Buch zum Film: die Ursprünge von Joe, Entfallene Szenen, Original Kinotrailer

Webseite zum Film: Joe – Die Rache ist sein
http://www.kochmedia-film.de/blu-ray/details/view/film/joe_blu_ray

Nachtrag 16.11.:
Die Kommentare sind dicht, wir haben gelost. Ne55 hat gewonnen, herzlichen Glückwunsch. Wir danken allen Teilnehmern fürs Mitmachen. Unser nächstes Gewinnspiel startet am 19.11.

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren. In “Roberts Blu-rays” stellt er in unregelmäßiger Reihenfolge Neuerscheinungen vor, die vielleicht interessant für euch sind. Weitere Filmtipps von Robert findet ihr unter www.film-blog.tv.

Markiert mit , , , , , .Speichern des Permalinks.

6 Antworten zu Roberts Blu-rays: Joe – die Rache ist sein – Texas Blues

  1. AvatarIngo Sollfrank sagt:

    da drängt sich ja „Leaving Las Vegas“ förmlich auf!!

  2. AvatarAnton S. sagt:

    Ich habe letztens durch Zufall einen alten Schinken mit Nicholas Cage gesehen. In „Bringing Out the Dead“ mit dem wunderschönen deutschen Subtitle „Nächte der Erinnerung“ spielt er einen Paramedic, der psychisch immer mehr auf dem Zahnfleisch geht. Nichts für Aktion-Liebhaber, ein wenig langatmig, aber tiefgründig.

  3. AvatarLafette sagt:

    Nicht sein bester Film, aber voller skurriler Typen: Conair. 🙂

  4. AvatarMirco sagt:

    Nur noch 60 Sekunden

  5. AvatarBasso sagt:

    Mein Favorit mit Herrn Cage: „The Rock – Fels der Entscheidung“

  6. AvatarNe555 sagt:

    Nur noch 60 Sekunden mit dem genialen Soundtrack „Low Rider“. Ich liebe den Film und diesen Sound