Kommentar: Die Mehrheit schweigt

Gerade weil am Beispiel der bayrischen Landtagwahl seit gestern Nachmittag der Meinungssoldatismus wieder mal wild ins Kraut schießt – hier ein paar nüchterne Fakten nach amtlichen (Erststimmen-) Daten von  http://www.landtagswahl2013.bayern.de/taba2990.html:

1) Wahlberechtigt waren 9.41 Millionen Menschen (N = 100 %). Von denen 6.01 Millionen wählten (= 63,9 %) und 4.4 Millionen nichtwählten (= 36,1 %).

2) Von den abgegebenen Wahlstimmen waren 5.92 Millionen gültig (und 0.08 Mio. ungültig.) Von den gültigen Wahlstimmen erhielten 10 politische Parteien – darunter als bekannteste Bayernpartei, F.D.P., Linke, Piraten und ÖDP – 606.390 Stimmen.

3) Die CSU erhielt 2.735.205 Wahlstimmen, gerundet 2,74 Millionen. Diese im Bayrischen Rundfunk „Triumph“ genannte neue Sachlage ergibt im indirekt-repräsentativen Parlamentssystem 101 von 180 Landtagsmandaten und mit 56 Prozent das, was „absolute Mehrheit“ genannt wird.

4) Auch in Bayern war am 15. September 2013 die stärkste „Partei“ erneut die der Nichtwähler mit 3,4 Millionen Menschen, gefolgt von der CSU als zweitstärkste mit 2,75 Millionen. Die „absolute Mehrheit“ der CSU mit 101 von 180 Landtagsmandaten ist Systemeffekt des Parlamentarismus mit seiner indirekten Repräsentativität.

5) Dieser Effekt wurde 2008 in meinem Buch „SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert“ Verkehrung genannt. Diese vom System hervorgerufene Verkehrung produziert durch (externes) Nichtwählen und (interne) Fünfprozent-Sperrklausel doppelte Ausschlussprozesse. Bei der Bayernwahl am 15. September 2013 kumulierten sie auf rund fünf Millionen Menschen oder eine „schweigende Mehrheit“ von etwa 53 Prozent aller Wahlberechtigten …

RAlbrechtRichard Albrecht ist Sozialwissenschaftler (Diplom 1971, Promotion 1976, Habilitation 1988). Er lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent 1989 als unabhängiger Wissenschaftsjournalist, Editor und Autor in Bad Münstereifel. Veröffentlichung von THE UTOPIAN PARADIGM als Forschungskonzept 1991. 2002/07 Herausgeber des Netzmagazins rechtskultur.de. Letzte Buchpublikation HELDENTOD. Kurze Texte aus Langen Jahren 2011. Bio-Bibliographie http://wissenschaftsakademie.net

 

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2 Responses to Kommentar: Die Mehrheit schweigt

  1. AvatarRobert says:

    Auch in Bayern war am 15. September 2013 die stärkste „Partei“ erneut die der Nichtwähler mit 3,4 Millionen Menschen …

    In den 80igern, zur Zeit von R. Reagan war ein amerikanischer Kabarettist in München. Er sagte dazu sinngemäß: „Over 36% of all elected Nobody. And Nobody is perfect. So, nobody should be our president!“

  2. Pingback: Mehrheitslegenden - Formanalyse der Bundestagswahl-Hauptergebnisse vom 22. September 2013 | Männer unter sich

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