Eiserner Hipster-Alarm im Coepenicker Forst

Foto by Seppalot13 (Own work) CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Huch, wer schleicht denn da die Wuhle entlang, Richtung Stadion?
Das Abstiegsgespenst kann es nicht sein, das wurde bereits vor längerer Zeit vertrieben.Das Aufstiegsgespenst kann es auch nicht sein, das traut sich noch nicht so richtig.

Sonderbare Gestalten sieht man neuerdings rund um das Stadion An der Alten Försterei. Viele unbekannte Gesichter, die sich mitunter auf die unmöglichste Art Tickets besorgten, um endlich einmal live dabei zu sein. Dänen, Engländer, Schotten, die auf ihrer Hopping-Tour durch Deutschland unbedingt mal in Berlins größtem reinen Fußballstadion vorbeischauen und die Stimmung aufsaugen wollen.
Neben den vertrauten Gesichtern in Szeneklamotten oder Kutten sieht man neuerdings auch viele junge Leute. Auf den ersten Blick prima, neue Fans gebiert man zumeist über frische Infizierung. Und wer alsbald von sich aus unsere Grundwerte

  • Pfeife nie die eigene Mannschaft aus.
  • Mache nie einen aus der Mannschaft zum Sündenbock.
  • Gehe nie vor dem Abpfiff aus dem Stadion
  • Heiserkeit sei der Muskelkater der Unioner.

inhaliert und verinnerlicht, den lässt das nicht mehr los, der kommt wieder, bleibt …

Manche kommen gar mit Schreibblock oder iPad, mit nigelnagelneuem – noch nach Regal riechendendem – Fanschal. Ja, wir sind in, wir sind sexy, über uns Schmuddelkinder schreibt neuerdings sogar Gott und die Welt:

Zitat 1
„An Fußball hat unsere Autorin eher traumatische Erinnerungen aus ihrer Kindheit. Doch neulich ging sie zum Spiel des 1. FC Union Berlin gegen Erzgebirge Aue. So lernte sie, das Fansein zu lieben.“

Wenn ich so etwas lese, dann denke sich sofort an lebenslanges Stadionverbot. Für die Autorin natürlich. Die Ronja ist so eine. Schreibt über dies und das, gern auch mal etwas provokant. Und mitunter etwas unausgegoren.

Zitat 2
„Für Fußball habe ich mich nie besonders begeistert. Trotzdem habe ich als Teenager jahrelang eine FC-Bayern-Kappe getragen. Der Grund dafür waren meine Ohren. Die standen so weit ab, als seien sie auf der Flucht vor meinem Gesicht.“

Zitat 3
„… Union Berlin gegen Erzgebirge Aue, begleitet von vier fußballaffinen Autoren. Das Leben ist rot-weiß an diesem Tag, und mit rot-weißen Fans laufen wir den kurzen Weg von der S-Bahn zum Stadion. Weil alle so viel besser gelaunt sind als im Kulturbetrieb, meinem eigentlichen Habitat, beschließe ich nach drei Metern Weg, ab jetzt Union-Fan zu sein, erster Stop Fanshop, ab jetzt mit rot-weißem Schal.“

Zitat 4
„Union gewinnt, die sind ziemlich weit oben in der Tabelle“, sagt einer der Autoren und ich nicke wissend. „Oben in der Tabelle sein ist ja sehr gut für Fußballvereine“, antworte ich wissend.“

In dem Stil geht das weiter; immer schön Mainstream und nach dem Motto „Hab zwar keine Ahnung, davon aber ne ganze Menge“.

Wo steckten da am Bahndamm bloß die Suff-Kutten? Wenn man die mal wirklich braucht… die hätten dir schon den richtigen Weg gewiesen. Übrigens, dass sie es besser kann (und durchaus auch kurzweilig) lässt sich unter anderem in ihrem Blog erfahren.

Vom Fußball, mit Schmerz und Seele, und besonders von Union, sollte sie aber besser Abstand nehmen. Oder sich eventuell vorher informieren, worauf sie sich da einlässt. Empfehlung: Mal ein gutes Buch zur Hand nehmen oder eine Stadionführung bei Lopez bzw. Matti buchen. Und als Hausaufgabe bitte vorher 100x mein Lieblingszitat ins Muttiheft schreiben, schön in Schreibschrift, mit Füllfederhalter:

„Der natürliche Grundzustand des Fußballfans ist bittere Enttäuschung, egal wie es steht.“ (Nick Hornby)

Danach kann Ronja wiederkommen. Am besten, wenn es mal so richtig gegen den Abstieg geht. Vielleicht irgendwann gegen die Blauen aus Magdeburg. Und dann mit rot-weißer Montur rein in den Gästeblock und laut gebrüllt: „Ey, ihr Wichser!“

Wir bedanken uns bei unserem Gastautor Norbert Haack, der auf Frau von Rönnes oben verlinkten, vollkommen merkbefreiten Artikel die passende Antwort gegeben hat. Wir empfehlen die regelmäßige Lektüre von Norberts eigenem Blog „Der Hönower„, in dem es neben Union Berlin auch um das aktive Betreiben von Laufsport geht.

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2 Responses to Eiserner Hipster-Alarm im Coepenicker Forst

  1. Pingback: Eiserner Hipster-Alarm im Coepenicker Forst | Der Hönower

  2. platzger says:

    Die gute Nachricht: Die elenden Gloryhunter verschwinden genau so schnell wieder, wie sie aufgetaucht sind.

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