Ruhla – Comeback einer Weltmarke

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Thuringia Vintage (eine der neuen Ruhla-Uhren) – Foto: TUW-Ruhla, alle Rechte vorbehalten

Seine Uhr gehört zum Mann wie sein Taschenmesser oder seine Autoschlüssel. Früher wurden Männer-Uhren traditionell vom Vater auf den Sohn weitergegeben und oft über Generationen vererbt. In einigen Familien ist das heute noch der Fall. Für viele Männer ist eine Uhr deutlich mehr als ein banaler Zeitanzeiger. Sie kann Erinnerungsstück sein. Schmuck. Werkzeug. Blickfang. Die meisten Männer gehen ohne „ihre“ Uhr nicht aus dem Haus.

Letzte Woche habe ich mich in Berlin mit einem Mann getroffen, der ein ganz besonderes Verhältnis zu Uhren pflegt. Alexander Lange betreibt in Erfurt seit ein paar Jahren ein renommiertes Uhrengeschäft, die Zeitlounge. weiterlesen…

Gitarren-Helden, Champions-League-Nächte und Hai ausgenommen – die Links der Woche vom 24.4. bis 30.4.

Jeden Freitag – und diesmal wg. Brückentag am Donnerstag – auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Vor unserer wöchentlichen Männer-Link-Sammlung schnell noch eine Richtigstellung: Natürlich ist morgen KEIN Brückentag, wie ich am Montag geschrieben hab. Morgen ist Feiertag. Wäre heute Feiertag und morgen Arbeitstag, dann wäre morgen Brückentag. Da heute aber weder Brücken- noch Feiertag sondern Arbeitstag ist, ist morgen Feiertag und Tag der Arbeit. Gut, dass wir das geklärt haben. Und nun zu den Männer-Links, die schon am Donnerstag statt am Freitag kommen, weil… lassen wir das. Bitte einfach klicken. weiterlesen…

Am Handgelenk

Süchtige gucken zuerst auf das Handgelenk. Was trägt mein Gegenüber für eine Uhr? Diesen Blick kennen Sie? Prima. Sie können hier aufhören zu lesen. Sie sind schon befallen. Die anderen, die sich fragen, wovon um Himmels willen der Kerl redet, lesen bitte weiter.

Männerhobby Uhrensammeln

Sie lesen noch. Aha. Sie wollen es also wissen. Wissen, was Männer an Uhren finden. Wissen, warum Männer bereit sind, den Gegenwert eines Kleinwagen oder Einfamilienhauses an Ihr Handgelenk zu binden? Sie wissen schon, dass das Verständnis, welches diese Zeilen eventuell bei Ihnen erzeugt, teuer werden kann? Dass Sie plötzlich Sätze wie „Die Uhr kickt total, die musste ich haben“ aus Ihrem Munde kommen? Das Kollegen, Mitmenschen und Ehefrauen sich von Ihnen abwenden, wenn Sie auf das Thema Uhr zu sprechen kommen? Das ist Ihnen bewusst? Und Sie lesen noch? Na dann. Wahrscheinlich ist Ihnen eh nicht mehr zu helfen, dann macht das Thema Uhr den Kohl auch nicht mehr fett.
Wenn der Abhängige von Uhren, genauer der Armbanduhr redet, dann geht es nicht um den Quarzwecker aus der Auslage eines Kaffeerösters. Es geht um  die mechanische Uhr. Eine Gattung, die fast dem Untergang geweiht war. Eine Zeit lang ging es beim Tragen einer Uhr wirklich nur um die Anzeige der Zeit. Aber das liegt nun schon einige Jahre zurück und nur wenige erinnern sich noch an diese barbarischen Tage.

Nein, natürlich trägt man die Armbanduhr nicht, um zu wissen wie spät es ist. Das zeigen Handy und Computer einem permanent und viel genauer an. Nein, die Information über die Zeit ist es nicht. Was aber ist es dann? Ich weiß, es sind schon der Zeilen viele und die wahre Botschaft lauert noch im Hintergrund. Versuchen wir also die Botschaft einzukreisen. Wenn Mann nicht gerade aus zwielichtigem Milieu kommt, dann ist die Zahl der Schmuckstücke, die Mann tragen kann, eingeschränkt auf eine kleine einstellige Zahl. Die Armbanduhr ist eines davon, Manschettenknöpfe ebenfalls. Und dann wird die Luft schon dünn.

Einen hätten wir schon. Einen Grund meine ich. Aber da geht noch mehr. Männern wird nachgesagt, dass Gespräche über Technik zu Ihren liebsten gehören. Mein Neuer hat ESP und Spurasistent und das Navi hat alle Blitzer jenseits der chinesischen Mauer gespeichert. Erkennt man oder? Und genau da erweitert sich jetzt der Themenkreis. Koaxial-Hemmung, Parachronspirale, Kif-Stosssicherung… klingt das nicht gut? All diese Begriffe können Sie virtuos einstreuen, wenn Sie sich dem Thema Armbanduhr öffnen.
Ein weiterer Strich auf der Gründe-Liste.

Einen noch und dann gehen wir ins Detail. Streit. Männer sind streitsüchtig. Und über Armbanduhren kann man streiten bis das Saphirglas glüht. Glauben Sie  nicht? Na dann folgen Sie mir mal.
Jetzt sind Sie nämlich reif für die Frage nach der Armbanduhr. Welcher? Na der. Der ersten mechanischen. Der Perfekten. Sie brauchen ja nur eine. Perfekt muss sie sein. Mehr nicht. Keine Ahnung, wie die sein soll? Dann machen Sie eine Liste mit Eigenschaften und stellen im Forum Ihrer Wahl die Frage, welche Uhr wohl diese Eigenschaften hat. Der Käfig ist offen. Die Löwen betreten die Arena. Heil kommen Sie da nicht raus. Eine Kaufempfehlung haben Sie auch nicht. Nein, Sie haben hundert.
Und dann sind Sie wieder allein. Ein häufiges Argument der Löwen wird sein: In den Laden gehen, anlegen und sehen was „kickt“. Und was das Konto erlaubt. Darf ruhig teuer sein. Ist ja die Perfekte Uhr. Mehr muss nicht sein. Ich nehme mal eine wichtige Information vor weg: Das ist ein Irrglaube. Die Perfekte Uhr gibt es nicht. Nach der ersten wird es eine zweite geben.. Bis man dann der Legende nach irgendwann bei der sogenannten Exit-Uhr gelandet ist. Der Uhr, die angeblich die letzte ist. Die Letzte, also dann doch Perfekte. Aber ich sagte schon, die Pperfekte gibt es nicht. Aha. Sie merken es? Richtig. Damit gibt es auch die Exit-Uhr nicht. Das zum Thema Sucht.

Aber zurück. Sie haben den Rat befolgt. Sind in einen Laden gegangen. Haben sich Uhren zeigen lassen und angelegt. Sie haben eine gefunden, die Sie anspricht. Die „kickt“. Sie haben diese Uhr gekauft und sind angekommen in einem Lager. Lager? Sie wollten nie in ein Lager? Pech gehabt. Ohne es zu wissen sind Sie mit dem Kauf der Uhr einem Lager beigetreten. War es eine Krone? Ein Brätling? Eine Steini? Fast wähnt man sich in der Bundesliga, wo der eigenen Verein immer der Beste ist. Völlig überteuert, man zahlt doch nur den Namen (das muss nicht erklärt werden). Das sind doch nur Einschaler (Hersteller, die ETA Werke in eigene Gehäuse einbauen). Die haben doch nur geklautes Design… usw. In diesem Stil laufen die Diskussionen.
Wenige leben in mehreren Lagern. Einige wechseln im Leben als Abhängige den Lieferanten der Sucht, aber fast alle bleiben auf Dauer gefangen.
Details werden wichtig, von denen man vorher nicht wusste, dass es Sie gibt. Neue Begriffe setzen sich im Kleinhirn fest. „Super Luminova“ ist keine osteuropäische Prostiuierte sondern eine Leuchtmasse für Zeiger und Indizes. Räder laufen in Steinlagern, die gepresst oder in Chatons gefasst sein können. Letzter sogar in einer geschraubten Ausführung. Werkbrücken und Platinen können mit Genferstreifen, Sonnenschliff oder Perlage aufwarten. Schrauben sind poliert und gebläut und stehen den Zeigern damit in nichts nach. Wie? Sie können mir nicht folgen? Das geht vorbei. All das geht Ihnen nach wenigen Wochen in einem der Lager so flüssig über die Zunge wie Ihr Name.

Neugierig geworden? Bereit für ein neues Hobby? Neue Freunde in der Szene? Dann mal los zum nächsten Konzi und Kataloge abgreifen. Stöbern. Soll es eine Toolwatch werden? Eine Dresswatch? 3 Zeiger oder mit Komplikationen? Neu, Neo-Vintage oder Vintage?
An dieser Stelle höre ich dann auch mal auf mit dem Begriffsdropping und der ständigen Verwirrung.

Werden wir konkret. Beim Thema Lager ist vorneweg das der Kronenträger zu nennen. Rolex hat traditionell einen gewissen Ruf. Uhr der Zuhälter. Aber auch Zeichen von Luxus. Wertbeständig und Chronometer geprüft. Viele sagen, man käme zwangsläufig immer irgendwann zur ersten Krone. Mag sein. Auf jeden Fall eine der Marken mit dem höchsten Wiedererkennungseffekt und bis heute ausgezeichnet durch eine sehr hohe Werthaltigkeit. Sehr hohe Fertigungstiefe. (Mittlerweile wird wohl alles von Rolex selbst hergestellt. Man schimpft so etwas Manufaktur)

Rolex

Das Breitling Lager. Die Ikone hier ist der Navitimer. Ähnlich hoher Wiedererkennungseffekt wie bei einer Rolex. Die Werthaltigkeit ist geringer (puh, ich stehe schon mit einem Bein im Grab!) und die Optik verspielter (Peng, ich wurde vom Lagerkommanden entsorgt). Und das wo das schlimmste Argument des Einschalers noch gefehlt hat. Und heute auch nicht mehr so stimmt, weil die ersten eigenen Werke gefertigt werden.

JLC. Die Reverso. Ewiger Klassiker. Aber eckig. Muß man mögen. Qualitativ über jeden Zweifel erhaben. Auch diese Uhr kennt man. Selbst wenn man Uhren nicht kennt. Es gibt auch runde. Die kennt man dann schon nicht mehr unbedingt. Schönes Stück für den der Wertigkeit mag, aber nicht sofort erkannt werden will. Ebenfalls eine Manufaktur.

JLC

Omega. First Watch on the Moon. Immer wieder gehört. Gleich danach: Die Bond Uhr. Beides richtig. Im Vintage Bereich mit eigenen Werken. Dann Einschaler. Heute wieder eigene Werke. Also eine Mischung von Einschaler und Manufaktur.

Zenith: Hersteller des El Primero. Des ersten Werkes mit eine Unruhfrequenz von 36,000 Halbschwingungen pro Stunde. Also 10Hz. Die erste mechanische Armbanduhr die echte 10tel Sekunden stoppen konnte.

Sinn: Gegründet von einem passionierte Flieger der auf dem Markt nicht „seine“ Fliegeruhr fand. Ehemals gut und günstig. Heute nur noch gut. Immer gut für technische Neuerungen. Trockenhaltekapsel, Tegmentierte Gehäuse.

Sinn

Wenn ich jetzt an dieser Stelle abbreche, dann werden viele der weiteren Lager den bereits von der Breitling Fraktion begonnenen Feldzug gegen mich zu Ende führen. Denn Marken gibt es wie Sand am Meer. Der Mechanikboom ist ungebrochen und so sprießen die Marken und Privat-Label weiterhin wie Pilze aus dem Boden. Allein Glashütte als ehemalige Keimzelle deutschen Uhrenbaus beheimatet heute Lange und Söhne, Mühle, Glashütte Original, Nomos und weitere.
Eine verschworene Gemeinde Süchtiger trifft sich täglich in der www.watchlounge.com

Heiko, 50 Jahre, arbeitet am Tag, läuft nachts, sammelt Uhren, schraubt an Autos und liebt die Familie über alles.