Tour de France – 16. Etappe

Heute geht’s von Saint-Paul-Trois-Châteaux im Rhône-Tal nach Gap an der Route Napoléon. Einfältige Gemüter könnten von einer weiteren Überführungsetappe in die Alpen sprechen, an deren Ende mit dem Col de Manse, einem Berg der 2. Kategorie, ein erster Vorgeschmack gegeben wird, für das was an Prüfungen in den nächsten drei Tagen ins Haus steht.Mind the Gap. Bei der 2003er-Ausgabe galt die Etappe von Le Bourg-d’Oisans nach Gap auch als so eine Überführungsetappe. Aber: 2003 war die Jahrhunderttour. Die Höllentour. Zur 100. Auflage hatten die Veranstalter die Tour von 1903 nachempfunden. Es ging im Uhrzeigersinn durch die Grande nation.

Die Alpen waren schon überwunden. Nationalfeiertag, es war brüllend heiß. Armstrong – wer auch sonst – hatte in L’Alpe d’Huez das gelbe Trikot übernommen. Beloki lag an 2. Position. Der Amerikaner ließ ihn nicht aus den Augen. Dann: Die Abfahrt von der Côte de La Rochette nach Gap. Beloki ist unmittelbar vor Armstrong. An seinem Hinterrad schmilzt der Reifenkitt auf der heißen Felge und der Schlauchreifen springt ab. Beloki stürzt, erleidet mehrere Knochenbrüche. Und Armstrong? Er behält die Nerven und das Rad unter Kontrolle. Der Amerikaner liefert einem unglaublichen Husarenritt quer durch die Botanik inklusive Tragepassage.

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=RtZhG2kWVLY

Fakten-Check:
Länge: 162,5 Kilometer. Profil: Es geht bergauf. Es geht beständig bergauf. Bei Rennkilometer 151 steht dann noch die Bergwertung am Col de Manse ins Haus, bevor es auf die Abfahrt nach Gap geht. Wer gewinnt? Es ist eher eine Ankunft für Ausreißer als für klassische Sprinter. Philippe Gilbert oder Thor Hushovd könnte das Rennen machen.

Bike-Check:
Die Profis wechseln am zweite Ruhetag die Ketten. Sollten wir das auch tun? Kommt drauf an. Die Rennfahrer haben schon über 1000 km hinter sich. Da dürfte die Kette ausgeleiert sein. Für den Hausgebrauch liefert eine Kettenlehre sicheren Aufschluss. Die legt man einfach zwischen die Glieder auf die Kette. Rutscht sie durch, ist die Kette hin.

Fromage du Terroir1: Caillou du Rhône
Mit dem Caillou du Rhône habe ich den Begriff “désaltérer – löschen” gelernt. Halt mich zurück! In Valvignères, einem total verschnarchten Winzerdörfchen im Département Ardèche, stand das Basislager. Auf halbem Weg zum nächsten Marktflecken, Alba-la-romaine, hatten wir schon den Bauernhof von Monsieur Muller entdeckt. Gleich hinter einer Kurve, an einer kleinen Steinbrücke, die über einen Bach führt.
Wer ist Pieter Bruegel (der Ältere)? Ein Dilettant, wenn man diesen Bauernhof gesehen hat. Ein Eselasyl? Sowieso. Ein graues Dutzend, in ausrangierten Wohnwagen. 30 kläffende Hunde, alle irgendwo an der Straße aufgesammelt. Muller: “Pas de peur. Ils sont bons.” Monsieur Muller hat ein großes Herz. Na gut, wir steigen vorsichtig aus. Irgendwo läuten die Glocken einer Ziegenherde.
Wir starten vorsichtig: “Haben Sie Eier.” – “Klar doch, wie viele?” – “Öh, ja, öh, erstmal sechs.” Wir gehen in eine Scheune. Hühner fliegen auf. Muller greift scheinbar wahllos in Strohballen. “Die sind noch warm – von heute. Sonst noch was?” – “Man sagt, Sie hätten auch Käse.” Wir gehen links ums Haus. Kommen an eine moderne, mehrfach verglaste Tür. Treten in einen OP ein. “Sie warten bitte hier.” Muller verwandelt sich in eine Hygienefachkraft in kompletter Ghost-Buster-Montur und kärchert kurz mal über die Fliesen. Verschwindet und bringt ein paar frische Käse. “Vier Stück bitte. Bis dann mal.”
Sonntag. Markt in Alba. Ein Stand mit riesigen Landbroten. Frau Beyer, eine Deutsche, mit ihren Marmeladen am Renault Méhari. Brotbeutel aus provencalischen Stoffen. Grobe Salamis. Ist da nicht auch Monsieur Muller? Ja, klar. “Hallo, dann bitte nochmal vier, wie bei Ihnen auf dem Hof. Und was sind diese grauen Dinger da?” – “Ils sont plus mûri – die sind schon reifer. Probieren?” Wo wir schon mal da sind. Muller gibt ‘ne Messerspitze. Kurzerhand in die Futterluke geschoben und ohne Show folgt diese wedelnde Bewegung vor dem Mund, bei der die Hand im Gelenk um 90 Grad abgeknickt ist. Schnappatmung setzt ein. “Un peu fort.” – Ja, Monsieur Muller der ist kräftig, sogar sehr kräftig! – “Am besten schmeckt der mit einem Chateauneuf du Pape.” Fazit: Ohne unmöglich – mit CdP ein Gedicht.

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 15. Etappe

Vorletzte Chance für die Sprinter in Montpellier. Denn am Dienstag nach dem Ruhetag warten schon die Alpen. Und danach bleibt nur noch die Ankunft auf den Champs Élysées in Paris. Zuletzt gab es hier 2009 ein Mannschaftszeitfahren im Rahmen der Tour de France, das vom Team Astana gewonnen wurde.

Montpellier

Obwohl die Tour schon mehr als 20 Mal zu Gast in Montpellier war, schaftte nur einer den Doppelsieg: Der Tourchampion von 1933, der Pariser Georges Speicher – genannt Le Dandy. Er war 1934 und 1935 Erster in der nach Marseille und Nizza drittgrößten französischen Stadt am Mittelmeer.

Olaf Ludwig ist der bislang einzige Deutsche, der in Clapas, wie viele Südfranzosen die Stadt nennen, einen Erfolg feiern konnte. Vielleicht gelingt ja heute André Greipel mit seinem zweiten Tour-Etappensieg die Neuauflage.

Fakten-Check:
Länge: 193 Kilometer. Profil: Flach. Eine Bergwertung der 4. Kategorie – schlappe 2 Kilometer lang. Da rollen die Rennfahrer so drüber. Es heißt also wieder Sprintankunft. Wer gewinnt? Mark Cavendish. Die letzte Kurve ist 4 Kilometer vor dem Ziel. Ankunft ist auf der Avenue de Vanières.

Bike-Check:
Klickpedale sorgen nicht nur für sicheren Halt beim “runden Tritt”, sondern erleichtern auch Fahrmanöver. An den Kreisverkehren kann man gelegentlich sehen, dass die Fahrer mit einem Bunny-Hop über die zentrale Insel fahren. Dafür wird das Vorderrad angehoben und es folgt ein Sprung, bei dem das Hinterrad mit abhebt. So wird ein Defekt an beiden Laufrädern vermieden, der durch eine Bordsteinkante ausgelöst werden könnte.

Damit kommt man auf dem Rennrad sogar über höhere Hindernisse als eine Bordsteinkante:

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=qy_EthMwUvw&NR=1

Fromage du Terroir1: Roquefort
Als mein Großvater seinen mitgefangenen Kameraden einen Roquefort zur Verpflegung während der Bauarbeiten am Stauwerk an der Drac nahe Grenoble (übrigens EZF am kommenden Samstag) brachte, war das Theater groß. “Spieß, was haste Dir da für verschimmeltes Zeug andrehen lassen?” Als mein Großvater dann bei der Verpflegungsstelle reklamierte, bekam er zu hören:“Non, non, Monsieur. Grande délicatesse.” Tja, probiert und mit einem Schluck Rotwein runtergespült, schmeckte der Roquefort dann auch den deutschen Kriegsgefangenen. Die Behauptung meines Großvaters, Roquefort sei während des Zweiten Weltkriegs aus Kuhmilch hergestellt worden, ist nicht belegt. Plinius (dem Älteren) war schon als Schafsmilchkäse bekannt – und so ist es bis heute geblieben. Was trinken? Ein Gigondas von der Rhône ist die richtige Wahl. Wer zu Blauschimmel lieber Weißwein trinkt, könnte einen Picpoul de Pinet testen.

Foto Montpellier: Par Fritz Geller-Grimm (Travail personnel) [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons
Foto Rocquefort: Dominik Hundhammer under Creative Commons [CC-BY-SA 3.0] oder GNU 1.2, via Wikimedia Commons

 

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 14. Etappe

“Hoch wie die Hämatokritwerte der Fahrer türmen sich die Berge vor ihnen auf”, Klaus Angermann, Tour de France 1998.

Plateau de Beille

Wer am Plateau de Beille den Sieg davontragen konnte, gewann bislang die Tour de France. So war es 1998 bei Marco Pantani, 2002 und 2004 bei Lance Armstrong und 2007 bei Alberto Contador – bei dem allerdings besonders kurios.

2007 war das Jahr, in dem ARD und ZDF hastig die Berichterstattung eurosport überließen. Das sei ja alles gar nicht echt, was da in Frankreich gezeigt werde, könne man den Zuschauern nicht zumuten usw. Los ging es damals in London. Ein schönes Spektakel mit Big Ben, Horse Guards und Abfahrt an der Tower Bridge. Fabian Cancellara gewann das Gelbe Trikot und musste es erst in Le Grand-Bornand an Linus Gerdemann abgeben, der eine sensationelle Abfahrt von der Colombière hingelegt hatte.

Gerdemann behielt das Gelbe Trikot allerdings nur einen Tag. Er musste sich auf der Etappe nach Tignes dem Dänen Michael Rasmussen geschlagen geben.

Beim Zeitfahren in Albi setzte dann erstes Augenreiben ein. Alexander Winokurow war auf der Etappe von Chablis nach Autun von einem Motorrad gerammt worden und hatte eine ordentliche Platzwunde am Knie, die mit 15 Stichen genäht werden musste. Mit Wickel am Bein deklassierte er die Zeitfahrer Cadel Evans und Andreas Klöden.

Am Plateau de Beille siegte Contador und dann holte Winokurow wieder den Hammer raus. Attacke am Peyresoude und Sieg in Loudenvielle.

Am zweiten Ruhetag kam dann raus, dass Winokurow mit Blut gepanscht hatte. Rasmussen hatte sich Kontrollen entzogen und durfte einen Tag später nach seinem Sieg am Aubisque die Sachen packen. Die Tour verließ Pau ohne Gelbes Trikot. In Castelsarrasin übernahm dann Contador das als Zweitplatzierter Gelb und behielt es bis Paris.

Positive Erinnerungen der anderen Art dürfte Thomas Voeckler an die Ankunft auf dem Plateau de Beille haben. Auf der Etappe nach Chartres übernahm der auch heute Gesamtführende das Gelbe Trikot von keinem geringeren als Lance Armstrong. Bei der Bergankunft der damals 5. Etappe verteidigte er es am Plateau gegen den Amerikaner mit einem hauchdünnen Vorsprung von 22 Sekunden. Voeckler rettete Gelb in die Alpen, wo der Armstrong dann bei der Etappe nach  Villard-de-Lans den Sack zu machte.

Gelingt ihm das heute wieder? Es kommt auf das Verhalten der Favoriten an. Wenn die noch nicht alle Karten auf den Tisch legen wollen – aus Angst vor den Hammeretappen in den Alpen – könnte es gelingen. Denn am Sonntag sind wieder die Sprinter dran, bei der Überführungsetappe von Limoux nach Montpellier.

Fakten-Check:
Länge: 168,5 Kilometer. Profil: Alpin. Zwei Bergwertungen der 1. und 2. Kategorie. Nach der Port de Lers (3. Kategorie) folgt der Anstieg der Ehrenkategorie zum Plateau de Beille. Dort oben wird der letzte Kilometer wieder flach und mir klingen noch die Worte von Klaus Angermann und Toni Rominger in den Ohren:”Jetzt sind sie im offenen Gelände.” Wer gewinnt? Keine Ahnung. Fränk Schleck?

Bike-Check:
Einige Fahrer nutzen die Leistungsmessgeräte eines deutschen Herstellers. Sensoren übertragen Daten wie Trittfrequenz, Herzrhythmus, Wattleistung usw. auf ein kleines Display am Lenker des Fahrers, auf das Laptop des sportlichen Leiters und auf die Herstellerseite im Internet: http://data.srmlive.de/tdf/

Fromage du Terroir1: Bethmale

Bethmale

Es ist ein sehr alter Käse aus roher Kuhmilch. Er soll während der Belagerung durch die Mauren entstanden sein. Fakt ist, dass bereits Ludwig VI., genannt der Dicke, ihn schätzte, als er ihn bei einer Passage der Region vorgesetzt bekam. Seit knapp zehn Jahren versuchen einige passionierte Winzer, das historische Weinbaugebiet im Ariège zu reaktivieren. Kleine Mengen, Ernte per Hand, oft in Bio-Qualität. Unter dem Etikette Côteaux d’Engraviès kommen fleischige Landweine aus den Rebsorten Cabernet-Franc und Merlot in den Handel, die mittlerweile regelmäßig in der Fachpresse gut abschneiden.

Foto Plateau de Beille: NASA Earth Observatory, Public Domain, via Wikimedia Commons
Foto Bethmale par PANDA 81 (Travail personnel) [Public domain], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 13. Etappe

Da geht's rauf

Heute steht mit Pau – Lourdes eine eigentümliche Etappe auf dem Programm. Es ist zwar schon eine schwere Bergetappe – immerhin steht mit dem Col d’Aubisque ein Berg der Ehrenkategorie auf dem Programm. Die Ziellinie befindet sich dann allerdings am Ende einer über 40 Kilometer langen Abfahrt hinter dem Gipfel.

Streckenchef François Pescheux glaubt, es sei eine Ausreißer-Etappe. Er könnte richtig liegen, denn der Aubisque wird von der steilen Westflanke angefahren. Die wirkt sehr selektiv. Andererseits: Die Abfahrt ist so lang, dass das Feld – zumindest zum Teil – wieder zusammenrollen kann.

So wie Thomas Voeckler und seine Helfer sich gestern präsentiert haben, könnte ein weiterer Tag im Gelben Trikot drin sein. Was ist mit Contador? Der fuhr mit einem relativ dicken Gang zur Bergankunft. Dieses typische Tänzeln auf dem 32er Ritzel haben wir nicht gesehen. Abschreiben darf man ihn trotzdem nicht. Die Schleck-Brüder sind gut in Form, scheinen aber die Entscheidung in den Alpen herbeiführen zu wollen.

Heute können wir ein wenig durchatmen. Am Samstag geht es dann wieder voll zu Sache.

Fakten-Check:
Länge: 152,5 Kilometer. Profil: Alpin. Über je eine Wertung der 3. und der 4. Kategorie geht es peu à peu bergauf. Bei Rennkilometer 82 wartet der Zwischensprint und dann ruft ab Kilometer 93,3 der Col d’Aubisque. Bei Kilometer 110 beginnt die endlose Abfahrt in den Wallfahrtsort Lourdes. Wer gewinnt? Levi Leipheimer.

Bike-Check:
Vor einigen Tagen hatte ich ja schon gegen die Carbon-Felgen gewettert. Die Dinger sind einfach schlecht zu kontrollieren – besonders bei Nässe. Es ist wirklich schade für Klödi, dass es ihn so böse erwischt hat. Andererseits: Nach dem vorausgegangenen Sturz, hatte ich ihn schon nicht mehr auf der Liste.

Fromage du Terroir1: Ossau-Iraty

Ossau-Iraty

Der Ossau-Iraty ist ein Schafskäse aus dem Baskenland. Es ist ein milder und zugleich sehr komplex schmeckender Käse. Ohne es zu wissen, könnte man ihn auch für einen Käse aus Kuhmilch halten. Er hat überhaupt nichts mit Feta & Co. gemein, sondern ist zart, ja fast cremig wie ein junger Gouda. Ein trockener Jurançon ist der passende Wein aus der gegend.

Foto Col d’Aubisque By Anthospace (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Foto Käse by Kubigula (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 12. Etappe

Luz Ardiden – da werden Erinnerungen wach. 2003: Armstrong gegen Ullrich. Auf dieser Etappe hätte es den Amerikaner fast erwischt. Armstrong fädelt beim Aufstieg in die Tüte eines Zuschauers ein, stürzt. Ullrich wartet. Armstrong rutsch aus dem Pedal, bekommt den Sattel in die Klöten – und fährt weiter. Chechu Rubiera, Bergspezialist in Diensten von US-Postal, brachte den Amerikaner damals zurück ins Rennen, das Armstrong mit einem Sieg an der Bergankunft abschloss. Radsportmomente, in denen jeder Fan schreiend vor dem Bildschirm steht.

http://youtu.be/27SFeKk2LpY

Ach ja, der Tourmalet steht heute auch noch auf dem Programm. Man kann nicht vom Tourmalet reden und von Sainte Marie de Campan schweigen. Das Dingen mit der Schmiede? Genau. 1913 in der Abfahrt vom Tourmalet wird Eugène Christoph, der alte Gallier, von einem Begleitfahrzeug gerammt. Die Gabel bricht. Er latscht 14 Kilometer mit dem Rad ins Tal, um unter der Aufsicht eines Kommissärs das Dingen zusammen zu schmieden. Christoph verliert Stunden und bekommt vom Kommissär noch eine Strafminute eingeschenkt, weil ihm Corni, der elfjährige Steppke des Schmieds, den Blasebalk zieht. Ergebnis: Toursieg futsch.

1919 war Christoph übrigens der erste Träger des frisch eingeführte Gelben Trikots. Wieder beendete ein Gabelbruch seine Hoffnungen auf den Toursieg. Nach Gabelbruch numero 3 bei der Abfahrt vom Galibier, lieh er sich das Dienstrad des Ortpfarrers  in Valloire, überquerte damit den Col du Télegraph und kam mit drei Stunden Zeitverlust im Zielort Genf an. Es gibt ein sensationelles Foto von Eugène Christoph aus dem Jahr 1965. Es zeigt Christoph im originalen Maillot Jaune von 1919, wie er sich im Alter von 80 Jahren das Finale der 52. Tour im Prinzenpark-Stadion ansieht. Reporterlegende Klaus Angermann hat es damals, bei seinem Tourdebut als Journalist, noch unwissend, wen er da vor der Linse hat, mit seiner privaten Leica auf Dia geschossen.

Wenn Kartenausschnitte und detaillierte Profile im offiziellen Roadbook abgebildet werden, bedeutet das immer höchste Schwierigkeiten. Auf der diesjährigen Tour ist das heute zum ersten Mal der Fall: Es geht ans Eingemachte. Wir sind zwar noch nicht auf dem Dach der Tour, aber es kommt schon knüppeldicke.

Fakten-Check:
Länge: 211 Kilometer. Profil: Hochgebirge. Premiere für die Hourquette d’Ancizan, eine Steigung der 1. Kategorie. Der Tourmalet (Ehrenkategorie) wird in Ost-West-Richtung überquert, die Tour kommt also gar nicht direkt an der Schmiede vorbei. Die liegt ein paar Meter rechts in Richtung Bagnères-de-Bigorre, gleich am Ortseingangsschild. Und zum Schluss – weil es so schön ist: Luz Ardiden nochmal Ehrenkategorie mit Bergankunft. Der übelste Teil beginnt ab Kilometer 4 in der insgesamt 13 Kilometer langen Steigung . Wer gewinnt? Triumphfahrt von Andy Schleck.

Bike-Check:
Bei Schwierigkeiten am Berg kann man folgendes versuchen: Ein bis zwei Gänge schwerer schalten und raus aus dem Sattel. Dann wieder in den leichteren Gang schalten und setzen. Manchmal kommt man dadurch in einen guten Rhythmus.

Fromage du Terroir1: Pechegos
Der Pechegos ist ein zarter sehr empfindlicher Ziegenkäse. Damit er intakt bleibt, umwickelt der Käser ihn mit einem Stück Rinde von einem Nadelbaum. Die Käserinde wird regelmäßig mit einer salzigen Lauge abgewaschen, um den Käse ein besonderes Aroma zu verleihen. Dazu passt ein Roter von den Côtes du Frontonnais. Die lokale Rebsorte Négrette gibt den dortigen Weinen, die aus hauptsächlich aus Syrah und Cabernet-Franc gekeltert werden, den typischen Geschmack. Viele Rotweine aus dem Südwesten profitieren, wenn man sie kühl trinkt. Santé!

Foto: Par David Blaine from Spokane, USA (christophe) [CC-BY-2.0 ()], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 11. Etappe

Nach Greipels sensationellen Sieg mit Panthersprung in Carmaux: Heute noch einmal Sprintankunft in Lavaur. Viele Gelegenheiten gibt es für die Sprinter nicht mehr. Am Sonntag ist in Montpellier noch eine Möglichkeit und dann bleiben nur noch die Champs-Élysées. Und dazwischen Berge, Berge, Berge und das Einzelzeitfahren am vorletzten Tag in Grenoble.

Gestartet wird die Etappe in Blaye-les-Mines südlich von Carmaux. Der Anfang der Etappe dürfte wieder langweilig werden. Statt in den gewohnten Lock-on-Lock-off-Modus zu gehen, lohnt es sich heute mal den Blick auf eine junge Dame zu werfen, die seit Beginn der Tour im Gelben Trikot fährt: Claire Pedrono – das Mädel mit der Tafel auf dem LCL-Motorrad.

Eurosport-Kommentator Karsten – die Stimme des deutschen Radsports – Migels hat sie im vergangenen Jahr interviewt:

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Video-Link: http://vimeo.com/13375269

Wer sich mehr für Kultur interessiert, guckt sich die vielen schönen südfranzösischen Dörfer an. Gaillac (auch guter Wein!), Graulhet und Lautrec sind sehr sehenswert.

Die Altstadt von Gaillac

Fakten-Check:
Länge: 167,5 Kilometer. Profil: Flach. Über die beiden Bergwertungen der 3. und 4. Kategorie brauchen wir nicht reden. Das wird eine Sprintankunft. Wer gewinnt? André Greipel – jetzt hat er einen Lauf. An die Fans in Gleuel: Stellt Getränke kalt.

Bike-Check:
Müssen die Rennräder eigentlich immer ein Vermögen kosten? Nö, wer selbst ein paar Kilo zu viel auf die Wage bringt, braucht nicht den Renner bis aufs letzte Gramm tunen. Cyclocross-Räder mit Alu-Rahmen sind eine schöne Alternative zum klassischen Straßenrennrad. Die Rahmengeometrie ist entspannter. Es können dickere Reifen aufgezogen werden, die weniger stramm aufgepumpt werden müssen. Sogar Stollenreifen sind möglich. Das sorgt für Grip und Komfort. Meistens sind sogar Laschen für Schutzbleche serienmäßig vorhanden – bei Regenfahrten nicht zu verachten. Laufräder und Lager sind für größere Belastungen ausgelegt.

Fromage du Terroir1: Rocamadour

Rocamadour

Der Rocamadour hat einen Durchmesser von 5 bis 6 Zentimetern und ist etwa 2 Zentimeter hoch – eine gute Portionsgröße. Er wird aus roher Ziegenmilch produziert. Schaumwein hatten wir an dieser Stelle noch gar nicht. Daher der heutige Tipp: Ein Blanquette de Limoux. Brut. Schön kalt. Dazu einen jungen Rocamadour leicht geschmolzen auf geröstetes Baguette geben. Voilà!

Foto Altstadt Gaillac: By BerndtF [Public domain], via Wikimedia Commons
Foto Rocamadour: Photo: Myrabella / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GFDL

 

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 10. Etappe

Wir verlassen die Auvergne und rollen heute zunächst durch das Département Aveyron. Los geht’s in Aurillac. Ziel der heutigen Etappe ist Carmaux im Tarn.

Der Anfang der Etappe wird vermutlich langweilig. Es werden sich kleine Ausreißergruppen bilden, die aber nicht richtig wegkommen. Denn der Zwischensprint kommt schon recht früh bei Kilometer 37,5. Vielleicht gelingt es am dritten Berg, der allerdings auch nur mit der 3. Kategorie bewertet ist. Aber vermutlich rollt 15 Kilometer vor dem Ziel wieder alles zusammen über die Côte de Mirandol, einer Steigung der 4. Kategorie.

Garrigou - Toursieger 1911

Bei Rennkilometer 122 passiert die Tour heute die D 905 ganz in der Nähe von Vabre-Tizac, dem Geburtsort von Gustave Garrigou, dem Sieger der Tour von 1911. Diese 9. Auflage der großen Schleife durch Frankreich brachte einige Neuerungen. Erstmals benutzten einige Fahrer Gangschaltungen. Außerdem ging es zum ersten Mal durch die Alpen – unter anderem über den Col du Galibier, der am übernächsten Donnerstag und Freitag vom Fahrerfeld in Angriff genommen wird.

Fünf Kilometer südlich vom heutigen Zielort Carmaux ging die 12. Etappe der Tour de France 2003 am Cap’Découverte zu Ende. Damals war es ein Einzelzeitfahren über 47 Kilometer, das in Gaillac gestartet wurde. Sieger war damals Jan Ullrich. Er hatte dem Gesamtführenden Armstrong auf dieser Etappe über eine Minute abgeknöpft. Scheiße war das knapp.

Fakten-Check:
Länge: 158 Kilometer. Profil: Mittelgebirge. Die vier Bergwertungen sind eigentlich nicht der Rede wert. Sieger? Sprintankunft. Cavendish. Jupp, schon wieder.

Bike-Check:
Nachdem Reifen und Felgen immer dünner wurden, scheint nun eine Trendwende einzusetzen. Viele Profis setzen auf Aero-Laufräder mit breiteren Felgen. Bei denen können auch breitere Reifen aufgezogen werden. Pannenschutz und Komfort sind zwei Größen, die bei der Länge einer Tour-de-France-Etappe eben auch von Bedeutung sind.

Fromage du Terroir1: Bleu des Causses.

Bleu de Causses

Es ist ein Blauschimmelkäse, der genau wie der Rouqefort aus dem Aveyron in Fleurines, natürlichen Felskaminen mit starkem Luftstrom, reift. Allerdings ist er Bleu des Causses aus Kuhmilch. Roquefort wird aus Schafsmilch hergestellt. Wer mag knabbert dazu die Spezialität von Carmaux: Échaudé. Ein pfurztrockener, dreieckiger Biskuit, der wegen seiner Haltbarkeit bei Pilgern und Bergleuten seit Urzeiten beliebt ist. Er wird erst in Wasser gekocht und später im Ofen getrocknet. Seit dem 13. Jahrhundert haben die Dinger wenigstens etwas Geschmack, da Ludwig IX. auf die Idee kam, Anis mit in den Teig zu geben. Cudos dafür Saint Louis. Im kleinen Anbaugebiet Marcillac wird ein kräftiger Rotwein aus der Rebsorte Mansoi gekeltert, mit dem sich Keks und Käse gleichermaßen gut runter kriegen lassen.

Foto Garrigo: Tekstman at nl.wikipedia (Original text : Onbekend) [Public domain], via Wikimedia Commons
Foto Bleu de Causses: By RoxanaS at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 9. Etappe

Da müssen sie heute durch.

Was hat Tour-Direktor Christian Prudhomme sich bei dieser Etappe gedacht? Es geht rauf und runter.

3, 2, 2, 3, 3, 2, 4. Das ist nicht die Grifffolge auf der Gitarre für das Chanson L’Auvergnat von George Brassens, sondern das sind die Kategorien der Berge, die heute auf der Etappe von Issoire nach Saint-Flour im Département Cantal zu überwinden sind.

Prudhomme hofft, dass sich einer der Favoriten ein Herz nimmt und mit einer Ausreißergruppe die Gesamtwertung vor den Pyrenäen ordentlich durcheinander wirbelt. Er möchte die Regel durchbrechen, dass die Tour entweder in den Alpen oder in den Pyrenäen gewonnen wird. Daher die drei relativ schweren Mittelgebirgsetappen in Folge. Im vergangenen Jahr hat das nicht geklappt. Allerdings soll Andy Schleck im Ziel der 7. Etappe nach Les Rousses gesagt haben, er habe sich bedauerlicherweise das Profil der Etappe nicht so genau angesehen – sonst wäre mehr drin gewesen. Vielleicht riskiert Schleck ja in diesem Jahr mal einen Blick ins Roadbook. Eine Premiere ist übrigens die Überfahrt über den Col de Perthus – dem 3. Berg an diesem Tag.

Das letzte große Ausrufezeichen setzte in Saint-Flour übrigens ein gewisser Richard Virenque. Der gebürtige Marokkaner erzielte hier den siebten und letzten Tour-de-France-Etappensieg seiner Karriere.

Als es mit der Karriere von George Brassens richtig los ging, widmete er Louis Cambon das Chanson L’Auvergnat. Cambon ist im März dieses Jahres mit 95 Jahren in Raulhac im Cantal  verstorben. Bis in die frühen 70er-Jahre betrieb er im 14. Arrondissemont die Bar des Amis, in der Barssens regelmäßig aufschlug. Brassens lebte damals mit einem Rudel Haustiere in der Impasse Florimont an der Rue Alésia – im wahrsten Sinne des Wortes völlig abgebrannt. Cambon half ihm mit ein paar Scheiten Feuerholz aus. Als sich beim Chansonnier aus Sète der Erfolg einstellte, hatte Brassens den Patron aus der Bar nicht vergessen und verewigte ihn mit diesem Chanson.
http://www.youtube.com/watch?v=Yzj8U_TSBzg

Fakten-Check:
Länge: 208 Kilometer. Profil: Mittelgebirge. Drei Bergwertungen der 2. Kategorie, drei Wertung der 3. Kategorie und einen Hügel der Kategorie 4. Wer gewinnt? Thomas Voeckler.

Bike-Check:
Viele Fahrer im Peloton schalten mittlerweile elektrisch. Das hat viele Vorteile: Der Schaltvorgang wird schneller und präziser. Irgendwelches Scheuern an den den Leitblechen gleicht die Elektronik aus. Egal ob die Finger nass, kalt oder beides sind. Ein Druck auf den Schalter genügt und schon fährt man im nächsten Gang. Was allerdings nicht geht: Vor einem Hügel drei Gänge auf einmal mit einer Handbewegung runter schalten. Bei der Elektrischen muss drei Mal aufs Knöpfchen gedrückt werden.

Fromage du Terroir1: Cantal
Plinius (der Ältere) hat schon von ihm im antiken Rom berichtet. Diderot hat einen Artikel über seine Herstellung für die Encyclopédie verfasst. Und weil wir gerade in der Gegend sind, bekommt er auch in dieser Kolumne seinen Platz. Drei Varianten sind im Handel: Jeune – ein bis zwei Monate alt, entre-deux – drei bis sieben Monate alt und vieux dann muss er mindestens acht Monate auf dem Puckel haben. Was trinken? Wir bleiben bei der Rebsorte Gamay von gestern, testen sie heute aber mal gut gekühlt als Rosé. Ein Côtes-d’Auvergne aus Corent ist sicher eine gute Wahl.

Foto Cantal-Landschaft: B.Navez – 09 AUG 2005 Creative Commons (CC BY-SA 2.5), via Wikimedia Commons
Foto Cantal-Käse by Muesse (Eigenes Werk) [GFDL or CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 8. Etappe

Am Berg

Es geht in die Auvergne, ins Zentralmassiv. Heute gibt es die erste richtige Bergankunft.

Die saftigen Zeitabstände stehen ins Haus. Im Finale dieser Etappe werden wir die großen Namen dieser Tour de France an der Spitze des Fahrerfeldes sehen. Doppel-Schleck, Evans und natürlich Contador. Contador steht an Stelle 24 mit 1:42 Rückstand. Er darf heute nichts anbrennen lassen, denn überübermorgen – nach dem Ruhetag, wird die Gesamtwertung in den Pyrenäen langsam in die abschließende Form geknetet.

L’Alpe d’Huez ist der Berg der Holländer. Dort sind wir am übernächsten Freitag. Heute geht es nach Super-Besse Sancy, dem Berg der Doper. Berg der Doper? Sowas gibt’s? Ja, leider. Werfen wir einen Blick auf die letzte Ankunft hier oben an der Wintersportstation im Dépatrtement Puy-de-Dôme im Jahr 2008: Der Deutsche Stefan Schumacher (Doper) vom Team Gerolsteiner fuhr im Gelben Trikot. Das hatte er beim Einzelzeitfahren in Cholet übernommen. Er verlor es, als er wenige hundert Meter vor dem Ziel stürzte. Riccardo Riccò (Doper) siegte vor Alejandro Valverde (Doper).

Damals wie heute an zweiter Position in der Gesamtwertung: Cadel Evans. Der hat diesmal beste Chancen, das Gelbe Trikot zu übernehmen.

Der Col de la Croix de Saint-Robert liegt rund 20 Kilometer vor dem Ziel. Der Anstieg der 2. Kategorie wird erstmals im Rahmen der Tour überquert. Thor Hushovd, der Norweger, – noch in Gelb – dürfte vielleicht noch einigermaßen nach der Überquerung wieder nach vorne rollen. Spätestens am Schlussanstieg ist für Hushovd dann aber Ende im Gelände. Gelb ist futsch.

Fakten-Check:
Länge: 189 Kilometer. Profil: Mittelgebirge. Zwei Bergwertungen der 4. Kategorie. Eine Wertung der 2. Kategorie. Und die Bergankunft mit der 3. Kategorie. Sieger? Fränk Schleck übernimmt das Gelbe Trikot.

Bike-Check:
Jetzt kommen die großen Ritzel zum Einsatz. Während Otto-Normal-Radler hinten mit 27 oder 28 Zähnen fährt, packt Contador ein 32er drauf. Das erlaubt ihm diesen eigentümlichen hochfrequenten Tritt am Berg, den wir schon von Armstrong kennen.

Fromage du Terroir1: Gaperon
Es gibt ihn zwar rund um’s Jahr, aber im Sommer schmeckt er am besten, weil die Kühe dann auf der Weide stehen. Er wird mit schwarzem Pfeffer und Knoblauch gewürzt. Lange Reifung – manche räuchern ihn sogar –  bringt keine Vorteile. Einfach jung aufschneiden und mit einem ordentlichen roten Gamay von den Côtes-du-Forez runterspülen.

Foto: eugen haug  / pixelio.de

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 7. Etappe

Warten auf die Tour

Zwiebelchen – “Super Mario” Cipollini war 1998 der Sieger bei der ersten Etappenankunft in Châteauroux. Erik Zabel war damals Zweiter. Zehn Jahre später ging es erneut in die Geburtsstadt von Gérard Depardieu. Diesmal siegte Mark Cavendish. Zabel wurde Dritter. Für Cavendish war es der erste Etappensieg bei einer Tour de France – bis jetzt folgten 15 weitere.

Cipollini gilt als erster, der konsequent Sprinterzüge im Rennverlauf formierte, um am Ende der Etappe aus einer optimalen Ausgangsposition antreten zu können. Diese Taktik hat sich durchgesetzt. Zudem hat jeder Sprintstar noch seinen eigenen letzten Anfahrer: Mark Cavendish hat Mark Renshaw als Anfahrer, Marcel Sieberg bringt André Greipel in Position und Thor Hushovd, der Norweger, fuhr am vergangenen Montag Tyler Farrar zum Etappenerfolg.

Los geht’s in Le Mans. Wenn Meteo France mit der Wetterprognose richtig liegt, bekommen wir heute Regen und Windböen aus Südwest. Wir fahren – mit einigen Kurven – in Richtung Südosten. Jetzt könnte das passieren, was für die Bretagne erwartet worden war: Windkanten.
Dann bricht das Peloton unweigerlich auseinander. Die Straßenbreite bestimmt die Anzahl der Fahrer, die sich maximal in Kreisender Formation gegen den schräg von vorne kommenden Wind stemmen können. Auf einer normalen zweispurigen Straße sind das rund 20.

Fakten-Check:
Länge: 218 Kilometer. Profil: Topfboden – heute keine Bergwertung. Wer gewinnt: Cavendish. Es ist einfach nichts zu machen.

Bike-Check:
Trarah. Das Urlaubsgeld ist da. Jetzt holen wir uns Carbonlaufräder und flitzen wie die Profis. Lieber nicht. Die Dinger kosten ein Vermögen – 1000 EUR ist hier eine Hausnummer – und eignen sich außerhalb des professionellen Rennbetriebs allenfalls für Eisdielen-Poser.
Warum? Plattfuß – mal eben flicken. Geht nicht. Man kann nicht einfach den Schlauch wechseln, weil hier geklebte Schlauchreifen zum Einsatz kommen. Auch Beschädigungen sind oft nicht zu erkennen. Die Fasern trennen sich. Im schlimmsten Fall “schmilzt” das Rad, wie bei Mark Cavendish während der 4. Etappe der Tour de Suisse 2010 beim Sprint nach Wettingen.

Fromage du Terroir1: Crottin de Chavignol
So wie er ist schmeckt dieser Ziegenkäse gut. Man kann ihn aber auch kurz in der Pfanne erwärmen, um mit ein paar Salatblättern einen salade de chavignol chaud daraus zu machen, der sich hervorragend mit einem Gläschen weißem Sancerre verkasematuckeln lässt. Lässt man ihn länger reifen, bekommt er einen bläulichen Überzug. Dann ist er nicht etwa verdorben. Im Gegenteil: Mit einem Glas Rotwein aus Chinon macht er immer noch eine gute Figur.

Foto: Hans-Peter Reichartz  / pixelio.de

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.