Outdoor: Rasieren in der Wildnis

Ich hab ein bisschen auf youtube nach Outdoor-Rasuren gesucht, mit das beste Video, was ich gefunden habe, war dies hier:

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Video-Link: http://youtu.be/TELtvS0hryQ

Nun gut, der Typ hat einfach sein ganzes Equipment (wirklich das ganze, sogar ’nen Stein zum Schärfen) in den Wald geschleppt und rasiert sich da beinahe wie zuhause im Badezimmer. Ich bin mir nicht ganz sicher: Ist das nun bewunderungswürdig konsequent oder schlichtweg geistige Faulheit?
Wobei ich selbst eher die Klappe halten sollte: Meine Versuche, sich in Gottes freier Natur zu rasieren, liegen Jahrzehnte zurück. Ein, zweimal hab ich versucht, mir mit eiskaltem Wasser und Rasiercreme die Stoppeln aus dem Gesicht zu kratzen. Hat keinen Spaß gemacht, hab ich die Stoppeln stehen lassen. Hat aber auch keinen Spaß gemacht, ich hasse es, unrasiert durch die Gegend zu laufen. Juckt. Besonders, wenn man schwitzt. Nee.
Frage: Wie würden sich die werten Leser draußen im Wald rasieren? Welches Equipment ist das beste für die Outdoor-Rasur? Esbit-Kocher anwerfen, um heißes Wasser zu bekommen? Oder funktioniert z.B. Rasier-Öl mit kaltem Wasser? Fragen über Fragen…

 

Outdoor: Holmes, Watson und die Sterne

Mein Gott! Es ist voller Sterne!

Sherlock Holmes und Dr. Watson zelten in der Wildnis. Nach einem Picknick und einem Nightcap sind sie in ihre Schlafsäcke gekrochen und eingeschlafen.
Mitten in der Nacht weckt Holmes seinen Freund auf: „Watson! Schauen Sie zum Himmel! Was sehen Sie?“
„Ich sehe unzählige Sterne“, antwortet Watson.
„Und, Watson? Was schließen Sie daraus?“
Watson denkt einen Moment lang nach: „Nach dem Stand des Mondes folgere ich, dass es vier Uhr morgens sein muss. An den Wolkenformationen erkenne ich, dass morgen schönes Wetter sein wird. Astronomisch gesehen schließe ich daraus, dass es Millionen von Galaxien und Milliarden Planeten geben muss. Und in Demut erkenne ich, dass Gott allmächtig ist und wir klein und unbedeutend. Und was folgern Sie?“
„Dass irgendein Mistkerl unser Zelt geklaut hat.“

Foto: Alexander Dreher  / pixelio.de

Outdoor: Lagerfeuer-Kochen mit dem Dutch Oven

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=-0bvK0Ns0PU

Okay, ist ein Werbevideo von der Firma, die diese (übrigens mordsschweren) Eisentöppe herstellt. Zeigt aber sehr schön, was man mit diesen Dingern so alles anstellen kann. Und das der Hauptdarsteller die ganze Zeit mit ’nem bekleckerten Hemd rumläuft, macht die Sache schon wieder sympathisch. Und authentisch natürlich. Kleckern macht draußen mehr Spaß als drinnen.

Thema Dutch Oven: Braucht man so ein Teil, wenn man draußen kochen will? Im Prinzip nicht, aber vielleicht doch. Kochen mit dem Dutch Oven macht Spaß und schmeckt. Das liegt zum einen am Material: Gusseisen. Für mich das beste Material, wenn’s um langsames Schmoren geht. Gusseisen braucht zwar ein Weilchen (und eine gewisse Menge Energie), bis es richtig aufgeheitzt ist, aber wenn’s einmal auf Temperatur ist, braucht es nur minimale Hitze, um sie zu halten.
Okay, billig sind die Teile nicht, dafür sind sie enorm haltbar. Ich hab bei mir in der Küche zwei gusseiserne Töpfe, einen emaillierten Schmortopf und einen nicht emaillierten Bräter, beide hab ich vor über dreißig Jahren gekauft und beide benutze ich noch. Sind letztlich die preiswertesten Töpfe, die ich je angeschafft habe (damals ca. 120,- DM pro Stück), denn für irgendwelchen Sonderangebots-Blechkram, der nach zwei, drei Jahren auf den Müll geflogen ist, hab ich ein vielfaches ausgegeben.
Wie dem auch sei, Schmorzeugs gelingt in Gusseisen meiner Erfahrung nach besser als in Töpfen aus anderem Material. Und wer schon mal selber Baked Beans im gusseisernen Schmortopf gemacht hat (egal ob bei milder Hitze im Ofen oder in der Glut vom Lagerfeuer), der fasst das Zeugs aus der Büchse nur noch im Notfall an.
Also klare Sache: Wenn das nötige Geld vorhanden ist, zuschlagen und Dutch Oven kaufen (gibt’s auch in der „fußlosen“ Variante für den Herd zuhause)?
Kurz noch mal nachdenken: Wer damit tatsächlich draußen kochen will, braucht noch einiges an Zubehör: Kohlenzange/-schaufel, Deckelheber,  Hitzeschutz-Handschuhe… Und – ganz wichtig – bedenkt das Gewicht von so einem Teil. Wer ein paar Kilometerchen durch die Pampa wandern möchte, um sich dann was leckeres im Dutch Oven zu kochen, sollte das Ding vorher mit dem Auto an den Zielort geschafft haben. Mitschleppen möchte so ein Teil sicher niemand.
Wer aber über einen eigenen Garten mit fester Feuerstelle und/oder Grillplatz verfügt, und sein bisheriges Repertoire bestehend aus Würstchen, Nackensteaks und Nudelsalat erweitern möchte, der sollte zuschlagen. Mit ’nem Dutch Oven tut sich so ein Mann was richtig Gutes an.

Die Dutch Ovens von Lodge (also die aus dem Video) werden in Deutschland von Venatus vertrieben. Carsten Bothe, dem Venatus gehört, veranstaltet übrigens auch Lagerfeuer-Kochkurse. Zu einem dieser Kochkurse hat er mich eingeladen, den ausführlichen Bericht davon mit vielen Fotos gibt’s in ein paar Tagen hier im Blog.

 

Outdoor: Es geht los

In den nächsten Tagen und Wochen, eben so lange, bis es draußen so ungemütlich wird, dass man doch lieber drin bleibt, wollen wir uns hier im Blog vordringlich mit Themen beschäftigen, die sich um „Outdoor“ drehen, also um alles, was interessiert, wenn man sich draußen in der freien Natur aufhält und bewegt. Zur Einstimmung ein schönes Video mit einem Beatles-Song zum Thema, viel Spaß!

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=mGLTfV_RbQM

 

Sommertheater: Grillen mit dem Asado-Kreuz

Die typische Grill-Karriere eines Mannes beginnt mit einem einfachen Grillrost über mit unendlicher Mühe und Todesverachtung entzündeter Holzkohle, auf dem schließlich ein paar Discounter-Bratwürste platziert werden, zu denen reichlich Ketchup, Senf und Bier gereicht wird. Sollten Damen anwesend sein, wird noch gönnerhaft ein Salätchen dazugestellt, die Grillparty kann steigen!
Doch nach zwei-, dreimal Würstchen-Grillen macht sich eine gewisse innere Leere beim Griller bemerkbar: es muss doch möglich sein, den männlichen Spieltrieb mit etwas mehr als Würstchen-Drehen zu befriedigen. Erste Experimente mit exotischeren Fleischteilen (Nackensteak) und Fleischsorten („Warum ist denn beim Lamm das Kotelett so mickrig?“) folgen, das Grill-Repertoire erweitert sich explosionsartig und dann kommt, was bei beinahe jedem männlichen Hobby kommt: die Materialschlacht.
Doch nach ein paar Wochen/Monaten/Jahren, während denen der Garten mehrfach erweitert werden musste, damit der gesamte Gerätepark (Kugelgrill, Barbecue-Smoker, Profi-Feuerlöschanlage) Platz hat, macht sich wieder die innere Leere bemerkbar. Welche Richtung soll der Griller einschlagen, der schon alles hat?

Ein Spanferkel am Asado-Kreuz

Das Asado-Kreuz kann die Antwort sein. Und der Star der Gartenkolonie ist man mit dem Teil sowieso: am Asado-Kreuz werden ganze Tiere schräg über der Feuerstelle gegrillt. Da kann kein Smoker mit zig Brenn- und Räucherkammern gegen anstinken, das Asado-Kreuz ist Grill-Romantik pur.

Lecker Kruste...

Wir bleiben auf alle Fälle am Grill am Ball. Eine Reportage über Lagerfeuer-Grillen u.a. mit dem Asado-Kreuz wird voraussichtlich im Herbst auf „Männer unter sich“ erscheinen. Wer angesichts der Fotos jetzt schon erfreut feststellt, dass er Platz und Gelegenheit für so ein Teil hat, sich nachdenklich zurücklehnt und murmelt: „Wäre tatsächlich eine Option…“ wird bei Venatus fündig. Da gibt‘s nicht nur Asado-Kreuze, da kann man sich einen kompletten Asado-Kreuz-Grill-Ratgeber gratis runterladen. Und vieles mehr. Viel Spaß!

Fotos: Carsten Bothe, Venatus

Da draußen

Die Zeiten sind schon lange vorbei, wo Mann mit Speer und Tunnelblick durch die Wälder streifte, den Auerochs zu erlegen. Das heißt aber nicht, dass man sich damit abfinden muss, sein Leben ausschließlich in miefigen Büros, vor dem Bildschirm oder in der Knochenmühle eines Wechselschichtsystems zu verbringen.  Gelegenheiten zum Ausbruch aus dem städtischen Alltag gibt es immer, man muss sie nur wahrnehmen.
Überall, auch am Rande einer Großstadt finden sich Naturräume, Rückzugsräume, in denen man einen Auszeit nehmen kann.  Ein paar Quadratkilometer Wald und Flur sind alles, was nötig ist ist, um abzuschalten. Die schönsten Ecken finden sich oft direkt neben dem Massentreffpunkt Naherholungsgebiet. 1 Kilometer vom Parkplatz entfernt, auf einer Lichtung kann man schon allein sein.

Ein Platz zum Feuermachen zwischen zwei Waldwegen, jeder ist nur 20 Meter entfernt, man kann die Stimmen anderer Menschen hören und ist dennoch weit weg.
Nicht mal einer Landkarte bedarf es in diesen digitalen Zeiten. Google Earth hilft, die schönsten Flecken in unmittelbarer Nachbarschaft zu finden und die GPS-Funktion des Handy lotst einen dann auch wieder zum Auto oder Bahnhof zurück. Abgesehen davon, was wäre so schlimm daran, mal nicht zu wissen, wo genau man sich gerade befindet? Die wirklich schönen Flecken findet man nur, wenn man sich treiben lässt, und früher oder später kreuzt man die nächste Landstraße, ist die nächste Ortschaft nicht mehr weit.
Einer extra Ausrüstung dafür bedarf es auch nicht, kaum mehr als nötig wäre, um einen Nachmittag im unbedachten Fußballstadion zu überstehen. Na ja, die Schuhe dürfen gerne wasserdicht und geländegängig ein, aber sonst braucht es nicht viel, um einige schöne Stunden zu verbringen. Vielleicht eine klein verpackbare Hängematte für die Herbstsiesta?

Ein sinnvolles Accessoire ist natürlich der kleine Esbitkocher, den viele in der einen oder anderen Ausführung noch vom „Campingclub Oliv“ her kennen. Sei es nun die Fleck- oder Stricheltarnfraktion gewesen. Ohne Kaffee, Tee oder eine kleine Suppe ist die Pause nur halb so schön.

Unverzichtbar ist jedoch ein guter Freund, mit dem man loszieht, „verrückte“ Dinge zu tun. Ein Freund ist der, mit dem man schweigt, genießt, sich durch einige wenige Worte verständigt und von dem man weiß, dass er da ist.

Verrückt ist man aber nur in den Augen derer, die nicht dabei sind und sich gar nicht vorstellen können, auch nur für einige Stunden auf die lebensnotwendige Zivilisation in Form von Zentralheizung und Asphalt zu verzichten. Somit auch nicht erfahren werden, was es wirklich heißt draußen zu sein. Sich den alltäglichen Zwängen zu entziehen, sei es auch nur für kurze Zeit, das ist wirkliche Freiheit. Nicht mit Geld aufzuwiegen oder zu ersetzen, wichtiger als jeder Titel oder beruflicher Erfolg.

Männer sind auch Väter. Bei uns in der Familie war es üblich, am Wochenende wandern zu gehen. Frühmorgens los, am späten Nachmittag zurück. Das war einfach so. Mein Vater war da in seinem Element. Mit seiner üblichen Kluft – Baskenmütze, Wanderstock und Haferlschuhen – angetan, erklärte er uns Bäume, Pilze und wusste immer, wirklich immer, wo Norden war. Ein Orientierungssinn, den er in seiner Jugend eingetrichtert bekommen hatte und über den ich nicht verfüge. Vermutlich zum Glück, denn seine Ausbildung erfolgte in der HJ.
Aber lehren und lernen können Väter und Söhne zu jeder Zeit. Es gibt männliche Refugien ausserhalb mütterlicher Begluckung, die für eine gesunde Entwicklung einfach notwendig sind. Immer in Watte gepackt, wird aus dem Kind kein Mann. Deshalb ist es auch sinnvoll, eines Tages zu sagen „Junge, Du bist jetzt sechs Jahre alt, da wird es höchste Zeit dass Du lernst, mit einer Axt umzugehen“. Also geht es am nächsten Wochenende in den Wald und ein umgestürzter, morscher Baum ist auch schnell gefunden.
Die Regeln sind einfach. „Die Axt ist ein Werkzeug, mit dem man sich richtig verletzen kann. Du tust genau, was ich sage, sonst ist der Tag gelaufen. Nie mit der nackten Schneide herumlaufen, erst wenn Du stehst, packst Du sie aus. Bevor Du gehst, wird sie wieder eingepackt. Der Baum befindet sich zwischen Deinen Beinen und der Axt. Sie wird sauber geführt, ohne Wucht geschwungen. Erst kommt die Technik, dann die Kraft.“

Das geht dann eigentlich ganz einfach, nötig ist nur, den kindlichen Übermut unter Kontrolle zu halten und immer wieder die Technik zu kontrollieren „drei Schläge links, dann drei rechts, so entsteht die Kerbe. Nicht mit roher Kraft, aber mit Konzentration das Beil führen.“ Ja, so ein Beil ist gefährlich, aber noch gefährlicher ist es, den Kurzen von allem fernzuhalten, was  auch nur theoretisch eine Bedrohung der Gesundheit darstellen könnte. Selbstbewusstsein und manuelles Geschick wollen trainiert werden und wer könnte das einem Jungen besser beibringen als Vater oder Onkel?
Spätestens mit der Einschulung beginnt für unsere Kinder endgültig die Zeit des Stubenhockens. Waren es vorher schon Fernseher und Spielkonsole, die die Freizeit regierten, so kommt jetzt noch Sitzen und Lernen hinzu. Wie kompensiert man das als Vater? Man lässt seinen Filius die zwei besten Freunde einladen und geht dann zusammen in den abendlichen Wald, um dort ein Feuer zu machen.
Grundvoraussetzung ist ein bekanntes Ziel, ca. 30-40 Minuten zu Fuß entfernt. Die Kinder haben genug warme und wasserdichte Sachen dabei, denn nichts verdirbt die Freude an der Natur so nachhaltig wie Nässe und Kälte. Feuer wird nur dort entzündet, wo sich auch eine Feuerstelle  befindet. Alles bis auf das Feuerholz wird mitgenommen und auch wieder nach Hause geschleppt. Sehr wichtig neben den Streichhölzern ist auch ein geeigneter Fidibus, um eventuell feuchtes Holz einfacher zum Brennen zu bringen. Nie macht man so etwas in einem trockenen Sommer, die Waldbrandgefahr ist viel zu groß!

Würstchen und Brot an selbstgeschnittenen Ästen ins Feuer zu halten und dann mit Genuss zu essen, ist eine sehr elementare Erfahrung, die eigentlich jedes Kind mal machen sollte.
Das wichtigste kommt aber am Schluss, denn das Feuer muss auch gelöscht werden, indem man reinpieselt. Absolut unverzichtbar, denn die Sicherheit im Wald geht vor. Da kann dann noch eine weitere elementare Fertigkeit geübt werden, nämlich im Stehen zu pinkeln. Unglaublich, aber wahr, die Söhne alleinerziehender oder dominanter Mütter haben so etwas im Zweifelsfall nie gelernt. Um den zu erwartenden Hänseleien zukünftiger Klassenkameraden zuvorzukommen, ist hier jetzt die Möglichkeit zum Üben gegeben. Hinstellen, Hose auf, Piephahn raus, zurückziehen und laufen lassen. Natürlich zwecks Verhütung eines Waldbrandes, aber auch, weil Mann es kann und deshalb tun sollte, wenn er unter seinesgleichen ist.

Alexander Barduas Motto ist „Natur beginnt vor der Haustür. Er betreibt die Seite www.outdoor-professionell.de, die Informationsquelle für jeden, der sich gerne in der freien Natur aufhält. Der Schwerpunkt liegt bei Informationen zur Outdoorausrüstung und Testberichten.

Bild Nr. 4: Nagual, www.bushcraftuk.com
Alle anderen Bilder: Alexander Bardua

Faszination Modellflug

Warum stellen sich erwachsene Männer (vereinzelt sind auch schon Damen dabei beobachtet worden!) mit einer Fernsteuerung vor dem Bauch auf eine Wiese und lassen kleine Flugzeuge fliegen? Was macht die Faszination am Modellflug aus? Der Versuch einer Erklärung.

Während man in Wien die Sorgen in ein Glaserl Wein schüttet, sind die Chinesen seit ein paar Jahrtausenden schlauer. Sie schreiben ihre Wünsche auf einen Zettel und lassen sie mit einem Drachen in den Himmel aufsteigen. Ganz nebenbei haben sie wahrscheinlich deswegen das Papier gleich mit erfunden. Die hierzulande zu dieser Zeit üblichen Steinplatten hatten nicht annähernd so gute Flugeigenschaften.
Drachen haben allerdings den Nachteil, dass sie nur zu günstigen Windverhältnissen steigen können. Wünsche und Träume hat man aber auch bei Flaute. Oder gerade dann. Was tun? Ein Modellflugzeug ist da eine veritable Lösung. Mit oder ohne Antrieb hat man es selbst in der Hand, wann man ein Stück von sich den Elementen anvertrauen will und dennoch festen Boden unter den Füßen behalten.

Modellbauer. Oder Modellflieger? Wo ist der Unterschied? Es gibt sie beide. Erstere erkennt der unbedarfte Beobachter daran, dass sie die größten, schönsten und aufwändigsten Flugmodelle selbst bauen. Und dann damit oft mehr oder weniger hilflos in der Luft herumeiern, weil sie vor lauter Konstruieren, Planen und Basteln kaum auf dem Flugfeld zu sehen sind. Ganz im Gegensatz zu den Modellfliegern. Die haben überwiegend auch schöne Flugzeuge. Aber die haben sie meistens entweder von der ersten Gruppe gekauft oder sich mit einem Fertigmodell eingedeckt. Die Werkstatt der Flieger ist, sofern überhaupt vorhanden, lediglich für schnelle Reparaturen ausgelegt. Denn viel häufiger sieht man diese Piloten dort, wo sie sich am wohlsten fühlen: Auf dem Flugfeld. Die Grenzen zwischen den beiden Gruppen sind natürlich fließend. Da die meisten sowohl ganz passabel bauen, als auch sehr ordentlich fliegen können. Oder umgekehrt. Und genau damit ist ein wichtiger Punkt für die Faszination dieses Hobbys gefunden.

Denn es gibt kaum eine andere Freizeitbeschäftigung, die ähnlich vielseitig ist. Das beginnt, wie erwähnt, schon beim Bau. Auch wenn immer mehr Fertigmodelle auf den Markt drängen, zu tun gibt es noch genug. Angefangen von der Wahl des Antriebs und der Fernsteuerkomponenten und dem fachgerechten Einbau, bis zum gekonnten Finish. Viele legen Wert auf ein perfektes Cockpit mit allen Instrumenten und Pilotenpuppe, Liebhaber von Oldtimer-Flugzeugen verpassen ihren „Fliegenden Kisten“ die Patina, die für ein realistisches Outfit sorgt.

Und genau so vielseitig wie die Piloten sind auch ihre Modelle. Der eine erholt sich bei stundenlangen Flügen mit seinem Segler in der Thermik, der andere findet den richtigen Kick mit einem rasanten Turbinenjet. Vom Doppeldecker bis zur modernen Reisemaschine reicht das Spektrum, über 100 Jahre Luftfahrtgeschichte werden im Modell wieder lebendig. Technikverliebte begeistern sich für Hubschrauber, die es in allen Größen und Antriebsvarianten gibt.

Motormodelle waren lange Zeit mit Schuld am manchmal schlechten Image der Modellflieger. Die knatternden 2-Takt-Motoren aus den 70iger Jahren sind leider immer noch in den Köpfen. Wenn das heute grundlegend anders geworden ist, hat das einen einfachen Grund: Auch die Piloten „en Miniature“ sind ganz normale Leute. Sie haben Freude an der Natur und den schönen Dingen des Lebens. Und stören sich massiv daran, wenn es in ihrer Freizeit über Gebühr laut und hektisch zugeht. Denn schließlich wollen sie sich ja auch in der Natur erholen. Darum haben sie in den letzten Jahren alles daran gesetzt, ihre Flugzeuge so leise wie möglich auszulegen. Das beginnt bei großvolumigen Viertaktmotoren mit aufwändigen Schalldämpfern und endet beim fast geräuschlosen Elektroantrieb, der mittlerweile fast noch effizienter arbeitet als Verbrennermotoren. Da Modellflieger größten Wert auf eine gute Nachbarschaft mit Anwohnern, Landwirten, Jagdpächtern und Naturschützern legen, wird bei ihnen keine Möglichkeit ausgelassen, ihre Modelle in dieser Hinsicht zu optimieren.

Um zur Eingangs gestellten Frage zurückzukommen: Was macht denn nun die „Faszination Modellflug“ aus? Die Antwort auf diese Frage ist so vielseitig wie unser Hobby. Am besten, Du probierst es einmal selbst aus!
Der einfachste Weg zu einem ferngesteuerten Flugmodell zu kommen, ist wohl das Internet, z. B. über das Fliegerportal Airmix. Allerdings kann das Internet auch der sicherste Weg sein, genauso schnell wieder frustriert die Lust an dem schönen Hobby zu verlieren. Denn auch, wenn das Modell fast fertig aus der Schachtel kommt und nach ein paar Minuten fliegen kann, heißt das noch lange nicht, dass der Pilot es auch sicher zu landen im Stande ist. Spätestens, wenn der schöne Vogel nach der ersten unsanften Landung zerbröselt im „Gelben Sack“ steckt, ist man schlauer: Der sicherste und beste Weg in die Luft zu gehen, startet beim Fachhändler. Der kann Dir Dein Modell für den Erstflug einstellen und entweder selbst Starthilfe durch eine kurze Einweisung am Modellflugplatz geben, oder einen Verein in der Nähe nennen. Die Adressen von Modellflugclubs erfährst Du auch beim Deutschen Modellflieger Verband „DMFV“ (www.dmfv.de). Dort bekommst Du auch eine günstige Haftpflichtversicherung, die mittlerweile für ferngesteuerte Flugmodelle gesetzlich vorgeschrieben ist.
So vorbereitet, erlebst auch Du schnell das tolle Glücksgefühl der gelungenen Landung nach Deinem ersten Alleinflug: Gentleman, start your engines!

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Fotos: Robert Hill