Wo Mann gewesen sein muss: An den Feuern von Bockenem

Erstmal 'nen Kaffee, Western-Style

»Wir sind hier alle per du. Ich bin der Carsten, hier hast ’n Kaffee.« Mit diesen Worten drückt mir Carsten Bothe einen Blechbecher heißen Kaffee Western-Style in die Hand. Ich nehme einen Schluck. Der Kaffee ist gut, sehr gut, meine Lebensgeister erwachen, ich schaue mich um. Ich stehe in Carstens Garten in Bockenem, und so einen Garten hat wirklich nicht jeder: drei offene Feuerstellen, ein paar gemauerte Grillkamine, ein Holzbackofen und ein riesiger Barbecue-Smoker bestimmen das Bild und signalisieren: hier wird am offenen Feuer gekocht, gegrillt und geschmurgelt. Deswegen bin ich hier. Carsten Bothe veranstaltet Lagerfeuer-Kochkurse. »So, und jetzt machst du dir erstmal Frühstück!« Carsten drückt mir eine schwere Eisenpfanne in die Hand, in der schon ein paar Speckstreifen liegen. Ein paar Eier drückt er mir in die andere Hand und zeigt mir, wo der Teig für die Sauerteigpfannkuchen steht. Dann suche ich mir einen freien Pfannenknecht am Feuer und lege los.

Lecker Frühstück

Den Speck vorsichtig erhitzen, damit er kross, aber nicht schwarz wird. Gar nicht so einfach, am offenen Feuer. Das hat keinen Drehschalter zum Feinjustieren der Temperatur, da muss man eben die Pfanne vom Feuer nehmen, wenn‘s zu heiß zu werden droht. Lagerfeuer ist doch ganz was anderes als so‘n Herd. Gottseidank bin ich nicht der einzige, der sich leicht bekloppt anstellt. An die dreißig Männer und Frauen sind nach Bockenem gekommen und schlagen jetzt Eier ins zischende Speckfett, braten leckere Sauerteigpfannkuchen und bedienen sich aus einem Dutch Oven, in dem Carsten Baked Beans vorbereitet hat. Schließlich hab ich auch mein Frühstück zusammengezittert. Die erste Proteinbombe des Tages schlägt ein, holla die Waldfee.

Asado-Kreuze im Einsatz

Dermaßen gestärkt können wir uns jetzt an die Zubereitung des Abendessens machen. Nein, keine Sorge, in Bockenem sind die Tage nicht kürzer als anderswo, aber als Höhepunkt und Tagesabschluss sind ein Lamm und ein Spanferkel vorgesehen, die am Asado-Kreuz gegrillt werden sollen. Und dieses Asado-Grillen, so erklärt uns Carsten, geht nur bei niedriger Hitze. Da musst du die Hand zwischen Fleisch und Feuer legen und gemütlich bis drei zählen können, bevor es dir zu heiß wird. Bei dieser Temperatur braucht ein Spanferkelchen fünf bis sechs, ein Lamm sieben bis acht Stunden, bis es gar, saftig und knusprig ist.

Nicht zu nah ans Feuer (Foto: C. Bothe)

Grilleinladungen in Deutschland unterscheiden sich sehr von einem Asado. Hierzulande will man möglichst sofort einen Teller mit Kartoffelsalat und verbrannten Würstchen in der Hand halten, in Südamerika kommt niemand hungrig zum Asado, weil alle wissen, dass es Stunden dauert, bis das Essen fertig ist.  Also ist „nach dem Frühstück“ genau die richtige Zeit, um mit den Vorbereitungen zu beginnen. Und wenn man Carsten und seinen Helfern zuschaut, wie sie Lamm und Spanferkel an die Kreuze binden, wie sie mit wenigen, geschickten Handgriffen das Grillgut fixieren und würzen, merkt man, dass hier Profis am Werk sind, die mit Freude und Spaß am Leben in der Natur ihr umfangreiches Wissen weitergeben.
So, die Asado-Kreuze stehen am Feuer und können für die nächsten Stunden sich selbst überlassen werden. Nur hin und wieder wird Carsten nachschauen, ob es dem Lamm oder dem Ferkel nicht zu heiß wird. Auch hier ist nichts von der Hektik der Gelegenheitsgriller zu merken, die alle 30 Sekunden die Würstchen umdrehen und mit Bier um sich spritzen, als wären sie eine außer Kontrolle geratene Sprinkler-Anlage.

Nur bestes, schön marmoriertes Fleisch kommt ins Feuer

Bier landet beim Lagerfeuerkochkurs grundsätzlich im Koch und nicht in der Glut, wo es auch nicht hingehört. In die Glut gehören ganz andere Dinge, das lernen wir in der nächsten Abteilung, denn nach dem langsamen Niedertemperatur-Grillen mit dem Asado-Kreuz ist jetzt Highspeed-Kontakt-garen angesagt: Steaks, Forellen und Gemüse direkt auf der Glut des Lagerfeuers gegart.
„Kann ja gar nicht klappen, muss ja verbrennen“, murmele ich kopfschüttelnd vor mich hin, aber Carsten schneidet ein schönes Entrecote ungefähr daumendick ab und legt es direkt auf einen glühenden Holzscheit. Nach zwei, drei Minuten dreht er das Fleisch um, und ich staune: Da hängt nix, das Fleisch löst sich problemlos von der Glut, und als ich das fertige Steak probieren kann, bin ich begeistert: zartes Fleisch, intensives Raucharoma, so muss ein Steak schmecken.

Aubergine, direkt aus dem Feuer

Und das direkte Grillen funktioniert nicht nur mit Gemüse, sondern sogar mit  zartem Forellenfleisch. Direkt auf dem glühenden Holz mit der Rückenflosse zur Mitte des Feuers zeigend gegrillt, braucht das Fischchen acht bis zehn Minuten, dann ist es außen durch, innen noch glasig und hat eine perfekte Konsistenz.
Eine Aubergine, auf gleiche Weise zubereitet, entwickelt ein tolles Aroma, wie ich es bisher von diesen merkwürdigen Eierfrüchten nicht kannte, denen man normalerweise mit ordentlich Olivenöl und Gewürzen geschmacklich auf die Hufe helfen muss. Hier nimmt einem das Feuer die Arbeit ab und sorgt für eine wirklich einmalig cremige Textur.

Lachs auf der Planke

Und jetzt kommt ein absolutes Highlight des Lagerfeuerkochkurses: Carsten lässt einen Lachs über die Planke gehen. Eine halbe Lachsseite wird mit Salz, Pfeffer und Wacholder (Lachs und Wacholder: brillante Idee) eingerieben, locker auf ein Brett genagelt und senkrecht ans Feuer gestellt. Ich mag Lachs. Ich mag Lachs sehr. Ich bleibe neben dem Feuer stehen, bis der Lachs fertig ist, so nach zwanzig Minuten, damit ich als erster probieren kann: der Hammer!
Ich beginne, darüber nachzusinnen, wie ich in meiner Berliner Drei-Zimmer-Wohnung, die weder über Balkon noch Garten verfügt, eine offene Feuerstelle realisieren kann. Auf den ersten Blick scheint’s unmöglich, aber da muss sich doch was machen lassen…

Alles in Handarbeit, auch die Bratwurst

Leider habe ich keine Zeit, dieses Thema gedanklich zu vertiefen, denn es ist Zeit für die nächste Attraktionen: Carsten will mit uns Bratwurst machen. Nee, nicht so wie immer, Folie auf, Bratwurst raus und rauf auf den Grill, sondern Bratwurst selber machen: Bauchfleisch wolfen, Gewürze abwiegen, kneten und das ganze dann sen-si-bel in den gewässerten Darm verfrachten, das ist absolut nix für Grobmotoriker, so ein Darm ist hastewaskannste gerissen, wenn du nicht ganz locker vorgehst. Ist aber schon irgendwie hinzukriegen, und dann landet die ganze Pracht auf dem Schwenkgrill: frisch, grob und ungebrüht, und so wird aus der bescheidenen Allerwelts-Bratwurst eine ganz, ganz große Delikatesse.

Ganz großes Bratwurst-Tennis

Und da haben wir ja noch die Rippchen, an denen das Bauchfleisch hing. Lagerfeuer, Grill, Rippchen, war da nicht was? Natürlich, Spareribs!

Die Rippchen fallen vom Knochen...

Jetzt verrät uns Carsten das Rezept für die besten Spareribs der Welt: Barbecue Smoker auf 80/90 Grad bringen,  Spareribs würzen und 3 Stunden smoken, gelegentlich wenden. Dann die Rippen-Reihen mit wenig Flüssigkeit in Alufolie wickeln und weitere 2 Stunden smoken, und schließlich die Hitze raufdrehen, die Spareribs mit was bestreichen, das karamelisieren kann und karamelisieren lassen. Die Teile waren in Windeseile weg: Weltklasse.
PotijeUnd während die Rippchen langsam, ganz langsam weich werden, sind wir ja nicht faul. Wir setzen einen Potije aufs Feuer, das ist ein südafrikanischer Dutch Oven auf Stelzen, und kochen ein leckeres Hühnercurry, wir backen Flammkuchen, Sauerteigbrot und Pflaumenkuchen im Holzbackofen, und bringen jede Menge Original-Dutch-Ovens an den Start:

Selbstgebackenes Brot, kurz bevor es in den Ofen eingeschossen wird

mit Krustenbraten, mit Kartoffelgratin, mit einem absolut überirdischen Nachtisch naamens „Cobbler“… Irgendwann macht Carstens Frau die Runde mit einer dringend benötigten  Verdaungshilfe, die lautstark und begeistert begrüßt wird, denn wir sind ja noch lange nicht fertig, denn jetzt wird es langsam Zeit für unsere Asado-Spezialitäten.
Carsten nimmt noch einmal das Fleisch-Thermometer zur Hand und misst die Kerntemperatur des Lämmchens: genau richtig, es kann losgehen. Jetzt muss es schnell gehen, denn Lammfleisch soll heiß auf den Teller, jetzt arbeiten viele Hände gleichzeitig und zerlegen das Lamm, und bald hat jeder eine üppige Portion auf dem Teller, kaut andächtig und denkt: „Ja, viel besser geht Lamm nicht.“ Nur großzügig mit grobem Salz eingerieben, acht Stunden bei milder Hitze am offenen Feuer gegrillt…

Jetzt muss es schnell gehen, damit das Lammfleisch heiss auf die Teller kommt

Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein besseres Lamm gegessen zu haben. Und da ist keiner, der nicht mindestens einmal nachnimmt.
So langsam wird’s ein bisschen diesig in  Bockenem, die Abenddämmerung bringt einen heftigen Regenguss mit, sodass wir das Spanferkel, das noch am Feuer steht, kurz abdecken müssen. Lagerfeuerkochen ist eine Outdoor-Veranstaltung ohne Plan B, wenn’s regnet, regnet’s. Und dass es noch ein bisschen dauert, bis wir das Spanferkel zum Aufknuspern der Haut übers Feuer halten, nimmt keiner krumm.  Wir stehen seit acht Stunden an den Feuern von Bockenem, Zeit für ein Bier, Zeit, den Tag noch mal Revue passieren zu lassen. Unheimlich viel übers Outdoor-Kochen gelernt, und wie man für richtig viele Leute kochen kann. Unheimlich viel Spaß gehabt, unheimlich nette Leute kennengelernt. Und unheimlich viel gegessen. Aber das Spanferkel geht noch… Und hatte Carsten nicht noch so’n Stück Schweinebraten in den Smoker gelegt? Das soll unglaublich lecker sein, hat er gesagt…
Appetit bekommen? Selber mal an den Feuern von Bockenem stehen wollen? Kein Problem! Carsten Bothe bietet auch im nächsten Jahr seine Lagerfeuerkochkurse an. Hier gibt’s nähere Infos und die Möglichkeit zur Vorbestellung.

Fotos: Chris Kurbjuhn (wenn nicht anders angegeben)

Dieser Artikel ist Teil einer Serie über Top-Männer-Locations in Deutschland, also Orte, die ein Mann mindestens einmal im Leben besucht haben sollte. Für Vorschläge, welche Orte wir vorstellen sollen, sind wir jederzeit dankbar, ob in den Kommentaren oder per Mail. Bisher erschienen: Bobbahn Altenberg, Westfalenstadion Deutschland

 

 

 

Outdoor: Rasieren in der Wildnis

Ich hab ein bisschen auf youtube nach Outdoor-Rasuren gesucht, mit das beste Video, was ich gefunden habe, war dies hier:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: http://youtu.be/TELtvS0hryQ

Nun gut, der Typ hat einfach sein ganzes Equipment (wirklich das ganze, sogar ’nen Stein zum Schärfen) in den Wald geschleppt und rasiert sich da beinahe wie zuhause im Badezimmer. Ich bin mir nicht ganz sicher: Ist das nun bewunderungswürdig konsequent oder schlichtweg geistige Faulheit?
Wobei ich selbst eher die Klappe halten sollte: Meine Versuche, sich in Gottes freier Natur zu rasieren, liegen Jahrzehnte zurück. Ein, zweimal hab ich versucht, mir mit eiskaltem Wasser und Rasiercreme die Stoppeln aus dem Gesicht zu kratzen. Hat keinen Spaß gemacht, hab ich die Stoppeln stehen lassen. Hat aber auch keinen Spaß gemacht, ich hasse es, unrasiert durch die Gegend zu laufen. Juckt. Besonders, wenn man schwitzt. Nee.
Frage: Wie würden sich die werten Leser draußen im Wald rasieren? Welches Equipment ist das beste für die Outdoor-Rasur? Esbit-Kocher anwerfen, um heißes Wasser zu bekommen? Oder funktioniert z.B. Rasier-Öl mit kaltem Wasser? Fragen über Fragen…

 

Outdoor: Holmes, Watson und die Sterne

Mein Gott! Es ist voller Sterne!

Sherlock Holmes und Dr. Watson zelten in der Wildnis. Nach einem Picknick und einem Nightcap sind sie in ihre Schlafsäcke gekrochen und eingeschlafen.
Mitten in der Nacht weckt Holmes seinen Freund auf: „Watson! Schauen Sie zum Himmel! Was sehen Sie?“
„Ich sehe unzählige Sterne“, antwortet Watson.
„Und, Watson? Was schließen Sie daraus?“
Watson denkt einen Moment lang nach: „Nach dem Stand des Mondes folgere ich, dass es vier Uhr morgens sein muss. An den Wolkenformationen erkenne ich, dass morgen schönes Wetter sein wird. Astronomisch gesehen schließe ich daraus, dass es Millionen von Galaxien und Milliarden Planeten geben muss. Und in Demut erkenne ich, dass Gott allmächtig ist und wir klein und unbedeutend. Und was folgern Sie?“
„Dass irgendein Mistkerl unser Zelt geklaut hat.“

Foto: Alexander Dreher  / pixelio.de

Outdoor: Lagerfeuer-Kochen mit dem Dutch Oven

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=-0bvK0Ns0PU

Okay, ist ein Werbevideo von der Firma, die diese (übrigens mordsschweren) Eisentöppe herstellt. Zeigt aber sehr schön, was man mit diesen Dingern so alles anstellen kann. Und das der Hauptdarsteller die ganze Zeit mit ’nem bekleckerten Hemd rumläuft, macht die Sache schon wieder sympathisch. Und authentisch natürlich. Kleckern macht draußen mehr Spaß als drinnen.

Thema Dutch Oven: Braucht man so ein Teil, wenn man draußen kochen will? Im Prinzip nicht, aber vielleicht doch. Kochen mit dem Dutch Oven macht Spaß und schmeckt. Das liegt zum einen am Material: Gusseisen. Für mich das beste Material, wenn’s um langsames Schmoren geht. Gusseisen braucht zwar ein Weilchen (und eine gewisse Menge Energie), bis es richtig aufgeheitzt ist, aber wenn’s einmal auf Temperatur ist, braucht es nur minimale Hitze, um sie zu halten.
Okay, billig sind die Teile nicht, dafür sind sie enorm haltbar. Ich hab bei mir in der Küche zwei gusseiserne Töpfe, einen emaillierten Schmortopf und einen nicht emaillierten Bräter, beide hab ich vor über dreißig Jahren gekauft und beide benutze ich noch. Sind letztlich die preiswertesten Töpfe, die ich je angeschafft habe (damals ca. 120,- DM pro Stück), denn für irgendwelchen Sonderangebots-Blechkram, der nach zwei, drei Jahren auf den Müll geflogen ist, hab ich ein vielfaches ausgegeben.
Wie dem auch sei, Schmorzeugs gelingt in Gusseisen meiner Erfahrung nach besser als in Töpfen aus anderem Material. Und wer schon mal selber Baked Beans im gusseisernen Schmortopf gemacht hat (egal ob bei milder Hitze im Ofen oder in der Glut vom Lagerfeuer), der fasst das Zeugs aus der Büchse nur noch im Notfall an.
Also klare Sache: Wenn das nötige Geld vorhanden ist, zuschlagen und Dutch Oven kaufen (gibt’s auch in der „fußlosen“ Variante für den Herd zuhause)?
Kurz noch mal nachdenken: Wer damit tatsächlich draußen kochen will, braucht noch einiges an Zubehör: Kohlenzange/-schaufel, Deckelheber,  Hitzeschutz-Handschuhe… Und – ganz wichtig – bedenkt das Gewicht von so einem Teil. Wer ein paar Kilometerchen durch die Pampa wandern möchte, um sich dann was leckeres im Dutch Oven zu kochen, sollte das Ding vorher mit dem Auto an den Zielort geschafft haben. Mitschleppen möchte so ein Teil sicher niemand.
Wer aber über einen eigenen Garten mit fester Feuerstelle und/oder Grillplatz verfügt, und sein bisheriges Repertoire bestehend aus Würstchen, Nackensteaks und Nudelsalat erweitern möchte, der sollte zuschlagen. Mit ’nem Dutch Oven tut sich so ein Mann was richtig Gutes an.

Die Dutch Ovens von Lodge (also die aus dem Video) werden in Deutschland von Venatus vertrieben. Carsten Bothe, dem Venatus gehört, veranstaltet übrigens auch Lagerfeuer-Kochkurse. Zu einem dieser Kochkurse hat er mich eingeladen, den ausführlichen Bericht davon mit vielen Fotos gibt’s in ein paar Tagen hier im Blog.

 

Outdoor: Es geht los

In den nächsten Tagen und Wochen, eben so lange, bis es draußen so ungemütlich wird, dass man doch lieber drin bleibt, wollen wir uns hier im Blog vordringlich mit Themen beschäftigen, die sich um „Outdoor“ drehen, also um alles, was interessiert, wenn man sich draußen in der freien Natur aufhält und bewegt. Zur Einstimmung ein schönes Video mit einem Beatles-Song zum Thema, viel Spaß!

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=mGLTfV_RbQM

 

Sommertheater: Grillen mit dem Asado-Kreuz

Die typische Grill-Karriere eines Mannes beginnt mit einem einfachen Grillrost über mit unendlicher Mühe und Todesverachtung entzündeter Holzkohle, auf dem schließlich ein paar Discounter-Bratwürste platziert werden, zu denen reichlich Ketchup, Senf und Bier gereicht wird. Sollten Damen anwesend sein, wird noch gönnerhaft ein Salätchen dazugestellt, die Grillparty kann steigen!
Doch nach zwei-, dreimal Würstchen-Grillen macht sich eine gewisse innere Leere beim Griller bemerkbar: es muss doch möglich sein, den männlichen Spieltrieb mit etwas mehr als Würstchen-Drehen zu befriedigen. Erste Experimente mit exotischeren Fleischteilen (Nackensteak) und Fleischsorten („Warum ist denn beim Lamm das Kotelett so mickrig?“) folgen, das Grill-Repertoire erweitert sich explosionsartig und dann kommt, was bei beinahe jedem männlichen Hobby kommt: die Materialschlacht.
Doch nach ein paar Wochen/Monaten/Jahren, während denen der Garten mehrfach erweitert werden musste, damit der gesamte Gerätepark (Kugelgrill, Barbecue-Smoker, Profi-Feuerlöschanlage) Platz hat, macht sich wieder die innere Leere bemerkbar. Welche Richtung soll der Griller einschlagen, der schon alles hat?

Ein Spanferkel am Asado-Kreuz

Das Asado-Kreuz kann die Antwort sein. Und der Star der Gartenkolonie ist man mit dem Teil sowieso: am Asado-Kreuz werden ganze Tiere schräg über der Feuerstelle gegrillt. Da kann kein Smoker mit zig Brenn- und Räucherkammern gegen anstinken, das Asado-Kreuz ist Grill-Romantik pur.

Lecker Kruste...

Wir bleiben auf alle Fälle am Grill am Ball. Eine Reportage über Lagerfeuer-Grillen u.a. mit dem Asado-Kreuz wird voraussichtlich im Herbst auf „Männer unter sich“ erscheinen. Wer angesichts der Fotos jetzt schon erfreut feststellt, dass er Platz und Gelegenheit für so ein Teil hat, sich nachdenklich zurücklehnt und murmelt: „Wäre tatsächlich eine Option…“ wird bei Venatus fündig. Da gibt‘s nicht nur Asado-Kreuze, da kann man sich einen kompletten Asado-Kreuz-Grill-Ratgeber gratis runterladen. Und vieles mehr. Viel Spaß!

Fotos: Carsten Bothe, Venatus

Da draußen

Die Zeiten sind schon lange vorbei, wo Mann mit Speer und Tunnelblick durch die Wälder streifte, den Auerochs zu erlegen. Das heißt aber nicht, dass man sich damit abfinden muss, sein Leben ausschließlich in miefigen Büros, vor dem Bildschirm oder in der Knochenmühle eines Wechselschichtsystems zu verbringen.  Gelegenheiten zum Ausbruch aus dem städtischen Alltag gibt es immer, man muss sie nur wahrnehmen.
Überall, auch am Rande einer Großstadt finden sich Naturräume, Rückzugsräume, in denen man einen Auszeit nehmen kann.  Ein paar Quadratkilometer Wald und Flur sind alles, was nötig ist ist, um abzuschalten. Die schönsten Ecken finden sich oft direkt neben dem Massentreffpunkt Naherholungsgebiet. 1 Kilometer vom Parkplatz entfernt, auf einer Lichtung kann man schon allein sein.

Ein Platz zum Feuermachen zwischen zwei Waldwegen, jeder ist nur 20 Meter entfernt, man kann die Stimmen anderer Menschen hören und ist dennoch weit weg.
Nicht mal einer Landkarte bedarf es in diesen digitalen Zeiten. Google Earth hilft, die schönsten Flecken in unmittelbarer Nachbarschaft zu finden und die GPS-Funktion des Handy lotst einen dann auch wieder zum Auto oder Bahnhof zurück. Abgesehen davon, was wäre so schlimm daran, mal nicht zu wissen, wo genau man sich gerade befindet? Die wirklich schönen Flecken findet man nur, wenn man sich treiben lässt, und früher oder später kreuzt man die nächste Landstraße, ist die nächste Ortschaft nicht mehr weit.
Einer extra Ausrüstung dafür bedarf es auch nicht, kaum mehr als nötig wäre, um einen Nachmittag im unbedachten Fußballstadion zu überstehen. Na ja, die Schuhe dürfen gerne wasserdicht und geländegängig ein, aber sonst braucht es nicht viel, um einige schöne Stunden zu verbringen. Vielleicht eine klein verpackbare Hängematte für die Herbstsiesta?

Ein sinnvolles Accessoire ist natürlich der kleine Esbitkocher, den viele in der einen oder anderen Ausführung noch vom „Campingclub Oliv“ her kennen. Sei es nun die Fleck- oder Stricheltarnfraktion gewesen. Ohne Kaffee, Tee oder eine kleine Suppe ist die Pause nur halb so schön.

Unverzichtbar ist jedoch ein guter Freund, mit dem man loszieht, „verrückte“ Dinge zu tun. Ein Freund ist der, mit dem man schweigt, genießt, sich durch einige wenige Worte verständigt und von dem man weiß, dass er da ist.

Verrückt ist man aber nur in den Augen derer, die nicht dabei sind und sich gar nicht vorstellen können, auch nur für einige Stunden auf die lebensnotwendige Zivilisation in Form von Zentralheizung und Asphalt zu verzichten. Somit auch nicht erfahren werden, was es wirklich heißt draußen zu sein. Sich den alltäglichen Zwängen zu entziehen, sei es auch nur für kurze Zeit, das ist wirkliche Freiheit. Nicht mit Geld aufzuwiegen oder zu ersetzen, wichtiger als jeder Titel oder beruflicher Erfolg.

Männer sind auch Väter. Bei uns in der Familie war es üblich, am Wochenende wandern zu gehen. Frühmorgens los, am späten Nachmittag zurück. Das war einfach so. Mein Vater war da in seinem Element. Mit seiner üblichen Kluft – Baskenmütze, Wanderstock und Haferlschuhen – angetan, erklärte er uns Bäume, Pilze und wusste immer, wirklich immer, wo Norden war. Ein Orientierungssinn, den er in seiner Jugend eingetrichtert bekommen hatte und über den ich nicht verfüge. Vermutlich zum Glück, denn seine Ausbildung erfolgte in der HJ.
Aber lehren und lernen können Väter und Söhne zu jeder Zeit. Es gibt männliche Refugien ausserhalb mütterlicher Begluckung, die für eine gesunde Entwicklung einfach notwendig sind. Immer in Watte gepackt, wird aus dem Kind kein Mann. Deshalb ist es auch sinnvoll, eines Tages zu sagen „Junge, Du bist jetzt sechs Jahre alt, da wird es höchste Zeit dass Du lernst, mit einer Axt umzugehen“. Also geht es am nächsten Wochenende in den Wald und ein umgestürzter, morscher Baum ist auch schnell gefunden.
Die Regeln sind einfach. „Die Axt ist ein Werkzeug, mit dem man sich richtig verletzen kann. Du tust genau, was ich sage, sonst ist der Tag gelaufen. Nie mit der nackten Schneide herumlaufen, erst wenn Du stehst, packst Du sie aus. Bevor Du gehst, wird sie wieder eingepackt. Der Baum befindet sich zwischen Deinen Beinen und der Axt. Sie wird sauber geführt, ohne Wucht geschwungen. Erst kommt die Technik, dann die Kraft.“

Das geht dann eigentlich ganz einfach, nötig ist nur, den kindlichen Übermut unter Kontrolle zu halten und immer wieder die Technik zu kontrollieren „drei Schläge links, dann drei rechts, so entsteht die Kerbe. Nicht mit roher Kraft, aber mit Konzentration das Beil führen.“ Ja, so ein Beil ist gefährlich, aber noch gefährlicher ist es, den Kurzen von allem fernzuhalten, was  auch nur theoretisch eine Bedrohung der Gesundheit darstellen könnte. Selbstbewusstsein und manuelles Geschick wollen trainiert werden und wer könnte das einem Jungen besser beibringen als Vater oder Onkel?
Spätestens mit der Einschulung beginnt für unsere Kinder endgültig die Zeit des Stubenhockens. Waren es vorher schon Fernseher und Spielkonsole, die die Freizeit regierten, so kommt jetzt noch Sitzen und Lernen hinzu. Wie kompensiert man das als Vater? Man lässt seinen Filius die zwei besten Freunde einladen und geht dann zusammen in den abendlichen Wald, um dort ein Feuer zu machen.
Grundvoraussetzung ist ein bekanntes Ziel, ca. 30-40 Minuten zu Fuß entfernt. Die Kinder haben genug warme und wasserdichte Sachen dabei, denn nichts verdirbt die Freude an der Natur so nachhaltig wie Nässe und Kälte. Feuer wird nur dort entzündet, wo sich auch eine Feuerstelle  befindet. Alles bis auf das Feuerholz wird mitgenommen und auch wieder nach Hause geschleppt. Sehr wichtig neben den Streichhölzern ist auch ein geeigneter Fidibus, um eventuell feuchtes Holz einfacher zum Brennen zu bringen. Nie macht man so etwas in einem trockenen Sommer, die Waldbrandgefahr ist viel zu groß!

Würstchen und Brot an selbstgeschnittenen Ästen ins Feuer zu halten und dann mit Genuss zu essen, ist eine sehr elementare Erfahrung, die eigentlich jedes Kind mal machen sollte.
Das wichtigste kommt aber am Schluss, denn das Feuer muss auch gelöscht werden, indem man reinpieselt. Absolut unverzichtbar, denn die Sicherheit im Wald geht vor. Da kann dann noch eine weitere elementare Fertigkeit geübt werden, nämlich im Stehen zu pinkeln. Unglaublich, aber wahr, die Söhne alleinerziehender oder dominanter Mütter haben so etwas im Zweifelsfall nie gelernt. Um den zu erwartenden Hänseleien zukünftiger Klassenkameraden zuvorzukommen, ist hier jetzt die Möglichkeit zum Üben gegeben. Hinstellen, Hose auf, Piephahn raus, zurückziehen und laufen lassen. Natürlich zwecks Verhütung eines Waldbrandes, aber auch, weil Mann es kann und deshalb tun sollte, wenn er unter seinesgleichen ist.

Alexander Barduas Motto ist „Natur beginnt vor der Haustür. Er betreibt die Seite www.outdoor-professionell.de, die Informationsquelle für jeden, der sich gerne in der freien Natur aufhält. Der Schwerpunkt liegt bei Informationen zur Outdoorausrüstung und Testberichten.

Bild Nr. 4: Nagual, www.bushcraftuk.com
Alle anderen Bilder: Alexander Bardua