Das Deppen-Rechteck

Richtig. Rauchen ist schädlich. Aber rauchen ist auch Genuss. Ein Genuss, der mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Unterm Strich sollte man das Rauchen sein lassen, wenn man den vernünftig ist/wäre. Was man aber AUCH sein lassen sollte, ist Raucher zu diskriminieren und gesellschaftlich zu ächten. Das nimmt manchmal für mich absurde Züge an:Kennt ihr diese aufgemalten Rechtecke in die man sich als Raucher zu stellen hat?
Kennste? Kennste?
Wer diese drei Fragen verneint hat, ist noch nie Zug gefahren.
Für die also, die nicht in den Genuß des fulminanten Services der Deutschen Bahn AG kommen, sei folgendes beschrieben:
Laut Hausordnung des o.g. Dienstleisters darf man auf deren Gelände nur in den ausgewiesenen Raucherzonen… richtig! Rauchen.
Diese Raucherzonen sind nicht etwa umschlossene Räume, sondern – ihr habt es erraten – aufgemalte Rechtecke. Wohlgemerkt: Wir befindet uns unter freiem Himmel! Und da wird dann auf dem Boden eine Grenze gemalt, innerhalb derer ich legal rauchen darf!? weiterlesen…

Hamburg trockengelegt

Ab morgen ist in Hamburg Schluss mit lustig, bzw. man muss in der Hamburger U-Bahn ohne Alkohol lustig sein: Ab dann darf in den Bussen, Bahnen, Bahnhöfen und an den Haltestellen des HVV kein Alkohol mehr getrunken werden bzw. keine geöffnete Flasche mit einem alkoholischen Getränk mit sich herumgetragen werden. Im bzw. aus Prinzip wäre dagegen wenig zu sagen, hier haben wir ja schon vor mehr als einem halben Jahr begründet, warum es geeignetere Orte als Busse und Bahnen gibt, um sein Bier zu trinken.
Jedoch beschleicht einen ein leiser lauter Unmut, wenn hierzulande mal wieder versucht wird, einen Missstand durch ein stumpfsinniges Verbot zu beseitigen. Durch ein Verbot, das im Übrigen zum Scheitern verurteilt ist, denn Verbote sind nur effektiv, wenn man sie auch durchsetzen kann. Dieses Verbot könnte man jedoch nur durchsetzen, wenn man über einen längeren Zeitraum hinweg pro Bus und pro Waggon mindestens einen Kontroletti einsetzt, der – im eigenen Interesse – ein ausgewiesener Experte in Deeskalationsstrategien und Selbstverteidigungstechniken sein sollte. Und – was Langmut, Freundlichkeit und Geduld angeht – eine direkte Kopie des Dalai Lama sein müsste. Wo findet man solche Leute, und wie finanziert man ihren Einsatz?
Nein, dieses Alkoholverbot erscheint vollkommen unsinnig, zumal es das grundsätzliche Problem noch nicht einmal tangiert: diejenigen, die Bahnen und Busse in unschöner Regelmäßigkeit zu Partywägen umfunktionieren sind meist Jugendliche, die die Getränkepreise in Discos, Clubs und, ja, in Kneipen schlicht und schlichtweg nicht bezahlen können. Wenn wir unsere Sprösslinge zu sparsamen, findigen Menschen erzogen haben, müssten wir ja eigentlich stolz darauf sein, wenn sie entdecken, dass man Alkohol zum Bruchteil des Gastronomiepreises im Supermarkt erstehen kann. Und dass sich der daraus ergebende Discount-Rausch überhaupt nicht vom Gastronomie-Rausch unterscheidet, der ja auch noch den Wirt und sein Etablissement finanzieren muss.
Man komme mir nicht damit, dass das früher doch genauso war. Das war es nicht. Als ich vor dreißig Jahren studierte, war es möglich, zum Preis eines damaligen Tonträgers (Vinyl, nicht Schellack!) mehrere Stunden lang durch (nicht um!) die Häuser zu ziehen und angemessen angeschickert nach Hause zu kommen. Heute wäre nach zwei, drei eher kleinen Bieren die Tonträger-Preisgrenze erreicht, damit kommt ein lebenslustiger junger Mensch nicht durch den Abend geschweige denn durch die Nacht.
„Sollen sie eben nicht saufen, wenn sie sich‘s nicht leisten können“, rufen wir alten Säcke neunmalklug daher, was ein ebensolcher Unsinn ist wie das platte Alkoholverbot in der U-Bahn. Der Rausch hat eine Jahrtausende alte Kultur-Tradition, der Rausch ist ein Bestandteil des Lebens vieler Menschen und zum Erwachsenwerden gehört dazu, zu lernen, wie man mit Alkohol, anderen Drogen und den daraus resultierenden Räuschen umgeht. Seine eigenen Grenzen kann man nur kennenlernen, wenn man sie auch mal überschreitet. Das ist für diejenigen, die das miterleben müssen, nicht immer schön, aber ist unausweichlich und lässt sich durch platte Verbote nicht verhindern.
Denn selbst wenn sich ein Alkoholverbot in den öffentlichen Verkehrsmitteln durchsetzen ließe, was wäre denn die Folge? Die Menschen suchen sich andere Orte zum Vor-, Nach- und Durchglühen, sie tun es ja schon heute, sie gehen in die Parks, auf Kinderspielplätze, sonstwohin.
Also ein generelles Alkoholverbot auf öffentlichen Flächen? Auch hier stellt sich wieder die Frage nach der Durchsetzbarkeit. Wer glaubt, Probleme mit simplen Verboten lösen zu kennen, anstatt Ursachenforschung zu betreiben, macht es sich zu einfach. Meist handelt man sich mit solchen Verboten nur neue Probleme ein.