Zu kühn für diese Welt: Erinnerungen an den Merkur Vision

Der Merkur Vision 2000

Dass der Merkur Futur mein Lieblingshobel ist, hab ich in diesem Blog schon mehrfach geschrieben. Was ich noch nicht geschrieben habe, ist, dass ich ihm einmal beinahe untreu geworden wäre. Das war, als ich einen Merkur Vision in die Finger bekommen hatte. Der hatte das Zeug dazu, den Futur als mein bevorzugtes Rasier-Werkzeug abzulösen. Ich spreche vom Merkur „Vision 2000“.

Der Vision war ein Rasierapparat, der polarisiert hat. Man hat ihn geliebt oder gehasst, kalt gelassen hat er keinen. Die einen waren entsetzt über seine Klobigkeit, die anderen haben ihn als Handschmeichler empfunden, der einem volle Kontrolle und millimetergenaues Rasieren ermöglichte. Doch selbst die Vision-Verächter mussten zugeben, dass dieser Hobel ein brillantes Stück Ingenieurskunst war: Ein Entwurf, der seinesgleichen suchte, sich in der Praxis aber leider als zu kühn erwiesen hat. Weshalb Merkur vor ein paar Jahren die Produktion seines einstigen Flagship-Hobels eingestellt hat. weiterlesen…

Adieu!

Ungefähr 80 Jahre lang war er im Programm: der 11c von Merkur. Seit den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Den 12c gab’s seit 2008. Gut, die Nachfrage ging in letzter Zeit deutlich zurück. Was natürlich auch daran liegt, dass die bewährten, massiven Zweiteiler mehr als ein Rasierleben lang halten und dann immer noch weiter vererbt werden können. Ein paar letzte Restbestände sind noch im Handel, die Produktion ist eingestellt. Zeit für eine kleine Hommage und den Ausblick: Wie geht’s weiter? Denn der Zahnkamm ist zwar nicht unbedingt der Quotenrenner, hat aber dennoch seine treuen Freunde. Das wird auch dadurch deutlich, dass Mühle erst kürzlich eine neue Harke auf den Markt gebracht hat.

Das Leben geht weiter – aber wie?

Der Zahnkamm lebt als 3-Teiler weiter. Das Schöne dran: Alle Griffe mit M5-Gewinde sind mit den Köpfen kompatibel. Herstellerübergreifend! Deshalb habe ich auch den guten Feather AS hier mit aufgenommen. Denn, wer will, kann auf den massiven Edelstahlgriff auch die Zahnkämme von Mühle oder Merkur draufschrauben. Der Japaner kommt damit im Handling dem 12c schon recht nahe. Wer dem 11c nachtrauert, schraubt entweder den Merkur-Kamm auf den Mühle R89-Griff und erhält damit den „alten“ R41, oder nimmt gleich den Merkur 41. Der ist mit seinem sechseckigen, fein ziselierten Griff optisch und haptisch ein echtes Vergnügen für Nostalgiker.

So, da sind sie nun, die derzeit von Merkur und Mühle erhältlichen Zahnkämme im direkten Vergleich mit 11c und 12c. Wobei anzumerken ist, dass es den Feather, den 20c und den 30c von Merkur nicht mit dem Zahnkamm-Kopf zu kaufen gibt. Wer diese Griffe mit der Harke kombinieren möchte, muss sich die dafür benötigten Hobel kaufen und selber schrauben.

Fotos: Robert Hill

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.

Interesse an einem der hier vorgestellten Rasierapparate? Dann schaut doch mal in den nassrasur.com-Shop!

Fotostrecke: Neuer Mühle R41 im Vergleich mit Merkur

Dies ist ein Beitrag in der Themenserie „Rasierapparate„.

Mühle hat einen neuen Rasierhobel auf den Markt gebracht: den R41, ein Modell mit offenem Zahnkamm. Wir bringen erste Fotos.

Der Mühle R41

offener Zahnkamm

Seitenansicht

Der Kopf von unten

en detail...

Zum Vergleich einige Bilder des Merkur 15c

Merkur 15c

Der Kopf des 15c

…und des Mühle R89.

Der R89

Der Kopf des R89

Und schließlich noch ein Vergleichsfoto.

Die Köpfe der Rasierer im Vergleich

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de