[Klartext] Uhrknaller

SNCR_GROUP / Pixabay

Bitte mal einen Moment nachdenken: Du triffst einen Typen, mit dem du beruflich zu tun hast, ihr redet über das ein oder andere Projekt, dass eure Firmen in Zukunft vielleicht gemeinsam stemmen möchten, und dann schenkt der Typ dir aus heiterem Himmel eine Luxus-Uhr, für die du im Laden einen fünfstelligen Betrag auf den Tisch legen müsstest. Würdest du auch nur eine Sekunde lang denken, dass der Typ das aus reiner Menschenfreundlichkeit getan hat? Kalle Rummenigge und Reinhard Grindel behaupten, sie hätten haargenau das gedacht, als ihnen Fußball-Funktionäre aus anderen Ländern Zeiteisen der Luxusklasse verehrten. „Nette Geste unter Kollegen!“ Theo Zwanziger will erst mal gar nicht gemerkt haben, dass jemand ihm eine 20.000-Euro-Uhr in die Wundertüte gesteckt hat. Tja, man kann seine Augen auch nicht überall haben. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, wo eine Knaller-Uhr ist, sind auch mehrere. Das sind Männerfreundschaften, die auch einen Uhrknall überstehen werden.

Die einzige andere mir bekannte Branche, in denen Luxusartikel dieser Preisklasse üblicherweise als kleine Aufmerksamkeiten überreicht werden, ist übrigens das organisierte Verbrechen.

[Klartext] WM-Vergabe 2006

Der SPIEGEL hat letzte Woche eine einigermaßen heftige Debatte um die WM-Bewerbung für 2006, bestechliche Funktionäre und schwarze DFB-Kassen entfacht. Dazu hat es eine umständliche, vor Fragezeichen, Konjunktiven und Vermutungen strotzende Titelgeschichte gebraucht. Ursprünglich wollte ich die hier ausführlich auseinander nehmen und kritisieren, aber dann ist dieses Statement von (ausgerechnet!) Waldi Hartmann aufgetaucht, der die Sache vorbildlich, nachvollziehbar und in aller gebotenen Kürze auf den Punkt bringt.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/wT0FBL7DVE8