Was liegt an? – 7.2. bis 13.2.2011

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Länderspielwoche. Okay, ein Freundschaftsspiel, da agiert die aktuelle Spielergeneration gern ein wenig unenthusiastisch, also sollte man vom Mittwochabend nicht zuviel erwarten. Auch wenn es gegen Italien geht. Immerhin im Westfalenstadion. Da trafen beide Mannschaften ja vor viereinhalb Jahren zum letzten Mal aufeinander. Mit bekanntem Ergebnis. Ich frag mich immer noch, was gewesen wäre, wenn der Olli statt dem Jens… Der Olli hätte das Einsnull gehalten, da bin ich mit sehr sicher. Naja, ist viereinhalb Jahre her. Man kann ja mal reinschauen, auch wenn’s nur ein Freundschaftsspiel ist.

Wobei Mittwoch tatsächlich der einzige Abend ist, an dem sich das Einschalten des Fernsehers auch ohne Fußball lohnt: Um 20 Uhr 15 bringt Das Vierte „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“, einen der besten Louis-de-Funes-Filme überhaupt, und um 22 Uhr 15 sendet Tele 5 einen schönen, alten Jackie Chan: „Sie nannten ihn Knochenbrecher“, den ersten Film der Drunken-Master-Serie, ein herrlich unernster Prügelquatsch.

Am Donnerstag kommt eine schöne Horrorfilm-Parodie ins Kino: „Tucker & Dale vs. Evil“. Feierwütige Studenten treffen auf Hinterwäldler, das Übliche, aber dieser Film arbeitet mit umgekehrten Vorzeichen: diesmal sind die Studenten die neurotischen Killer. Hübsch gemacht, stellenweise sehr komisch, aber letztlich wohl doch eher was für Kenner des Genres, die die zahllosen Zitate einordnen können.

Auf DVD kommt „Themba“ heraus, ein in Südafrika verortetes Melodrama mit Fußballhintergrund. Kindesmißbrauch, Gewalt, Vergewaltigung, Prostitution, AIDS, und dann auch noch Jens Lehmann als Trainer… da kommt’s wirklich knüppeldick.

Sportlich ist außer Länderspiel und Bundesliga-Routine einiges los, morgen beginnt die Alpine Ski-WM in Garmisch, Übertragungen auf ARD/ZDF/ Eurosport bis zum 20. Februar. Am Freitag überträgt Sport1 Eishockey, das Slovakia-Cup-Spiel Deutschland-Slowakei, und Sonnabend kann man ebenfalls auf Sport1 Rugby gucken, Six Nations Cup, Italien-England. Viel Spaß!

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Showdown am O.K. Corral – die besten Wyatt-Earp-Filme

Der junge Wyatt Earp

Wohl die wenigstens Männer seiner Zeit hätten gedacht, dass der Mann, der am 13. Januar 1929 für immer die Augen schloss, friedlich in seinem Bett sterben würde. Aber da er meistens genau das Gegenteil von dem tat, was seine Gegner erwarteten, starb Wyatt Earp nicht in seinen Stiefeln, sondern schlief in einem Appartement in Los Angeles, wo er als Berater an diversen Stummfilm-Western gearbeitet hatte, friedlich ein. Todesursache war keine Bleikugel, sondern ganz banal eine chronische Harnblasenentzündung. Earp wurde 80 Jahre alt, ein Alter, dass keiner seiner Freunde und erst recht keiner seiner Gegner erreicht hat. Dass ein Mann wie er – Revolverheld, Postkutschenfahrer, U.S. Marshal, Spieler, Büffeljäger, Kopfgeldjäger, um nur einige seiner Berufe zu nennen – dieses Alter erreicht hat, darf man als eins der größten Wunder der Weltgeschichte bezeichnen.

Wyatt's Wumme

Galt er bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts noch als Held der Eroberung des Westens, hat sich seitdem eine differenziertere Schicht auf diese schillernde Figur durchgesetzt, auf einen Mann, der gern das Recht brach, wenn er es hätte verteidigen sollen und der durchaus bereit war, seine Ideale zu opfern, wenn es ums nackte Überleben oder eine größere Summe Geldes ging. Trotzdem: Männer wie ihn scheint es heutzutage – leider oder gottseidank? – nicht mehr zu geben, auf wenn könnte das abgedroschene Klischee „larger than life“ besser passen als auf ihn?
Earps Leben und vor allen Dingen der Gunfight am O.K. Corral in Tombstone sind der Stoff, aus dem Hollywood Träume herstellt. Wir empfehlen die fünf, Quatsch, er trug einen Six-Shooter, die sechs besten Wyatt-Earp-Filme:

6. Doc
Tolle Idee – die Wyatt-Earp-Story mal durch die Augen Doc Holidays zu erzählen. Toller Schauspieler, nämlich Stacy Keach als Doc Holliday, wohingegen Wyatt Earp  von Harris Yulin gegeben wird, das ist ungefähr so als würde man Daniel Küblböck mit der Titelrolle einer Schwarzenegger-Biografie betrauen, also vollkommen daneben, wie leider der ganze Film. Ein hilfloser Versuch, mit einer ur-amerikanischen Geschichte einen Italo-Western zu drehen – man hockt kopfschüttelnd da und fragt, warum, ohne eine Antwort zu erhalten. Sogar Faye Dunaway als Katie Elder reißt’s nicht raus. Als Dokument des 70er-Jahre Zeitgeists (als Earp also schon über 40 Jahre tot war) hat das ganze jedoch einen gewissen Reiz. Und Stacy Keach ist Mike Hammer Stacy Keach.

5. Wyatt Earp – das Leben einer Legende (Wyatt Earp)
Eigentlich ist der Film ganz okay, aber er ist lang. Sehr lang. Verdammt lang. Kevin Costner macht, was er immer macht, das passt ganz gut, und Dennis Quaid ist als Doc Holliday ganz okay. Vielleicht hat man nur zuviel Zeit, Kostner zuzugucken (der Film ist recht lang), da fangen die Gedanken an zu wandern, das ist so bei Filmen, die ganz okay, aber nicht wirklich gut sondern viel zu lang sind. Der ganzen Sache fehlt einfach die Struktur. Der Film fängt irgendwie an, dann passiert dies, dann passiert das, alles ganz okay, aber es zieht sich, und irgendwann, nach viel zu langer Zeit, ist der Film dann vorbei. Der Film hat zwei Probleme. Erstens ist er nur ganz okay und nicht wirklich gut. Zweitens ist er zu lang. Und repetitiv ist er auch noch!

4. Die fünf Geächteten (Hour of the Gun)
Eine unterschätzte Western-Perle. James Garner kann viel mehr als Maverick (wobei Maverick schon hammermäßig gut ist), Jason Robards als Doc Holliday ist ein Glücksfall, und dass der Film mit der Schießerei am O.K. Corral anfängt und die viel spannendere Geschichte der Earp Vendetta verfälscht erzählt, ist eine schöne Abwechslung. Die Dialoge sind ebenso kernig (Doc Holliday zu einem Typen, der sich wundert, warum er beim Pokern immer verliert: „Du spielst nicht sonderlich gut. Außerdem bescheißt du nicht.“) wie die Atmosphäre. John Sturges, der auch „Zwei rechnen ab“ (s.u.) gedreht hat, konnte Männerfilme drehen wie kein zweiter. In diesem kommt übrigens keine einzige Frau vor.

3. Faustrecht der Prärie (My Darling Clementine)
Was kann man gegen einen klassischen John-Ford-Western sagen? Selbstverständlich nichts, vor allen Dingen nichts gegen ein Meisterwerk wie dieses. Auch wenn diese Geschichte so viel mit dem wahren Wyatt Earp und den Geschehnissen in Tombstone zu tun hat wie Heidi mit dem Kamasutram, wir wollen nicht zimperlich sein. Wenn wir die Wahl haben zwischen einer knackigen Legende und der tristen Realität, nehmen wir immer die Legende, wie Ford selbst in „Der Mann der Liberty Vallance erschoss“ postulierte. Henry Fonda transportiert die typische John-Ford-Mixtur aus Understatement und Pathos mit der gleichen Expertise wie John Wayne, Victor Mature wächst als Doc Holliday über sich hinaus und spielt die Rolle seines Lebens, und wenn Leute wie Linda Darnell, Walter Brennan und Ward Bond sich um die Nebenrollen kümmern, kann einfach nichts schiefgehen.

2. Zwei rechnen ab (Gunfight at the O.K. Corral)
Dieser Film hat gegenüber allen anderen Earp/Holliday-Streifen zwei Vorteile. Sie heißen Burt Lancaster und Kirk Douglas, zwei großartige Schauspieler, die in ihren gemeinsamen Filmen unfehlbar zu absoluter Höchstform aufliefen. Ansonsten ist dieser Film ein genauso pathetischer Quatsch wie die John-Ford-Variante – mit ähnlich brillant besetzten Nebenrollen, u. a. der junge Dennis Hopper als Billy Clanton und DeForest Kelley (Pille McCoy von der Enterprise) als Morgan Earp – macht aber noch einen Tick mehr Spaß. Was an Dimitri Tiomkins brillanter Musik, John Sturges‘ (der aus mir vollkommen unerfindlichen Gründen diesen Film nicht sonderlich mochte) kerniger Inszenierung und an den wüstenstaubtrockenen Dialogen liegt. Kostprobe gefällig?
Earp: We’d like you to come to the wedding, Doc, – if it doesn’t interfere with your poker.
Doc Holliday: I’m not good at weddings – only funerals. Deal me out.

1. Tombstone
Dieser Film ging seinerzeit im Hype um den Kevin-Kostner-Wyatt-Earp ziemlich unter, was ein Jammer ist. Er hat mit Kurt Russell einen herrlich knarzigen Earp mit James-Finlayson-Schnurrbart, den wirklich besten Doc Holliday aller Zeiten (dass Val Kilmer für diese absolut brillante Leistung keinen Nebenrollen-Oscar bekommen hat ist ein ewiger Schandfleck für die Academy) und in der Tat sogar noch bessere Dialoge als „Zwei rechnen ab“ (Wyatt Earp: Well, I’ll be damned. – Doc Holliday: You may indeed, if you get lucky.). Warum dieser Film letztlich alle anderen Earp-Filme aus dem Felde schießt schlägt: Er nimmt die ganze Sache und sich selber überhaupt nicht ernst. Er erzählt die ganze, hundertfach erfundene Geschichte (die eigentliche Schießerei am O.K. Corral war ein von nackter Panik geprägtes chaotisches Geballer, das gerade mal 30 Sekunden dauerte) als augenzwinkernde Achterbahnfahrt, für die man reichlich Popcorn mitnehmen sollte, und macht deshalb am meisten Spaß.

Fotos: By Sbharris at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons (Earp)
By Evb-wiki at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons (Waffe)

Der erste Hippie

Cover des ersten Tarzan-Romans

Mein Bruder ist wegen Tarzan von der Schule geflogen. Er hat im Biologie-Unterricht heimlich einen Tarzan-Comic gelesen. Dabei wurde er von Dr. Z., dem Biologie-Lehrer ertappt, der das Heft natürlich sofort konfiszierte. Während Dr. Z. dann – mit sich und der Welt sehr zufrieden – weiter über irgendeinen biologischen Quatsch daher schwadronierte, nahm mein Bruder ein neues Heft aus der Schultasche und vertiefte sich wieder in die unglaublich spannenden Abenteuer Lord Greystokes, den man im Dschungel Tarzan nannte. Der Comic muss sehr spannend gewesen sein, denn er war von seiner Lektüre so gefesselt, dass er nicht merkte, wie Dr. Z. sich ihm ein zweites Mal näherte. Und weg war das nächste Tarzan-Heft. Mein Bruder nahm es mit Gelassenheit: er war grundsätzlich auf alles vorbereitet und hatte immer ausreichend Lesestoff dabei. Also holte er das nächste Tarzan-Heft aus seiner Schultasche, vertiefte sich in die Lektüre, und… als Dr. Z. ihm das dritte Tarzan-Heft wegnahm, durfte Thomas ihn auch gleich zum Direktor der Lehranstalt begleiten…
Soviel Aufregung um ein paar Tarzan-Hefte ist heutzutage einigermaßen erstaunlich. Zwar galten damals, in den fünfziger Jahren, Comics („Heftromane“) per se als „Schund“, der die Jugend verdirbt, aber Tarzan war das schlimmste, was man sich vorstellen konnte. So schlimm, dass die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die Tarzan-Hefte „Tarzan – Der Riese aus grauer Vorzeit“ und „Tarzan – Der Urwald brennt“ am 9 Juli 1954 als erste Comics überhaupt auf den Index setzte. Es handele sich um Schriften, die auf Jugendliche „nervenaufpeitschend und verrohend wirken“ und die sie „in eine unwirkliche Lügenwelt versetzten“, so das Urteil, „derartige Darstellungen seien das Ergebnis einer entarteten Phantasie“ (lt. sueddeutsche.de).
Naja, gut, „unwirkliche Lügenwelt“ kommt irgendwie hin, aber „entartete Phantasie“ geht gar nicht. Schließlich war Tarzans Erfinder, Edgar Rice Burroughs, Science-Fiction-Autor, was sag ich, er war einer der Gründerväter der modernen Science Fiction, der heute noch in den USA als Klassiker der utopischen Literatur geht. Und die Tarzan-Reihe war seine erfolgreichste Kreation, ein enorm populärer Welterfolg von zuvor nicht gekannten Dimensionen, denn Tarzan verließ bald die Buchdeckel und eroberte sein Publikum in den verschiedensten Medien.
Bereits 1918, sechs Jahre nach dem Erscheinen der ersten Tarzan-Geschichte, kam der erste Tarzan-Film heraus, an die hundert weitere sollten folgen. Im Radio wurden Hörspiele gesendet, am 7. Januar 1929, heute vor 82 Jahren, erschien der erste Tarzan-Comic, gezeichnet von Hal Foster, der später mit Prinz Eisenherz in den Comic-Olymp einziehen sollte, vor ein paar Jahren schaffte es der König des Dschungels sogar auf die Musical-Bühne… kein anderer Pop-Mythos hat die Menschen über Generationen hinweg immer wieder so fasziniert wie Tarzan.
Mit Tarzan hatte Burroughs den Urvater aller Superhelden geschaffen: einen von Affen aufgezogenen Mensch, der gleichzeitig zivilisiert und wild, freundlich und rücksichtslos, vernunft- und instinktgesteuert ist. Zwei Seelen kämpfen in ihm und zwingen ihn – bei allen übermenschlichen Taten, die er vollbringt – zur ständigen Selbstreflexion. Das ist das Material, aus dem man Figuren schafft, die den Leser damals wie heute fesseln, vom Jugendlichen bis zum Erwachsenen.
Was damals die Jugendschützer jedoch auf den Plan rief, das war Tarzans Lebensweise. Der Mann hatte die gesellschaftlichen Schranken hinter sich gelassen, lebte in einem (Baum-) Haus, das er nicht bezahlt hatte, bevorzugte rhythmische, von Trommeln dominierte Musik, trug die Haare lang, pflegte eine „Zurück-zur-Natur“-Lebensweise und ließ sich von niemandem etwas sagen… Richtig, Edgar Rice Burroughs hat mit Tarzan den ersten Hippie geschaffen, und eine solche Figur musste in den sittenstrengen, verklemmten Fünfziger Jahren Misstrauen erregen.
Und doch hatten die Jugendschützer recht. Tarzan hatte mit seiner frechen Ablehnung jeglicher Autorität einen schädlichen Einfluss auf die heranwachsende Jugend, wie man am Beispiel meines Bruders sieht. Dem wurde im Büro des Schuldirektors eine goldene Brücke gebaut, er brauchte sich nur zu entschuldigen, dann würde man es bei einer Androhung des Verweises von der Anstalt belassen. Mein Bruder nickte, entschuldigte sich halbherzig und fragte dann mit der typischen, rebellischen Arroganz des Dschungelkönigs: „Kann ich jetzt meine Tarzan-Hefte wieder haben?“
Fortan besuchte er das Gymnasium im Nachbarort. Und las Tarzan während der Bahnfahrt dorthin.

Die besten Tarzan-Links:
Die „offizielle“ Tarzan-Seite
Die Welten von Edgar Rice Burroughs
Englische Tarzan-Bücher im Project Gutenberg
Der Tarzan-Schrei in der englischen Wikipedia
Tarzan-Comics in der englischen Wikipedia
Homepage von Burne Hogarth, dem vielleicht bekanntesten Tarzan-Comics-Zeichner
Die Tarzan-Filme (englisch)

8, 9, aus… die zehn besten Box-Filme aller Zeiten

BoxhandschuheSeien wir ehrlich: 95 Prozent der Boxkämpfe, mit denen wir derzeit am Samstag abend gequält werden, kann man knicken. Wer will denn zum xten Mal sehen, wie ein Klitschko auf irgendwelches Fallobst eindrischt? Oder wie irgendein namenloser Boxer aus dem Sauerland-Stall mal wieder seinen Hang zum Pazifismus entdeckt, wenn er ein Ringseil sieht? Muss wirklich nicht sein.
Wenn Michael Buffer nervt, bleibt der Griff zur  DVD. Einen gut gemachten Box-Film kann man  immer anschauen. Hier sind meine Top Ten.

ausgezählt und nicht mehr in der Wertung:
Ali

Der Film über den größten Boxer aller Zeiten nicht mehr in den Top Ten? Leider ja. Trotz einer recht inspirierten Vorstellung von Will Smith: dieser Film gibt uns allenfalls eine Ahnung von dem einmaligen, federleichten Fighter, der Ali einmal war. Der Film geht über die volle Distanz (zwoeinhalb geschlagene Stunden) und ist entschieden hüftsteif, ganz im Gegensatz zu dem Mann, der wie ein Schmetterling tanzte und wie eine Biene stach.

10. The Hurricane

Den wollte ich eigentlich nicht in den Top Ten haben, weil ich Denzel Washington für einen gnadenlosen Langeweiler halte, und dieser Streifen ist sowas von gut gemeint und politisch korrekt, es ist zum Kotzen! Dummerweise ergreift er einen aber auch, wenn man länger als eine Viertelstunde zuguckt, und Washington ist diesmal mehr tatsächlich mehr gut als langweilig. Ein Box-Film der eigentlich nicht gut sein sollte, es aber trotzdem ist. Als Kontrastprogramm zu einem überflüssigen Klitschko-Fight kann man sich den jederzeit reinziehen

9. Golden Boy

Ein total idiotischer Plot (Junge, der tolle Geige spielen kann, kann auch toll boxen und muss sich entscheiden), ein kruder Genre-Mix (Coming-of-Age, Gangster, Boxen) und eine einigermaßen ungelenke Inszenierung… was will dieser Film in den Top-Ten? Nu ja, William Holden und Barbara Stanwyck reißen’s raus und haben das eigene Sub-Genre der Golden-Boy-Remakes (Junge, der irgendwas anderes besser kann, muss sein Geld mit Boxen verdienen) kreiert. Eins der Beispiele, wo der kopfschüttelnde Dramaturg widerlegt wird: ein Film, der gegen alle Regeln verstößt, und gerade deswegen Jahrzehnte überdauert.

8. Die Hölle ist in mir – Somebody up there likes me

„No one ever hit me harder than Rocky Graziano“, sagte Sugar Ray Robinson über den Mann, dessen Leben die Vorlage für diesen Film gab, und wir geben das Kompliment an den Mann weiter, der Graziano spielt, Quatsch, der uns Graziano mit süffisantem Grinsen in die Fresse haut: Paul Newman! Nobody hits us harder…
Und natürlich gewinnt dieser Film den Preis für den idiotischsten deutschen Titel. Der Typ, der von „Somebody up there likes me“ auf „Die Hölle ist in mir“ gekommen ist, muss 12 Runden gegen Tyson gegangen sein.

7. The Fighter

Stark beeindruckendes Bio-Pic über Boxlegende „Irish“ Micky Ward und seinen Weg vom „Sprungbrett“ (einem Boxer, den man auf dem Weg zur Titelverteidigung schlagen muss) zum Champion. Kaum zu glauben, dass der Film auf Tatsachen beruht. Kaum zu glauben, wie der Film die Wende vom düsteren Sozial-Drama zum Feelgood-Movie schafft. Kaum zu glauben, wie gut Christian Bale als cracksüchtiger Box-Trainer ist.

6. Million Dollar Baby

Okay, Frauenboxen. Selbstverständlich grenzwertig. Aber Hilary Swank hat einen gemeinen Punch drauf, she’s a contender. Und es ist ein Eastwood-Film. Es ist eine Schande, dass Eastwood nie selber einen Boxer gespielt hat (warum eigentlich nicht?), jetzt ist er zu alt, also ist „Million Dollar Baby“ das beste, was wir von diesem herausragenden Mann bekommen werden: den besten Box-Trainer-Film aller Zeiten. Der Schluss ist herzzerreißend.

5. Rocky

Stallone häuft Klischee auf Klischee und Zitat auf Zitat, aber irgendwie ist es ihm gelungen, mit dem Underdog-Haudrauf Rocky Balboa einen Charakter zu schaffen, der größer ist als er selbst. Echte Box-Fans schließen angesichts der Ring-Szenen, die eher an Wirtshausprügeleien als an tatsächlichen Boxsport erinnern, entnervt die Augen, aber wer Rocky Balboa nicht mag, hat kein Kämpferherz in der Brust. Das 1:1-30-Jahre-später-Remake „Rocky Balboa“ von 2006 ist die Mutter aller „Alter-Sack-kann-es-noch“-Filme.

4. When we were Kings – Einst waren wir Könige

Passt als Doku eigentlich gar nicht in diese Aufzählung, aber da es um einen der faszinierendsten Fights aller Zeiten geht, und niemand Foreman und Ali so gut spielen kann wie Foreman und Ali selber (sorry, Will Smith) geht Rang 4 wohl in Ordnung. Hat so ein gewisses „Wunder von Bern“-Feeling: Obwohl man genau weiß, wie’s ausgeht, fiebert man mit und drückt Ali die Daumen. Rope-a-Dope!

3. Gentleman Jim – Gentleman Jim, der freche Kavalier

Es ist unmöglich, ohne ein breites Grinsen auf dem Gesicht aus einem Errol-Flynn-Film  herauszukommen, und aus diesem schon gar nicht. Die augenzwinkernd-sportive Eleganz, mit der Flynn James J. Corbett (oder besser gesagt, einen Typen, der entfernt etwas mit dem tatsächlichen Jim Corbett zu tun hat) spielt, ist unnachahmlich. Und Ward Bond als John L. Sullivan (der mit seinem historischen Vorbild genauso wenig zu tun hat) gibt einen wunderbaren Antagonisten der Snidley-Whiplash-Klasse ab. Ein Riesenspaß.

2. Raging Bull – Wie ein wilder Stier

Knapp nach Punkten geschlagen: der zweitbeste Box-Film aller Zeiten mit dem besten Boxer-Darsteller aller Zeiten. Wie de Niro Jake la Motta spielt, ist schlichtweg atemberaubend, vor allen Dingen in den Szenen im Ring. Man sieht keinen Schauspieler, der einen Boxer spielt, man sieht einen vom Kampf besessenen Fighter, der alles gibt. Elektrisierend.

1. Champion – Zwischen Frauen und Seilen

Ein steinalter Kirk-Douglas-Film, den keine Sau kennt, soll der beste Box-Film aller Zeiten sein? Doch, unbedingt. Die Art und Weise wie Douglas hier den begnadeten Stinkstiefel Midge Kelly gibt, ist schlichtweg weltmeisterlich, wie der ganze Film: schmissige Musik, kernige Dialoge, kontrastreiche Schwarz-Weiß-Bilder… der Film hat alles, was ein Fighter braucht: Technik, Stil, Punch, Power und Speed – so sieht der Weltmeister aller Klassen aus.

Foto: A. Dengs / pixelio.de