Haudegen?

Seit ein paar Monaten geistert ein Phänomen namens „Haudegen“ erfolgreich durch die Ohren Musik hörender Männer. „Haudegen“ ist eine Band, gefrontet von Hagen Stoll (in einem vorigen Leben u.a. als Rapper Joe Rilla unterwegs) und Sven Gillert, der Musikstil schwankt zwischen Deutschrock und Schnulze, das im Mai veröffentlichte Doppelalbum „Schlicht und ergreifend“ kam in die Top Ten und das Image von Haudegen ist… anders. Wirklich nicht metro-sexuell. Eher retro-männlich? Mit Sicherheit minutiös durchkalkuliert. Schauen wir mal…

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=Id6zOAbXb0A

Alles klar. Der Testosteron-Spiegel steht auf Anschlag, Klaus Lage haben sie komplett und ihr Manufactum-Katalog ist voller Eselsohren. Männlicher geht kaum.
Als ich das Video zum ersten Mal durchgeschaut habe, hab ich gleich auf „nochmal abspielen“ geklickt, weil ich nicht glauben konnte, was für ein durchgeknalltes Bekenntnis zu Postkarten-Männlichkeit, Pfadfinder-Lagerfeuer-Träumen und hemmungsloser Sentimentalität ich da gerade gesehen und gehört hatte. Der zweite Klick war ein Fehler, denn spätestens beim zweiten Hören hat sich der Titel gnadenlos im Ohr festgekrallt, den wird man tagelang nicht mehr los. Trotz der etwas fahrig zusammengestoppelten Lyrics. Apropos Lyrics…

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=0-0aYENyc-I

Mir steht die Scheiße bis zum Hals,
sieh mich nicht so an.
Denn ich tue was ich kann.
Ich bin ein einfacher Mann.

„Einfach“ ist in der Tat das Stichwort. Herrgottnochmal, ein bisschen mehr Mühe könnten sie sich mit den Texten wirklich geben, dieses Gestammel zieht einem ja die Schuhe aus! Andererseits stimmt die Atmosphäre des Songs, das Videos ist super produziert, und auch diesen Mut zu komplett Ironie-freier Direktheit muss man erstmal aufbringen. Und dann ist da ja noch…

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=aPY3xpzfHeY

Okay, wir sind zu Hause angekommen. Jungs bleiben Jungs, Tom Sawyer trifft Huck Finn, es soll wieder so sein wie früher, in der wundervollen Abenteuer-Jugend, die wir niemals hatten. Komm mit ins Hartmut-Engler-Land, der Eintritt kostet den Verstand. Trotzdem muss man auch hier wieder den Hut ziehen: Trotz des eher ungelenk dargebotenen Pathos ist auch das ein sehr, sehr gut gemachtes Video.
Und schaut man sich die Haudegen-Website an, setzt sich der Eindruck totaler Professionalität fort. Hier hat jemand eine männliche Zielgruppe und deren Vorlieben ganz genau analysiert und bedient deren Vorlieben und Abneigungen höchst präzise und mit absolutem Stilwillen.
Was mich letztendlich stört, ist – wie gesagt – die beinahe völlige Abwesenheit von Ironie bei diesem Projekt. Wäre da nicht gelegentlich eine durchaus rührende Tapsigkeit, mit der Haudegen ihre klischee-lastigen Geschichten von Einsamkeit und Wehmut erzählen, dieses weinerliche Designer-Retro-Mannestum wäre unerträglich.
Letztlich bin und bleibe ich in meiner Einschätzung unschlüssig, was die Haudegen-Männer angeht. Denn trotz der zahlreichen Einwände, die ich gegen die Band habe, irgendwo gefallen die mir doch. Marktforschung hin, Zielgruppenkalkül her, ein paar Songs machen wirklich Spaß, und die Jungs kommen auch in Interviews ziemlich sympathisch rüber.
Mich würde interessieren, was andere Männer von Haudegen halten. Vielleicht haben ein paar von euch ja Lust, in den Kommentaren was dazu zu sagen. Oder einfach hier beim Poll was anzuklicken.

Was haltet ihr von Haudegen?

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