Früher war alles besser – Der apochromatische Anachronismus, 3. Teil

Im ersten Teil dieser kleinen Serie haben wir uns mit der Photographie als elitäres Hobby humanistisch geschulter Professoren, Ärzte, Apotheker und Künstler befasst. Im zweiten Abschnitt unserer kleinen Reihe ging es um die Entwicklung. Nicht die von Filmen, sondern um die Entwicklung der Photographie zur Fotografie als Hobby für die Massen. Alle guten Dinge sind drei: Auf Film fotografieren, die Dias dann scannen und selbst ausdrucken: Die Renaissance des Heimlabors!

Mein allererstes Foto habe ich am 21. Mai 1970 gemacht. Es war der 30. Geburtstag meiner Mutter…

Ich habe vor einigen Jahren das Foto-Archiv meines Vaters gescannt. Viele Dias waren schon arg ausgebleicht. Aber mit einem guten Filmscanner und Photoshop konnten die meisten Bilder gerettet werden. Dank moderner Technik sehen sie jetzt sogar besser aus als vor 40 Jahren. Wenn meine Eltern in den 60igern „digital“ fotografiert hätten: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die wahrscheinlich kilometerlangen Lochstreifen heute irgendwie auslesbar wären.

... ihre Voigtländer Vito BL von 1956 habe ich seitdem nicht mehr hergegeben.

Wenn Dir diese Argumente immer noch nicht ausreichen, es einmal mit einer schönen, gerne auch alten, Kleinbildkamera und Film zu versuchen: Mach ruhig das selbe Foto zwei Mal. Einmal mit Deiner kompakten, stylischen Digicam und einmal mit einer Kleinbildkamera, die mal in Mark ungefähr das selbe gekostet hat. Das selbe Motiv, der selbe Ausschnitt. Lass beide Fotos auf die selbe Größe abziehen, sagen wir, 13 mal 18 Zentimeter. Lege die Prints nebeneinander. Den Unterschied siehst Du wahrscheinlich auf den ersten Blick: Hier eine eher künstliche Tiefenschärfe über die gesamte Aufnahme. Und dort das Hauptmotiv zwar scharf, doch mit einem angenehmen Verlauf: Vorder- und Hintergrund verschwinden stufenlos in Unschärfe, das Foto wirkt ungemein plastisch, fast schon dreidimensional. Dass der bewusste Einsatz von Schärfe und vor allem Unschärfe eines der wichtigsten Gestaltungsmittel ist, hat man im allgemeinen Digihype lange Zeit vergessen. Geschuldet ist dieser Umstand der ewigen Hatz nach noch kleineren, schlankeren Kameras. Möglich ist die nur, wenn der Sensor sehr klein ist und das Objektiv eine kurze Brennweite hat. Eine Ausnahme sind in diesem Punkt nur Digitalkameras mit einem Sensor, der mindestens das APS-C-Format hat.

Blende auf, Summicron 90 und ein Diafilm in der Leica: Mehr braucht’s nicht...

Und hier schließt sich der Kreis: Du kannst für relativ wenig Kohle das eine tun, ohne das andere zu lassen. Die Objektive von Nikon oder Canon EOS passen sowohl auf die Gehäuse der digitalen, als auch klassischen Kameragehäuse. Man muss zwar, je nach Modell und Objektivgeneration mit gewissen Komfort-Abstrichen rechnen, aber in vielen Fällen ist die Kombination möglich. Die Kameras dazu findest Du im Second-Hand-Fenster von Fachhändlern und natürlich bei Online-Auktionen. Oft bekommst Du eine gut erhaltene Spiegelreflex aus den Achzigern oder sogar Neunzigern für weniger, als ein neues Taschenbuch kostet. Sucherkameras aus den späten 50igern sind oft sogar noch günstiger und haben ein ganz spezielles Flair. Es muss nicht immer die Leica sein. Aber sogar die ist gebraucht mittlerweile durchaus erschwinglich geworden.

Meine erste „richtige“ Spiegelreflex: Nikon FE von 1980. Eine schöne, klassische Spiegelreflex. Kameras dieser Art gibt es heute für wenig Geld. Ein Versuch damit lohnt sich!

Wenn Du Dich ein wenig mit der „Retro-Technik“ befasst, kommst Du damit erstaunlich schnell zu ansprechenden Ergebnissen. Auch wenn Du noch nie eine M-Leica in den Händen hattest, fühlst Du Dich schnell vertraut. Wunderbar ausgewogen, angenehm und satt liegt sie in der Hand, nicht zu leicht und nicht zu schwer. Die Blenden rasten spürbar sauber ein, der geschmeidige Fokussierring und der leise, mechanische Verschluss sprechen vor allem diejenigen an, die lieber einen Chronometer mit Handaufzug Schweizer Herkunft, als eine Digitaluhr aus Fernost am Handgelenk tragen. Sich lieber mit einem edlen Dachs und Rasiercreme einschäumen als zur Dose greifen. Und dann mit einem Fatboy oder Wacker rasieren…
Ergo: Es lohnt sich durchaus, mal wieder die gute alte Kleinbildkamera aus dem Wohnzimmerschrank zu holen. Und wenn Du es nur machst, weil Du das Gefühl genießen willst, wieder mal auf ein Kuvert mit entwickelten Dias im Briefkasten zu warten…
Mit der Leica MP beim Oldtimer Grand Prix am Nürburgring.Ansel Adams, wohl der beste Fotograf, der jemals mit einem Packesel durch den Yosemite -Nationalpark gelatscht ist, hat es einst sehr präzise benannt: Das Negativ (bzw. Dia) ist die Komposition. Die Vergrößerung ist die Aufführung. Genauso wie die beste Sinfonie bei einem uninspirierten Orchester zum Gedudel wird, wird auch ein Abzug aus dem Großlabor nie das exakt wiedergeben, was der Fotograf mit dem Bild aussagen will. Bis vor wenigen Jahren war deshalb ein eigenes Labor der Traum jedes Hobbyfotografen. Heute brauchst Du keine Dunkelkammer mehr. Der PC, ein guter Scanner und ein hochwertiger Fotodrucker schließen den Kreis: Das Beste aus zwei Welten.

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

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Treffen der Motorsport-Legenden: Der Oldtimer Grand Prix am Nürburgring

Am Nürburgring geht die Post ab

Wenn der traditionsreichste deutsche Automobilclub AvD einmal im Jahr zum AvD-Oldtimer-Grand-Prix lädt, strömen Fans klassischer Automobile aus aller Welt an den Nürburgring. Denn bei keiner anderen historischen Rennveranstaltung in Europa gibt es eine solche Bandbreite und so viele außergewöhnliche und seltene Sportfahrzeuge aus über acht Jahrzehnten Motorsportgeschichte zu sehen. Nun steht der Termin für die 39. Auflage des AvD-Oldtimer-Grand-Prix fest: In fast genau sechs Wochen, vom 12. bis 14 August 2011, wird der Ring einmal mehr zum rollenden Museum. Rund 600 Teilnehmer und über 60.000 Besucher werden erwartet.

Vom Tourenwagen-Zwerg bis zum Formel-1-Boliden

Unverkennbar Lotus

Monoposti und Tourenwagen, Sportwagen und GTs werden am zweiten Augustwochenende den legendären Nürburgring bevölkern, um Legenden lebendig werden zu lassen. Die Spanne der zwölf Rennen und Gleichmäßigkeitsprüfungen reicht von den frühesten Zeiten des Rudolf Carraciola in den 20er Jahren bis zu jener Ära der Formel 1, in der die Weltmeister Niki Lauda und Keke Rosberg hießen. Tourenwagen und GTs aus der frühen Nachkriegsära bis zu den Boliden aus DTM und Deutscher Rennsport-Meisterschaft erinnern an die Höhepunkte der nationalen Motorsportszene. Sportwagen-Prototypen und Grand-Prix-1-Boliden erlauben mit begeisternden Rennen einen Rückblick auf die internationalen Top-Klassen.

Jubiläumsrennen für britische Ikone

Ein E-Type in Front

Auf eine Zeitreise in die wilden 60er, die Swinging Sixties, entführt das diesjährige Geburtstagskind: Der Jaguar E-Type wird 50 und die Besitzer der britischen Ikone freuen sich schon darauf, sich während des AvD-Oldtimer-Grand-Prix bei einem eigenen Rennen zu duellieren – bei der „Jaguar E-Type Challenge“. Der Supersportwagen mit der unverwechselbaren Silhouette wurde zwischen 1961 und 1975 rund 70.000-mal produziert und begeistert immer noch alle Generationen. Von den Lesern des britischen „Daily Telegraph“ wurde der E-Type beispielsweise vor wenigen Jahren auf Platz 1 der Liste der 100 schönsten Autos aller Zeiten gewählt.

Außergewöhnliche Boxenatmosphäre

Boxengasse

Ein weiterer Blickfang wird in diesem Jahr das historische Fahrerlager am Nürburgring, das momentan aufwendig restauriert und in seinen Urzustand zurückversetzt wird. Die charakteristischen Wellblech-Garagen sind die weltweit ältesten noch erhaltenen und wurden 1927 mit der Rennstrecke in Betrieb genommen. Nach alten Unterlagen gebaute Emaillelampen sowie neu aufgetragene alte Farbmischungen werden nun für besonderen Glanz sorgen. Die Vorkriegsmodelle, die während des AvD-Oldtimer-Grand-Prix starten und ausgestellt werden, kehren also diesmal in ihre ureigene Kulisse zurück. Den Zuschauern und Oldtimer-Freunden steht aber selbstverständlich neben dem historischen auch erneut das „neue“ Fahrerlager an der Start-Ziel-Geraden offen, es lädt ein zum Flanieren und zur Foto-Safari. Die Mischung aus Motorsport zum Anfassen und historischem Rennspektakel macht den AvD-Oldtimer-Grand-Prix so einzigartig. Für die besondere Atmosphäre sorgen auch die zahlreich vertretenen Markenclubs, die ihre liebevoll polierten Klassiker rund um den Ring präsentieren werden. Die Einkaufsmeile lockt zudem mit Literatur und Accessoires, Ersatzteilen und Equipment.

Action und Faszination von Freitag bis Sonntag

Action ohne Ende

Bereits am Freitag wird der AvD-Oldtimer-Grand-Prix mit einem Klassik-Highlight eröffnet, das mittlerweile selbst schon ein Klassiker ist: Die 21. Auflage des AvD-Historic-Marathon auf der Nordschleife und GP-Strecke lässt die Langstrecken-Tradition der längsten und spektakulärsten Rennstrecke der Welt aufleben. Höhepunkte am Samstag und Sonntag sind die spektakulären Formel-1-Boliden der 60er und 70er Jahre, die flankiert werden von einem einmaligen Programm, in dem sich Fahrzeuge aller Epochen und Rennsportklassen annähernd im Halbstundenrhythmus abwechseln. Bis in die Abendstunden hinein geht es am Samstag, an dem die zweisitzigen Rennwagen und GTs der 50er und 60er Jahre gegen 20.30 Uhr zum einstündigen Rennen auf die Strecke gehen und in der Dämmerung Le-Mans-Flair verbreiten. Ein Höhepunkt unter den zahlreichen Präsentationen legendärer Fahrzeugmarken ist in diesem Jahr der Auftritt der Mercedes-Legenden, die direkt aus dem Werksmuseum zum Ring kommen werden.

Kartenvorverkauf gestartet

Kraftzentrum

Der Kartenvorverkauf für den 39. AvD-Oldtimer-Grand-Prix läuft bereits, an den bekannten Vorverkaufsstellen von CTS/Eventim, online unter www.eventim.de sowie über die Ticket-Hotline 0180 5 311210 (0,14 €/Min aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreis max 0,42 €/Min). Jugendliche bis 17 Jahren haben in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt (ausgenommen ist der Historic Paddock Club).
Tagestickets für Erwachsene kosten Freitag 18 Euro, Samstag und Sonntag 38 Euro, Wochenendtickets 58 Euro. AvD-Mitglieder erhalten beim AvD-Servicecenter in Frankfurt (www.avd.de) bis zum 25. Juli 30% Ermäßigung auf alle Tickets.

Das Beste zum Schluss: 5 x 2 Freikarten für die Leser von „Männer unter sich“

Wem fällt die originellste Bildunterschrift ein?

Welche Bildunterschrift fällt Dir zu diesem Foto ein? Schreib deinen Vorschlag als Kommentar zu diesem Beitrag. Die originellste Bildunterschrift wird von einer Expertenkommission bestehend aus Stefan P. Wolf, Robert Hill und Chris Kurbjuhn ausgewählt und erhält 1 mal zwo Freikarten für das gesamte Rennwochenende und einen Komplett-Set der Maine-Shave-Produkte aus dem Nassrasur-Shop. Die anderen 4×2 Freikarten werden unter allen Kommentierenden verlost. Ihr habt Zeit bis zum 7. 7. 2011 um 24 Uhr, dann ist Teilnahmeschluss und wir schließen die Kommentare zu diesem Beitrag. Von der Teilnahme ausgeschlossen sind alle Mitarbeiter von nassrasur.com und die Autoren dieses Blogs. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Spaß!

Fotos: Robert Hill

Nachtrag: die Verlosung ist beendet, hier geht’s zur Gewinnerliste:

https://blog.nassrasur.com/2011-07-08/and-the-winner-is/

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Früher war alles besser – Der apochromatische Anachronismus, 2. Teil

Im ersten Teil dieser kleinen Serie haben wir uns mit der Photographie als elitäres Hobby humanistisch geschulter Professoren, Ärzte, Apotheker und Künstler befasst. Jetzt, im zweiten Abschnitt unserer kleinen Reihe geht es um die Entwicklung. Nicht die von Filmen, sondern um die Entwicklung der Photographie zur Fotografie als Hobby für die Massen.
Lebendige, spannende Reportagefotos waren ein Traum der erst mit Oskar Barnack’s Leica erfüllt wurde. Kleine Kameras gab es schon vorher. Auch der Massenmarkt Fotografie wurde frühzeitig, im späten 19. Jahrhundert, von George Eastman entdeckt. “You press the button, we do the rest”: Die “KODAK Camera” war die erste Schnappschuss Kamera.
Fotografie für jedermann war also schon vor über 100 Jahren möglich. Für die Industrie zudem ein gutes Geschäft, dem Erfindungsreichtum waren kaum Grenzen gesetzt. Die Kameras wurden immer besser, vielseitiger und leichter zu bedienen. Aber eines blieb immer gleich: Egal wie gut Kamera und Objektiv, wie schön die Farben der Filme waren: Die mussten erst mal entwickelt werden, bevor man die Bilder stolz präsentieren konnte. Das war nie ganz billig. Und mit einem mehr oder weniger langen Zeitraum zwischen Belichtung und Präsentation verbunden. Ergo: Wer auf Film fotografiert, macht sich vor der Aufnahme Gedanken. Denn der Moment, der fotografiert werden sollte, war längst passé, wenn man oft Wochen später die Abzüge in den Händen hielt. Nicht nur über die korrekte Einstellung von Zeit, Blende und Entfernung, auch über die Bildgestaltung. Gute Fotografen haben das Bild fertig im Kopf, bevor sie auf den Auslöser drücken. Das wird durch die elektronische Bildaufzeichnung zwar nicht verhindert, aber auch nicht unbedingt geschult…

Mit der Leica kam eine handliche Kamera für lebendige Reportagen auf den Markt

Ohne groß weiter nachzudenken wird ein Foto nach dem anderen belichtet und bei Digitalkameras, anschließend wieder gelöscht. Der moderne Mensch hat sich halt längst daran gewöhnt, vor Inbetriebnahme eines technischen Geräts durch unzählige Menüs und Untermenüs zu klicken bis es endlich einsatzbereit ist. Einmal programmiert läuft dann alles automatisch. Und so sehen die meisten Aufnahmen dann auch aus. Kein Vergleich zu den wohlüberlegt gestalteten Bildern, die unsere Großeltern noch gemacht haben, als alles noch viel „umständlicher“ war. Denn damals, wie heute bei einer mechanischen Kamera, musste man nur Belichtungszeit, Blende, sowie Entfernung einstellen. Man brauchte weder ein Informatikstudium, noch Englisch- oder Japanischkenntnisse um ein Foto zu machen, an das man sich noch in Jahren gerne erinnert.
Letztendlich ist ein klassischer Fotoapparat ein feinmechanisches und optisches Wunderwerk, das jahrzehntelang seinen Dienst verrichtet. Eine Digitalkamera dagegen ein Eingabegerät für den Computer, das wie Scanner, Tastatur und Maus alle paar Jahre von der nächsten Generation ersetzt wird.

Anfang der 50iger Jahre war die zweiäugige Rolleiflex eine beliebte Reportagekamera

Eine Generation ohne Bilder:
Wir hatten es ja schon mal. Anfang der 90iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wanderten viele Fotoapparate in den Schrank, wo die Super 8-Filmkamera schon ein trauriges Dasein fristete. Videokameras wurden dank Hi8, VHS-C & Co. plötzlich erschwinglich. Jeder, der auf seinen Nachwuchs stolz war, filmte, was das Zeug hielt. Immer feste druff. In Farbe und sogar mit Originalton! Was nix taugt, wird gelöscht! Nicht nur, dass die magnetischen Bänder heute kaum noch in annehmbarer Qualität wiedergegeben werden können, weil der Zahn der Zeit ihnen übel zugesetzt hat: Auch wer sogar noch ein funktionierendes Abspielgerät und einen Fernseher hat, an den dieses angeschlossen werden kann: Diese belanglosen, uninspirierten Machwerke will heute kaum noch jemand sehen.
Doch haben wir damit ein weiteres, wichtiges Argument für den guten alten Film als „Daten“speicher für wichtige Erinnerungen: Zum Betrachten eines Dias reichen zur Not auch eine Lupe und eine Lichtquelle. Beides sollte verfügbar sein, solange sich Menschen auf unserem Planten tummeln. Ein sorgfältig entwickeltes Dia kann, richtig gelagert, viele Jahrzehnte überstehen. Ob es in fünf oder zehn Jahren noch Laufwerke für die DVDs, CDs, Speicherkarten usw. gibt, auf denen wir unsere digitalen Erinnerungen für die Nachwelt festgehalten haben, ist wirklich nicht sicher. Oder kannst Du Dich noch an DAT-Bänder, MO-Laufwerke und ZIP-Disketten erinnern? Hat der Computer, an dem Du grade sitzt, noch ein Diskettenlaufwerk?

Ein Klassiker, der sich noch heute großer Beliebtheit erfreut: Die Leica M3

Im dritten Abschnitt unserer kleinen Reihe geht es um das Beste aus zwei Welten. Lass dich überraschen!

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
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Früher war alles besser – Der apochromatische Anachronismus, 1. Teil

Privat fotografiere ich immer noch am liebsten auf Diafilm. Wenn jemand überhaupt bemerkt, was ich da zum Knipsen in den Händen halte, ernte ich meist verständnislose Kommentare. „So was hatte mein Opa auch mal“ ist noch eine freundlich Version. „Ob denn das digitale Zeitalter völlig an mir vorbeigezogen ist?“

Diese Zeiss-Ikon habe ich aus dem Naschlass einer Ärztefamilie. Der Herr Doktor ist damit in den 10er und 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts durch Bayern gewandert und hat seine Eindrücke vom Leben in Stadt und Land auf Glasplatten belichtet.

Nicht ganz. Denn im beruflichen Umfeld fotografiere ich mittlerweile ausschließlich digital. Digital? Was heißt das eigentlich? Digital, abgeleitet vom lateinischen „Digitus manus“ bedeutet nichts anderes als „Finger“. Und war bei den alten Römern ein Zählmaß. Soll das etwas bedeuten, digital ist das einzige, das wirklich zählt?
Fakt ist: Ob die Aufnahme nun auf Film oder Chip belichtet wird, ist den Photonen reichlich egal. Und dennoch ist es eine ganz andere Vorgehensweise.
Wer auf Film fotografiert, sieht das Ergebnis der Belichtung erst nach der Entwicklung. Das mag in vielen Fällen ein Vorteil der elektronischen Bildaufzeichnung sein. Weil man da das Foto sofort nach der Aufnahme sehen kann. Aber was passiert meist wirklich? Weil es ja nix kostet, wird auf „Teufel komm raus“ solange Datenmüll produziert bis die Speicherkarte voll ist. Die Zeiten, als eine 128 MB-Compact-Flash-Card noch fast 900 Mark gekostet hat, ist ja längst vorbei. Bitte ja nie Freunde um ein paar Fotos, beispielsweise weil Du Dir ein Bild von einem Urlaubsort machen möchtest, den diese schon besucht haben und man selbst mal gern hin möchtest: Du wirst garantiert überschwemmt mit hunderten nichtssagender Fotos. Warum?

Oma und Opa beim Hochzeitsfoto

Weil früher alles besser war. Die Blumen bunter, Tomaten schmeckten nach Tomaten, die Winter waren kälter und die Sommer heißer. Auch wenn gerade dieser Punkt mit der Hitzewelle im Frühjahr 2011 eindrucksvoll widerlegt wurde…
Von Fotos vergangener Tage geht oft eine nicht in Worte zu fassende Faszination aus. Da strahlt Oma mit den Kulleraugen eines Kleinkinds in die Kamera, Urgroßvater sieht aus wie Kaiser Wilhelm höchstpersönlich und präsentiert stolz seine Familie, den Hof und alles was dazugehört. Der Stimmung des Handabzugs auf kartonstarkem, chamoisfarbenem Barytpapier, kann man sich schwer entziehen. Woran liegt das?

Steig mit ein in unsere Zeitmaschine!

Klettern wir also in die Zeitmaschine und reisen zurück in die Zeit, als dieses Foto entstanden ist. Fotoapparate waren groß und kompliziert zu bedienen. Die Verschlusszeiten lagen manchmal auch in praller Sommersonne jenseits der Sekundengrenze. Deshalb wirken die Portraitierten auch meist etwas steif. Der Herr Fotograf reiste wie ein Wanderzirkus von Ort zu Ort, die gesamte Ausrüstung samt Labor auf dem Pferdewagen. Die wenigen Amateure, die sich die Kunst der Photographie leisten konnten und über das nötige Wissen verfügten, waren fast ausschließlich Ärzte. Oder Apotheker, Optiker, Künstler. Sie hatten die alten Meister studiert und wussten über den Bildaufbau genauso gut Bescheid wie über die technischen und chemischen Zusammenhänge. Das neue Medium nutzten sie, um Bilder zu gestalten. Entsprechend wohlüberlegt gingen sie vor, als sie ihre Motive auf die teuren Glasplatten belichteten.

Der Fotograf kommt! Meine Oma und ihre Schwestern bei der Hausmusik (um 1915)

Fassen wir zusammen: Es war teuer, technisch anspruchsvoll und mit viel Schweiß verbunden, bis das Foto „im Kasten“ war.

Im zweiten Teil dieser dreiteiligen kleinen Serie geht es um die Entwicklung. Nicht die von Filmen, sondern um die Entwicklung der Photographie als elitäres Hobby humanistisch geschulter Professoren zur Fotografie als Hobby für die Massen.

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
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Treckerfahren!

1921. Vorstellung des ersten Rohölschleppers HL12. Aha. Und nun? Ja, wisst ihr denn nicht? Rohölschlepper? 1921? Der Ur-Bulldog erblickt das Licht der Welt! Bulldog? Sind das nicht diese merkwürdigen Hunde? Nein, falsch. Hier handelt es sich um den Bulldog, den von Lanz. Die Revolution der Ackerschlepper. Den, der als Beweis seiner Leistungsfähigkeit von Mannheim über Hannover nach Berlin fuhr. Ohne Panne! Und natürlich ohne mich. Denn zum einen gab es nicht mal Planungsansätze für meine Erzeugung, noch hätte ich Spaß daran gehabt, auf einer Blechwanne sitzend 1100km im flotten Schritttempo zu fahren.

Auch die Bereifung hätte – wenn auch definitiv bereits Plattfußsicher – ein Übriges zu einem entspannten Fahrkomfort beigetragen.

Aber in diesen Jahren wurde der Grundstein für einen gepflegten Vatertag gelegt. Denn ohne die Herren von Lanz gäbe es heute nicht das Treckertreffen in Brockstedt. Dort auf der Speedwaybahn, wo sonst Motorräder in wildem Drift ihre Kreise ziehen, trifft sich alljährlich zum Vatertag die Gemeinde der Lötlampen-Vorglüher mit ihren Einzylinder-Zweitakt-Dieseln zum gemeinsamen Auspuff-Ringe-Husten.

Wenn der Glühkopf mittels Lötlampe auf die richtige Temperatur gebracht wurde, das Lenkrad galant abgezogen und auf das Schwungrad gesteckt wurde, der Maschinist locker aus der Hand das teuflisch schwere Schwungrad zum Wippen bringt, ein- zwei Pumpbewegungen mit der Hand ein wenig Rohöl in den Zylinder bugsiert haben, ja, dann kann es passieren, dass eine Zündung erfolgt. Eine reicht. Ein tiefes sattes Buummm. So satt, dass jeder Fünfziger-Jahre-Amischlitten wie ein hochgezüchtetes Mofa klingt. Buummm. Pöff. Das Schwungrad dreht. Bedächtig. Keine weitere Zündung in dieser Runde, auch nicht in der nächsten, diese? Nein, auch noch nicht. Jetzt aber. Bumm. Bereits nach wenigen Minuten läuft der Kolben rund. 300 Umdrehungen pro Minute soll der Leerlauf sein. Das erscheint mir hoch gegriffen. Oft kann man die Ringe am Auspuff locker mitzählen, selbst bei 300 Umdrehungen sind es ja nur 5 pro Sekunde.

10 Liter Hubraum aus einem Zylinder. 50 PS bei 700 Umdrehungen. Der Schlepper schwankt unter der immensen Unwucht, die ein einzelner Zylinder in seiner Bewegung erzeugt. Aber wenn sich das Gefährt in Bewegung setzt, dann fährt es, bis der Verdampferkühler leer ist oder das Knochgerüst des Fahrers zerbröselt.

Außer um gepflegte Rückenleiden hat sich die Firma Lanz aber auch stets um das leibliche Wohl gekümmert. So fanden sich auf dem Acker neben den Schleppern auch die Dreschmaschinen der Firma. Angetrieben durch schwindelerregend lange Treibriemen wurde so das Korn – welches ja bekanntlich in verschiedene Endprodukte umgewandelt werden kann – direkt an der Stelle des Wachstums aus der Ähre gefummelt.

Neben den Klassikern von Lanz dürfen aber auch moderne Trecker auf die Speedwaybahn. Und hier sei jedem Langhauben Freund ein Blick auf die Traktoren der Firma Schlüter anempfohlen, bevor wieder so ein schnöder Ferrari gekauft wird. Bei der Haubenlänge hat der Schlüter eindeutig die Nase vorn, und die Werksfarbe erfordert keine Umgewöhnung.

Und selbst die, welche mit Treckern nichts anfangen können, kommen hier auf ihre Kosten. Es gibt einen Flohmarkt mit jedwedem Zeugs aus vergangenen Tagen.

Und da der Vater zu seinem Tag nicht mit dem ÖPNV anreisen will, zeigt sich bereits auf dem Parkplatz eine Vielfalt an Fahrzeugen, die die Harley Days zu einem Ereignis zweiter Klasse werden lassen.

Heiko, 50 Jahre, arbeitet am Tag, läuft nachts, sammelt Uhren, schraubt an Autos und liebt die Familie über alles. Heikos Seite ist  schlusslaeufer.de. Am Wochenende läuft Heiko die 100 km von Biel. Wenn wir’s technisch in den Griff kriegen, werden wir bei „Männer unter sich“ live dabei sein.

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Gentlemen, start your engines!

Die Geschichte des Formel 1 Grand Prix – mit Slotcars

Oldtimer Rennen liegen voll im Trend. In den Sommermonaten findet fast jedes Wochenende eine Veranstaltung statt, bei der die schnellen Boliden des letzten Jahrhunderts im Mittelpunkt stehen. Krönung der Saison in Deutschland sind dabei das „Jim Clark Revival“ und der „Oldtimer Grand Prix“.

Die Entwicklung der Formel 1 Boliden kann man bei den vier Boliden aus Maranello schön nachvollziehen: Ferrari F 555 Supersqualo (1955) von Cartrix, 156 F1 (1961), 312T (1976) und F1 „No.5“ (2004) alle drei von Scalextric

So eine Autorennbahn verbindet Generationen. Väter und Söhne werden nicht nur die Helden und Dramen ihrer Zeit erinnert, sondern haben auch einen Riesenspaß mit dem Daumen am Drücker. Eine Carrera-Bahn schlummert oft noch auf dem Dachboden, die muss halt wieder rausgekramt und in Gang gebracht werden. Wenn das nicht der Fall ist, bekommst Du Bahnsets, Erweiterungsschienen und natürlich die Fahrzeuge mit Zubehör wie Tribünen, Boxengasse und Figuren im Fachhandel.

Zweimal Mercedes: Der Benz W-196 von 1955 mit dem Karl Kling am GP teilnahm (Cartrix) und der McLaren MP4/20 „Driver No.9“ von Carrera

Warum nicht auch mal einen „Grand Prix“ mit historischen Formel-Rennern auf der Slotbahn austragen? In diesem Beitrag will ich Euch ein paar Anregungen dazu liefern. Ins Leben gerufen wurde der Formel-1 Zirkus 1950. Seinerzeit waren die Alfa Romeo 158 S8 sc mit ihrer Vorkriegstechnik nicht zu schlagen. Der Weg von Guiseppe Farina, dem ersten Weltmeister, über Juan Manuel Fangio, Graham Hill, Jim Clark, Mario Andretti oder Niki Lauda bis Michael Schumacher und Kimi Räikkönen ist lang. Als Millionenfrage in Günter Jauchs Quizshow kann ich mir auch vorstellen, wer wohl „Maria Teresa de Filippis“ war. Die richtige Antwort kann ich Euch verraten, denn ich habe „Formel 1 – Alle Wagen ● Alle Fahrer“ für diesen Beitrag mit Vergnügen durchgelesen: Sie hat in Monaco 1958 mit als erste Frau an der Qualifikation zu einem F1-Rennen teilgenommen, mit einem Maserati 250F. In Belgien schaffte sie sogar den 10. Platz im Rennen. Eine Liste aller Champions findet Ihr übrigens hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Formel-1-Weltmeister. Im Delius Klasing Verlag ist kürzlich „Legenden der Formel 1“ erschienen. 72 Rennfahrer, die zu ihrer Zeit stilprägend waren werden hier portraitiert. Ebenso, wie „Vergessene Rennstrecken“, ein absolutes Muss für jeden Motorsportinteressierten. Warum ich das schon in den ersten Sätzen dieses Beitrags erwähne? Weil ich der Meinung bin, dass ein zünftiger „Oldtimer Grand Prix“, am Besten zusammen mit ein paar Freunden, erst richtig Spaß macht, wenn man mit ein paar Utensilien, den passenden Autos und einer schönen Nachbildung einer Rennstrecke aus der Vergangenheit für die richtige Atmosphäre sorgt. Wenn dann auch noch die Dekoration, Musik und Verpflegung zu der Zeit passt, in der das Rennen spielen soll, umso besser! Rock‘n Roll und Käseigel, Pettycoat und Schmalzlocke für die 50iger, Beatles für die 60iger oder Schlaghosen, Sitzsack und Africola für die hippen 70iger…

Zwei Replikas: Links der McLaren „Amarillo“ von Reprotec, rechts der BRM P 261 “Graham Hill 1964” von SCX

Denn gerade die Autorennbahn kann wie kaum ein zweites Hobby als „Zeitmaschine“ genutzt werden. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, die alle ihren Reiz haben:

Historisch korrekt

Zweimal McLaren und zweimal Scalextric: McLaren M23 „No.40“ von Scalextric „Classic Grand Prix“ und McLaren F1 No. 8 von Scalextric UK

Autos und Rennbahn aus der Zeit, in der das Rennen stattfinden soll. Carrera Universal, Stabo oder eine alte Scalextric-Bahn, dazu die Originalfahrzeuge aus der Zeit. Authentischer kann man sich dem Thema nicht widmen. Material gibt es, sofern es nicht noch auf dem eigenen Dachboden oder im Keller schlummert, bei Börsen oder (Online-)Auktionen. Schienenmaterial ist meist preiswert zu haben, die Fahrzeuge, sofern es sich nicht um seltene Sammlerstücke handelt, auch. Es ist zwar mit etwas Mühe verbunden, das passende Equipment zu finden und aufzuarbeiten, damit auch alles funktioniert – aber es lohnt sich!

Aktuelle Bahn und alte Autos

Ford Benneton B 193/95, „No.2“ von Scalextric UK und Renault F1 2006 „Team Spirit No.2“ von Scalextric

Hier hat man die größte Auswahl. Eine aktuelle 2-Leiter-Rennbahn, kombiniert mit den Klassikern von Scalextric, Revell-Monogram oder anderen kompatiblen Wagen aus der Flower-Power-Zeit. Wem die alten Schätzchen zu schade zum Bolzen sind, oder sich das eventuell aufwändige Vorbereiten für den Oldtimer Grand Prix en miniature sparen will, findet bei Reprotec oder z.T. auch bei SCX Replikas der Klassiker aus den 60igern und 70igern.

Lotus 38, 1965, Jim Clark von Ostorero

Lotus beim Jim-Clark-Revival am Hockenheimring

Auf der Höhe der Zeit: Klassiker heute

Noch nie waren Slotcars so perfekt wie heute, gab es eine auch nur annähernd so große Auswahl. Man kann, wie erwähnt, bei Börsen und Auktionen so manches Oldie für die Sammlung bekommen. Aber es kommen auch laufend Neuheiten dazu. Besonders Scalextric hat sich hier mit der „Classic Collection“ viele Freunde gemacht. Aber auch von Nischenanbietern wie Cartrix oder Ostorero kommen 50iger-Jahre Grand Prix-Boliden neu in die Händlerregale. Diese Hersteller bieten optisch und technisch das heutzutage machbare. Sie sind extrem detailliert, liebevoll maßstabsgetreu umgesetzt und machen auch beim Fahren viel Spaß. Und auf den kommt es uns ja schließlich an – oder?

March 761 F1, 1976, GP Italien, Ronnie Peterson von FLY

March 761 F1 beim Jim-Clark-Revival am Hockenheimring

Rückblick und Fazit

Die fast 58-jährige Geschichte der Formel 1 mit Slotcars wieder aufleben zu lassen ist ein reizvolles Unterfangen. Die Entwicklung eines „Gentleman-Sports“, mit klassisch eleganten Fahrzeugen bei denen außer einem dezent angebrachten Herstellerlogo kein Werbeaufkleber die elegante Linie störte, zu den rasenden Playboys in deren kreischenden Litfassäulen mit Spoilern und Flügeln, ist ein weiter Weg.

Lotus „JPS Formula 1“ No. 5 aus den 70igern von Scalextric UK

Der JSP-Lotus von Emerson Fittipaldi beim Jim-Clark-Revival am Hockenheimring

Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Fahrzeuge spiegelt auch das Interesse der Zeit am Autorennbahnhobby wieder. Während es aus den 50igern relativ wenige Modelle gibt, die fast allesamt erst in den letzten Jahren aufgelegt wurden, haben es die Fans der 60iger Jahre bedeutend leichter. Zum einen gibt es immer noch ausreichend fahrbereite Originale aus der Zeit, zum anderen bieten Reprotec und CX Replikas, vor aber allem Scalextric interessante Neuauflagen der rasenden Zigarren an. Nicht zu vergessen Nischenanbieter wie Ostorero mit einem traumhaft schönen Handarbeitsmodell des Lotus 38. Mit dem Original gewann Jim Clark 1965 die Indy 500. Auch aus den 70igern gibt es noch ausreichend originales rollendes und Schienenmaterial. Ebenso neue Boliden, wie den formidablen March 761 von Fly, der sich mit dem Ferrari 312T und dem McLaren M23 von Scalextric heiße Duelle liefern darf. Dass es in den 80iger Jahren ruhig um die Autorennbahn wurde, und die Flaute bis Ende der 90iger andauerte, mag man von der Tatsache ableiten, dass es aus diesem Zeitraum nur relativ wenige F1-Slotcars gibt. Doch wer suchet, der findet. Und wir wurden bei H+T Motor Racing in Darmstadt fündig. Bei Kurt Petri stehen noch Neufahrzeuge der letzten britischen Produktionschargen von Scalextric im Regal. Wer sich den einen oder anderen dieser Restposten sichern möchte, kann dort erfragen, ob das gewünschte Fahrzeug noch lieferbar ist.

Zweimal Ferrari 156 F1: Einmal für Carrera Universal, das Orginal aus den 60igern und die Neuauflage von Scalextric aus der „Classic Grand Prix“-Serie

Bekanntlich ging es mit dem Interesse am Hobby Slotracing Ende der 90iger wieder steil nach oben. Nahezu jeden Formel 1 Renner aus dem aktuellen Grand-Prix-Zirkus gibt es von diversen Anbietern, in allen erdenklichen Farbversionen. Da diese Autos meines Erachtens bei weitem nicht den Charme der eleganten Renner aus den ersten drei Jahrzehnten haben und sich jeder leicht einen Überblick über das Programm von Carrera, Scalextric und SCX machen kann, will ich hier nicht näher darauf eingehen.

Ferrari F 555 Supersqualo, 1955, Nino Farina, No. 2 von Cartrix

Ferrari F 555 Supersqualo beim Jim-Clark-Revival am Hockenheimring

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.

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Fotos: Robert Hill

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Adrenalin auf dem Wasser

„Mein Haus. Mein Auto. Mein Pferd.“ Mit einer Briefmarkensammlung kannst Du heutzutage kaum noch eine neue Flamme zu Dir nach Hause locken. Haus und Auto sind nach wie vor Statussymbole. Aber damit kannst Du nicht immer imponieren. Weder die Mietwohnung im Neubaugebiet, noch der in die Jahre gekommene Opel Zafira vor der Haustüre verströmen übermäßig Sexappeal. Und Mädels, die auf Gäule stehen, sind meist noch in der Pubertät und fallen somit aus Deinem Beuteschema. Mädels, die nach der Pubertät immer noch auf Pferde stehen ebenfalls. Glaub es mir: Eine Unterhaltung über olle Mähren ist ungefähr so spannend wie die mit einem Rentner über seine Briefmarkensammlung. Aber das hatten wir ja schon.

Womit also imponieren? Das verdeckt auffällige Spiel mit dem Porsche-Schlüssel ist spätestens dann peinlich, wenn Du die Heimfahrt mit der U-Bahn antrittst. Eine elegante Yacht, die kommt immer an. Hat zudem den Vorteil, dass Du von Trips an der Coté d’Azur schwärmen kannst und nicht gleich damit auffliegst. Du willst die neue Beziehung nicht mit einer dreisten Lüge beginnen, aber das Konto recht grade mal für ein knallrotes Gummiboot am Wannsee?

Kein Problem. Zum einen wird nirgends so viel geschwindelt wie im Krieg und eben der Liebe. Zum anderen ist auch eine rasante Raceyacht oder ein eleganter Mahagoni Daycruiser durchaus für einen Durchschnittsverdiener erreichbar. Sogar mit Anlegestelle am Wannsee. Aber wie?

Ganz einfach: Ein paar Nummern kleiner. Modellboote transportieren zwar nicht Dich mit Deiner Liebsten, dafür aber, wenn Sie denn gut gemacht sind, nahezu genau so viele Emotionen. Beispielsweise die „Magin Two.1“ von robbe oder Graupners „Ti Amo“ sehen auf dem Foto in der Brieftasche so täuschend echt aus, dass bei der Einladung zur Spritztour am Wochenende bestimmt niemand enttäuscht ist, wenn sich herausstellt, dass Deine Yacht in den Kofferraum passt. Freund der leisen Töne imponieren mit einem Segelboot ohne Flautenschieber und vertrauen dem Wind. Das ist besonders spannend, weil Du vorher nie wissen kannst, ob es vielleicht ein Badeausflug wird…

Die Werft, in der Deine ganz persönliche Yacht auf Kiel gelegt wird, ist entweder in Deinem Hobbyraum oder, zumindest häufig, irgendwo in Fernost. Denn von Bausätzen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bis zum Fertigmodell aus China oder Taiwan reicht die Spanne der angebotenen Produkte. Mein Tipp: Schau Dich auf einer Modellbaumesse um, unterhalte Dich mit Hobbykapitänen am Ufer und kaufe dann in einem Fachgeschäft. Kaum eine andere Modellbausparte ist vielseitiger und individueller. Während sich der eine seinen Adrenalinschub mit einem rasanten Rennboot abholt, erholt sich der andere beim stundenlangen Spiel mit dem Wind. Doch auch ein Segelboot wird nie langweilig. Im Gegenteil. Der Einsteiger kommt zwar rasch zu ersten Erfolgen, denn die Steuerung mit Ruder und Segelverstellung ist schnell gelernt. Doch der Reiz liegt im Detail: Die Möglichkeiten der Feineinstellung von Mast und Segeln sind nahezu unerschöpflich und bieten Stoff für stundenlange Diskussionen mit Kollegen. Und wenn es dann erst mal bei 35 Knoten Westwind bei einer Regatta zur Sache geht, kommt auch die Spannung nicht zu kurz.

Nicht minder interessant sind Motoryachten, die mittlerweile fast ausschließlich mit einem fast lautlosen und umweltfreundlichen Elektroantrieb durchs Wasser düsen. Adrenalin auf dem Wasser: Vorsichtig am Gashebel des Pistolengriffsenders ziehen. Langsam setzt sich die Rennyacht in Bewegung. Ist das wirklich schon alles? Kann nicht sein. Noch ein wenig weiter ziehen. Dann, aus heiterem Himmel ein schneller Satz nach vorne. Gischt steigt auf, das Boot schießt los und kommt innerhalb weniger Meter ins Gleiten. Kleinere Wellen werden einfach übersprungen. Irgendwann sind nur noch die Ruderflossen im Wasser. Wahnsinn…

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Fotos: Robert Hill

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Faszination Modellflug

Warum stellen sich erwachsene Männer (vereinzelt sind auch schon Damen dabei beobachtet worden!) mit einer Fernsteuerung vor dem Bauch auf eine Wiese und lassen kleine Flugzeuge fliegen? Was macht die Faszination am Modellflug aus? Der Versuch einer Erklärung.

Während man in Wien die Sorgen in ein Glaserl Wein schüttet, sind die Chinesen seit ein paar Jahrtausenden schlauer. Sie schreiben ihre Wünsche auf einen Zettel und lassen sie mit einem Drachen in den Himmel aufsteigen. Ganz nebenbei haben sie wahrscheinlich deswegen das Papier gleich mit erfunden. Die hierzulande zu dieser Zeit üblichen Steinplatten hatten nicht annähernd so gute Flugeigenschaften.
Drachen haben allerdings den Nachteil, dass sie nur zu günstigen Windverhältnissen steigen können. Wünsche und Träume hat man aber auch bei Flaute. Oder gerade dann. Was tun? Ein Modellflugzeug ist da eine veritable Lösung. Mit oder ohne Antrieb hat man es selbst in der Hand, wann man ein Stück von sich den Elementen anvertrauen will und dennoch festen Boden unter den Füßen behalten.

Modellbauer. Oder Modellflieger? Wo ist der Unterschied? Es gibt sie beide. Erstere erkennt der unbedarfte Beobachter daran, dass sie die größten, schönsten und aufwändigsten Flugmodelle selbst bauen. Und dann damit oft mehr oder weniger hilflos in der Luft herumeiern, weil sie vor lauter Konstruieren, Planen und Basteln kaum auf dem Flugfeld zu sehen sind. Ganz im Gegensatz zu den Modellfliegern. Die haben überwiegend auch schöne Flugzeuge. Aber die haben sie meistens entweder von der ersten Gruppe gekauft oder sich mit einem Fertigmodell eingedeckt. Die Werkstatt der Flieger ist, sofern überhaupt vorhanden, lediglich für schnelle Reparaturen ausgelegt. Denn viel häufiger sieht man diese Piloten dort, wo sie sich am wohlsten fühlen: Auf dem Flugfeld. Die Grenzen zwischen den beiden Gruppen sind natürlich fließend. Da die meisten sowohl ganz passabel bauen, als auch sehr ordentlich fliegen können. Oder umgekehrt. Und genau damit ist ein wichtiger Punkt für die Faszination dieses Hobbys gefunden.

Denn es gibt kaum eine andere Freizeitbeschäftigung, die ähnlich vielseitig ist. Das beginnt, wie erwähnt, schon beim Bau. Auch wenn immer mehr Fertigmodelle auf den Markt drängen, zu tun gibt es noch genug. Angefangen von der Wahl des Antriebs und der Fernsteuerkomponenten und dem fachgerechten Einbau, bis zum gekonnten Finish. Viele legen Wert auf ein perfektes Cockpit mit allen Instrumenten und Pilotenpuppe, Liebhaber von Oldtimer-Flugzeugen verpassen ihren „Fliegenden Kisten“ die Patina, die für ein realistisches Outfit sorgt.

Und genau so vielseitig wie die Piloten sind auch ihre Modelle. Der eine erholt sich bei stundenlangen Flügen mit seinem Segler in der Thermik, der andere findet den richtigen Kick mit einem rasanten Turbinenjet. Vom Doppeldecker bis zur modernen Reisemaschine reicht das Spektrum, über 100 Jahre Luftfahrtgeschichte werden im Modell wieder lebendig. Technikverliebte begeistern sich für Hubschrauber, die es in allen Größen und Antriebsvarianten gibt.

Motormodelle waren lange Zeit mit Schuld am manchmal schlechten Image der Modellflieger. Die knatternden 2-Takt-Motoren aus den 70iger Jahren sind leider immer noch in den Köpfen. Wenn das heute grundlegend anders geworden ist, hat das einen einfachen Grund: Auch die Piloten „en Miniature“ sind ganz normale Leute. Sie haben Freude an der Natur und den schönen Dingen des Lebens. Und stören sich massiv daran, wenn es in ihrer Freizeit über Gebühr laut und hektisch zugeht. Denn schließlich wollen sie sich ja auch in der Natur erholen. Darum haben sie in den letzten Jahren alles daran gesetzt, ihre Flugzeuge so leise wie möglich auszulegen. Das beginnt bei großvolumigen Viertaktmotoren mit aufwändigen Schalldämpfern und endet beim fast geräuschlosen Elektroantrieb, der mittlerweile fast noch effizienter arbeitet als Verbrennermotoren. Da Modellflieger größten Wert auf eine gute Nachbarschaft mit Anwohnern, Landwirten, Jagdpächtern und Naturschützern legen, wird bei ihnen keine Möglichkeit ausgelassen, ihre Modelle in dieser Hinsicht zu optimieren.

Um zur Eingangs gestellten Frage zurückzukommen: Was macht denn nun die „Faszination Modellflug“ aus? Die Antwort auf diese Frage ist so vielseitig wie unser Hobby. Am besten, Du probierst es einmal selbst aus!
Der einfachste Weg zu einem ferngesteuerten Flugmodell zu kommen, ist wohl das Internet, z. B. über das Fliegerportal Airmix. Allerdings kann das Internet auch der sicherste Weg sein, genauso schnell wieder frustriert die Lust an dem schönen Hobby zu verlieren. Denn auch, wenn das Modell fast fertig aus der Schachtel kommt und nach ein paar Minuten fliegen kann, heißt das noch lange nicht, dass der Pilot es auch sicher zu landen im Stande ist. Spätestens, wenn der schöne Vogel nach der ersten unsanften Landung zerbröselt im „Gelben Sack“ steckt, ist man schlauer: Der sicherste und beste Weg in die Luft zu gehen, startet beim Fachhändler. Der kann Dir Dein Modell für den Erstflug einstellen und entweder selbst Starthilfe durch eine kurze Einweisung am Modellflugplatz geben, oder einen Verein in der Nähe nennen. Die Adressen von Modellflugclubs erfährst Du auch beim Deutschen Modellflieger Verband „DMFV“ (www.dmfv.de). Dort bekommst Du auch eine günstige Haftpflichtversicherung, die mittlerweile für ferngesteuerte Flugmodelle gesetzlich vorgeschrieben ist.
So vorbereitet, erlebst auch Du schnell das tolle Glücksgefühl der gelungenen Landung nach Deinem ersten Alleinflug: Gentleman, start your engines!

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
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Fotos: Robert Hill

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Am Handgelenk

Süchtige gucken zuerst auf das Handgelenk. Was trägt mein Gegenüber für eine Uhr? Diesen Blick kennen Sie? Prima. Sie können hier aufhören zu lesen. Sie sind schon befallen. Die anderen, die sich fragen, wovon um Himmels willen der Kerl redet, lesen bitte weiter.

Männerhobby Uhrensammeln

Sie lesen noch. Aha. Sie wollen es also wissen. Wissen, was Männer an Uhren finden. Wissen, warum Männer bereit sind, den Gegenwert eines Kleinwagen oder Einfamilienhauses an Ihr Handgelenk zu binden? Sie wissen schon, dass das Verständnis, welches diese Zeilen eventuell bei Ihnen erzeugt, teuer werden kann? Dass Sie plötzlich Sätze wie „Die Uhr kickt total, die musste ich haben“ aus Ihrem Munde kommen? Das Kollegen, Mitmenschen und Ehefrauen sich von Ihnen abwenden, wenn Sie auf das Thema Uhr zu sprechen kommen? Das ist Ihnen bewusst? Und Sie lesen noch? Na dann. Wahrscheinlich ist Ihnen eh nicht mehr zu helfen, dann macht das Thema Uhr den Kohl auch nicht mehr fett.
Wenn der Abhängige von Uhren, genauer der Armbanduhr redet, dann geht es nicht um den Quarzwecker aus der Auslage eines Kaffeerösters. Es geht um  die mechanische Uhr. Eine Gattung, die fast dem Untergang geweiht war. Eine Zeit lang ging es beim Tragen einer Uhr wirklich nur um die Anzeige der Zeit. Aber das liegt nun schon einige Jahre zurück und nur wenige erinnern sich noch an diese barbarischen Tage.

Nein, natürlich trägt man die Armbanduhr nicht, um zu wissen wie spät es ist. Das zeigen Handy und Computer einem permanent und viel genauer an. Nein, die Information über die Zeit ist es nicht. Was aber ist es dann? Ich weiß, es sind schon der Zeilen viele und die wahre Botschaft lauert noch im Hintergrund. Versuchen wir also die Botschaft einzukreisen. Wenn Mann nicht gerade aus zwielichtigem Milieu kommt, dann ist die Zahl der Schmuckstücke, die Mann tragen kann, eingeschränkt auf eine kleine einstellige Zahl. Die Armbanduhr ist eines davon, Manschettenknöpfe ebenfalls. Und dann wird die Luft schon dünn.

Einen hätten wir schon. Einen Grund meine ich. Aber da geht noch mehr. Männern wird nachgesagt, dass Gespräche über Technik zu Ihren liebsten gehören. Mein Neuer hat ESP und Spurasistent und das Navi hat alle Blitzer jenseits der chinesischen Mauer gespeichert. Erkennt man oder? Und genau da erweitert sich jetzt der Themenkreis. Koaxial-Hemmung, Parachronspirale, Kif-Stosssicherung… klingt das nicht gut? All diese Begriffe können Sie virtuos einstreuen, wenn Sie sich dem Thema Armbanduhr öffnen.
Ein weiterer Strich auf der Gründe-Liste.

Einen noch und dann gehen wir ins Detail. Streit. Männer sind streitsüchtig. Und über Armbanduhren kann man streiten bis das Saphirglas glüht. Glauben Sie  nicht? Na dann folgen Sie mir mal.
Jetzt sind Sie nämlich reif für die Frage nach der Armbanduhr. Welcher? Na der. Der ersten mechanischen. Der Perfekten. Sie brauchen ja nur eine. Perfekt muss sie sein. Mehr nicht. Keine Ahnung, wie die sein soll? Dann machen Sie eine Liste mit Eigenschaften und stellen im Forum Ihrer Wahl die Frage, welche Uhr wohl diese Eigenschaften hat. Der Käfig ist offen. Die Löwen betreten die Arena. Heil kommen Sie da nicht raus. Eine Kaufempfehlung haben Sie auch nicht. Nein, Sie haben hundert.
Und dann sind Sie wieder allein. Ein häufiges Argument der Löwen wird sein: In den Laden gehen, anlegen und sehen was „kickt“. Und was das Konto erlaubt. Darf ruhig teuer sein. Ist ja die Perfekte Uhr. Mehr muss nicht sein. Ich nehme mal eine wichtige Information vor weg: Das ist ein Irrglaube. Die Perfekte Uhr gibt es nicht. Nach der ersten wird es eine zweite geben.. Bis man dann der Legende nach irgendwann bei der sogenannten Exit-Uhr gelandet ist. Der Uhr, die angeblich die letzte ist. Die Letzte, also dann doch Perfekte. Aber ich sagte schon, die Pperfekte gibt es nicht. Aha. Sie merken es? Richtig. Damit gibt es auch die Exit-Uhr nicht. Das zum Thema Sucht.

Aber zurück. Sie haben den Rat befolgt. Sind in einen Laden gegangen. Haben sich Uhren zeigen lassen und angelegt. Sie haben eine gefunden, die Sie anspricht. Die „kickt“. Sie haben diese Uhr gekauft und sind angekommen in einem Lager. Lager? Sie wollten nie in ein Lager? Pech gehabt. Ohne es zu wissen sind Sie mit dem Kauf der Uhr einem Lager beigetreten. War es eine Krone? Ein Brätling? Eine Steini? Fast wähnt man sich in der Bundesliga, wo der eigenen Verein immer der Beste ist. Völlig überteuert, man zahlt doch nur den Namen (das muss nicht erklärt werden). Das sind doch nur Einschaler (Hersteller, die ETA Werke in eigene Gehäuse einbauen). Die haben doch nur geklautes Design… usw. In diesem Stil laufen die Diskussionen.
Wenige leben in mehreren Lagern. Einige wechseln im Leben als Abhängige den Lieferanten der Sucht, aber fast alle bleiben auf Dauer gefangen.
Details werden wichtig, von denen man vorher nicht wusste, dass es Sie gibt. Neue Begriffe setzen sich im Kleinhirn fest. „Super Luminova“ ist keine osteuropäische Prostiuierte sondern eine Leuchtmasse für Zeiger und Indizes. Räder laufen in Steinlagern, die gepresst oder in Chatons gefasst sein können. Letzter sogar in einer geschraubten Ausführung. Werkbrücken und Platinen können mit Genferstreifen, Sonnenschliff oder Perlage aufwarten. Schrauben sind poliert und gebläut und stehen den Zeigern damit in nichts nach. Wie? Sie können mir nicht folgen? Das geht vorbei. All das geht Ihnen nach wenigen Wochen in einem der Lager so flüssig über die Zunge wie Ihr Name.

Neugierig geworden? Bereit für ein neues Hobby? Neue Freunde in der Szene? Dann mal los zum nächsten Konzi und Kataloge abgreifen. Stöbern. Soll es eine Toolwatch werden? Eine Dresswatch? 3 Zeiger oder mit Komplikationen? Neu, Neo-Vintage oder Vintage?
An dieser Stelle höre ich dann auch mal auf mit dem Begriffsdropping und der ständigen Verwirrung.

Werden wir konkret. Beim Thema Lager ist vorneweg das der Kronenträger zu nennen. Rolex hat traditionell einen gewissen Ruf. Uhr der Zuhälter. Aber auch Zeichen von Luxus. Wertbeständig und Chronometer geprüft. Viele sagen, man käme zwangsläufig immer irgendwann zur ersten Krone. Mag sein. Auf jeden Fall eine der Marken mit dem höchsten Wiedererkennungseffekt und bis heute ausgezeichnet durch eine sehr hohe Werthaltigkeit. Sehr hohe Fertigungstiefe. (Mittlerweile wird wohl alles von Rolex selbst hergestellt. Man schimpft so etwas Manufaktur)

Rolex

Das Breitling Lager. Die Ikone hier ist der Navitimer. Ähnlich hoher Wiedererkennungseffekt wie bei einer Rolex. Die Werthaltigkeit ist geringer (puh, ich stehe schon mit einem Bein im Grab!) und die Optik verspielter (Peng, ich wurde vom Lagerkommanden entsorgt). Und das wo das schlimmste Argument des Einschalers noch gefehlt hat. Und heute auch nicht mehr so stimmt, weil die ersten eigenen Werke gefertigt werden.

JLC. Die Reverso. Ewiger Klassiker. Aber eckig. Muß man mögen. Qualitativ über jeden Zweifel erhaben. Auch diese Uhr kennt man. Selbst wenn man Uhren nicht kennt. Es gibt auch runde. Die kennt man dann schon nicht mehr unbedingt. Schönes Stück für den der Wertigkeit mag, aber nicht sofort erkannt werden will. Ebenfalls eine Manufaktur.

JLC

Omega. First Watch on the Moon. Immer wieder gehört. Gleich danach: Die Bond Uhr. Beides richtig. Im Vintage Bereich mit eigenen Werken. Dann Einschaler. Heute wieder eigene Werke. Also eine Mischung von Einschaler und Manufaktur.

Zenith: Hersteller des El Primero. Des ersten Werkes mit eine Unruhfrequenz von 36,000 Halbschwingungen pro Stunde. Also 10Hz. Die erste mechanische Armbanduhr die echte 10tel Sekunden stoppen konnte.

Sinn: Gegründet von einem passionierte Flieger der auf dem Markt nicht „seine“ Fliegeruhr fand. Ehemals gut und günstig. Heute nur noch gut. Immer gut für technische Neuerungen. Trockenhaltekapsel, Tegmentierte Gehäuse.

Sinn

Wenn ich jetzt an dieser Stelle abbreche, dann werden viele der weiteren Lager den bereits von der Breitling Fraktion begonnenen Feldzug gegen mich zu Ende führen. Denn Marken gibt es wie Sand am Meer. Der Mechanikboom ist ungebrochen und so sprießen die Marken und Privat-Label weiterhin wie Pilze aus dem Boden. Allein Glashütte als ehemalige Keimzelle deutschen Uhrenbaus beheimatet heute Lange und Söhne, Mühle, Glashütte Original, Nomos und weitere.
Eine verschworene Gemeinde Süchtiger trifft sich täglich in der www.watchlounge.com

Heiko, 50 Jahre, arbeitet am Tag, läuft nachts, sammelt Uhren, schraubt an Autos und liebt die Familie über alles.

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Mach mit bei der Mitmachmesse: Faszination Modellbau

Das Konzept der „Faszination Modellbau“ ist bewährt: Nicht nur andächtig bestaunen, was uns die Industrie irgendwann einmal verkaufen möchte, sondern als Besucher aktiv werden ist das Rezept für eine interessante Publikumsmesse. Der Erfolg gibt den Machern recht: Schon die erste „Faszination Modellbau“, damals noch in Sinsheim, mauserte sich im Laufe der Jahre schnell vom Geheimtipp zur Kultmesse.

Immer wieder klasse: Die Großmodelle von FG.

Die Sinsheimer Messehallen wurden rasch zu klein und wurden erweitert. Im Vorjahr musste die Messe dennoch umziehen, nach Karlsruhe. Was zudem noch einen weiteren Vorteil hat: Das Messegelände ist ein ehemaliger Flugplatz und kann die „FMT Neuheiten Flugschau“ direkt vor der Haustüre präsentieren.

Könige der Landstraße in ihrem Element

So drängelten sich trotz der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und dem direkt angrenzenden Rheinland-Pfalz und vielleicht grade wegen des guten Wetters an allen Messetagen ungefähr 52.000 Besucher durch die Hallen. Sie konnten 372 Aussteller – darunter Marktführer, Kleinserienhersteller, Händler und Vereine aus 10 Ländern sehen, die Modellbau in allen Sparten ausstellten.

Weltrekord! Nachwuchs-Alonsos konnten auf einer 4-Spurigen Ninco-Digitalbahn mit 217 Metern Spurlänge beweisen, was in ihnen steckt!

Das tolle daran: Auf einer riesengroßen Ninco-Digital-Slotcarbahn – 4-spurig, 217 Meter lang und damit Weltrekord! –  konnten Nachwuchs-Alonsos genauso Gas geben, wie beim Besucherrennen auf der RC-Car-Rennstrecke des Deutschen Minicar-Clubs. Wer bei einem der vielen Händler einen Koax-Heli gekauft hatte, konnte den im dafür vorgesehenen FMT-Indoor-Fluggelände gleich ausprobieren.

 

Die „Gee-Bee“ von Andreas Wurm hat zweimeterdreißig Spannweite, ein 215 Kubik-Sternmotor treibt das Teil durch die Luft. Andreas hat den Vogel nach Plan in Holzbauweise selbst gebaut.

Noch so ein Riesenvogel: Der „Hall Sprigfield Bulldog“ von Harald Jezek. Auch nach Plan selbst gebaut, 310 cm Spannweite und 60 Kilo Abfluggewicht. Der Sternmotor? 420 Kubik sollten auch für ein Moped reichen!

Die ganze Vielfalt aus über 100 Jahren Luftfahrt wird im Modell lebendig.

Am Sonntag konnten künftige Piloten erste Starts, Platzrunden und Landungen beim „Lehrer-Schüler-Fliegen“ unter Aufsicht von Fluglehrern üben. Für die Könige der Landstraße oder Miniatur-Straßenbauer standen entsprechende Parcours zur Verfügung, ebenso ein großes Planschbecken für Kapitäne en Miniature.

 

Die „Mystic C 500 „M“ ist ein Nachbau des legendären „Class one Cat’s“, der Rumpf ist von MHZ Zavarsky. Zwei Lehner 1950/6 treiben das Boot elektrisch an.

Spektakulär: Die fast vier Meter lange Galeere im Maßstab 1:12 wiegt über 100 Kilo, die 220 Sklaven rudern echt. Allerdings werden sie von Scheibenwischermotoren elektrisch ein wenig unterstützt.

Wenn Du den Fahrplan selbst machst, ist zumindest Dein Zug immer pünktlich. Immerhin ein Anfang...

 

Auch wenn die Bahn angesichts ihrer diversen Probleme und immer wieder aufflammenden Streiks nicht immer das beste Image hat: Wenn Du sie Dir als Modell in den Hobbykeller holst, bist Du von diesen Streitereien unabhängig und kannst beweisen, dass Deine Züge immer pünktlich sind. Anregungen und Gespräche mit Hobbykollegen findest Du auf einer Mitmach-Messe.

 

Kommen, bei einem der vielen Händler kaufen und gleich ausprobieren: Das macht den Spaß bei der Mitmach-Messe aus!

Fazit:
Modellbau ist ein tolles, vielseitiges Hobby. Viel zu schade, um in eine Spielzeugecke gestellt zu werden. Wenn Du erst einmal einen Narren dran gefunden hast, lässt es Dich so schnell nicht mehr los. Infizieren mit dem Virus kannst Du Dich sehr gut auf einer der Modellbaumessen, wo Du Dir einen guten Überblick über die nahezu unendlichen Möglichkeiten verschaffen kannst. Im nächsten Jahr findet die 18. Faszination Modellbau Karlsruhe vom 22. bis 25. März 2012 statt. Wenn Du nicht so lange warten willst, geht es schon im April mit der Intermodellbau in Dortmund weiter.

Weitere Termine:
Intermodellbau Dortmund
13.04. – 17.04.2011

Faszination Modellbau Friedrichshafen
04.11 – 06.11.2011

Faszination Modellbau Bremen
18.11 – 20.11.2011

Ausstellung für Modellbahnen und Modellsport

Von der „Faszination Modellbau“ in Karlsruhe hat Robert Hill für uns berichtet.
Sämtliche Fotos: Robert Hill.

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