Alles Öko? – Die IAA 2011 in Frankfurt

Alle zwei Jahre trifft sich die Autobranche in Frankfurt / Main. Man feiert sich, präsentiert glänzenden Lack und starke Motoren. Dauergrinsende Mädels, meist hübscher und auf jeden Fall gelenkiger, rekeln sich auf Motorhauben und streicheln Kotflügel. In dieser Glitzerwelt wird gezeigt, was uns in den nächsten Jahren zu Mobilität verhelfen soll. So weit, so gut. Wenn ich mich an die vollmundigen Versprechen und Prognosen der letzten zwölf Jahre erinnere, muss ich mir eingestehen, dass nicht viel davon heute tatsächlich unsere Autobahnen verstopft. Ich möchte an dieser Stelle nur mal den Wasserstoff-Motor erwähnen. Noch 1999 wurde ihm eine glorreiche und vor allem baldige Zukunft prophezeit.

Und 2011? Jeder Hersteller, der etwas auf sich hält, macht auf Öko. DerElektroantrieb ist salonfähig geworden. Ob nun Mercedes mit einem leuchtgelben SLK-Roadster, BMW mit einer – zugegeben interessanten – Studie oder Opel mit dem „Ampera“, um nur einige zu nennen: Jeder mischt mit im Konzert der abgasfreien Kraftfahrzeuge. Bleibt nur zu hoffen, dass der Strom, der diese Elektroflitzer antreibt, auch aus „sauberen“ Quellen stammt. Einzig Aston Martin tanzte hier aus der Reihe. Fast schon mit Stolz wies man auf deren Messestand darauf hin,dass jedes ausgestellte Fahrzeug um die 300 g/km CO² durch die dicken Auspuff-Töpfe bläst. Na ja. Bei den paar Autos, die die verkaufen, werden wir damit leben können.

Ich war schon am ersten Pressetag auf der IAA, für das Publikum werden die Hallentore am Samstag, den 17. September geöffnet. Ich habe mich ein wenig nach Spielzeugen „für echte Kerle“ umgesehen. Was VW, Ford, Opel & Co. so gezeigt haben, werdet Ihr ja demnächst eh im nächsten Stau bewundern dürfen…

Mercedes hat traditionell die Frankfurter Festhalle als „Messestand“.

 

An den beiden Pressetagen ist es noch einigermaßen ruhig auf der IAA. Ab Samstag wird wesentlich mehr auf dem Messegelände los sein!

Weltpremiere bei Mercedes: Der SLS AMG Roadster. 571 PS aus über 6.200 cm³ Hubraum beschleunigen ihn in 3,8 Sekunden auf 100. 317 km/h werden als Höchstgeschwindigkeit angegeben. Der Preis? Ab € 1.659,00 verriet das Schild neben dem Auto. Im Monat. Wie viele Monate wurde aber nicht verraten.

Beauty & Beast: Der neue ML ist angeblich mit 6 Litern auf 100 Kilometer zufrieden.

Für echte Kerle: Mit dem „Polar Hilux“ von Toyota wurde am 02. Mai 2007 der magnetische Nordpol erreicht.

Auch hübsch. Der Jeep natürlich!

Weichgespült unter indischer Regie: Der neue Range Rover

Lässt Männerherzen auch ohne schmückendes Beiwerk auf der Motorhaube höherschlagen: Der Ferrari 599 GTB Fiorano. V-12-Motor, knapp 6 Liter Hubraum, 620PS bei 7.600 U/min. 608 Nm Drehmoment, in 3,7 sek auf 100. Der Topspeed wird mit über 330 angegeben. Was im Berufsverkehr auf der A5 niemanden interessieren dürfte...

Der Motor des Jahres kommt natürlich auch von Ferrari.

Der „Radical SR 3SL“ macht seinem Namen alle Ehre. Interessant: Der kompromisslose 2-sitzer ist sogar für den Straßenverkehr zugelassen. Wer es noch radikaler will: Gegen Aufpreis gibt’s ein Rennkit.

Auch so ein Traum für Männer, die gerne mit dem Autoschlüssel spielen und sich über verdutzte Blicke der Unwissenden freuen. Oder hast du schon mal was von der Automarke Hamann gehört? Auf Basis des Mercedes SLS AMG wird dort ein recht individuelles Auto gebaut.

4c Concept heißt der neue Alfa Romeo. Ob das angesichts der netten Damen jemand interessiert?

Absolut abgasfrei, und das seit 1963. Wer ein garantiert CO²-freies Auto fahren möchte: Carrera hat sehr viele schnelle Fahrzeuge im Programm, die sofort lieferbar sind und ausgereift elektrisch ihre Bahnen ziehen. Und die dazu gehörigen Mädels sind sogar zum Anfassen!

Bugatti Veron Grand Sport. 1.000 PS. Kostet 1 Mio. Mehr sag ich jetzt nicht...

Eine interessante Studie ist der EX1 von Peugeot. 750 Kilo Leergewicht, 450 Kilometer Reichweite, 340 PS. Natürlich elektrisch.

Einem echten Kerl reichen zwei Räder für den Trip durch die Wüste. Auch wenn ich vermutlich nicht ganz falsch liege, wenn ich annehme, dass die meisten BMW R1200 GS wohl eher zum Flanieren entlang der Prachtboulevards herhalten müssen...

Aventador LP 700-4 heißt dieses Geschoss von Lamborghini. Permanenter Allradantrieb ist nötig, um die 700 PS und das Drehmoment von 690 Nm zu bändigen.

Chevrolet darf dieses Jahr den 100. Geburtstag feiern. Auf der IAA gibt es einige Highlights aus glorreich vergangenen Tagen.

Der Ur-911er. Ohne Schnickschnack. Fahrfreude pur für echte Kerle, die es draufhaben.

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.

www.roberthill.de

Fotos: Robert Hill (alle Rechte vorbehalten)

 

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Fünf Siege in Monza können einen Nürburgring-Sieg nicht aufwiegen

Dieses Zitat von Rudolf Caracciola hat noch heute Gültigkeit. Außer den fünf glücklichen Gewinnern unseres kleinen Gewinnspiels strömten am Wochenende vom 12.-14. August rund 61.500 Zuschauer an den Nürburgring. Sie durften eine spannende Zeitreise mit eleganten Zweisitzern, kraftvollen Sportwagen, Formel-1-Boliden und Tourenwagen life erleben. Selbst heftige Regenschauer konnte die aus 20 Ländern angereisten Fahrer nicht stoppen.

Die historischen Formel-1-Boliden aus der Grand-Prix-Masters Serie (Foto AvD)

Klaus Ludwig in seinem Kremer Porsche beim AvD-Historic-Marathon (Foto AvD)

Nach spektakulären Rennläufen, 32 Stunden mit Motorensound und intensiven Boxengesprächen ist am Abend des 14. August der AvD-Oldtimer-Grand-Prix zu Ende gegangen. Rund 61.500 Zuschauer strömten am Wochenende zu einer Zeitreise durch die Motorsporthistorie an den Nürburgring und ließen sich auch vom immer wieder einsetzenden Regen nicht die Laune verderben. Stimmungsvoller Höhepunkt war das Abendrennen der zweisitzigen Rennwagen und GT bis Baujahr 1960/61. Sechs der seltenen und legendären Maserati „Birdcage“, drei davon an der Spitze des hochkarätig besetzten Feldes, starteten zum Formationsflug in die Dämmerung. Der Brite Alan Minshaw war Samstag Abend der schnellste im Vogelkäfig und siegte im roten Tipo 61 vor seinen Landsmännern Simon Ham im Lister Jaguar und Irvine Laidlaw im schwarzen T61 auf Rang 3. Auch im zweiten Rennlauf am Sonntag setzten sich zwei Birdcages an die Spitze. Werner Max aus Düsseldorf siegte vor Josef Otto Rettenmaier aus Rosenberg. Das Siegertrio komplettierte das Team mit AvD-Vizepräsident Franz Graf zu Ortenburg und Christian von Wedel im  Austin Healey 3000 Mk I.

Rennsieger Alan Minshaw im Maserati T61 "Birdcage" (Foto AvD)

Genuss für Augen und Ohren
Neben den Birdcages begeisterten weitere elegante Sportwagen wie Aston Martin DB3 S, ein Ferrari Dino 196 S, ein Lotus Eleven, mehrere Mercedes Benz 300 SL oder auch zwei der 1948/49 am Nürburgring gebauten Veritas RS. Claudia Hürtgen steuerte im Rennen der Zweisitzer und GT einen Maserati 300 S über den Eifelkurs und fuhr Samstag als vierte über die Ziellinie. Die Profirennfahrerin aus Aachen war bereits am Freitag mit ihrer Teamkollegin Gabi von Oppenheim unter schwierigsten Bedingungen ein tolles Rennen gefahren. Im AvD-Historic-Marathon hatte sie sich u.a. mit zwei Rallye-Legenden duelliert – mit Walter Röhrl im Porsche 911 und dem Schweden Stig Blomqvist im Ford Galaxie.

Ein Renntraum in Rot (Foto Robert Hill)

Startvorbereitungen im historischen Fahrerlager (Foto Robert Hill)

Neerpasch und Ludwig ausgebremst
Pech hatten zwei andere ehemalige Rennprofis während des AvD-Oldtimer-Grand-Prix. Jochen Neerpasch konnte mit seinem Ford Mustang Shelby 350 GT auf der Nürburgring Nordschleife lediglich einige Trainingsrunden hinlegen. Sein Teamkollege Remo Lips, der im Marathon zuerst das Steuer übernahm, musste den Shelby nach ein paar Runden wegen starkem Ölverlust abstellen. Neerpasch konnte deshalb auch nicht im Masters GT Rennen starten. Ebenfalls eine Ölspur auf der Grand-Prix-Strecke hinterließ der giftige 935er von Klaus Ludwig und seinem Teamkollegen Chris Stahl aus Bonn. Der weiß-rosa Kremer Porsche hatte bereits im Training zum „Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft“ aufgemuckt und war später im Rennen nach ein paar schnellen Runden nicht mehr richtig auf Touren gekommen. Klaus Ludwig musste sich deshalb am Samstag mit Rang 12 zufriedengeben. Aufs Siegertreppchen fuhren zwei andere Porsche 935 K3 Piloten: Wolfgang Krautmann aus Molsberg und Daniel Schrey aus Rietberg.

Puristischer geht's kaum (Foto Robert Hill)

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
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