Tour de France – 17. Etappe

Piazza Vittorio Veneto in Pinerolo

Heute geht es von Gap in die italienische Partnerstadt Pinerolo. Wie beim Giro d’Italia rücken heute wieder einige Alpini mit ihren Federhütchen an, um an der Strecke Spalier zu stehen und so an den 150. Gründungstag Italiens zu erinnern.

Die heutige Etappe ist zweifelsfrei schwerer, weil bergiger, als die gestrige Fahrt nach Gap. Nach der Passage von Briançon geht es auf den Col de Montgenèvre – einen Anstieg der 2. Kategorie. Nach der Abfahrt lauert die Fahrt hoch nach Sestrières (1, Kategorie). Hier könnte sich was in der Gesamtwertung tun.

Das Ende der heutigen Etappe ähnelt wieder der von gestern. Kurz vor Schluss geht es dann am Pramartino noch einmal mit Kategorie 2 nach oben, bevor eine weitere – wenn auch kürzere Abfahrt nach Pinerolo folgt.

Die Schlecks sind keine guten Abfahrer. Das konnte man gestern wieder bewundern. Außerdem kommen sie mit usseligem Wetter nicht so gut klar. Météo France hat für heute aber keine großartigen Hoffnungen gemacht – es bleibt verregnet. Die Taktik der Luxemburger “Wir warten bis es in die Alpen geht” könnte sich als Griff ins Klo erweisen.

Fakten-Check:
Länge:  179 Kilometer. Profil: Alpin. Zwei Berge der 3. Kategorie und dann geht es stramm nach oben. Wer gewinnt? Nach der taktischen Meisterleistung von Thor Hushovd gestern, traue ich ihm einen weiteren Etappensieg zu.

Bike-Check:
An jedem Rad sind Getränkehalter. Warum? Trinken ist das A und O während der Etappe. Sechs Liter sind ganz normal. An heißen Tagen schütten die Rennfahrer noch mehr in sich hinein. Neun Fahrer sind in jedem Team. Da haben die Begleitfahrzeuge einiges an Flaschen pro Tag an die Rennfahrer auszugeben.

Tomme

Fromage du Terroir1: Tomme
Der Tomme ist ein Kind  der Alpen. Er wird schon seit Urzeiten aus Kuhmilch hergestellt. Er hat eine etwas zähe, graue Kruste. Man kann sie wohl essen – ich mache es nicht. Passendes Getränk: Ein schön gekühlter Apremont – ein Weißwein aus den Alpen.

Foto Piazza by Bumba (Eigenes Werk) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Foto Tomme by Francine Sautret [GFDL or  CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 16. Etappe

Heute geht’s von Saint-Paul-Trois-Châteaux im Rhône-Tal nach Gap an der Route Napoléon. Einfältige Gemüter könnten von einer weiteren Überführungsetappe in die Alpen sprechen, an deren Ende mit dem Col de Manse, einem Berg der 2. Kategorie, ein erster Vorgeschmack gegeben wird, für das was an Prüfungen in den nächsten drei Tagen ins Haus steht.Mind the Gap. Bei der 2003er-Ausgabe galt die Etappe von Le Bourg-d’Oisans nach Gap auch als so eine Überführungsetappe. Aber: 2003 war die Jahrhunderttour. Die Höllentour. Zur 100. Auflage hatten die Veranstalter die Tour von 1903 nachempfunden. Es ging im Uhrzeigersinn durch die Grande nation.

Die Alpen waren schon überwunden. Nationalfeiertag, es war brüllend heiß. Armstrong – wer auch sonst – hatte in L’Alpe d’Huez das gelbe Trikot übernommen. Beloki lag an 2. Position. Der Amerikaner ließ ihn nicht aus den Augen. Dann: Die Abfahrt von der Côte de La Rochette nach Gap. Beloki ist unmittelbar vor Armstrong. An seinem Hinterrad schmilzt der Reifenkitt auf der heißen Felge und der Schlauchreifen springt ab. Beloki stürzt, erleidet mehrere Knochenbrüche. Und Armstrong? Er behält die Nerven und das Rad unter Kontrolle. Der Amerikaner liefert einem unglaublichen Husarenritt quer durch die Botanik inklusive Tragepassage.

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=RtZhG2kWVLY

Fakten-Check:
Länge: 162,5 Kilometer. Profil: Es geht bergauf. Es geht beständig bergauf. Bei Rennkilometer 151 steht dann noch die Bergwertung am Col de Manse ins Haus, bevor es auf die Abfahrt nach Gap geht. Wer gewinnt? Es ist eher eine Ankunft für Ausreißer als für klassische Sprinter. Philippe Gilbert oder Thor Hushovd könnte das Rennen machen.

Bike-Check:
Die Profis wechseln am zweite Ruhetag die Ketten. Sollten wir das auch tun? Kommt drauf an. Die Rennfahrer haben schon über 1000 km hinter sich. Da dürfte die Kette ausgeleiert sein. Für den Hausgebrauch liefert eine Kettenlehre sicheren Aufschluss. Die legt man einfach zwischen die Glieder auf die Kette. Rutscht sie durch, ist die Kette hin.

Fromage du Terroir1: Caillou du Rhône
Mit dem Caillou du Rhône habe ich den Begriff “désaltérer – löschen” gelernt. Halt mich zurück! In Valvignères, einem total verschnarchten Winzerdörfchen im Département Ardèche, stand das Basislager. Auf halbem Weg zum nächsten Marktflecken, Alba-la-romaine, hatten wir schon den Bauernhof von Monsieur Muller entdeckt. Gleich hinter einer Kurve, an einer kleinen Steinbrücke, die über einen Bach führt.
Wer ist Pieter Bruegel (der Ältere)? Ein Dilettant, wenn man diesen Bauernhof gesehen hat. Ein Eselasyl? Sowieso. Ein graues Dutzend, in ausrangierten Wohnwagen. 30 kläffende Hunde, alle irgendwo an der Straße aufgesammelt. Muller: “Pas de peur. Ils sont bons.” Monsieur Muller hat ein großes Herz. Na gut, wir steigen vorsichtig aus. Irgendwo läuten die Glocken einer Ziegenherde.
Wir starten vorsichtig: “Haben Sie Eier.” – “Klar doch, wie viele?” – “Öh, ja, öh, erstmal sechs.” Wir gehen in eine Scheune. Hühner fliegen auf. Muller greift scheinbar wahllos in Strohballen. “Die sind noch warm – von heute. Sonst noch was?” – “Man sagt, Sie hätten auch Käse.” Wir gehen links ums Haus. Kommen an eine moderne, mehrfach verglaste Tür. Treten in einen OP ein. “Sie warten bitte hier.” Muller verwandelt sich in eine Hygienefachkraft in kompletter Ghost-Buster-Montur und kärchert kurz mal über die Fliesen. Verschwindet und bringt ein paar frische Käse. “Vier Stück bitte. Bis dann mal.”
Sonntag. Markt in Alba. Ein Stand mit riesigen Landbroten. Frau Beyer, eine Deutsche, mit ihren Marmeladen am Renault Méhari. Brotbeutel aus provencalischen Stoffen. Grobe Salamis. Ist da nicht auch Monsieur Muller? Ja, klar. “Hallo, dann bitte nochmal vier, wie bei Ihnen auf dem Hof. Und was sind diese grauen Dinger da?” – “Ils sont plus mûri – die sind schon reifer. Probieren?” Wo wir schon mal da sind. Muller gibt ‘ne Messerspitze. Kurzerhand in die Futterluke geschoben und ohne Show folgt diese wedelnde Bewegung vor dem Mund, bei der die Hand im Gelenk um 90 Grad abgeknickt ist. Schnappatmung setzt ein. “Un peu fort.” – Ja, Monsieur Muller der ist kräftig, sogar sehr kräftig! – “Am besten schmeckt der mit einem Chateauneuf du Pape.” Fazit: Ohne unmöglich – mit CdP ein Gedicht.

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 15. Etappe

Vorletzte Chance für die Sprinter in Montpellier. Denn am Dienstag nach dem Ruhetag warten schon die Alpen. Und danach bleibt nur noch die Ankunft auf den Champs Élysées in Paris. Zuletzt gab es hier 2009 ein Mannschaftszeitfahren im Rahmen der Tour de France, das vom Team Astana gewonnen wurde.

Montpellier

Obwohl die Tour schon mehr als 20 Mal zu Gast in Montpellier war, schaftte nur einer den Doppelsieg: Der Tourchampion von 1933, der Pariser Georges Speicher – genannt Le Dandy. Er war 1934 und 1935 Erster in der nach Marseille und Nizza drittgrößten französischen Stadt am Mittelmeer.

Olaf Ludwig ist der bislang einzige Deutsche, der in Clapas, wie viele Südfranzosen die Stadt nennen, einen Erfolg feiern konnte. Vielleicht gelingt ja heute André Greipel mit seinem zweiten Tour-Etappensieg die Neuauflage.

Fakten-Check:
Länge: 193 Kilometer. Profil: Flach. Eine Bergwertung der 4. Kategorie – schlappe 2 Kilometer lang. Da rollen die Rennfahrer so drüber. Es heißt also wieder Sprintankunft. Wer gewinnt? Mark Cavendish. Die letzte Kurve ist 4 Kilometer vor dem Ziel. Ankunft ist auf der Avenue de Vanières.

Bike-Check:
Klickpedale sorgen nicht nur für sicheren Halt beim “runden Tritt”, sondern erleichtern auch Fahrmanöver. An den Kreisverkehren kann man gelegentlich sehen, dass die Fahrer mit einem Bunny-Hop über die zentrale Insel fahren. Dafür wird das Vorderrad angehoben und es folgt ein Sprung, bei dem das Hinterrad mit abhebt. So wird ein Defekt an beiden Laufrädern vermieden, der durch eine Bordsteinkante ausgelöst werden könnte.

Damit kommt man auf dem Rennrad sogar über höhere Hindernisse als eine Bordsteinkante:

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=qy_EthMwUvw&NR=1

Fromage du Terroir1: Roquefort
Als mein Großvater seinen mitgefangenen Kameraden einen Roquefort zur Verpflegung während der Bauarbeiten am Stauwerk an der Drac nahe Grenoble (übrigens EZF am kommenden Samstag) brachte, war das Theater groß. “Spieß, was haste Dir da für verschimmeltes Zeug andrehen lassen?” Als mein Großvater dann bei der Verpflegungsstelle reklamierte, bekam er zu hören:“Non, non, Monsieur. Grande délicatesse.” Tja, probiert und mit einem Schluck Rotwein runtergespült, schmeckte der Roquefort dann auch den deutschen Kriegsgefangenen. Die Behauptung meines Großvaters, Roquefort sei während des Zweiten Weltkriegs aus Kuhmilch hergestellt worden, ist nicht belegt. Plinius (dem Älteren) war schon als Schafsmilchkäse bekannt – und so ist es bis heute geblieben. Was trinken? Ein Gigondas von der Rhône ist die richtige Wahl. Wer zu Blauschimmel lieber Weißwein trinkt, könnte einen Picpoul de Pinet testen.

Foto Montpellier: Par Fritz Geller-Grimm (Travail personnel) [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons
Foto Rocquefort: Dominik Hundhammer under Creative Commons [CC-BY-SA 3.0] oder GNU 1.2, via Wikimedia Commons

 

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 14. Etappe

“Hoch wie die Hämatokritwerte der Fahrer türmen sich die Berge vor ihnen auf”, Klaus Angermann, Tour de France 1998.

Plateau de Beille

Wer am Plateau de Beille den Sieg davontragen konnte, gewann bislang die Tour de France. So war es 1998 bei Marco Pantani, 2002 und 2004 bei Lance Armstrong und 2007 bei Alberto Contador – bei dem allerdings besonders kurios.

2007 war das Jahr, in dem ARD und ZDF hastig die Berichterstattung eurosport überließen. Das sei ja alles gar nicht echt, was da in Frankreich gezeigt werde, könne man den Zuschauern nicht zumuten usw. Los ging es damals in London. Ein schönes Spektakel mit Big Ben, Horse Guards und Abfahrt an der Tower Bridge. Fabian Cancellara gewann das Gelbe Trikot und musste es erst in Le Grand-Bornand an Linus Gerdemann abgeben, der eine sensationelle Abfahrt von der Colombière hingelegt hatte.

Gerdemann behielt das Gelbe Trikot allerdings nur einen Tag. Er musste sich auf der Etappe nach Tignes dem Dänen Michael Rasmussen geschlagen geben.

Beim Zeitfahren in Albi setzte dann erstes Augenreiben ein. Alexander Winokurow war auf der Etappe von Chablis nach Autun von einem Motorrad gerammt worden und hatte eine ordentliche Platzwunde am Knie, die mit 15 Stichen genäht werden musste. Mit Wickel am Bein deklassierte er die Zeitfahrer Cadel Evans und Andreas Klöden.

Am Plateau de Beille siegte Contador und dann holte Winokurow wieder den Hammer raus. Attacke am Peyresoude und Sieg in Loudenvielle.

Am zweiten Ruhetag kam dann raus, dass Winokurow mit Blut gepanscht hatte. Rasmussen hatte sich Kontrollen entzogen und durfte einen Tag später nach seinem Sieg am Aubisque die Sachen packen. Die Tour verließ Pau ohne Gelbes Trikot. In Castelsarrasin übernahm dann Contador das als Zweitplatzierter Gelb und behielt es bis Paris.

Positive Erinnerungen der anderen Art dürfte Thomas Voeckler an die Ankunft auf dem Plateau de Beille haben. Auf der Etappe nach Chartres übernahm der auch heute Gesamtführende das Gelbe Trikot von keinem geringeren als Lance Armstrong. Bei der Bergankunft der damals 5. Etappe verteidigte er es am Plateau gegen den Amerikaner mit einem hauchdünnen Vorsprung von 22 Sekunden. Voeckler rettete Gelb in die Alpen, wo der Armstrong dann bei der Etappe nach  Villard-de-Lans den Sack zu machte.

Gelingt ihm das heute wieder? Es kommt auf das Verhalten der Favoriten an. Wenn die noch nicht alle Karten auf den Tisch legen wollen – aus Angst vor den Hammeretappen in den Alpen – könnte es gelingen. Denn am Sonntag sind wieder die Sprinter dran, bei der Überführungsetappe von Limoux nach Montpellier.

Fakten-Check:
Länge: 168,5 Kilometer. Profil: Alpin. Zwei Bergwertungen der 1. und 2. Kategorie. Nach der Port de Lers (3. Kategorie) folgt der Anstieg der Ehrenkategorie zum Plateau de Beille. Dort oben wird der letzte Kilometer wieder flach und mir klingen noch die Worte von Klaus Angermann und Toni Rominger in den Ohren:”Jetzt sind sie im offenen Gelände.” Wer gewinnt? Keine Ahnung. Fränk Schleck?

Bike-Check:
Einige Fahrer nutzen die Leistungsmessgeräte eines deutschen Herstellers. Sensoren übertragen Daten wie Trittfrequenz, Herzrhythmus, Wattleistung usw. auf ein kleines Display am Lenker des Fahrers, auf das Laptop des sportlichen Leiters und auf die Herstellerseite im Internet: http://data.srmlive.de/tdf/

Fromage du Terroir1: Bethmale

Bethmale

Es ist ein sehr alter Käse aus roher Kuhmilch. Er soll während der Belagerung durch die Mauren entstanden sein. Fakt ist, dass bereits Ludwig VI., genannt der Dicke, ihn schätzte, als er ihn bei einer Passage der Region vorgesetzt bekam. Seit knapp zehn Jahren versuchen einige passionierte Winzer, das historische Weinbaugebiet im Ariège zu reaktivieren. Kleine Mengen, Ernte per Hand, oft in Bio-Qualität. Unter dem Etikette Côteaux d’Engraviès kommen fleischige Landweine aus den Rebsorten Cabernet-Franc und Merlot in den Handel, die mittlerweile regelmäßig in der Fachpresse gut abschneiden.

Foto Plateau de Beille: NASA Earth Observatory, Public Domain, via Wikimedia Commons
Foto Bethmale par PANDA 81 (Travail personnel) [Public domain], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 13. Etappe

Da geht's rauf

Heute steht mit Pau – Lourdes eine eigentümliche Etappe auf dem Programm. Es ist zwar schon eine schwere Bergetappe – immerhin steht mit dem Col d’Aubisque ein Berg der Ehrenkategorie auf dem Programm. Die Ziellinie befindet sich dann allerdings am Ende einer über 40 Kilometer langen Abfahrt hinter dem Gipfel.

Streckenchef François Pescheux glaubt, es sei eine Ausreißer-Etappe. Er könnte richtig liegen, denn der Aubisque wird von der steilen Westflanke angefahren. Die wirkt sehr selektiv. Andererseits: Die Abfahrt ist so lang, dass das Feld – zumindest zum Teil – wieder zusammenrollen kann.

So wie Thomas Voeckler und seine Helfer sich gestern präsentiert haben, könnte ein weiterer Tag im Gelben Trikot drin sein. Was ist mit Contador? Der fuhr mit einem relativ dicken Gang zur Bergankunft. Dieses typische Tänzeln auf dem 32er Ritzel haben wir nicht gesehen. Abschreiben darf man ihn trotzdem nicht. Die Schleck-Brüder sind gut in Form, scheinen aber die Entscheidung in den Alpen herbeiführen zu wollen.

Heute können wir ein wenig durchatmen. Am Samstag geht es dann wieder voll zu Sache.

Fakten-Check:
Länge: 152,5 Kilometer. Profil: Alpin. Über je eine Wertung der 3. und der 4. Kategorie geht es peu à peu bergauf. Bei Rennkilometer 82 wartet der Zwischensprint und dann ruft ab Kilometer 93,3 der Col d’Aubisque. Bei Kilometer 110 beginnt die endlose Abfahrt in den Wallfahrtsort Lourdes. Wer gewinnt? Levi Leipheimer.

Bike-Check:
Vor einigen Tagen hatte ich ja schon gegen die Carbon-Felgen gewettert. Die Dinger sind einfach schlecht zu kontrollieren – besonders bei Nässe. Es ist wirklich schade für Klödi, dass es ihn so böse erwischt hat. Andererseits: Nach dem vorausgegangenen Sturz, hatte ich ihn schon nicht mehr auf der Liste.

Fromage du Terroir1: Ossau-Iraty

Ossau-Iraty

Der Ossau-Iraty ist ein Schafskäse aus dem Baskenland. Es ist ein milder und zugleich sehr komplex schmeckender Käse. Ohne es zu wissen, könnte man ihn auch für einen Käse aus Kuhmilch halten. Er hat überhaupt nichts mit Feta & Co. gemein, sondern ist zart, ja fast cremig wie ein junger Gouda. Ein trockener Jurançon ist der passende Wein aus der gegend.

Foto Col d’Aubisque By Anthospace (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Foto Käse by Kubigula (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Sommertheater: Lesetipp „Unterwegs – On The Road“

Es gibt Bücher, die einen umhauen, wenn man sie das erste Mal liest. Die einen packen und dann ein ganzes Leben lang nicht mehr loslassen. „Unterwegs (On The Road)“ von Jack Kerouac ist ein solches Buch. Ich war 15 oder 16, als es mir zum ersten Mal in die Hände fiel, und vom ersten Satz an (“Als ich Dean zum ersten Mal traf…“) war ich gefangen. Ich hab das Buch in ein paar Stunden durchgelesen, beinahe genauso, wie Kerouac es geschrieben hat.
Das Buch, die Geschichte von Sal und Dean, die kreuz und quer durch die USA unterwegs sind, auf der Suche nach dem nächsten Kick, dem nächsten Mädchen, dem Sinn des Lebens und sich selbst, ist ein einziger rauschhaft improvisierter Jazz-Chorus. Heftiger, ungestümer Bebop, der von Spontaneität und Inspiration lebt. Das liest man in einem Rutsch oder gar nicht.
Und Kerouac hat den ersten Entwurf des Buchs geschrieben, wie ich ihn gelesen hab, am Stück. Statt immer wieder neue Blätter in seine Schreibmaschine zu spannen, hatte er einen Stapel Papier zu einer 40 Meter langen Rolle zusammen geklebt, die durch seine Schreibmaschine lief, während er die Geschichte seiner Freundschaft zu Dean Moriarty (in Wirklichkeit Neal Cassady) und sein Leben unterwegs, auf der Straße (On the Road) erzählte, ohne Pause, ohne Absätze, (fast) ohne Punkt und Komma.

Jack Kerouac

So hat Kerouac die Urfassung (engl. „Original Scroll“) in den frühen Fünfziger Jahren geschrieben, erst 1957 war sein Verlag bereit, das Buch zu veröffentlichen. Nachdem Kerouac es mehrfach umschreiben musste. Der Rest ist die Geschichte eines Welterfolgs, und darüber hinaus eines der einflußreichsten Bücher, die je geschrieben hat. Jeder Autor, den ich kenne, hat „Unterwegs“ gelesen. Und fast jeder hat anders geschrieben, nachdem er dieses Buch gelesen hat.
Vor allem aber ist „Unterwegs“ ein Buch, das ungeheuren Spaß bereiten kann (Doch, das geht auch mit sogenannter Literatur. Gerade mit Literatur.). Besonders wenn man selber unterwegs ist.
Warum ich das Buch hier empfehle? Weil es ein sehr männliches Buch ist. Dieser ire, fantastische, improvisierte Trip, auf den Kerouacs Helden Sal und Dean gehen, ist vieles, vor allen Dingen aber eine typische Männergeschichte.
Seit letztem Jahr kann man auch die Originalfassung (also das, was Kerouac auf die 40-Meter-Rolle getippt hat) lesen. Ist Geschmackssache, was einem besser gefällt. Ich steh auf die Originalfassung. Ist direkter. Roh. Haut rein. Bebop eben.

Foto Kerouac by Tom Palumbo from New York, NY, USA (Jack Kerouac) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Tour de France – 12. Etappe

Luz Ardiden – da werden Erinnerungen wach. 2003: Armstrong gegen Ullrich. Auf dieser Etappe hätte es den Amerikaner fast erwischt. Armstrong fädelt beim Aufstieg in die Tüte eines Zuschauers ein, stürzt. Ullrich wartet. Armstrong rutsch aus dem Pedal, bekommt den Sattel in die Klöten – und fährt weiter. Chechu Rubiera, Bergspezialist in Diensten von US-Postal, brachte den Amerikaner damals zurück ins Rennen, das Armstrong mit einem Sieg an der Bergankunft abschloss. Radsportmomente, in denen jeder Fan schreiend vor dem Bildschirm steht.

http://youtu.be/27SFeKk2LpY

Ach ja, der Tourmalet steht heute auch noch auf dem Programm. Man kann nicht vom Tourmalet reden und von Sainte Marie de Campan schweigen. Das Dingen mit der Schmiede? Genau. 1913 in der Abfahrt vom Tourmalet wird Eugène Christoph, der alte Gallier, von einem Begleitfahrzeug gerammt. Die Gabel bricht. Er latscht 14 Kilometer mit dem Rad ins Tal, um unter der Aufsicht eines Kommissärs das Dingen zusammen zu schmieden. Christoph verliert Stunden und bekommt vom Kommissär noch eine Strafminute eingeschenkt, weil ihm Corni, der elfjährige Steppke des Schmieds, den Blasebalk zieht. Ergebnis: Toursieg futsch.

1919 war Christoph übrigens der erste Träger des frisch eingeführte Gelben Trikots. Wieder beendete ein Gabelbruch seine Hoffnungen auf den Toursieg. Nach Gabelbruch numero 3 bei der Abfahrt vom Galibier, lieh er sich das Dienstrad des Ortpfarrers  in Valloire, überquerte damit den Col du Télegraph und kam mit drei Stunden Zeitverlust im Zielort Genf an. Es gibt ein sensationelles Foto von Eugène Christoph aus dem Jahr 1965. Es zeigt Christoph im originalen Maillot Jaune von 1919, wie er sich im Alter von 80 Jahren das Finale der 52. Tour im Prinzenpark-Stadion ansieht. Reporterlegende Klaus Angermann hat es damals, bei seinem Tourdebut als Journalist, noch unwissend, wen er da vor der Linse hat, mit seiner privaten Leica auf Dia geschossen.

Wenn Kartenausschnitte und detaillierte Profile im offiziellen Roadbook abgebildet werden, bedeutet das immer höchste Schwierigkeiten. Auf der diesjährigen Tour ist das heute zum ersten Mal der Fall: Es geht ans Eingemachte. Wir sind zwar noch nicht auf dem Dach der Tour, aber es kommt schon knüppeldicke.

Fakten-Check:
Länge: 211 Kilometer. Profil: Hochgebirge. Premiere für die Hourquette d’Ancizan, eine Steigung der 1. Kategorie. Der Tourmalet (Ehrenkategorie) wird in Ost-West-Richtung überquert, die Tour kommt also gar nicht direkt an der Schmiede vorbei. Die liegt ein paar Meter rechts in Richtung Bagnères-de-Bigorre, gleich am Ortseingangsschild. Und zum Schluss – weil es so schön ist: Luz Ardiden nochmal Ehrenkategorie mit Bergankunft. Der übelste Teil beginnt ab Kilometer 4 in der insgesamt 13 Kilometer langen Steigung . Wer gewinnt? Triumphfahrt von Andy Schleck.

Bike-Check:
Bei Schwierigkeiten am Berg kann man folgendes versuchen: Ein bis zwei Gänge schwerer schalten und raus aus dem Sattel. Dann wieder in den leichteren Gang schalten und setzen. Manchmal kommt man dadurch in einen guten Rhythmus.

Fromage du Terroir1: Pechegos
Der Pechegos ist ein zarter sehr empfindlicher Ziegenkäse. Damit er intakt bleibt, umwickelt der Käser ihn mit einem Stück Rinde von einem Nadelbaum. Die Käserinde wird regelmäßig mit einer salzigen Lauge abgewaschen, um den Käse ein besonderes Aroma zu verleihen. Dazu passt ein Roter von den Côtes du Frontonnais. Die lokale Rebsorte Négrette gibt den dortigen Weinen, die aus hauptsächlich aus Syrah und Cabernet-Franc gekeltert werden, den typischen Geschmack. Viele Rotweine aus dem Südwesten profitieren, wenn man sie kühl trinkt. Santé!

Foto: Par David Blaine from Spokane, USA (christophe) [CC-BY-2.0 ()], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.