Alte Liebe rostet nicht – der Flieger und Uhrenbauer Helmut Sinn

Helmut Sinn, der junge FliegerEr hat die Geschichte des Fliegerchronographen maßgeblich mitgeschrieben, seine Uhren befinden sich seit Jahrzehnten in vielen Flugzeugen. Unzählige Piloten schwören noch heute auf die exakten und gut ablesbaren Zeitmesser am Handgelenk. Wer ist der Mann mit der Junkers Ju 52/3m auf der Visitenkarte?

Helmut Sinn: Er ist Zeitzeuge fast eines ganzen Jahrhunderts. Seine Eltern sind um 1910 aus der Pfalz nach Metz, Lothringen umgesiedelt und haben dort ein Geschäft für Öfen und Herde gegründet. Am 3. September 1916 wurde er in Metz geboren.

Nach Ende des ersten Weltkrieges 1918 musste die Familie Elsass-Lothringen verlassen. Haus und Grund wurden enteignet, so dass das gesamte Vermögen zurückgelassen werden musste. Sie kamen dann mittellos in die Pfalz zurück, wo die Not, insbesondere für Flüchtlinge, groß war. Die Franzosen hatten auch das Rheinland besetzt und unter den Besatzungstruppen waren in der Nähe die französischen Fliegereinheiten stationiert. Tag und Nacht konnte Helmut Sinn die Flieger sehen und hören. Dabei entstand der unumstößliche Wunsch einmal Flieger zu werden.

He's got the whole world in his hands...

Der Vater war 100% schwerbeschädigt, so dass die Mutter die fünfköpfige Familie mit einem kleinen Kolonialwarenladen ernähren musste. Deutschland war verarmt, besetzt und musste für die Besatzungskosten aufkommen. Wer diese Zeit nicht erlebt hat, kann sich die Armut nicht vorstellen.

Nach 1930 bis 1935 besserten sich die Verhältnisse und man konnte unter bescheidenen Verhältnissen seinen Lebensunterhalt verdienen. In dieser Zeit gab in der Gegend, in der Familie Sinn lebte, durch den Westwall und den Straßenbau Arbeit. Nachdem die Franzosen das Rheinland verlassen hatten fing der Aufbau der Wehrmacht an. Helmut Sinn meldete sich als Flugzeugführeranwärter, musste vorher Arbeitsdienst in der Pfalz ableisten und wurde 1936 einberufen. Bereits in der Grundausbildung schloss er sich dem zivilen Segelflugverein Würzburg an und erreichte schnell die Lizenz, in einer Zeit in der man noch ohne Lehrer Segelflieger werden konnte. 1937 wurde er zu einer Aufklärungseinheit versetzt und von dort aus zur Motorflugschule nach Quedlinburg.

Ein Wiedersehen

Er wurde noch von Zivilisten im Motorflug ausgebildet, ein Traum war erfüllt. Doch schon kurze Zeit später begann der zweite Weltkrieg. Zunächst flog er vorwiegend Beobachtungs- und Aufklärungseinsätze am Ärmelkanal in Frankreich. Schon nach drei Wochen wurde mit der Französischen Republik ein Friedensvertrag geschlossen und er freute sich im Glauben, dass der Krieg vorbei sei. Seine Einheit wurde in die Nähe von Wien nach Österreich verlegt, wo er seine gesamte Freizeit bei Segelfliegern in Pressburg verbrachte. Doch dann folgte der Balkanfeldzug, in dem er ebenfalls als Aufklärer zum Einsatz kam. Bereits nach einigen Wochen war auch dieser Feldzug beendet. In Posen und Waldpolenz wurde er anschließend auf größere Flugzeuge umgeschult. Gleich zu Beginn des Russlandfeldzuges wurde er bei einer Notlandung im Wald verletzt und musste einige Monate in einem Speziallazarett in Paris Clichy behandelt werden. Nachdem er wieder fliegen durfte, wurde er ins heutige Polen, zur Blindflugschule Posen, versetzt und als Fluglehrer ausgebildet. Bis zum Ende des Krieges war er dann Fluglehrer auf Junkers Ju 52/3M, Ju 88, HE 111, HE 86 und einigen mehr. In erster Linie schulte er Piloten auf den Nachtflug um.

Erinnerung

Nach Ende des Krieges schaffte er es, sich nach Westen durchzuschlagen. Er wurde von den Amerikanern in ein Freilichtlager interniert und nach einigen Monaten auf die Insel Fehmarn verlegt. Von dort wurde er schwer erkrankt entlassen. Jetzt war der Krieg endlich beendet, aber ebenso der Traum vom Fliegen.

Wie seine Eltern am Ende des ersten Weltkrieges stand er nun mit 28 Jahren vor dem Nichts. Schwer erkrankt wegen Hungerödemen aus der Gefangenschaft und mit einer zerstörten Ehe. Was nun?

Die zweite Leidenschaft

Außer dem Fliegen hatte er noch eine zweite Leidenschaft: Uhren. Aber es gab kaum Industrie, keine Verkehrsmittel und letztlich hatte die Bevölkerung kein Geld. Für jede Scheibe Brot musste man eine der wertvollen Lebensmittelmarken abgeben. Was Helmut Sinn in dieser Zeit verdiente, reichte kaum für die Ernährung. Wegen der Gefahr erneut in ein Lager zu kommen, durfte er als in Lothringen Geborener nicht in die französische Besatzungszone gehen. Doch konnte er bei Bekannten in Frankfurt am Main unterkommen. Und auch hier wurde die Zeit besser.

Eine Sinn

Sinn

Wieder einmal ging es ohne Lehre in einen Beruf, der nicht minder schwierig war als eine Pilotenausbildung. Schnell hatte er ausfindig gemacht, wo es Uhren zu kaufen gab und mit einem Rucksack fuhr er auf einem Mofa zu den Uhrenfabriken in Pforzheim. Bald hatte er auch ein Auto, das den Krieg überstanden hatte. Es war ein Viertakter von Audi. Oft fuhr er in den frühen Morgenstunden in den Schwarzwald, kaufte ein und verkaufte die Uhren auf der Rückfahrt. Nicht selten stand er am nächsten Morgen wieder beim selben Hersteller. Schon damals stellte er einige Uhren selber her oder ließ sie anfertigen und schon um 1953 hatte er ein florierendes Geschäft. Die meisten Umsätze machte er anfangs mit den in Südwestdeutschland stationierten Amerikanern, die Geld hatten. Erst nach der Währungsunion kam auch nach Deutschland Geld, wenn auch zunächst sehr bescheiden.

Am Arbeitsplatz

Durch die Uhren kam Helmut Sinn um 1950 in die Schweiz. Der erste Flugplatz den er sah, erweckte wieder die alte Berufung, er machte dort erneut die Flugscheine. Fünf Jahre später war in der Bundesrepublik Deutschland das Fliegen wieder erlaubt und er konnte sie umschreiben lassen. Als er, 2003, mit 87 Jahren nach 64 Jahren aktiver Fliegerei den Flugschein nicht mehr verlängern ließ, hatte er über 15.000 Starts im Flugbuch stehen. Vom Segelflug, über Passagier- und Kunstflug bis zum Blind­fluglehrschein für die Ju 52/3m reichen die Einträge einer bemerkenswerten Karriere in der Luft.

Die eigenen Uhren

Wegen des Flugverbots für Deutsche nach dem Krieg beteiligte er sich damals in seiner Freizeit an Autorallyes und wurde 1953 sogar Klassensieger bei der „Rallye Algier – Kapstadt“. Es ging im von Öttinger mit einem Porsche-Motor getunten VW-Käfer etwa 18.000 km unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen von Algerien an der Nordküste bis zu der südlichsten Spitze Afrikas. Seine Firma „BASI“ – für „Bader und Sinn“ – übertrug er während seiner Abwesenheit seiner Frau und seinem Partner. Nach der Rückkehr gegründete er neues Unternehmen: „Sinn Spezialuhren Frankfurt am Main“. Um nicht mit dem noch zu dieser Zeit existierenden Unternehmen „BASI“ in Konkurrenz zu treten wurde vereinbart, dass „Sinn Spezialuhren Frankfurt am Main“ ausschließlich instrumentelle Uhren anbietet.

Ein Mann der Praxis

Er fing also an, Fliegeruhren herzustellen. Als Einbau-Flugzeugchronograph gab es seinerzeit nur die Borduhr von Junghans J 30 BZ und einige sehr alte Konstruktionen. Helmut Sinn erkannte sofort, dass diese Uhren aus Entwicklungen stammten, die Jahrzehnte alt waren. Deshalb gestaltete er aus dem Werk Valjoux VJ 5 seine erste Borduhr. Am Ende der Entwicklungen hatte er ein eigenes Kaliber mit Zentralminutenzähler. Dieses Kaliber HS 58 wurde seit 1957 unter anderem von der Lufthansa flächendeckend, in einigen Junkers Ju 52/3m und wird noch heute in vielen Flugzeugen der Bundeswehr verwendet. Auch erwähnenswert die Tatsache, dass 1985 am Handgelenk  von Astronaut Reinhard Furrer während der Spacelab Mission eine Sinn „142 S“ am Handgelenk tickte und damit den ersten automatischen Chronographen ins Weltall brachte.

Jubilar Sinn

Nach dem Verkauf seines Unternehmens „Sinn Spezialuhren Frankfurt am Main“ gründete er mit 82 Jahren als „ältester Jungunternehmer Deutschlands“ 1998 die Firma „Jubilar Uhren“ mit den Marken „Chronosport“ und „Guinand“. Dazu hat er mit Guinand das seit 1865 bestehende Schweizer Traditionsunternehmen, das seit 1960 einen Teil seiner Chronometer herstellte, gekauft. Dies, und der Umstand, dass um die Handelsaufschläge zu vermeiden, ausschließlich im Direktvertrieb an die Kunden verkauft wird, ermöglicht noch heute den Grundsatz: „Die denkbar beste Uhr zu dem machbar günstigsten Preis“.

Helmut Sinns faszinierendes Leben ist Thema des Dokumentarfilms „Die Zeitmaschine“. Die DVD gibt’s bei amazon, den Trailer hier…

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Fotos: Helmut Sinn, Robert Hill

Was liegt an – 26. 4. bis 1. 5.

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Wäre der Schwarze Freitag nicht, wär die Woche ganz okay. Okay, schwaches TV-Programm, dafür aber ordentlich Sport und am Donnerstag laufen im Kino zwei Popcorn-Filme an, die möglicherweise ganz sehenswert sind. Zum einen neue Comic-Verfilmung aus dem Marvel-Universum: „Thor“. Der arrogante Donnergott fliegt aus dem nordischen Götterhimmel wird auf die Erde verbannt und muss sich mit allerlei Menschlichem und Übermenschlichen herumschlagen. Der Trailer sieht überzeugend aus, wer nichts gegen schwachsinnige Prämissen und Kreaturen, die sich selbst für Götter halten und arg wichtig nehmen hat, kann ja mal einen Blick riskieren.

Apropos schwachsinnige Prämissen: beim zweiten halbwegs interessanten Filmstart der Woche handelt es sich um den fünften(!) Teil des Fast&Furious-Formats. Alles wie gehabt, jede Menge Auto-Stunts, Prügeleien, Mädels im Bikini und diesmal spielt auch noch Dwayne „The Rock“ Johnson mit, eigentlich sind alle Ingredienzen für einen Spaß-Film vorhanden… wäre da nicht eine Kreatur, die sich selbst für einen Gott hält und arg wichtig nimmt, genau: Vin Diesel foltert uns mit einem seiner ironiefreien Auftritte. Wer einen Protagonisten erträgt, der über das Talent einer Stehlampe und die Grazie eines Betonklotzes verfügt, kann sich eine Eintrittskarte kaufen. Ich warte auf die DVD, die kann ich mir zuhause preiswerter schön saufen als den Film im Kino.
Thema DVD – da lässt sich eine Entdeckung machen. „Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen“ kommt hierzulande ohne Kino-Umweg auf DVD heraus, fernöstliche Martial-Arts-Fantasy mit Atmosphäre, wenn der Film genauso viel Spaß macht wie der Trailer…

http://www.youtube.com/watch?v=bkfUaNGywLk

Sport. Heute Abend Hinspiel Champions-League-Halbfinale Schalke-ManU (Sat1), und hier ist Endstation für Schalke (ja, ich weiß, ich hab Schalke schon chancenlos gegen Inter gesehen), aber spätestens im Rückspiel sollte ManU alles klar machen. Morgen kommt dann Clásico III (Sky), Real gegen Barca und Real wird das Finale erreichen. Mit Defensiv-Fußball, dass es weh tut, aber Mourinho kann gegnerische Mannschaften lesen wie kein Zweiter. Und um Barca zu lesen hatte er wahrlich genug Zeit.
Überraschenderweise überträgt Kabel1 am Donnerstag um 21 Uhr das Euro-League-Halbfinale Porto gegen Villareal, für das andere Spiel (Benfica-Braga) muss man sich einen Stream suchen. Und am Wochenende die Platzierungsspiele der Bundesliga. Nein, Dortmund kommt nicht ins Stolpern. Unsinn.
Eurosport überträgt weiterhin die Snooker-WM aus Sheffield, bei Sport1 kann man endlich mal wieder Live-Tennis sehen (tägliche Übertragungen von den BMW-Open in München!), außerdem ab Freitag die Eishockey-WM, und am Sonntag startet die DTM, live übertragen von der ARD.
Bleibt die Glotze. Die Woche über läuft nix herausragendes, und dann kommt der Schwarze Freitag. Entweder, man versteckt die Fernbedienung, oder man bliebt einfach weg, bis diese Hochzeit vorbei ist. Die Familie Windsor zieht ihr Ding durch, der europäische Hochadel trabt zur Leistungsschau an, Frauen brechen keuchend vor dem Fernsehschirm zusammen und röcheln Unfug wie „Ihr Hut! Hast du ihren Hut gesehen?“… da hilft nur die Flucht. Geht angeln, macht eine ausgedehnte Wanderung, beschäftigt euch irgendwie, aber lasst die Glotze aus und haltet euch von den Hochzeits-Rockerinnen fern! Hier in Berlin gibt‘s sogar Public-Viewings, wir leben in einer großen Zeit…
Den Fernseher braucht man also erst Samstag einschalten, dann sendet 3Sat Shine a Light, Scorsese verfilmt ein Stones-Konzert, wobei die Backstage-Szenen mit Scorsese („Der Effekt würde Mick Jagger verbrennen? So richtig in Flammen aufgehen? Hm, wir wollen den Effekt, aber wir können doch nicht Mick Jagger verbrennen. Schade.“) amüsanter sind als das routinierte Stones-Gerocke.
Sonntag Abend dann ein Monty-Python-Themenabend auf arte, zuerst Erik der Wikinger (naja…), danach aber zwei Folgen einer sechsteiligen Doku über die stilbildenden Komiker. Spätestens jetzt sollte der Schwarze Hochzeits-Freitag vergessen sein. Eine schöne Woche, viel Spaß!

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Da draußen

Die Zeiten sind schon lange vorbei, wo Mann mit Speer und Tunnelblick durch die Wälder streifte, den Auerochs zu erlegen. Das heißt aber nicht, dass man sich damit abfinden muss, sein Leben ausschließlich in miefigen Büros, vor dem Bildschirm oder in der Knochenmühle eines Wechselschichtsystems zu verbringen.  Gelegenheiten zum Ausbruch aus dem städtischen Alltag gibt es immer, man muss sie nur wahrnehmen.
Überall, auch am Rande einer Großstadt finden sich Naturräume, Rückzugsräume, in denen man einen Auszeit nehmen kann.  Ein paar Quadratkilometer Wald und Flur sind alles, was nötig ist ist, um abzuschalten. Die schönsten Ecken finden sich oft direkt neben dem Massentreffpunkt Naherholungsgebiet. 1 Kilometer vom Parkplatz entfernt, auf einer Lichtung kann man schon allein sein.

Ein Platz zum Feuermachen zwischen zwei Waldwegen, jeder ist nur 20 Meter entfernt, man kann die Stimmen anderer Menschen hören und ist dennoch weit weg.
Nicht mal einer Landkarte bedarf es in diesen digitalen Zeiten. Google Earth hilft, die schönsten Flecken in unmittelbarer Nachbarschaft zu finden und die GPS-Funktion des Handy lotst einen dann auch wieder zum Auto oder Bahnhof zurück. Abgesehen davon, was wäre so schlimm daran, mal nicht zu wissen, wo genau man sich gerade befindet? Die wirklich schönen Flecken findet man nur, wenn man sich treiben lässt, und früher oder später kreuzt man die nächste Landstraße, ist die nächste Ortschaft nicht mehr weit.
Einer extra Ausrüstung dafür bedarf es auch nicht, kaum mehr als nötig wäre, um einen Nachmittag im unbedachten Fußballstadion zu überstehen. Na ja, die Schuhe dürfen gerne wasserdicht und geländegängig ein, aber sonst braucht es nicht viel, um einige schöne Stunden zu verbringen. Vielleicht eine klein verpackbare Hängematte für die Herbstsiesta?

Ein sinnvolles Accessoire ist natürlich der kleine Esbitkocher, den viele in der einen oder anderen Ausführung noch vom „Campingclub Oliv“ her kennen. Sei es nun die Fleck- oder Stricheltarnfraktion gewesen. Ohne Kaffee, Tee oder eine kleine Suppe ist die Pause nur halb so schön.

Unverzichtbar ist jedoch ein guter Freund, mit dem man loszieht, „verrückte“ Dinge zu tun. Ein Freund ist der, mit dem man schweigt, genießt, sich durch einige wenige Worte verständigt und von dem man weiß, dass er da ist.

Verrückt ist man aber nur in den Augen derer, die nicht dabei sind und sich gar nicht vorstellen können, auch nur für einige Stunden auf die lebensnotwendige Zivilisation in Form von Zentralheizung und Asphalt zu verzichten. Somit auch nicht erfahren werden, was es wirklich heißt draußen zu sein. Sich den alltäglichen Zwängen zu entziehen, sei es auch nur für kurze Zeit, das ist wirkliche Freiheit. Nicht mit Geld aufzuwiegen oder zu ersetzen, wichtiger als jeder Titel oder beruflicher Erfolg.

Männer sind auch Väter. Bei uns in der Familie war es üblich, am Wochenende wandern zu gehen. Frühmorgens los, am späten Nachmittag zurück. Das war einfach so. Mein Vater war da in seinem Element. Mit seiner üblichen Kluft – Baskenmütze, Wanderstock und Haferlschuhen – angetan, erklärte er uns Bäume, Pilze und wusste immer, wirklich immer, wo Norden war. Ein Orientierungssinn, den er in seiner Jugend eingetrichtert bekommen hatte und über den ich nicht verfüge. Vermutlich zum Glück, denn seine Ausbildung erfolgte in der HJ.
Aber lehren und lernen können Väter und Söhne zu jeder Zeit. Es gibt männliche Refugien ausserhalb mütterlicher Begluckung, die für eine gesunde Entwicklung einfach notwendig sind. Immer in Watte gepackt, wird aus dem Kind kein Mann. Deshalb ist es auch sinnvoll, eines Tages zu sagen „Junge, Du bist jetzt sechs Jahre alt, da wird es höchste Zeit dass Du lernst, mit einer Axt umzugehen“. Also geht es am nächsten Wochenende in den Wald und ein umgestürzter, morscher Baum ist auch schnell gefunden.
Die Regeln sind einfach. „Die Axt ist ein Werkzeug, mit dem man sich richtig verletzen kann. Du tust genau, was ich sage, sonst ist der Tag gelaufen. Nie mit der nackten Schneide herumlaufen, erst wenn Du stehst, packst Du sie aus. Bevor Du gehst, wird sie wieder eingepackt. Der Baum befindet sich zwischen Deinen Beinen und der Axt. Sie wird sauber geführt, ohne Wucht geschwungen. Erst kommt die Technik, dann die Kraft.“

Das geht dann eigentlich ganz einfach, nötig ist nur, den kindlichen Übermut unter Kontrolle zu halten und immer wieder die Technik zu kontrollieren „drei Schläge links, dann drei rechts, so entsteht die Kerbe. Nicht mit roher Kraft, aber mit Konzentration das Beil führen.“ Ja, so ein Beil ist gefährlich, aber noch gefährlicher ist es, den Kurzen von allem fernzuhalten, was  auch nur theoretisch eine Bedrohung der Gesundheit darstellen könnte. Selbstbewusstsein und manuelles Geschick wollen trainiert werden und wer könnte das einem Jungen besser beibringen als Vater oder Onkel?
Spätestens mit der Einschulung beginnt für unsere Kinder endgültig die Zeit des Stubenhockens. Waren es vorher schon Fernseher und Spielkonsole, die die Freizeit regierten, so kommt jetzt noch Sitzen und Lernen hinzu. Wie kompensiert man das als Vater? Man lässt seinen Filius die zwei besten Freunde einladen und geht dann zusammen in den abendlichen Wald, um dort ein Feuer zu machen.
Grundvoraussetzung ist ein bekanntes Ziel, ca. 30-40 Minuten zu Fuß entfernt. Die Kinder haben genug warme und wasserdichte Sachen dabei, denn nichts verdirbt die Freude an der Natur so nachhaltig wie Nässe und Kälte. Feuer wird nur dort entzündet, wo sich auch eine Feuerstelle  befindet. Alles bis auf das Feuerholz wird mitgenommen und auch wieder nach Hause geschleppt. Sehr wichtig neben den Streichhölzern ist auch ein geeigneter Fidibus, um eventuell feuchtes Holz einfacher zum Brennen zu bringen. Nie macht man so etwas in einem trockenen Sommer, die Waldbrandgefahr ist viel zu groß!

Würstchen und Brot an selbstgeschnittenen Ästen ins Feuer zu halten und dann mit Genuss zu essen, ist eine sehr elementare Erfahrung, die eigentlich jedes Kind mal machen sollte.
Das wichtigste kommt aber am Schluss, denn das Feuer muss auch gelöscht werden, indem man reinpieselt. Absolut unverzichtbar, denn die Sicherheit im Wald geht vor. Da kann dann noch eine weitere elementare Fertigkeit geübt werden, nämlich im Stehen zu pinkeln. Unglaublich, aber wahr, die Söhne alleinerziehender oder dominanter Mütter haben so etwas im Zweifelsfall nie gelernt. Um den zu erwartenden Hänseleien zukünftiger Klassenkameraden zuvorzukommen, ist hier jetzt die Möglichkeit zum Üben gegeben. Hinstellen, Hose auf, Piephahn raus, zurückziehen und laufen lassen. Natürlich zwecks Verhütung eines Waldbrandes, aber auch, weil Mann es kann und deshalb tun sollte, wenn er unter seinesgleichen ist.

Alexander Barduas Motto ist „Natur beginnt vor der Haustür. Er betreibt die Seite www.outdoor-professionell.de, die Informationsquelle für jeden, der sich gerne in der freien Natur aufhält. Der Schwerpunkt liegt bei Informationen zur Outdoorausrüstung und Testberichten.

Bild Nr. 4: Nagual, www.bushcraftuk.com
Alle anderen Bilder: Alexander Bardua

Links der Woche – 16.4. bis 21.4.

Jeden Freitag (diese Woche wg. Ostern schon am Donnerstag) auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum langen Oster-Wochenende, viel Spaß!

Straßenbahnführer werden – davon hat man als Junge mal geträumt.
Ein knallharter Job

Spielt noch wer Tetris?
Cooler XCD-Cartoon

Die Geburt einer Auto-Nation.
Spiegel-„Eines Tages“ über die IAA 1951

Ganz normale Männerkriegsgespräche.
Besprechung des Buchs „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ in der taz

Wenn mein Ringfinger länger ist als mein Zeigefinger… stehen die Frauen auf mich.
Wenigstens in einer Studie bei Spiegel-Online

Und… Frohe Ostern!

 

Faszination Modellflug

Warum stellen sich erwachsene Männer (vereinzelt sind auch schon Damen dabei beobachtet worden!) mit einer Fernsteuerung vor dem Bauch auf eine Wiese und lassen kleine Flugzeuge fliegen? Was macht die Faszination am Modellflug aus? Der Versuch einer Erklärung.

Während man in Wien die Sorgen in ein Glaserl Wein schüttet, sind die Chinesen seit ein paar Jahrtausenden schlauer. Sie schreiben ihre Wünsche auf einen Zettel und lassen sie mit einem Drachen in den Himmel aufsteigen. Ganz nebenbei haben sie wahrscheinlich deswegen das Papier gleich mit erfunden. Die hierzulande zu dieser Zeit üblichen Steinplatten hatten nicht annähernd so gute Flugeigenschaften.
Drachen haben allerdings den Nachteil, dass sie nur zu günstigen Windverhältnissen steigen können. Wünsche und Träume hat man aber auch bei Flaute. Oder gerade dann. Was tun? Ein Modellflugzeug ist da eine veritable Lösung. Mit oder ohne Antrieb hat man es selbst in der Hand, wann man ein Stück von sich den Elementen anvertrauen will und dennoch festen Boden unter den Füßen behalten.

Modellbauer. Oder Modellflieger? Wo ist der Unterschied? Es gibt sie beide. Erstere erkennt der unbedarfte Beobachter daran, dass sie die größten, schönsten und aufwändigsten Flugmodelle selbst bauen. Und dann damit oft mehr oder weniger hilflos in der Luft herumeiern, weil sie vor lauter Konstruieren, Planen und Basteln kaum auf dem Flugfeld zu sehen sind. Ganz im Gegensatz zu den Modellfliegern. Die haben überwiegend auch schöne Flugzeuge. Aber die haben sie meistens entweder von der ersten Gruppe gekauft oder sich mit einem Fertigmodell eingedeckt. Die Werkstatt der Flieger ist, sofern überhaupt vorhanden, lediglich für schnelle Reparaturen ausgelegt. Denn viel häufiger sieht man diese Piloten dort, wo sie sich am wohlsten fühlen: Auf dem Flugfeld. Die Grenzen zwischen den beiden Gruppen sind natürlich fließend. Da die meisten sowohl ganz passabel bauen, als auch sehr ordentlich fliegen können. Oder umgekehrt. Und genau damit ist ein wichtiger Punkt für die Faszination dieses Hobbys gefunden.

Denn es gibt kaum eine andere Freizeitbeschäftigung, die ähnlich vielseitig ist. Das beginnt, wie erwähnt, schon beim Bau. Auch wenn immer mehr Fertigmodelle auf den Markt drängen, zu tun gibt es noch genug. Angefangen von der Wahl des Antriebs und der Fernsteuerkomponenten und dem fachgerechten Einbau, bis zum gekonnten Finish. Viele legen Wert auf ein perfektes Cockpit mit allen Instrumenten und Pilotenpuppe, Liebhaber von Oldtimer-Flugzeugen verpassen ihren „Fliegenden Kisten“ die Patina, die für ein realistisches Outfit sorgt.

Und genau so vielseitig wie die Piloten sind auch ihre Modelle. Der eine erholt sich bei stundenlangen Flügen mit seinem Segler in der Thermik, der andere findet den richtigen Kick mit einem rasanten Turbinenjet. Vom Doppeldecker bis zur modernen Reisemaschine reicht das Spektrum, über 100 Jahre Luftfahrtgeschichte werden im Modell wieder lebendig. Technikverliebte begeistern sich für Hubschrauber, die es in allen Größen und Antriebsvarianten gibt.

Motormodelle waren lange Zeit mit Schuld am manchmal schlechten Image der Modellflieger. Die knatternden 2-Takt-Motoren aus den 70iger Jahren sind leider immer noch in den Köpfen. Wenn das heute grundlegend anders geworden ist, hat das einen einfachen Grund: Auch die Piloten „en Miniature“ sind ganz normale Leute. Sie haben Freude an der Natur und den schönen Dingen des Lebens. Und stören sich massiv daran, wenn es in ihrer Freizeit über Gebühr laut und hektisch zugeht. Denn schließlich wollen sie sich ja auch in der Natur erholen. Darum haben sie in den letzten Jahren alles daran gesetzt, ihre Flugzeuge so leise wie möglich auszulegen. Das beginnt bei großvolumigen Viertaktmotoren mit aufwändigen Schalldämpfern und endet beim fast geräuschlosen Elektroantrieb, der mittlerweile fast noch effizienter arbeitet als Verbrennermotoren. Da Modellflieger größten Wert auf eine gute Nachbarschaft mit Anwohnern, Landwirten, Jagdpächtern und Naturschützern legen, wird bei ihnen keine Möglichkeit ausgelassen, ihre Modelle in dieser Hinsicht zu optimieren.

Um zur Eingangs gestellten Frage zurückzukommen: Was macht denn nun die „Faszination Modellflug“ aus? Die Antwort auf diese Frage ist so vielseitig wie unser Hobby. Am besten, Du probierst es einmal selbst aus!
Der einfachste Weg zu einem ferngesteuerten Flugmodell zu kommen, ist wohl das Internet, z. B. über das Fliegerportal Airmix. Allerdings kann das Internet auch der sicherste Weg sein, genauso schnell wieder frustriert die Lust an dem schönen Hobby zu verlieren. Denn auch, wenn das Modell fast fertig aus der Schachtel kommt und nach ein paar Minuten fliegen kann, heißt das noch lange nicht, dass der Pilot es auch sicher zu landen im Stande ist. Spätestens, wenn der schöne Vogel nach der ersten unsanften Landung zerbröselt im „Gelben Sack“ steckt, ist man schlauer: Der sicherste und beste Weg in die Luft zu gehen, startet beim Fachhändler. Der kann Dir Dein Modell für den Erstflug einstellen und entweder selbst Starthilfe durch eine kurze Einweisung am Modellflugplatz geben, oder einen Verein in der Nähe nennen. Die Adressen von Modellflugclubs erfährst Du auch beim Deutschen Modellflieger Verband „DMFV“ (www.dmfv.de). Dort bekommst Du auch eine günstige Haftpflichtversicherung, die mittlerweile für ferngesteuerte Flugmodelle gesetzlich vorgeschrieben ist.
So vorbereitet, erlebst auch Du schnell das tolle Glücksgefühl der gelungenen Landung nach Deinem ersten Alleinflug: Gentleman, start your engines!

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Fotos: Robert Hill

Was liegt an – 18.4. bis 25.4.

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Es geht auf Ostern zu, es geht auf den Sommer zu, die Wintersportsaison verabschiedet sich endgültig mit dem Finale um die Deutsche Eishockeymeisterschaft, und niemand schaut zu. Quatsch, niemand. Natürlich schauen die Kollegen in den Hallen in Wolfsburg und Berlin zu. Und die Jungs mit einem Sky-Abo. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob die DEL sich einen Gefallen damit tut, DAS Eishockey-Top-Ereignis hinter Bezahlschranken zu verstecken. Ist ja klar, das Geld von Sky haben die Vereine bitter nötig, aber so lange spannendes Eishockey nur von einer kleinen Minderheit begutachtet werden kann, bleibt Eishockey hierzulande einen Nischensportart. Nuja, die Eisbären führen bereits zwonull, wenn Wolfsburg sich nicht zusammenreißt, ist die Sache morgen eh entschieden.
Okay, wie schaut‘s mit anderem Sport aus? Heute abend er-re-gen-der Zweitliga-Fußball auf Sport1, der KSC gegen die Augsburger. Am Mittwoch dann ein echtes Fußball-Highlight, das ZDF überträgt ab 21 Uhr 15 das Finale um den spanischen Pokal, die Copa del Rey, also Barca gegen Real, „Il Clásico“, wie das Traditionsspiel genannt wird. Hatten wir schon zweimal diese Saison, in der Hinrunde der spansichen Liga gab‘s eine derbe Fünfnull-Klatsche für Real, aber Mourinho ist einer der lernfähigsten Groß-Trainer überhaupt, letzten Sonnabend (konnte man auf laola.tv gratis live angucken) sah es schon ganz anders aus, Real stand defensiv ganz ausgezeichnet und schaffte trotz Unterzahl ein respektables 1:1. Mourinho hatte wieder 90 Minuten Zeit, den Gegner und seine Taktik 90 Minuten von ganz nah zu studieren, die Partie am Mittwoch ist noch offen mit leichten Vorteilen für Real. Bei den nächsten beiden Clásicos (Halbfinale Champions League) kennt Mourinho Barca so gut, dass er auf dem Klub taktisch Klavier spielen kann. Ich sehe Real im CL-Finale.
Am Wochenende finden dann die Platzierungsspiele der Bundesliga hinter Dortmund statt, und am Ostermontag nochmal zweite Liga bei Sport1, Duisburg gegen die so gut wie aufgestiegene Hertha.
Snookerfreunde schalten die Woche über auf Eurosport, die WSA WM in Sheffield wird übertragen, und am Ostersonntag ebenfalls auf Eurosport der nächste Radsport-Klassiker: Lüttich-Bastogne-Lüttich.
Darf man Witze über Selbstmord-Attentäter machen? Selbstverständlich, vor allen Dingen, wenn sie so gut sind, wie in „Four Lions“, der britischen Filmsatire, die endlich einen deutschen Verleiher gefunden hat und am Donnerstag in die Kinos kommt. Dicke Empfehlung, hier der Trailer

Ein Gang in die Videothek des Vertrauens lohnt ebenfalls, ab Donnerstag kann dort „Nowhere Boy“, ein Film über den jungen John Lennon, ausgeliehen werden.
Und in der Glotze? Klar, heute abend 20 Uhr 15 wieder Mick Brisgau auf Sat1, eine neue Folge „Der letzte Bulle“ mit dem schönen Titel „Die Nackttanker von Huttrop“, das kann Mann sich nicht entgehen lassen.
Regelmäßigen Lesern dieser Seiten sollte aufgefallen sein, dass ich alternder Sack ein gewisses Faible für Filme habe, in denen alte Säcke zeigen, dass sie‘s noch drauf haben, am Donnerstag zeigt Sat1 „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Der Anfang ist sensationell, zwischendrin gibt es ein paar sehr gelungene Sequenzen, insgesamt hätte ich mir etwas mehr Harrison Ford, etwas weniger Shia LaBeouf (wie kommen berühmte Schauspieler nur zu diesen Namen?) und ein knalligeres Finale gewünscht, aber ich will nicht maulen, schönes Popcorn-Kino.
Am Ostersonntag kommt ebenfalls zur Primetime eine absolute Perle des Abenteuerfilms auf Kabel1: „Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm“. Ausgerechnet die Oberösterreich-Nachrichten haben den Film auf den Puntk gebracht: „Niederträchtige wie stolze Wüstensöhne, Intrigen und Gefahren, ein Pferd, das seinen Reiter zu sich selbst führt, grandiose Landschaftsaufnahmen, kulturelle Vorurteile, charmanter Witz – und logische Ungereimtheiten.“ Sowas sieht Mann doch gern, da schalte ich ein.
Am Ostermontag schließlich sendet Vox zum xten Mal den leicht konfusen „Bulletproof Monk“ um 20 Uhr 15 auf Vox, es gibt Martial-Arts-Fans, die mit dem Streifen nichts anfangen können, versteh ich nicht, ich seh den immer wieder gern.
Die nächste Wochenvorschau gibt‘s am Dienstag nach Ostern, bis dahin – eine schöne Woche und viel Spaß!

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

 

 

 

Links der Woche – 9.4. bis 15.4

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Ein Volkssport kehrt zurück. Auch wenn’s wehtut.
Stickfighting in Südafrika

Wo die Träume begannen.
Der komplette Karl May in seiner Gefängniszelle gelesen

Auto-Zitate von Ford bis Fittipaldi.
Quiz bei Spiegel-Online

Es ist ein Fake für eine Handy-Reklame, aber trotzdem ein cooles Video: Bruce Lee spielt Tischtennis.
http://www.youtube.com/watch?v=19EnXI90gUM

Heute jährt sich die Katastrophe von Hillsborough, eines der schlimmsten Ereignisse der Fußballgeschichte.
Auf Twitter widmet Empire of the Kop jedem Opfer einen Tweet.

 

 

Loyalität – einige Gedanken

Uli HoeneßIn der Wikipedia steht ein Artikel über Loyalität, in dem heißt es: „Loyalität … bezeichnet die innere Verbundenheit und deren Ausdruck im Verhalten gegenüber einer Person, Gruppe oder Gemeinschaft. Loyalität bedeutet, die Werte des anderen zu teilen und zu vertreten bzw. diese auch dann zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt. Loyalität ist immer freiwillig. Loyalität zeigt sich sowohl im Verhalten gegenüber demjenigen, dem man loyal verbunden ist, als auch Dritten gegenüber.“
Loyalität ist für mich eine DER herausragenden männlichen Tugenden. Ohne Loyalität gibt es keine Männlichkeit, kein Kerl mit Vorbildcharakter verhält sich illoyal.
Natürlich gibt es verschiedene Formen der Loyalität. Die Loyalität Freunden gegenüber. Die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, gegenüber der Arbeit, den Kollegen, gegenüber einer Idee.
Man muss einen Menschen nicht mögen, um sich ihm gegenüber loyal zu verhalten. Loyalität Freunden gegenüber ist einfach, Loyalität gegenüber Stinkstiefeln kann reichlich anstrengend, aber notwendig sein.
Die meisten wirklich großen Aufgaben können nur in Teamwork bewältigt werden. Man muss nicht befreundet sein, um in einem Team am Erreichen eines gemeinsamen Ziels zu arbeiten. Man muss sich noch nicht einmal mögen. Wenn die Fähigkeiten eines Team-Mitglieds zum Erreichen eines Ziels notwendig sind, kann man sich sogar spinnefeind sein, und doch gemeinsam arbeiten. Die Tugend, die genau das ermöglicht, ist Loyalität. Sowohl dem gemeinsamen Ziel gegenüber als auch den Team-Mitgliedern.
Wer arbeitet, um ein Ziel zu erreichen, macht zwangsläufig Fehler. Im Team bekommen die anderen mit, wenn einer was falsch macht. Trotzdem braucht sich niemand für diese Fehler zu schämen. Jeder weiß, dass Fehler auf dem Weg zu einem Ziel dazugehören. Unter loyal zusammen arbeitenden Menschen gibt es keinen Grund, derartige Fehler zu thematisieren, egal, ob man das Zeil erreicht oder verfehlt hat bzw. noch auf dem Weg dorthin ist. Deshalb endet die einander geschuldete Loyalität eines Teams nicht mit der Zusammenarbeit.
Illoyalität beschädigt nicht nur ihr Opfer. Sie schadet erst recht demjenigen, der sie ausübt, und den Zielen, für die er steht.

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Am Handgelenk

Süchtige gucken zuerst auf das Handgelenk. Was trägt mein Gegenüber für eine Uhr? Diesen Blick kennen Sie? Prima. Sie können hier aufhören zu lesen. Sie sind schon befallen. Die anderen, die sich fragen, wovon um Himmels willen der Kerl redet, lesen bitte weiter.

Männerhobby Uhrensammeln

Sie lesen noch. Aha. Sie wollen es also wissen. Wissen, was Männer an Uhren finden. Wissen, warum Männer bereit sind, den Gegenwert eines Kleinwagen oder Einfamilienhauses an Ihr Handgelenk zu binden? Sie wissen schon, dass das Verständnis, welches diese Zeilen eventuell bei Ihnen erzeugt, teuer werden kann? Dass Sie plötzlich Sätze wie „Die Uhr kickt total, die musste ich haben“ aus Ihrem Munde kommen? Das Kollegen, Mitmenschen und Ehefrauen sich von Ihnen abwenden, wenn Sie auf das Thema Uhr zu sprechen kommen? Das ist Ihnen bewusst? Und Sie lesen noch? Na dann. Wahrscheinlich ist Ihnen eh nicht mehr zu helfen, dann macht das Thema Uhr den Kohl auch nicht mehr fett.
Wenn der Abhängige von Uhren, genauer der Armbanduhr redet, dann geht es nicht um den Quarzwecker aus der Auslage eines Kaffeerösters. Es geht um  die mechanische Uhr. Eine Gattung, die fast dem Untergang geweiht war. Eine Zeit lang ging es beim Tragen einer Uhr wirklich nur um die Anzeige der Zeit. Aber das liegt nun schon einige Jahre zurück und nur wenige erinnern sich noch an diese barbarischen Tage.

Nein, natürlich trägt man die Armbanduhr nicht, um zu wissen wie spät es ist. Das zeigen Handy und Computer einem permanent und viel genauer an. Nein, die Information über die Zeit ist es nicht. Was aber ist es dann? Ich weiß, es sind schon der Zeilen viele und die wahre Botschaft lauert noch im Hintergrund. Versuchen wir also die Botschaft einzukreisen. Wenn Mann nicht gerade aus zwielichtigem Milieu kommt, dann ist die Zahl der Schmuckstücke, die Mann tragen kann, eingeschränkt auf eine kleine einstellige Zahl. Die Armbanduhr ist eines davon, Manschettenknöpfe ebenfalls. Und dann wird die Luft schon dünn.

Einen hätten wir schon. Einen Grund meine ich. Aber da geht noch mehr. Männern wird nachgesagt, dass Gespräche über Technik zu Ihren liebsten gehören. Mein Neuer hat ESP und Spurasistent und das Navi hat alle Blitzer jenseits der chinesischen Mauer gespeichert. Erkennt man oder? Und genau da erweitert sich jetzt der Themenkreis. Koaxial-Hemmung, Parachronspirale, Kif-Stosssicherung… klingt das nicht gut? All diese Begriffe können Sie virtuos einstreuen, wenn Sie sich dem Thema Armbanduhr öffnen.
Ein weiterer Strich auf der Gründe-Liste.

Einen noch und dann gehen wir ins Detail. Streit. Männer sind streitsüchtig. Und über Armbanduhren kann man streiten bis das Saphirglas glüht. Glauben Sie  nicht? Na dann folgen Sie mir mal.
Jetzt sind Sie nämlich reif für die Frage nach der Armbanduhr. Welcher? Na der. Der ersten mechanischen. Der Perfekten. Sie brauchen ja nur eine. Perfekt muss sie sein. Mehr nicht. Keine Ahnung, wie die sein soll? Dann machen Sie eine Liste mit Eigenschaften und stellen im Forum Ihrer Wahl die Frage, welche Uhr wohl diese Eigenschaften hat. Der Käfig ist offen. Die Löwen betreten die Arena. Heil kommen Sie da nicht raus. Eine Kaufempfehlung haben Sie auch nicht. Nein, Sie haben hundert.
Und dann sind Sie wieder allein. Ein häufiges Argument der Löwen wird sein: In den Laden gehen, anlegen und sehen was „kickt“. Und was das Konto erlaubt. Darf ruhig teuer sein. Ist ja die Perfekte Uhr. Mehr muss nicht sein. Ich nehme mal eine wichtige Information vor weg: Das ist ein Irrglaube. Die Perfekte Uhr gibt es nicht. Nach der ersten wird es eine zweite geben.. Bis man dann der Legende nach irgendwann bei der sogenannten Exit-Uhr gelandet ist. Der Uhr, die angeblich die letzte ist. Die Letzte, also dann doch Perfekte. Aber ich sagte schon, die Pperfekte gibt es nicht. Aha. Sie merken es? Richtig. Damit gibt es auch die Exit-Uhr nicht. Das zum Thema Sucht.

Aber zurück. Sie haben den Rat befolgt. Sind in einen Laden gegangen. Haben sich Uhren zeigen lassen und angelegt. Sie haben eine gefunden, die Sie anspricht. Die „kickt“. Sie haben diese Uhr gekauft und sind angekommen in einem Lager. Lager? Sie wollten nie in ein Lager? Pech gehabt. Ohne es zu wissen sind Sie mit dem Kauf der Uhr einem Lager beigetreten. War es eine Krone? Ein Brätling? Eine Steini? Fast wähnt man sich in der Bundesliga, wo der eigenen Verein immer der Beste ist. Völlig überteuert, man zahlt doch nur den Namen (das muss nicht erklärt werden). Das sind doch nur Einschaler (Hersteller, die ETA Werke in eigene Gehäuse einbauen). Die haben doch nur geklautes Design… usw. In diesem Stil laufen die Diskussionen.
Wenige leben in mehreren Lagern. Einige wechseln im Leben als Abhängige den Lieferanten der Sucht, aber fast alle bleiben auf Dauer gefangen.
Details werden wichtig, von denen man vorher nicht wusste, dass es Sie gibt. Neue Begriffe setzen sich im Kleinhirn fest. „Super Luminova“ ist keine osteuropäische Prostiuierte sondern eine Leuchtmasse für Zeiger und Indizes. Räder laufen in Steinlagern, die gepresst oder in Chatons gefasst sein können. Letzter sogar in einer geschraubten Ausführung. Werkbrücken und Platinen können mit Genferstreifen, Sonnenschliff oder Perlage aufwarten. Schrauben sind poliert und gebläut und stehen den Zeigern damit in nichts nach. Wie? Sie können mir nicht folgen? Das geht vorbei. All das geht Ihnen nach wenigen Wochen in einem der Lager so flüssig über die Zunge wie Ihr Name.

Neugierig geworden? Bereit für ein neues Hobby? Neue Freunde in der Szene? Dann mal los zum nächsten Konzi und Kataloge abgreifen. Stöbern. Soll es eine Toolwatch werden? Eine Dresswatch? 3 Zeiger oder mit Komplikationen? Neu, Neo-Vintage oder Vintage?
An dieser Stelle höre ich dann auch mal auf mit dem Begriffsdropping und der ständigen Verwirrung.

Werden wir konkret. Beim Thema Lager ist vorneweg das der Kronenträger zu nennen. Rolex hat traditionell einen gewissen Ruf. Uhr der Zuhälter. Aber auch Zeichen von Luxus. Wertbeständig und Chronometer geprüft. Viele sagen, man käme zwangsläufig immer irgendwann zur ersten Krone. Mag sein. Auf jeden Fall eine der Marken mit dem höchsten Wiedererkennungseffekt und bis heute ausgezeichnet durch eine sehr hohe Werthaltigkeit. Sehr hohe Fertigungstiefe. (Mittlerweile wird wohl alles von Rolex selbst hergestellt. Man schimpft so etwas Manufaktur)

Rolex

Das Breitling Lager. Die Ikone hier ist der Navitimer. Ähnlich hoher Wiedererkennungseffekt wie bei einer Rolex. Die Werthaltigkeit ist geringer (puh, ich stehe schon mit einem Bein im Grab!) und die Optik verspielter (Peng, ich wurde vom Lagerkommanden entsorgt). Und das wo das schlimmste Argument des Einschalers noch gefehlt hat. Und heute auch nicht mehr so stimmt, weil die ersten eigenen Werke gefertigt werden.

JLC. Die Reverso. Ewiger Klassiker. Aber eckig. Muß man mögen. Qualitativ über jeden Zweifel erhaben. Auch diese Uhr kennt man. Selbst wenn man Uhren nicht kennt. Es gibt auch runde. Die kennt man dann schon nicht mehr unbedingt. Schönes Stück für den der Wertigkeit mag, aber nicht sofort erkannt werden will. Ebenfalls eine Manufaktur.

JLC

Omega. First Watch on the Moon. Immer wieder gehört. Gleich danach: Die Bond Uhr. Beides richtig. Im Vintage Bereich mit eigenen Werken. Dann Einschaler. Heute wieder eigene Werke. Also eine Mischung von Einschaler und Manufaktur.

Zenith: Hersteller des El Primero. Des ersten Werkes mit eine Unruhfrequenz von 36,000 Halbschwingungen pro Stunde. Also 10Hz. Die erste mechanische Armbanduhr die echte 10tel Sekunden stoppen konnte.

Sinn: Gegründet von einem passionierte Flieger der auf dem Markt nicht „seine“ Fliegeruhr fand. Ehemals gut und günstig. Heute nur noch gut. Immer gut für technische Neuerungen. Trockenhaltekapsel, Tegmentierte Gehäuse.

Sinn

Wenn ich jetzt an dieser Stelle abbreche, dann werden viele der weiteren Lager den bereits von der Breitling Fraktion begonnenen Feldzug gegen mich zu Ende führen. Denn Marken gibt es wie Sand am Meer. Der Mechanikboom ist ungebrochen und so sprießen die Marken und Privat-Label weiterhin wie Pilze aus dem Boden. Allein Glashütte als ehemalige Keimzelle deutschen Uhrenbaus beheimatet heute Lange und Söhne, Mühle, Glashütte Original, Nomos und weitere.
Eine verschworene Gemeinde Süchtiger trifft sich täglich in der www.watchlounge.com

Heiko, 50 Jahre, arbeitet am Tag, läuft nachts, sammelt Uhren, schraubt an Autos und liebt die Familie über alles.