Links der Woche (12.2. bis 18.2.)

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Vom Rumpler-Tropfenwagen bis zum Ford Nucleon.
Gescheiterte Automobilkonzepte

Die Guillotine von Gillette.
Geiler Wulffmorgenthaler-Cartoon

„Die Bundesliga ist Brecht mit Catchern“
Rainald Grebe über Fußball und anderes

Falls es tatsächlich noch wer nicht kennt:
Das Wiki zu Deutschlands bekanntestem Abschreiber

Der Abspann ist das beste.
Was nach der letzten „Two And A Half Men“-Folge in den USA zu sehen war

Männeressen: Grünkohl Teil 2 – mal anders

Grünkohl satt

Natürlich muss man nicht bis zum Biikebrennen warten, wenn man mal lecker Grünkohl essen und das ein oder andere Bier dazu trinken will. Während der winterlichen Saison kann man ihn so oft wie man will auf den Tisch bringen, und hartgesottene Naturen setzen sich auch im Hochsommer bei Temperaturen jenseits der 30 Grad vor eine Platte mit dampfendem Grünkohl und Geräuchertem. Da kann es schon vorkommen, dass man sich mal nach ein wenig Abwechslung sehnt. Wir stellen zwei Alternativen zur klassischen Grünkohlzubereitung vor: einmal schön-spanisch-scharf und einmal mit Riesling und Äpfeln.

Grünkohl Spanisch-Scharf
1 Kilo Tiefkühl-Grünkohl auftauen lassen (wer mag, kann natürlich frischen Grünkohl abbrausen, abstreifen, blanchieren, ausdrücken und kleinhacken, viel Spaß dabei!). Eine große Gemüsezwiebel, soviel Zehen Knoblauch wie möglich und so zwei, drei,vier gescheibelte Chorizo-Würste in reichlich Schweineschmalz angehen lassen, zwei, drei Esslöffel scharfes Paprika-Pulver dazu, kurz durchschwitzen lassen, den Grünkohl dazugeben, zwei große Tassen Bouillon angießen, salzen, pfeffern und ein knappes Stündchen dünsten. Währenddessen drei, vier rote Paprikaschoten schälen (vierteln, entkernen, unter den heißen Ofengrill schieben, bis sie schwarz werden. Unter einem feuchten Küchenhandtuch abkühlen, dann kann man die Schale relativ einfach abfieseln. Man kann sich den Scheiß auch sparen und die Dinger einfach kleinschneiden und in der Pfanne braten, bis sie weich sind.) und in Streifen oder Rauten schneiden. Unter den fertigen Grünkohl rühren. Perfektionisten bestreuen das Gericht noch mit gerösteten Pinienkernen, Deko-Schlammsäue wie ich sparen sich das, stellen noch ein paar Bratkartoffeln dazu und machen ein Bier auf. Passt gut zum scharfen Grünkohl.

Die andere Variante stammt von Fressack, der derzeit in der Mainlust in Schwanheim wirtet. Zwei, drei Zwiebeln und ebensoviele Äpfel kleinschneiden, ein ordentliches Stück Räucherspeck würfeln und das ganze Zeugs in reichlich Gänseschmalz angehen lassen. Aufgetauten (oder vorbereiteten frischen) Grünkohl dazugeben, mit einem großen Glas Riesling (vorher unbedingt rigoros auf Trinkbarkeit testen) ablöschen. Zur Geschmacksverbesserung noch die Schwarte vom Speck mit in den Topf tun, paar mehr Äpfelchen können auch nicht schaden, wagemutige Naturen greifen zur Kochbirne. Schmoren, bis der Kohl weich ist, mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Geht gut mit den üblichen Verdächtigen (Kassler, Mettwürste, Schweinebacke etc.), geht besonders gut mit gebratenen Gänse- oder Entenkeulen. Bier passt immer, aber Wein passt diesmal besser. Fressack trinkt dazu Apfelwein. Nuja.

Mahlzeit!

Foto: Siegfried Fries/pixelio.de

Männeressen: Grünkohl Teil 1 – traditionell

Solang man zwischen dem Fleisch, den Würsten und dem Speck noch ein bisschen Grünkohl sieht, ist alles in Ordnung.

Nächsten Montag wird in Nordfriesland Biikebrennen gefeiert. Das ist ein schöner Brauch, weil dazu Grünkohl gegessen wird. Wir mögen Grünkohl. Deshalb gibt’s heute die Gebrauchsanleitung für den klassischen Grünkohl. Für die Kerle, die etwas Abwechslung in ihrem Kohl haben wollen, liefern wir morgen ein paar Varianten nach.

So, du willst also ’n anständigen Grünkohl machen? Kein Problem. Am besten, du knackst dir erstmal ein Bier (Jever ist zum Grünkohl traditionell) und machst einen Plan. Zuerst müssen die wichtigen Fragen geklärt werden:

1. Frischen Grünkohl? Oder aus dem Glas? Oder doch den tiefgekühlten?
Frischer Grünkohl macht eine Schweinearbeit. Man muss diese sperrigen Riesenbeutel nach Hause tragen, das Zeugs abbrausen (Badewanne!), von den Rippen streifen, portionsweise blanchieren… da ist man ja schon vor dem eigentlichen Grünkohlkochen völlig fertig und muss erst mal ein Bier trinken… Können wir ja auch gleich machen, Prösterchen. Fakt ist: frischer Grünkohl hat dann einen Vorteil in Geschmack und Konsistenz, wenn man die zarteren, inneren Strünke des Grünkohl (Hab mal die Bezeichnung „Kohlherzen“ gelesen) verwendet und den Kohl nur eine kurze Zeit lang gart. Will man den traditionellen Grünkohl kochen, der ein paar Stunden mit Speck und Würsten geschmort und/oder auch noch aufgewärmt wird, kann man getrost den aus dem Glas oder den tiefgekühlten nehmen. Ein Unterschied ist dann beim besten Willen nicht zu schmecken. Ich nehm immer den tiefgekühlten, muss ich mich nicht so mit den festsitzenden Schraubverschlüssen plagen.

2. Pinkel? Was ist das und muss das sein?
Pinkel ist eine Spezialität in und um Bremen und Oldenburg herum und bezeichnet eine Grützwurst, die echt fies fettig sein kann. Deshalb mag ich die eigentlich ganz gerne. Außerdem gehört sie traditionell zu dem Traditionsgericht „Grünkohl mit Pinkel“. Dem Vernehmen nach soll es himmelweite Unterschiede zwischen den Pinkelwürsten der verschiedenen Metzgern in und um Bremen und Oldenburg herum geben, aber wer nicht in der Gegend wohnt, muss mit den Pinkelwürsten vorlieb nehmen, die er kriegen kann. Hauptsache fies fettig, sonst macht das ja keinen Sinn, die in den Grünkohl reinzutun. Man kann die Pinkelwurst auch weglassen, dann kocht man „Grünkohl mit Pinkel ohne Pinkel“. Geht auch.

3. Muss ich wirklich am Tag vorher mit dem Kochen anfangen und den ganzen Scheiß dann noch mal aufwärmen?
Eigentlich kann man den Grünkohl auch in einem Rutsch kochen und essen, kein Problem. Aber aufgewärmt schmeckt echt besser. Und weil man während des Grünkohlkochens Bier trinken MUSS (Grünkohl schmeckt echt besser, wenn der Koch beim Kochen ordentlich Bier trinkt), wäre man ja schön blöd, wenn man nicht am Tag vorher anfängt. Kann man mehr Bier trinken.

4. Muss das wirklich so fettig sein?
Ja, natürlich. Ist Männeressen. Wenn du lieber Salat mit Pinienkernen oder so ’n Scheiß isst, dann mach halt keinen Grünkohl.

So. Gut, dass das alles geklärt ist. Dann können wir ja einkaufen gehen, Bier ist alle. Und das Zeugs für den Grünkohl bringen wir gleich mit. Also mindestens ein Kasten Bier, besser zwei (zwei Kästen Bier sind immer besser als ein Kasten), ’ne Pulle schönen, klaren Schnaps für zwischendurch und hinterher, und so zwei, zweieinhalb Kilo Grünkohl (tiefgekühlt oder aus dem Glas), ein Beutel Zwiebeln, zwei Packungen Schweineschmalz, ein Stück geräuchertes Bauchfleisch, so ’n knappes Pfund, ein paar Scheiben Kasslernacken (Kasslerkotelett geht auch, ist aber leider nicht so fettig), ein paar geräucherte Mettwürste, die man kochen kann (Metzger fragen), ein paar Pinkelwürste (wenn man sie mag und kriegt) und so ’ne Handvoll Haferflocken, wenn zuhause keine rumliegen. Und die festkochenden Kartoffeln für die Bratkartoffeln nicht vergessen!

Einen Tag bevor die Gäste zum Grünkohlessen kommen, fangen wir mit dem Kochen an. Wir trinken erstmal ein Bier und entspannen. Grünkohl schmeckt besser, wenn der Koch entspannt ist. Dann hacken wir so fünf bis acht Zwiebeln (je nach Größe) schön fein, bringen einen großen Topf an den Start, lassen ein Paket Schweineschmalz (Gänseschmalz geht auch gut) zergehen und dünsten die Zwiebeln an. Sie sollen keine Farbe annehmen, aber schön zwieblig riechen, wenn sie warm werden. Wenn sie glasig sind, kippen wir den Grünkohl und ein bißchen Brühe (Wenn wir noch ’ne selbstgemachte Bouillon im Kühler haben, super, ansonsten Instant) dazu, und lassen den Kohl auftauen. Die Auftauzeit überbrücken wir mit dem nächsten Bier. Wenn wir Grünkohl aus dem Glas verwenden, muss der natürlich nicht auftauen. Das Bier trinken wir aber trotzdem.
Wenn der Grünkohl aufgetaut ist, legen wir die Mettwürste und das geräucherte Bauchfleisch dazu, salzen wenig (da kommt jede Menge salziges Zeugs in den Kohl), pfeffern großzügig und gießen soviel Brühe an, dass das ganze knapp bedeckt ist. Wenn wir Pinkelwürste verwenden, zweigen wir ein, zwei Stück ab, schlitzen die Pelle auf und drücken das innere in den Kohl. So sorgen wir für Würze und Fettigkeit.
Jetzt können wir den Kohl getrost sich selbst überlassen, wir stellen die Hitze auf niedrig (soll nicht kochen, mehr so sachte dünsten), nehmen uns noch ein Bier, setzen uns vor den Fernseher und gucken uns einen Film an, der zwischen anderthalb und zwei Stunden dauert. Wenn Fußball läuft, können wir auch Fußball gucken, kein Problem. Nach so zwei Stunden (oder wenn die Verlängerung anfängt) stellen wir den Grünkohl ab, fischen Bauchfleisch und Würste raus, packen die in den Kühlschrank und lassen den Kohltopf an einem kühlen Ort (Keller, Balkon) über Nacht stehen.

Am nächsten Tag bringen wir uns mit einem frischen Bier in Grünkohlstimmmung, kochen die Kartoffeln als Pellkartoffeln, schälen sie und schneiden sie in Scheiben. So ein, zwei Stunden, bevor die Gäste kommen, bringen wir den Grünkohl wieder auf Temperatur und legen den Kasslernacken und die Pinkelwürste rein. Wenn man noch reichlich Brühe im Topf hat, kann man ein, zwei Handvoll Haferflocken reingeben, das bindet den Kohl schön ab, aber ab dann muss man wirklich ständig rühren, weil der Kohl sonst fies anbrennt. Ganz am Schluss gibt man noch den in Scheiben geschnittenen Bauch und die Mettwürste dazu und lässt die nochmal warm werden. In der Pfanne nebenan brät man auf mittlerer Hitze die Kartoffeln (wenn man ganz traditionell diese norddeutschen süßen Bratkartoffeln essen will, stäubt man ordentlich Zucker drüber und lässt die Kartoffeln karamelisieren. Ist nicht so ganz mein Fall, ich mag das nicht, wenn die Bratkartoffeln nach Nachtisch schmecken.). Jetzt muss man nur noch den Kohl abschmecken, salzig genug sollte er sein, ordentlich Pfeffer schadet nie, aber am wichtigsten ist, dass er schön flutscht. Deshalb gegebenenfalls den Kohl noch mit ein paar Löffeln Schmalz aufbohren.
Und dann stellt man das ganze Zeugs auf den Tisch, am Besten noch das Bier und den Schnaps dazu, damit man nicht dauernd an den Kühlschrank laufen muss, und lässt sich’s gutgehen. Und der Koch hat sich jetzt endlich ein Bier verdient. Mahlzeit!

Foto: Chris Kurbjuhn

Beiss mich, Bela – die dussligsten Dracula-Filme aller Zeiten

Eher schaurig als schön: Dracula in der Trash-Ecke

Im Februar vor 80 Jahren hatte der Vater aller Dracula Filme Premiere: Todd Browning’s „Dracula“ mit Bela Lugosi in der Hauptrolle, in der damaligen Zeit eine Sensation, ein schreckenerregendes (sieht man mal von der stark somnambulen zweiten Hälfte ab) Meisterwerk, dass es locker mit seinen Stummfilm-Vorläufern „Vampyr“ von Carl Theodor Dreyer und Murnaus „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ aufnehmen konnte und sie finanziell bei weitem in den nächtlichen Schatten stellte. Soviel Erfolg gebiert Nachahmer, und kaum ein Pop-Mythos ist öfters auf die Leinwand gebracht worden als Dracula. Die besten Dracula-Filme vorstellen kann jeder, wir nehmen allen Mut zusammen und gucken in die Schmuddelecke: die dussligsten Dracula-Filme aller Zeiten!

Van Helsing
hat mit dem ursprünglichen Dracula-Mythos ungefähr soviel zu tun wie eine Geisterbahnfahrt mit einem Horrorfilm. Ein kruder, zitatengespickter Cocktail aus wahllos zusammengewsürfelten Horrormythen. Kann man sich mit ein paar Flaschen Bier und ein paar Nachos auf DVD reintun. Kann man, muss man aber nicht.

Dracula, tot aber glücklich (Dracula: Dead And Loving It)
Mel Brooks hat ein paar wirklich komische Filme gedreht und war, zu seinen besten Zeiten, ein Meister der Parodie. Mit „Frankenstein Junior“ hat er eine wirklich geniale Veralberung der Frankenstein-Filme abgeliefert, was konnte also schiefgehen, wenn Brooks den Dracula-Mythos durch den Fleischwolf jagen und den Ober-Vampir mit Leslie Nielsen besetzen würde? So ziemlich alles. Nielsen verkommt vom Komiker zum Hampelmann, und Brooks bietet seine Gags wie ein Ramschverkäufer: „Hier! Wirklich lustig! Wie, nicht komisch? Keine Panik, ich hab noch einen! Klappt auch nicht? Der nächste Scherz, coming right up!“ Dummerweise zündet höchstens eine von zehn Pointen. Okay, ein paar echte Lacher, der Rest ist einfach nur peinlich.

Dracula jagt Mini-Mädchen (Dracula A. D. 1972)
ist der komplett verunglückte Versuch, den Grafen in der Pop-Kultur der frühen Siebziger für Angst und Schrecken Sorgen zu lassen. Dummerweise wirkte Ozzy Osbourne schon damals wesentlich gefährlicher als Christopher Lee, sodass Dracula und Van Helsing (Peter Cushing) in dieser Hammer-Produktion bestenfalls deplaziert wirken. Immerhin, diesen Film kann man sich mit etwas gutem Willen und Alkohol zum Kult hochsaufen, was mit den beiden Fortsetzungen „Dracula braucht frisches Blut“ und „Die 7 goldenen Vampire“ nicht mehr möglich ist. „Dracula jagt Mini-Mädchen“ ist gerade noch gut blöd, was danach kam, ist blöd blöd.

Plan 9 aus dem Weltall (Plan 9 from Outer Space)
ist natürlich kein Dracula-Film, aber der letzte Auftritt von Bela Lugosi, dem Urvater aller Dracula-Darsteller. Regisseur Ed Wood hat den bereits vom Tod gezeichneten Lugosi noch einmal vor die Kamera gezerrt und lässt ihn in klassischem Dracula-Kostüm und mit bewährter Gestik allerlei Unfug in einer wirren Story über Grabräuber aus dem Weltall anstellen. Nachdem wenige Meter Film abgedreht waren, mochte selbst der hartgesottene Lugosi bei diesem sinnfreien Klamauk nicht mehr mitmachen und starb sicherheitshalber. Der findige Woods engagierte ein Double, dass deutlich größer als Lugosi war und auch noch ganz anders aussah, weshalb es an Lugosis Stelle gebückt agieren und sich dessen schwarzen Mantel vors Gesicht halten musste. Ein Film wie ein Auffahrunfall, man will nicht hingucken, tut es aber trotzdem. In einer Abstimmung zum schlechtesten Film aller Zeiten gewählt. Vollkommen zurecht. Dagegen kann selbst Uwe Boll nicht anstinken.

Der Schrei des Todes (Scream, Blacula, Scream)
Dieser Stinker soll schlimmer sein als „Plan 9“? Wie soll das gehen? Nun, was die Gewaltausübung an Genre-Konventionen des Vampirfilms angeht, steckt Regisseur Bob Kelian den guten Ed Wood locker in die Tasche. Da man aus Dracula einen Blaxploitation-Film machen, aber nicht erklären konnte oder wollte, wie sich die schwarzen Pigmente in die Haut eines ein paar Jahrhunderte alten transsylvanischen Grafen geschmuggelt haben, lies man den afrikanischen Prinzen Mamuwalde den Grafen besuchen, der auf Besuch nicht vorbereitet war und deshalb Mamuwalde zu seine Blacker Ego „Blacula“ biss. Blacula selbst versucht sich dann ein paar Jahrhunderte später in Los Angeles durchzubeißen… Klingt etwas weit hergeholt? Aber nicht doch, das ist bloß die Vorgeschichte, die im 1. Film der Reihe, „Blacula“ erzählt wird. In „Scream, Blacula, Scream“ kommt noch ein schräger Voodoo-Kult und eine derart unterirdische Qualität von Skript und Technik hinzu, so dass man entsetzt „Schlimmer geht’s nimmer“ brüllt, während einem die Chips aus dem Mund rieseln und man entsetzt Pam Grier wiedererkennt, die sich damals wirklich für keinen Scheiß zu schade war.
Schade um die Chips, es geht tatsächlich schlimmer. Es gibt da nämlich einen Film namens „Blackenstein“… aber das ist eine andere Baustelle.

Foto: Didi01 / pixelio.de

Was liegt an? – 14.2. bis 20.2. 2011

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Champions League. Endlich wieder Champions League. Die monatelange Schockstarre, in die wir nach der Gruppenphase verfallen sind, ist endlich vorbei, die männliche Woche bekommt wieder Struktur. Dienstag AC Milan gegen Tottenham und Valencia-Schalke, Mittwoch dann AS Rom gegen Donezk und der Kracher Arsenal gegen Barca (den überträgt Sat1).

Des weiteren läuft bis zum kommenden Sonntag die Alpine Ski-WM in Garmisch (Eurosport und ARD/ZDF übertragen).  Die Welsh Open im Snooker stehen an, Eurosport überträgt nachmittags und abends live. Am Sonnabend sendet Sport1 zwei FA-Cup Spiele, Chelsea-Everton und Sheffield-Birmingham, eine willkommene Abwechslung zum Bundesliga-Alltag, spät in der Nacht boxt Felix Sturm dann irgendein Fallobst auf Sat1.

Im Fernsehen ist – wie mittlerweile beinahe immer – ausgerechnet auf das ZDF Verlass. Montags um 22 Uhr 15 kann man den Sender beinahe blind einschalten, da läuft verlässlich gutes, spannendes Abenteuer-Kino, diese Woche „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ mit Alec Baldwin und Anthony Hopkins. Zwei Kerle müssen nach einem Flugzeugabsturz ums Überleben kämpfen, dass der eine den anderen verdächtigt, was mit seiner Frau zu haben, ist nicht unbedingt hilfreich. Sehr Spannend. Dienstag/Mittwoch/Donnerstag ist Fußball angesagt (Donnerstag Uefa-Cup in Sat1 ab 19 Uhr, erst Benfica-Stuttgart, danach Charkov-Legokusen. Wer aus unerfindlichen Gründen nicht Fußball gucken möchte, kann am Mittwoch den Louis-de-Funés-Film in Das Vierte einschalten, diesmal ist es Oscar, der Film, mit dem de Funés endgültig den Durchbruch schaffte, ein echter Brüller. Sollte irgendwer ihn noch nicht kennen: am Freitag, 20 Uhr 15, läuft auf Pro7 in der xten Wiederholung „The Transporter“. In knapp zwei Stunden gehen jede Menge Autos und Menschen zu Bruch, ohne das Jason Statham eine Miene verzieht. So soll’s doch sein, das macht Spaß.

Ab Donnerstag neu im Kino: 127 Hours von Danny Boyle (Slumdog Millionaire). Das ist die Verfilmung des Bestseller „Between a Rock and a Hard Place“ von Aron Ralston, der von Gentleman’s Quarterly 2003 zum „Mann des Jahres“ erklärt worden war. Ralston war auf einer Bergtour verunglückt und hatte sich den Arm eingeklemmt. Er konnte sich nur befreien, indem er sich selbst die Hand mit einem stumpfen Taschenmesser amputierte. Nichts für Männer mit schwachen Nerven und/oder Mägen. Sensible Naturen können sich ins Nachbarkino retten, wo „The King’s Speech“ läuft, großes, höchst amüsantes Historienkino mit Colin Firth.

Bei den DVD-Starts kommen Serien-Fans auf ihre Kosten, die mit einer verbogenen Büroklammer, einem halbleeren Streichholzbriefchen und einer leeren AAA-Batterie die Welt retten wollen: die siebte Staffel von MacGyver kommt raus.

Last Commander Standing in der Berliner UFA-Fabrik

Schließlich und endlich wende ich mich mit schamloser Schleichwerbung in eigener Sache an die Berliner unter unseren Lesern: wer auf straighten, überlauten Gitarren-Rock steht, sollte einen Besuch der UFA-Fabrik in Erwägung ziehen. Von Mittwoch bis Sonnabend läuft dort jeweils um 20 Uhr die Rockshow „Last Commander Standing“: Commander Jack Chickenhunter bringt den Rock’n Roll nach Berlin, fängt ein Verhältnis mit der goldenen Frau auf der Siegessäule an und lässt es gewaltig krachen. Buch und Regie der Show verantwortet der Schreiber dieser Zeilen, wünscht mir Glück. Ich wünsch euch viel Spaß und eine gute Woche!

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Links der Woche (5.2. bis 11.2.)

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Titanic auf Wasserstoff.
Die gezeichnete Kritik zu „Hindenburg“
(Dank an Carsten Sohn für den Hinweis)

Der  definitive Wahl-Werbespot: Heinz Strunk muss gewinnen!
Der Spot der „Partei“ auf youtube

Es lag am Espresso.
Inside Squadra Azzurra 2006

Matchbox war gestern.
Highend-Modellautos

Franz Brungs erinnert sich an ein überragendes Spiel.
BVB-Benfica 1963 (inkl. youtube-Video)

Das T-Shirt funktioniert!
Toller Cartoon, Wulffmorgenthaler in Hochform.

Überleben im Dschungel der Großstadt: Burgermeisters Wortspielhölle

Nicht vergessen: Am Montag ist Valentinstag!

Willkommen zurück in der Wortspielhölle, heute: Der „Burgermeister“, haha, ein Laden für Burger und seines Zeichens Brüderchen von Wortspielapologeten wie Kreuzburger, Burgersteig und Burgeramt.

Hahaha, wirklich köstlich, ich finde, dass die Wortspiele für Burgerläden noch lange nicht ausgereizt sind, mir fehlen vor allem noch:

– der „Quedlinburger“ in Berlin-Marzahn, der vor dem Hintergrund einer Reichskriegsflagge vorwiegend kahlköpfigen Hirnkrüppeln einen kalkweißen Burger in Hakenkreuzform anbietet, zu dem aus einem blutigen Baseballschläger Zahnstocher herausgebrochen werden können,

– der „Burgerentscheid“, der sich in grün-wählenden Wohlstandsinseln wie dem Chamissoplatz in Kreuzberg an das dick und rund gewordene gehobene Bürgertum richtet, welches den Wunsch nach Teilhabe an der Politik durch den Verzehr eines Neulandfleischburgers mit Bioland-Rauke und Kressehütchen zum Ausdruck bringen möchte,

– der „Otto Normalburger“ in Lankwitz, wo sich Laubenpieper Oppa Kowalke und Tante Elsbeth ihren darmlosen Currywurstburger mit Kindl-Molle holen können, von dem auch Dackel Oswald was abbekommt

– und nicht zu vergessen der „Spießburger“ in Prenzlauer Berg auf Höhe Kollwitzplatz, der den Kehrwochen-, Babybuggy- und Maultaschen-Burger im Angebot hat.

Nein, Schluss mit dem Klamauk, ich finde es ja gut, dass die Monopole von Burger King und Micky D. durch junge, innovative Langzeitstudenten und kreativ erfolglose Mediendesigner aufgebrochen werden und ein bisschen frischer Wind in die behördengleich festverkrustete Burgerlandschaft kommt, aber nach der mittlerweile abebbenden Suppenladeneuphorie scheint nun wirklich jede Hausfrau, jeder seit Jahren am Vorwort seiner Diplomarbeit feilende Bummelstudent und jeder arbeitslose Bierkutscher einen Burgerladen aufzumachen – die Dinger florieren an allen Ecken und Enden von Berlin, boomen wie blöd und greifen ernsthaft die bisher ungeschlagene Restauration zu den zwei goldenen Bögen an – diese bisher uneinnehmbare Bastion im Fastfood-Sektor amerikanischer Ausrichtung, die gerade enorm schwächelt und sich erfolglos als Kaffeehaus neu erfinden möchte.

Der Burgermeister macht das was alle Burgerläden machen: Er bietet den Ham- und Cheeseburger sowie einige Eigenkreationen mit bemüht witzigen Namensversatzstücken an, dazu Pommes oder Wedges und überraschenderweise eine Berliner Currywurst.

Der Cheeseburger enttäuscht ein wenig. So hat man nur versucht, den Bun leicht anzutoasten, was nur partiell gelang, im Inneren verbleibt die kalte schwammartige Konsistenz eines unbehandelten Toastbrots, das sich schnell vollsaugt und Wehrkraftzersetzung betreibt. Das Fleisch ist vergleichweise dünn und geht geschmacklich im Rest der Zutaten – banaler Eisbergsalat mit einer Tomatenscheibe und einer Käsescheiblette, dafür Unmengen Soße – schlicht unter. Dafür zerfällt das Gesamtwerk nach etwa der Hälfte des Verzehrs komplett in seine Bestandteile und verteilt sich im Raum.

Exakt gleiches widerfährt dem „Monstaburger“, der in seiner auf männlich gepimpten Inhaltszusammenstellung das Potenzial hat, einen kapitalen Grizzly bereits nach einigen Wiederholungsmahlzeiten mittels Herzstillstand ins Nirwana befördern zu können: Fleisch, Speck, fettige Zwiebeln, dicke gezuckerte Barbecue-Soße – Glück auf, Rentenkasse, das Ding spart euch einen Haufen Geld.

Das viele Salz ist solide, aber zusammen mit den Pommes als Beigabe nur bedingt für Menschen geeignet, in deren Aterien sich schon Salz und Fett der letzten 20 Jahre Fastfood abgelagert haben und die deswegen mit hochrotem Kopf permanent fast platzend an der Klippe zum finalen Herzkasper stehen. Das ganze Ensemble ist wirklich sehr salzig und auch für schmerzfreie Salzliebhaber eine echte Herausforderung.

Wer allerdings Lust auf einen vorgezogenen Herztod verspürt, dem seien die Chili-Cheese-Fries zum täglichen Verzehr ans Herz (haha) gelegt. Spätestens nach einer Woche war´s das dann mit dem Auftritt auf dieser Welt und gesellschaftlich ist diese Art des Abgangs noch nicht einmal als Selbstmord verpönt, was bedeutet, dass die Lebensversicherung zahlt. Ist doch was.
Chili-Cheese-Friees also – die Pommes werden hierzu belegt mit well done Hackepeter, den schon vom „Monstaburger“ bekannten fettigen Zwiebeln, Jalapenos, die leider den einzig scharfen Aspekt einbringen und der aus dem Kino bekannten warmen Käsesoße, was eine unglaublich mächtige, aber irgendwie gelungene Kombination darstellt. Aus Lebenserhaltungsgründen würde ich davon abraten, dies jede Woche zu essen.

Die Currywurst verzückt auf ganzer Linie, denn sie ist überraschend gut. Ich meine, wir sprechen hier von einem Laden, der sich Burgermeister und nicht Currymeister nennt, was dieser aber angesichts der wirklich guten Currywurst durchaus könnte, vor allem wenn ich mir die eher schwachen Burger anschaue. Respekt, sehr fein, die darmlose angenehm temperierte Currywurst hat eine leicht knackige Haut ohne ins Lederartige zu gehen, ist mit der richtigen Menge Ketchup drapiert, nur der Curry wird für meinen Geschmack eine Nuance zu sparsam eingesetzt, aber gut. Ich habe die Currywurst mit dem Vorsatz bestellt, sie zu verreißen. Das geht nun nicht.

Nur das knäckebrotartig vergetoastete Brötchen zur Currywurst empfehle ich lieber an Enten oder Vögel zu verfüttern, es ist nur bedingt schmackhaft, viel zu kross und verteilt sich wie die Burger im Raum.

Das Personal hingegen sieht aus, als sei es nach einer durchzechten Nacht direkt aus dem Club hinter die Theke des Burgermeisters gefallen, gibt sich etwas zu bemüht lässig, ist aber überraschend schnell und nicht so eiskalt unfreundlich, wie man das von gewollt coolen Hipstern, die mit Erich-Honecker-Brille, Antifapullover und Dirk-Niebel-Gedächtnismütze hinterm Tresen stehen, erwarten würde. Schön.

Die gewählte Ladenfläche in einem ehemaligen Cafe Achteck (für Nichtberliner: ehemaliges öffentliches Pisshäuschen aus Metall) ist hingegen sehr originell und vermag meine grenzenlose Begeisterung zu wecken. Das ist wirklich mal eine witzige Idee und eine schöne Innovation für Menschen mit schrägem Humor.

Was bleibt? Es geht besser, das haben andere der gefühlten zwanzigtausend Burgerläden in Berlin schon bewiesen, andererseits aber rockt die unschlagbare Lage, der Gag, in einem Cafe Achteck zu speisen und die überraschend gute Curry.

In der Serie “Überleben im Dschungel der Großstadt” begibt sich mike-o-rama für uns in die Wildnis Berlins und testet ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit Imbiss-Buden, Fast-Food-Restaurants, Supermärkte und Orte, die nie ein zurechnungsfähiger Mensch gesehen hat. Seine Berichte erscheinen auch auf dem Bewertungsportal qype.de.

Bild: AARGON / pixelio.de

Das orangene Männlein

Das orangene Männlein„Kann ich Ihnen helfen?“

„Wäh? Hallo? Geht’s noch? Sie haben mich erschrocken! Wir sind hier in einem Baumarkt, Sie können mich doch nicht einfach ansprechen und mich fragen ob Sie mir helfen können, das ist absolut unüblich und überhaupt völlig pietätlos, wer hat Sie denn ausgebildet? Mensch, Sie müssen doch vor jedem potenziell fragenden Kunden wegrennen und sich verstecken – irgendwo zwischen engen Regalen, am besten in der Werkzeugecke, da ist normalerweise keiner, weil keiner mehr irgendwas alleine reparieren kann, außer Handwerker – und die fragen Sie nicht, weil die um Welten mehr Ahnung haben als Sie, sonst wären Sie ja der Handwerker und die da die Baumarktmitarbeiter, nein, in der Werkzeugecke sind Sie absolut sicher.

Und wenn Sie dann auf dem Weg zur Toilette oder in die Raucherecke doch mal jemand erwischt, der Sie was fragen will, dann müssen Sie ganz doll beschäftigt und wichtig tun, am besten haben Sie dazu immer ein paar Phantomakten in der Hand, irgendwelche abgelaufenen Bestellzettel, irgendeinen Holzkatalog oder meinetwegen Ihren Lottoschein oder Einkaufszettel, egal, Hauptsache Sie konzentrieren sich ganz auf das was Sie in der Hand haben so dass Sie diesem Schlumpf, der da was wissen will, das erniedrigende Gefühl geben, dass er eine wichtige Amtshandlung stört. Oder rennen Sie einfach weiter und lassen den Schlumpf hinter sich her rennen und seine Fragen hinter Ihnen her hecheln während Sie die Zahlen Ihres Zettels mit denen auf den Regalen vergleichen – er darf auf keinen Fall das Gefühl bekommen, dass er wichtiger ist als das was Sie gerade vortäuschen zu tun.

Nee, bah, nicht mal ein halbes Ohr würde ich so einem Schmock leihen geschweige denn irgendwie auf seinen Mist antworten – lieber immer wegschicken, irgendwohin in die Sanitärabteilung oder ins Gartencenter, wo eh nie einer ist, aber egal, einfach behaupten, dass da einer ist, der sich garantiert damit auskennt und dann schnell wieder ab in die Werkzeugecke oder überhaupt irgendwohin, wo man nicht gesehen wird von diesen Clowns, die immer so viel sinnlosen Blödsinn wissen wollen und den Hals nie voll genug kriegen.

Und wenn Sie irgendwann dann doch mal nicht mehr ausweichen können weil alle Fluchtwege schon mit anderen potenziell fragenden Bittstellern blockiert sind, dann stöhnen Sie ganz laut und möglichst resigniert auf und erklären dem erstbesten Clown, dass sein Begehr – egal was es ist – völlig unüblich ist und das was er will, kaum noch so irgendwo verwendet wird, höchstens irgendwo in den Karpaten, Aserbaidschan oder Nordkorea – egal, jedenfalls gibt es sowas hier nicht und kommt auch nicht mehr rein.

Und hat er irgendwas in der Hand und will es erklärt haben, dann lesen Sie maximal die Packungsaufschrift laut vor, dann kommt er sich blöd vor weil jeder denkt, dass er nicht lesen kann. Und dann zeigen Sie unvermittelt auf irgendein Regal, murmeln etwas Unverständliches, drücken ihm seine Packung wieder in die Hand, nutzen seine Verwirrung und rennen weg – in die Werkzeugecke. So geht das. Das ist Guerillataktik, wir sind hier im Krieg. Kapischi?“

„Huch, lassen Sie mich raten: Sie arbeiten bei Obi. “

„Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt“ schrie das orangene Männlein, und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde dass es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen, und riss sich selbst mitten entzwei.

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die Beiträge von mike-o-rama erscheinen auch bei qype.

Italien, mal wieder…

Heute spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen Italien. Mal wieder. Obwohl es heute ein Freundschaftsspiel um die goldene Ananas ist, denkt man natürlich an die großen Duelle beider Mannschaften, als es um alles und ans Eingemachte ging. Das Halbfinale 2006.  Das Finale 1982. Und das Halbfinale 1970, das „Jahrhundertspiel“. Wer das – wie ich – live (vorm Fernseher) verfolgt hat, vergisst es nicht.

Es war ein Mittwoch, Anpfiff war um 16 Uhr Ortszeit, 22 Uhr hierzulande. Am nächsten Morgen um 8 wollte Herr K. eine Mathe-Arbeit schreiben lassen. Okay, 90 Minuten, Viertelstunde Pause, vor zwölf würde ich in der Falle liegen. Kein Problem.

Und dann das frühe Tor. Alles, nur den Italienern kein frühes Tor erlauben. Dann stellen sie sich hinten rein, werden nicklig und es wird hässlich. Und es wurde hässlich. Und wie..

Schiedsrichter Arturo Yamasaki ist vermutlich mit leichtem Handgepäck in Mexico City eingetroffen und mit mehreren wohlgefüllten Schrankkoffern nach Hause zurückgekehrt. Was der gepfiffen hat, ging auf keine Kuhhaut. Allein, dass er das Foul an Beckenbauer nach außerhalb des Strafraums verlegt hatte, war eine Frechheit. Aber dass er Pierluigi Cera, der Beckenbauer die Schulter ausgerenkt hatte (!) noch nicht mal gelb gezeigt hat… dafür fehlen mir 41 Jahre später immer noch die Worte.

„Ausgerechnet Schnellinger!“ war natürlich ein Quatsch-Kommentar Hubertys. Wenn überhaupt jemand (außer Müller) den Ausgleich machen konnte, dann Schnellinger. Der spielte seit Jahren in Italien, der kannte seine Gegenspieler aus dem Effeff, und er hatte bisher ein saustarkes Turnier gespielt. Der wusste genau, dass die Defensiv-Fetischisten nicht damit rechnen würden, dass plötzlich ein Verteidiger vor dem Tor auftaucht… Wäre Huberty auf Ballhöhe gewesen, hätte er „Natürlich Schnellinger!“ rufen müssen.

Das Etikett „Jahrhundertspiel“ ist einzig und allein der Verlängerung geschuldet. Zuvor war es ein hässliches (defensive Italiener), vorhersehbares (anrennende Deutsche) Spiel. Die Dramatik der Verlängerung war jedoch unüberbietbar. Ein spannenderes und vor allen Dingen emotional bewegenderes Spiel habe ich seitdem nicht mehr gesehen.

Augenzeuge Gianni Rivera sieht das allerdings anders: “War nicht das Jahrhundertspiel. Die meisten auf dem Platz waren Kettenraucher. Man hörte in der Hitze die Lungen rasseln. Die Spieler konnten nicht mehr. Die Tore mussten fallen.”

Gedenktafel am Aztekenstadion

Was nach 41 Jahren immer noch bleibt, ist die Wut über die Ungerechtigkeit dieses Ergebnisses. Die deutsche Mannschaft hat hinreißend gekämpft und der als unüberwindlich geltenden Deckung der Italiener drei (drei!) Tore hineingedrückt. Das galt vor diesem Spiel als unmöglich. Sicher, die Italiener haben im Endeffekt ein Tor mehr geschossen, man muss dieser eiskalten Professionalität Respekt zollen, aber ein unparteiisch pfeifender Schiedsrichter hätte zwei Elfmeter für Deutschland gegeben und mindestens einen Italiener vom Platz gestellt. Das Spiel hätte ein anderes Endergebnis gehabt.

Was letztendlich wurscht war. Wir hätten das Finale ohne Beckenbauer gegen die in Top-Form auftretenden Brasilianer vermutlich genauso glatt verloren wie die Italiener. Obwohl… wir hätten uns schneller regneriert. Und wir hatten Erfahrung im Spiel gegen Mannschaften, die sich schon wie die sicheren Sieger gefühlt haben. Möglicherweise… Warum eigentlich nicht?!

Es war nach eins, als ich mich ins Bett legte. An Schlaf war nicht zu denken, dafür hatte ich zu wenig Blut in meinem Adrenalin. Irgendwann gegen fünf oder halb sechs, es wurde schon hell draußen, bin ich für ein paar Momente weggedämmert, schreckte jedoch Sekunden später aus einem Alptraum (irgendwas mit blau gekleideten Männern) wieder hoch.

Um sieben klingelte der Wecker, um kurz vor acht hatte ich mich zur Schule geschleppt. Die anderen sahen genauso zerstört aus wie ich: alle hatten das Drama verfolgt, keiner hatte ein Auge zugemacht. Unmöglich, in diesem Zustand eine Mathe-Arbeit zu schreiben. Da musste selbst ein Schleifer wie K. ein Einsehen haben, das konnte er nicht machen, wenn in seiner Brust ein menschliches Herz schlug, dann würde er die Arbeit verschieben. Er wusste doch, dass wir alle fußballverrückt waren.
Um Punkt acht betrat K. die Klasse, frisch rasiert und ausgeschlafen. Der hatte sich um neun ins Bett gelegt, dem ging der Fußball am Arsch vorbei. Fröhlich verteilte er die Klassenarbeitshefte und stellte uns die Aufgaben. Als er uns zwei Wochen später die Arbeiten zurück gab, war die Vier die beste Note.

Seitdem frage ich mich, wer das größere Arschloch war, Arturo Yamasaki oder Herr K. Noch steht’s unentschieden, die Verlängerung dauert an.

Foto Gedenktafel by Hellner [Public domain], via Wikimedia Commons

Was liegt an? – 7.2. bis 13.2.2011

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Länderspielwoche. Okay, ein Freundschaftsspiel, da agiert die aktuelle Spielergeneration gern ein wenig unenthusiastisch, also sollte man vom Mittwochabend nicht zuviel erwarten. Auch wenn es gegen Italien geht. Immerhin im Westfalenstadion. Da trafen beide Mannschaften ja vor viereinhalb Jahren zum letzten Mal aufeinander. Mit bekanntem Ergebnis. Ich frag mich immer noch, was gewesen wäre, wenn der Olli statt dem Jens… Der Olli hätte das Einsnull gehalten, da bin ich mit sehr sicher. Naja, ist viereinhalb Jahre her. Man kann ja mal reinschauen, auch wenn’s nur ein Freundschaftsspiel ist.

Wobei Mittwoch tatsächlich der einzige Abend ist, an dem sich das Einschalten des Fernsehers auch ohne Fußball lohnt: Um 20 Uhr 15 bringt Das Vierte „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“, einen der besten Louis-de-Funes-Filme überhaupt, und um 22 Uhr 15 sendet Tele 5 einen schönen, alten Jackie Chan: „Sie nannten ihn Knochenbrecher“, den ersten Film der Drunken-Master-Serie, ein herrlich unernster Prügelquatsch.

Am Donnerstag kommt eine schöne Horrorfilm-Parodie ins Kino: „Tucker & Dale vs. Evil“. Feierwütige Studenten treffen auf Hinterwäldler, das Übliche, aber dieser Film arbeitet mit umgekehrten Vorzeichen: diesmal sind die Studenten die neurotischen Killer. Hübsch gemacht, stellenweise sehr komisch, aber letztlich wohl doch eher was für Kenner des Genres, die die zahllosen Zitate einordnen können.

Auf DVD kommt „Themba“ heraus, ein in Südafrika verortetes Melodrama mit Fußballhintergrund. Kindesmißbrauch, Gewalt, Vergewaltigung, Prostitution, AIDS, und dann auch noch Jens Lehmann als Trainer… da kommt’s wirklich knüppeldick.

Sportlich ist außer Länderspiel und Bundesliga-Routine einiges los, morgen beginnt die Alpine Ski-WM in Garmisch, Übertragungen auf ARD/ZDF/ Eurosport bis zum 20. Februar. Am Freitag überträgt Sport1 Eishockey, das Slovakia-Cup-Spiel Deutschland-Slowakei, und Sonnabend kann man ebenfalls auf Sport1 Rugby gucken, Six Nations Cup, Italien-England. Viel Spaß!

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de