Links der Woche 7.5. bis 13.5.

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Wie funktioniert eigentlich dieses Kommunikations-Dings?
Schöner Cartoon

Star Trek-Fan-Film aus 1971. Mr. Spock trägt Koteletten und einen Schnurrbart.
http://www.youtube.com/watch?v=c6tVlZrzNRY

Wie Staubsauger funktionieren.
Wulffmorgenthaler-Cartoon

Ein Mann und sein Motorrad.
Steve McQueen’s Husqvarna wird versteigert.

Jet Set and Match.
Eine Timeline der Playboys

Der erste PKW mit ABS und Allradantrieb?
Das war ein Jensen!

 

Adrenalin auf dem Wasser

„Mein Haus. Mein Auto. Mein Pferd.“ Mit einer Briefmarkensammlung kannst Du heutzutage kaum noch eine neue Flamme zu Dir nach Hause locken. Haus und Auto sind nach wie vor Statussymbole. Aber damit kannst Du nicht immer imponieren. Weder die Mietwohnung im Neubaugebiet, noch der in die Jahre gekommene Opel Zafira vor der Haustüre verströmen übermäßig Sexappeal. Und Mädels, die auf Gäule stehen, sind meist noch in der Pubertät und fallen somit aus Deinem Beuteschema. Mädels, die nach der Pubertät immer noch auf Pferde stehen ebenfalls. Glaub es mir: Eine Unterhaltung über olle Mähren ist ungefähr so spannend wie die mit einem Rentner über seine Briefmarkensammlung. Aber das hatten wir ja schon.

Womit also imponieren? Das verdeckt auffällige Spiel mit dem Porsche-Schlüssel ist spätestens dann peinlich, wenn Du die Heimfahrt mit der U-Bahn antrittst. Eine elegante Yacht, die kommt immer an. Hat zudem den Vorteil, dass Du von Trips an der Coté d’Azur schwärmen kannst und nicht gleich damit auffliegst. Du willst die neue Beziehung nicht mit einer dreisten Lüge beginnen, aber das Konto recht grade mal für ein knallrotes Gummiboot am Wannsee?

Kein Problem. Zum einen wird nirgends so viel geschwindelt wie im Krieg und eben der Liebe. Zum anderen ist auch eine rasante Raceyacht oder ein eleganter Mahagoni Daycruiser durchaus für einen Durchschnittsverdiener erreichbar. Sogar mit Anlegestelle am Wannsee. Aber wie?

Ganz einfach: Ein paar Nummern kleiner. Modellboote transportieren zwar nicht Dich mit Deiner Liebsten, dafür aber, wenn Sie denn gut gemacht sind, nahezu genau so viele Emotionen. Beispielsweise die „Magin Two.1“ von robbe oder Graupners „Ti Amo“ sehen auf dem Foto in der Brieftasche so täuschend echt aus, dass bei der Einladung zur Spritztour am Wochenende bestimmt niemand enttäuscht ist, wenn sich herausstellt, dass Deine Yacht in den Kofferraum passt. Freund der leisen Töne imponieren mit einem Segelboot ohne Flautenschieber und vertrauen dem Wind. Das ist besonders spannend, weil Du vorher nie wissen kannst, ob es vielleicht ein Badeausflug wird…

Die Werft, in der Deine ganz persönliche Yacht auf Kiel gelegt wird, ist entweder in Deinem Hobbyraum oder, zumindest häufig, irgendwo in Fernost. Denn von Bausätzen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bis zum Fertigmodell aus China oder Taiwan reicht die Spanne der angebotenen Produkte. Mein Tipp: Schau Dich auf einer Modellbaumesse um, unterhalte Dich mit Hobbykapitänen am Ufer und kaufe dann in einem Fachgeschäft. Kaum eine andere Modellbausparte ist vielseitiger und individueller. Während sich der eine seinen Adrenalinschub mit einem rasanten Rennboot abholt, erholt sich der andere beim stundenlangen Spiel mit dem Wind. Doch auch ein Segelboot wird nie langweilig. Im Gegenteil. Der Einsteiger kommt zwar rasch zu ersten Erfolgen, denn die Steuerung mit Ruder und Segelverstellung ist schnell gelernt. Doch der Reiz liegt im Detail: Die Möglichkeiten der Feineinstellung von Mast und Segeln sind nahezu unerschöpflich und bieten Stoff für stundenlange Diskussionen mit Kollegen. Und wenn es dann erst mal bei 35 Knoten Westwind bei einer Regatta zur Sache geht, kommt auch die Spannung nicht zu kurz.

Nicht minder interessant sind Motoryachten, die mittlerweile fast ausschließlich mit einem fast lautlosen und umweltfreundlichen Elektroantrieb durchs Wasser düsen. Adrenalin auf dem Wasser: Vorsichtig am Gashebel des Pistolengriffsenders ziehen. Langsam setzt sich die Rennyacht in Bewegung. Ist das wirklich schon alles? Kann nicht sein. Noch ein wenig weiter ziehen. Dann, aus heiterem Himmel ein schneller Satz nach vorne. Gischt steigt auf, das Boot schießt los und kommt innerhalb weniger Meter ins Gleiten. Kleinere Wellen werden einfach übersprungen. Irgendwann sind nur noch die Ruderflossen im Wasser. Wahnsinn…

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Fotos: Robert Hill

Playboys – der Traum vom Leben ohne Angst

Jetzt hat sich Gunter Sachs eine Kugel in den Kopf geschossen. Weil er Angst vor Altzheimer gehabt haben soll. „Der letzte Playboy“ wäre er gewesen. Was Quatsch ist. Ein Playboy hat keine Angst.
Aber Sachs war ja auch schon lange kein Playboy mehr. Playboys werden nicht alt (Genau, Rolf Eden ist natürlich auch keiner mehr.). Entweder sie sterben in den rauchenden Trümmern eines Ferrari, oder sie sitzen irgendwann in Talkshows herum und erzählen Geschichten von früher. Von den aufregenden Zeiten, als sie noch Playboys waren.
Playboys gab es seit Anfang des 19. Jahrhunderts. 1828 taucht das Wort zum ersten Mal im Oxford Dictionary auf, damals bezeichnet es einen Mann mit Geld, der sich amüsieren möchte. Was ja schon mal nichts schlechtes ist. Als J. M. Synge Anfang des 20. Jahrhunderts sein Theaterstück „The Playboy of the Western World“ schrieb, war ein Playboy schon ein Frauenheld. Hatte sich also was getan seit 1828. Seitdem hatte nämlich Edward VII. Pionierarbeit geleistet, der sich die doch ziemlich lange Wartezeit auf den Thron mit zahlreichen rauschenden Parties und einigen krachenden Affären (Edward bevorzugte Schauspielerinnen) vertrieb. Bis vor ein paar Tagen war Edward noch der Prince of Wales mit der längsten Amtszeit, jetzt hat ihm Charles den Rekord genommen, dessen einziger Beitrag zum Hedonismus bekanntlich sein Verhältnis mit Camilla Parker Bowles war. Mit deren Urgroßmutter hatte Edward übrigens ein schwunghaftes Verhältnis, er nahm sie regelmäßig in den Urlaub nach Biarritz mit. Das hat möglicherweise etwas zu bedeuten, einen echten Playboy interessiert das aber nicht. Der interessiert sich für alles was schnell ist: schnelles Geld, schnelle Frauen und natürlich schnelle Autos, die jetzt endlich erfunden wurden, damit die Playboys mit ihnen spielen konnten.
Und noch etwas musste erfunden werden, bevor die Playboys richtig zu spielen begannen: Das Flugzeug. Ohne Jet kein Set. Heute Polo in Palm Beach, morgen Roulette in Monte Carlo, übermorgen zu Prinz Alfons nach Marbella… Playboys arbeiteten zwar nicht („Für Arbeit habe ich keine Zeit!“, soll Porfirio Rubirosa, the greatest of them all, gesagt haben.), aber ihr Terminplan war so eng, dass er ohne Düsentriebwerke nicht zu bewältigen war.
Nach dem 2. Weltkrieg lagen die Spielzeuge endlich bereit, das schnelle Leben konnte beginnen. Und das schnelle Sterben, denn ungefährlich war das nicht, was die Jungs trieben. Die Sportwagen, die sie mit hundert, zweihundert Sachen über die Corniche jagten, hatten weder Knautschzonen, noch Kopfstützen oder gar Sicherheitsgurte. Den Fuß auf dem Gaspedal zu behalten, erforderte gewaltige Cojones oder eine gewisse Todessehnsucht oder eine totale Verantwortungslosigkeit. Vermutlich war es eine Kombination aus allen dreien, vor allen Dingen aber eines: die totale Abwesenheit von Angst.
Auch, was ihr Image in der Öffentlichkeit anbelangte. Die Jungs passten ja nun gar nicht in die Vorstellungen von Moral und Anstand, die in den fünfziger und beginnenden sechziger Jahre des vorigen Jahrhundert herrschten: Pflichtbewusstsein, Sparsamkeit, Treue, Familie, Sicherheit, um nur ein paar Dinge zu nennen, um die diese Männer sich einen Dreck scherten. Und wenn die Zeitungen schrieben, dass sie ein Haufen verantwortungsloser Taugenichtse seien, who cares? Wenn man erstmal den Ruf eines Wüstlings hat, dann braucht man keine Angst mehr haben, diesen Ruf zu verlieren.
Und nett waren die Jungs mit Sicherheit ebenfalls nicht. Der Lebensstil, den sie pflegten, funktioniert nur mit einer gehörigen Portion Rücksichtslosigkeit. Nichts, womit man everybody‘s darling wird. Aber wer ein schlimmer Junge werden möchte, hat auch keine Angst davor, so genannt zu werden.
Natürlich kamen damals auf einen Playboy mindestens hundert Moralapostel. Die sich daneben stellten, die Zeigefinger hoben und immer wieder „Das kann nicht gut gehen!“ riefen. Nuja, das war nix neues für die Playboys. Sie machten all diese Dinge, weil sie wussten, dass das nicht gutgehen konnte. Sie hatten einfach keine Angst davor, dass es schief ging.
Sie starben lieber, anstatt Angst zu bekommen. Sie zogen es vor in ihren Privatjets, Sportwagen oder Rennbooten zu verrecken, anstatt das Gefühl des Verlusts fürchten zu lernen.
Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber mir fehlen diese Jungs. In Zeiten, in denen der Verzicht als Maß aller Dinge gilt (Kein Risiko! Kein Alkohol! Keine tierischen Fette!) fehlen diese Piraten, die sich einen Dreck um die vorgegebene Meinung scheren und ohne Angst vor gesellschaftlicher Ächtung so leben, wie es ihnen passt. Wir hätten zur Zeit ein paar Playboys bitter nötig.
Aber wer hat denn heutzutage keine Angst mehr?

Was liegt an? – 9.5. bis 15.5.

Der Eishockey-Wahnsinn geht weiter. Die Deutschen sind im Viertelfinale, es ist kaum zu glauben, Viertelfinale! Großartiger Kampf mit viel Pech gegen Finnland, über die Dänemark-Partie… sagen wir mal nix, heute abend ist mit der letzten Zwischenrundenpartie gegen Tschechien dann die nächste Giganten-Nation fällig (Sport1 überträgt)!
Wirke ich euphorisch? Gut möglich, ich bin’s nämlich. Derartige Hoch-Zeiten kamen im deutschen Eishockey bisher nur so alle zehn, zwanzig Jahre. Das muss man auskosten.
Zumal die Fußballsaison ihrem Ende entgegenstrebt. Am Wochenende letzter Bundesligaspieltag, Sonntag überträgt die ARD nach der DTM die Meisterfeier aus Dortmund, dann kommen noch die Relegationspartien, Pokalfinale in Berlin, Euro- und CL-Finale, und dann kommt die dunkle, Sommerpause genannte Zeit, in der man anfängt, hektisch nach Livestreams zu suchen, die die Qualis zum Uefa-Cup übertragen… schrecklich! Auf Eurosport gibt’s noch die U17-Fußball-EM in Serbien, sowie den Giro d’Italia. Und auf Sport1 – hab ich das schon erwähnt? – die Eishockey-WM!
Ganz, ganz großen Sport gibt’s ab Donnerstag auch im Kino: „Senna“, eine Doku über den vermutlich größten Rennfahrer aller Zeiten, läuft an. Herrgottsack, war das ein Draufgänger!

Bleibt das normale TV-Programm. Auf die montägliche Zweitliga-Partie müssen wir bereits verzichten, wenigstens sorgt Retro-Bulle Mick Brisgau um 20 Uhr 15 auf Sat1 für männerhumorige Kontinuität („Der letzte Bulle“). Am Mittwoch um 22 Uhr 45 auf Kabel 1 für all diejenigen, die ihn vielleicht noch nicht kennen, die geniale DVD nicht besitzen oder die ihn einfach mal wieder sehen wollen: David Fincher’s Meisterwerk „Fight Club„, einer der brillantesten, bösesten, faszinierendsten Filme die je gedreht wurden.
Ebenfalls zu später Stunde, am Freitag um 23 Uhr 30 kann man auf der ARD eine Entdeckung machen. Das Erste sendet in der Nacht ein paar Filme mit der jungen Senta Berger, und die Thriller-Komödie „Marrakesch“ aus 1966 ist eine echte Perle. Komisch, temporeich, spannend, und neben der Berger spielen Tony Randall, Terry-Thomas, Herbert Lom, Klaus Kinski. Da lohnt das Wachbleiben.
Ob das auch am Samstag abend beim European Song Contest lohnt, ist die Frage. Wenn der ganze Hype, der diese Woche von ARD und ProRaab ProSieben auf die Menschen losgelassen wird, mich nicht endgültig abtörnt, werde ich wohl gucken. Ich hab einfach eine Schwäche für Ostblock-Transen, die sich als Container-Schlampen verkleiden und Technopop singen. Wem das zu heftig ist – wofür ich tiefstes Verständnis habe – kann sich parallel auf ProSieben einen ganzen Abend lang olle Simpsons-Folgen gucken.
Und am Sonntag um 20 Uhr 15 macht dann auf Tele 5 „Balduin, das Nachtgespenst“ (herrliche Klamotte mit Louis de Funès und Jean Gabin) dem ganzen Spuk ein Ende. Bis dahin viel Spaß, eine schöne Woche!

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Links der Woche – 30.4. bis 6.5.

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

No way, José! Mit Mourinho im Hotel.
Super-Satire über „The Special One“. Auf englisch.

Käferkunde: Versuchswagen, Vorserien-Autos und das Urmodell des Porsche.
Bericht über eine Ausstellung im Hamburger Automuseum Prototyp.

Formel 1 auf Fahrradreifen: Die Anfänge des Bahnradsports.
Tolle Story mit vielen Fotos.

46 Liter Hubraum hat nicht jeder.
Ungewöhnliches Oldtimerprojekt.

Und nein, ich verlinke nicht auf den Clip mit dem englisch sprechenden Lothar Matthäus,über den sich derzeit die halbe Welt lustig macht. Erstens ist Lothars Englisch seit „I hope we have a little bit lucky“ tatsächlich viel besser geworden, und zweitens: wer von uns spricht eigentlich absolut akzentfrei Englisch?
Bei JETZT bringen sie’s auf den Punkt.

Ein Fußballbuch für Große.
Taktik-Buchbesprechung bei „Indirekter Freistoß“

Warum springen Striptease-Tänzerinnen immer nur aus großen Torten?
Wulffmorgenthaler-Cartoon

 

 

 

 

Mal schnell mit dem Rad von Hamburg auf den Brocken

Heiko ist von Hamburg auf den Brocken gefahren. Mit dem Rad. An einem Tag. Das hat er schon mal versucht, da hat’s nicht geklappt. Warum, das steht bei schlusslaeufer.de. Diesmal hat’s geklappt. Warum, das steht hier.

Ja, diesmal bin ich angekommen. Ich hatte aus dem letzten Event gelernt. Letztes Mal war es März und kalt, kaum Wind, ich hatte trainiert (regelmässige Fahrten mit dem Rad zur Arbeit), ich war am Elbe-Seiten-Kanal entlang gefahren, mit dicken Satteltaschen..
Diesmal sollte alles anders sein. Ich war vor ca. 1,5 Jahren das letzte Mal auf dem Rad (jedenfalls für mehr als 5km). Wir hatten April und ich wollte zur Walpurgisnacht auf dem Brocken sein. Es war sehr windig, mit der bevorzugten Richtung Süd-Ost. Ich fuhr quer durchs Land und mied den Kanal. Die Satteltaschen waren schlanker.

Aber Bike und Fahrer waren identisch. Damit das Ganze auch als Tagestour in die Annalen eingehen kann, musste ich das maximale aus einem Tag rausholen. Demzufolge war der Start um 00:00. Na, jedenfalls nahe dran. Denn ein bisschen ist immer zu fummeln und so rollte ich um 00:10 vom Grundstück. Die Nacht war kühl, aber nicht kalt, und im Hamburger Häusermeer war der Wind beschaulich.
Das erste Stück der Strecke war leicht. Ich wohne ja schon länger in Hamburg und die Navigation bis zur B5 war ein Kinderspiel. Die B5 hingegen kenne ich nur per Auto und ich war nicht sicher, ob und wo da ein Radweg ist. War aber. Sogar nett an einem Gewässer. Die Bille vielleicht. Na, egal. War ja keine Städtereise mit Kulturprogramm. Einige Jugendliche mit einem bemerkenswerten Alkoholspiegel nutzten den gleichen Weg und machten Bemerkungen, die sich dem Nüchternen nicht erschlossen.

Kurze Zeit später war der Radweg vorbei. Oder zumindest nicht mehr sichtbar. Es gab einen Tunnel, und danach war man in einem Kleingartenverein. Ich hab mir den dann ein wenig angesehen. Wie das GPS nachher zeigte, bin ich sogar im Kreis gefahren. War wohl noch nicht richtig wach. Ich kam so nicht weiter. Also zum Tunnel zurück, anderer Versuch. Navi wollte ich noch nicht anschalten. Es ging dann rechts auf einer Straße weiter. Aber kein Schild wies darauf hin. Radfahrer sind eben Menschen um die man sich nicht kümmern muß.

Bergedorf durchradelte ich in der Phase, in der Menschen aus der Kneipe nach Hause gehen. Anstrengend, dieses Slalomfahren. Dann das kurze Stück nach Geesthacht. Kurz jedenfalls, wenn man im Auto sitzt. Immer wieder dachte ich, ich bin gleich da. War ich aber nicht. Dann endlich der erlösende Schein des Hebewerks. Rüber über die Brücke und runter auf die Elbuferstraße.
Der musste ich nun eine ganze Weile folgen. In der Dunkelheit eigentlich egal, wem oder was man folgt. Man sieht eh nur den Kegel der Radlampe. Wobei das auch ganz nett sein kann. Wenn man z.B. über die Elbe fährt. Es  rauscht unten, und man sieht nichts, das ist dann ein unwirkliches Gefühl. Nun gut, die Elbe war Geschichte, und hier rauschte nichts. Nichts? Doch der Wind. Der fing schon hier an mich zu nerven.
Etappenziel an jetzt Lüneburg. Gar nicht so leicht, nicht auf die Ortsumgehung zu gelangen. Autos sollen ja nicht durch die Stadt. Der Kilometer-Sparer auf dem Rad hingegen wählt den kurzen Weg quer durch die Stadt. Schon allein der 24-Stunden-Tanken wegen. Ein heißer Kaffee mit Milch weckte meine Lebensgeister und gab mir Schwung für die nächsten Kilometer Richtung Uelzen.

Es wurde langsam hell. Ein Vorteil des Monats April gekoppelt mit der Sommerzeit. Erstaunlich wie lange die Sonne so braucht, bis das Licht vollständig an ist. Uelzen brachte einen weiteren Kaffee und einen Schoko-Croissant. Und es zeigten sich erste Bewegungsbehinderungen. Konnte ich zu Beginn der Tour mein rechtes Bein noch locker über die Gepäcktaschen schwingen und so ein gemein hin als elegant bezeichnetes Aufsteigen zelebrieren, musste ich jetzt das Bein umständlich über die Sattelstange fummeln. Dabei musste das Rad zur Seite geneigt werden. Aber mehr war nicht mehr drin. Sah schwer behindert aus, aber ließ sich nicht ändern. Aber ich hatte in Uelzen die 100km geschafft, und das in knapp unter 6 Stunden.
Gifhorn. Ein Ort, wo niemand hin will. Außer ich. Ich war jetzt ein Jünger der B4. Was für eine Bundesstraße. Menschen mit einem Hang zum Lineal haben die Planung übernommen. Ich kenne solche Straßen nur aus dem mittleren Westen der USA. Na, nun auch hier. Gerade. Gerade. Gerade. Mag dem Autofahrer nicht so auffallen, aber mit dem Rad sind fast 80km geradeaus eben… verknüpft mit einem gewissen Vergehen der Zeit. Obwohl ich da noch flott unterwegs war, und der Tacho trotz Gegenwind häufig 25km/h anzeigte.

Braunschweig. 200km. Sub 12 Std. Irre. Ich fing an zu glauben, dass ich den Brocken schaffen würde. Aber noch lagen 100km vor mir. Und das Gelände wurde welliger. Ich musste mich auch mal um meine Füße kümmern. Was sonst nicht meine Art ist. Ich entfernte Schuhe und Socken und sah mir das Elend an. Durch die Klick-Pedale wurde der Fuß immer identisch belastet, und weil er das nicht gewohnt war, reagierte er mit Schmerz. Höllischen Schmerzen. Und so sah ich mich genötigt, zu Chemie zu greifen. Ich rieb die Füße mit Voltaren ein. Und wer mich kennt, weiß dass ich so etwas SEHR ungern tue. Aber hier und jetzt musste es sein. Anders wäre ich wohl wegen Zurschaustellung verzerrter Gesichtszüge an der nächsten Kreuzung verhaftet worden.
Auch mit der Salbe hatte ich noch genügend Fußspaß. Aber mehr noch fing der Wind an, mich zu nerven. Dass ich einige Bergab-Strecken treten musste, um nicht anzuhalten, daran hatte ich mich gewöhnt. Das ich ständig durch ein Meer von Pollen fuhr, störte mich nicht mehr, seit ich den Pollen-Schnee nicht mehr im Scheinwerfer-Kegel ständig beobachten konnte. Was man nicht sieht, ist auch nicht da. Aber dieses Pfeifen am Helm und in den Ohren, fing an, mich zu stören. Und zwar ziemlich. Aber alle Versuche, den Wind weg zu bekommen, funktionierten nicht. Er war an. Blieb an und nervte. Ich hätte Surfer werden sollen.

Dann Martierszoll (oder so), einer der wenigen Orte, durch die ich bei der Erstauflage auch gekommen war. Alte innerdeutsche Grenze. Diesmal mit Foto. Aber sonst ist das eine wirklich vergessene Welt. Vieles steht leer. Will wohl keiner dort wohnen. Und auch ich wollte da weg. Aber primär, weil ich woanders hin wollte. Ich konnte den Brocken jetzt sehen. Dunstig zwar, aber ich hatte ihn im Blick.
Ich fuhr jetzt Garmin-geführt. Komische Wegführung. Aber ich bin ja technikgläubig. Die Straße hieß irgendwas mit roter Mühle. Erinnerungen an die DDR? Asphalt hatte diese Straße nicht. Hätte ich Fußgänger-Navigation benutzen sollen? Was ist das? Eine Furt? Ich hätte spucken können. Zurück radeln kam nicht in Frage, sagten mein Hintern, die Muskeln und mein Kopf. Also durch. Steine am Grund. Schlüpfrig. Um den Voll-Wasser-Kontakt zu vermeiden: Füße runter und die Lage stabilisieren. Ah, das kalte Wasser nimmt den Schmerz. Aber was würde dann kommen, Blasen? Egal, es war wie es war. Ich fuhr liquid cooled weiter. Wieder führte mich das Navi auf einen Feldweg. Autobahn? Genau. Bis an eben selbige führte der Weg, und das Navi meinte, es gäbe eine Brücke. Gab es aber nicht. Hier war mit Sturheit nichts mehr zu machen. Ich musste wenden. Zum Glück nicht noch mal durch die Furt.

Werningerode. In einem Laden einer sehr alten Frau (der Laden hat von 4:30 bis 21:00 durchgehend auf, das hält wohl am Leben) gab es einen Kakao, und auf die Frage ob dieser Weg wohl wirklich auch nach Schierke führte (was das Navi meinte), gab es ein Ja. Ich hätte weder der alten Frau noch dem Navi trauen sollen. Im Prinzip hatte beide recht. Und es war wohl auch der kürzeste Weg. Was ich ja eingestellt hatte. Aber es ging über Elbingerode, und so machte ich mehr Höhenmeter als geplant. Mit dem Auto kein Thema, aber mit müden Beinen eine fiese Sache. Na, selber Schuld und nicht mehr zu ändern.
Über eine Art Höhenstraße kam ich nach Drei Ahnen Hohne und machte noch mal Pause. Es würde von nun an immer weiter bergan gehen. Schierke erreichte ich noch mit einem Lächeln, aber bereits mit mächtig taubem Gesäß. Dort waren Tausende zum Hexenstanz auf den Straßen, und zum ersten Mal war das Umrunden von Fußgänger schwieriger als das Erzeugen von Vortrieb. Dann Schilder, dass die Brockenstraße gesperrt sei. Das konnte nur ein Aprilscherz sein. Ich fragte einen Ranger, und der meinte, nein, heute und morgen ist die noch offen und dann gesperrt. Glück gehabt. Ich schlich weiter.
Bei 700 Höhenmetern wäre die Reise beinahe zu Ende gewesen. Ich wollte wieder aufsteigen, aber ein fürchterlicher Krampf im linken Arm zwang mich zu Hexentanz-tauglich stoßartigen Lautäußerungen und Einweisungs-tauglichen Bewegungsabläufen. Das ging ein paar Minuten so weiter, dann hatte ich das im Griff und radelte weiter. 4km/h war jetzt mein Tempo. Aber egal. Ich würde ankommen. Mir kam eine Gruppe Radler entgegen. Einer war gestürzt. Das Gesicht sah sehr, sehr schlecht aus. Tampons in der Nase. Ich denke da hätte man auch mal einen Rettungswagen kommen lassen können. Für mein Abfahrt Richtung Bad Harzburg nahm ich mir vor, vorsichtig zu sein.

Irgendwann fuhr ich an einem Radler vorbei, der Pause machte. Der hat mich weiter oben dann überholt. Er schob sein Rad. Da kann man mal sehen, WIE langsam ich am Ende war. Aber ich sah in dem Moment schon den Gipfel, und hier zählte nur noch das Ankommen.
Kurz ein paar Fotos am Gipfelstein. Aber die Kälte zog sofort durch alle Schichten. Daher schnell das Rad angebunden und ins Restaurant. Der Plan war, dort lecker zu essen und sich aufzuwärmen. Klasse, der Goethesaal war zu. Wollen die keinen Umsatz machen? Es ist Walpurgisnacht. Also in die Turmklause. Immerhin offen. Eigentlich nur für Hotelgäste, aber heute auch für andere. Allerdings nur noch bis 22:00 also keine Viertelstunde mehr. Heißer Kakao und eine Apfeltorte. Fertig. Ein paar „Ich hab’s geschafft“-SMS und wieder raus in die Kälte.
Walpurgis ist nur um Mitternacht. Und bis dann wollte ich oben sein. Vielleicht ist der Wartesaal der Brockenbahn offen? Nein. Auch zu. Also windgeschützte Stelle gesucht. Eine Biertisch-Bank rüber getragen. Dünner Schlafsack. Notbiwaksack drüber. Auf die Biertisch Bank (natürlich eigentlich zu schmal für mich), und Wecker auf Mitternacht gestellt. Bis Mitternacht schön gepennt. Dann ein kurzer Blick: Keine Menschen. Also ein wenig den Sternenhimmel bekuckt und innerlich walpurgt. Wecker auf 01:00 und ein bisschen weiter genickert.

Um 01:00 dann noch ein paar trockene Sachen angezogen und runter nach Bad Harzburg. Bereits wenige Meter nach dem Losrollen verließ das Gefühl meine Hände. Das war so was von kalt und bergab war ich locker 40km/h schnell. Plus dem jetzt sehr starkem Wind. Na, nach dem Abbiegen an die Strecke neben der Brockenbahn sollte es windstiller werden.
Neulich hatte ich mich noch über den Rückbau der schönen Holzbohlen geärgert, jetzt war es okay. Ich konnte auf der Waldautobahn herrlichen rollen. Die Panzer-Rüttel-Platten haben mir dann fast das Rad zerlegt. Bodensprung rechts ab Richtung Torfhaus. Das Rütteln geht weiter. Dann unten am Wasserregal entlang. Wurzelpfad. 01:30 morgens und mit deutlichem Schlafdefizit eine durchaus spannende Sache.
Dann vom Torfhaus runter Richtung Bad Harzburg. Breite Straße. Das Rad rollt. Ich weiß, da ist ein Blitzer. 60km/h ist erlaubt. Ich fahre 70km/h. Zu langsam für ein Foto. Schade. Um 02:00 ist der Bahnhof erreicht. Um 6:42 fährt mein Zug. Wartesaal ist wieder zu. Schade. Ein Beet mit Rindenmulch ist trocken und wird für die nächsten 3 Stunden mein Bett.

Fazit: Eine herrliche Fahrt. Das taube Gefühl in Schultern, Händen und im Schritt wird nachlassen, ich weiß das. Und ich habe es geschafft.
Wieder eine gehirnfreie Idee, die in die Tat umgesetzt wurde.

Heiko, 50 Jahre, arbeitet am Tag, läuft nachts, sammelt Uhren, schraubt an Autos und liebt die Familie über alles. Heikos Seite ist  schlusslaeufer.de.

Männeressen: Spargel

Viele Kerle werden jetzt abwinken: Um Himmwelswillen, Spargel! Völlig überschätztes Zeugs, schmeckt entweder nach nichts oder bitter, da löffel ich doch die Hollandaise lieber gleich pur…
Nuja, von ihrer Warte aus haben diese Kerle möglicherweise durchaus recht. Vermutlich haben Sie noch nie anständigen Spargel auf dem Teller gehabt. „Anständiger Spargel“ heißt: frisch und richtig zubereitet.

Thema frischer Spargel. Ich habe jahrelang genauso gedacht wie die oben zitierten Kerle. Doch dann fiel die Mauer und ein paar Jährchen später erschienen die ersten Stände in Berlin, an denen zu zivilen Preisen Spargel angeboten wurde, der noch am gleichen Tag in Beelitz gestochen worden war. Ich probierte und… mutierte zum Spargelfan. Nichts geht über frischen Spargel, der am Stichtag in den Kochtopf wandert. Nun hat nicht jeder Kerl ein Spargelbeet direktemang vor der Haustür. Nuja, Spargel der einen Tag alt ist… geht auch.
Den delikatesten Spargel bekommt man sowieso beim Bauern, auf dem Spargelbeet, wo er unmittelbar nach dem Stechen in den Kochtopf wandert. Frischer geht’s nicht und besser geht’s nicht, von der Qualität des Spargels her.
Leider kochen sie den Spargel auf allen Spargelhöfen, die ich um Berlin herum kenne, viel zu weich. Und sie kochen ihn überhaupt. Was kreuzdämlich ist. Womit wir beim nächsten Thema wären.

Thema Spargelzubereitung. Die meisten Kochbücher empfehlen, den Spargel zu kochen. Und das ist riesengroßer Blödsinn. Weil der ganze schöne Spargelgeschmack ins Wasser wandert. Kein Wunder, dass die meisten Rezepte empfehlen, das Kochwasser vom Spargel nicht wegzukippen, sondern eine Suppe draus zu kochen. Dahin hat sich nämlich das ganze Spargelaroma verabschiedet. Ich empfehle daher drei alternative Garmethoden: dämpfen, im Ofen dünsten oder braten.

der Spargelknast

1. Fürs Dämpfen braucht man einen Spargeltopf. Das sind diese hohen Dinger mit dem Spargelknast zum Rausnehmen innen drin. In diesen Spargelknast werden die großzügig (!) geschälten Spargel gestellt und der Topf soweit mit Wasser gefüllt, dass maximal das untere Drittel der Stangen nass wird. Das Wasser wird zum Kochen gebracht, die Spargel hineingestellt, Deckel drauf und abwarten. Gekocht werden bei dieser Methode nur die unteren Enden, der Rest des Spargels gart im aufsteigenden Wasserdampf und behält sein Aroma.
Wie lange braucht der Spargel? Je nach Dicke der Stangen zwischen acht und zwölf Minuten. Am besten hebt man nach acht bis zehn Minuten den Korb mal raus und schneidet mit einem Messer ins untere Ende einer Stange. Wenn‘s reinflutscht, ist der Spargel gar.
Dies scheint mir übrigens ein weiterer Grund zu sein, warum viele Menschen Spargel nicht mögen: weil er schlichtweg totgekocht wird. In den meisten Kochbüchern steht etwas von zwanzig bis dreißig Minuten, was viel zu lang ist. Ich habe selbst ganz dicken, weißen Spargel noch nie länger als 15 Minuten kochen bzw. dämpfen müssen. Spargel muss zwar weich sein, sollte aber noch Biss haben und etwas elastisch sein, dann schmeckt er am besten. Die weichen, schlappen Nudeln, die Oppa am Stück in sich reingeschlürft hat, sind nun wirklich kein Ruhmesblatt der Spargelküche.
Wo war ich? Ach ja, Spargel fertig gedämpft. Muss jetzt noch gesalzen werden, bißchen Zitrone bei und ist fertig. Mit zerlassener Butter, Hollandaise oder noch kurz mit Parmesan gratiniert.

im Ofen gedünsteter Spargel

2. Wenn man den Spargel im Ofen dünsten möchte, sollte man die Spargelschalen und –abschnitte aufheben, gründlich waschen und – feucht wie sie sind – in einen Bratentopf legen (alternativ geht auch ein Bratschlauch). Darauf legt man die vorbereiteten Spargelstangen, salzt, gibt vielleicht ein wenig Puderzucker drüber, legt ordentlich Butterflocken drauf, Deckel zu (oder Bratschlauch zubinden) und rein in den Ofen (180 Grad, Gas 3). Nach so 20, 25 oder 30 Minuten (je nach dem, wie viel Spargel man in den Ofen geschoben hat und wie dick die Stangen sind), mal nachschauen, wie weit er ist. Im Ofen auf den Schalen bekommt der Spargel ein sehr intensives Aroma, hätte man den blassen Stängchen gar nicht zugetraut.

lecker Avocadopampe

Für den, dem Butter oder Hollandaise zu den Ohren rauskommen, hab ich einen Vorschlag, der bei mir seid ein paar Jahren der Hit zum Spargel ist: die Avocadopampe. Einfach das Fruchtfleisch von zwei, drei reifen Avocados mit etwas Hühnerbrühe zermusen, paar Frühlingszwiebelringe dazu, Salz, Pfeffer, Zitronensaft (Wichtig! Sonst wird die Pampe braun!) und einen ordentlichen Schuß Kürbiskernöl. Noch’n bisschen Kresse drauf, fertig. Harmoniert mit Spargel wie ein Zwölfzylinder mit Ferrari.

gebratener Spargel

3. Gebratener Spargel ist derzeit mein Favorit. Hier tut’s auch der preiswerte Bruchspargel (solange er frisch ist), denn der Spargel wird nach dem Schälen in Stücke geschnitten, so drei, vier Zentimeter lang. Dicke Stange können halbeirt oder geviertelt werden, die Köpfe legt man erst mal beiseite. Dann bringt man ein bisschen Öl gemischt mit Butter am besten in einem Wok auf Temperatur (so zwei Drittel Power ungefähr) und wirft die kleingeschnittenen Stangen rein. Salz, Pfeffer, bißchen Puderzucker dazu.  In der Pfanne tut sich ein paar Minuten lang nicht viel, die Stangen bleiben weiß und hart, trotzdem sollte man gelegentlich umrühren und so nach drei, vier Minuten die Köpfe dazugebe. Nach sechs, sieben Minuten ist es dann so weit, die Spargelstücke werden schlagartig weich und beginnen zu bräunen. Spritzer Zitronensaft dazu und rühren, dass nix anbrennt. Passiert leicht. Wer jetzt noch ein paar in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln, ein paar Stücke von enthäuteten, entkernten Tomaten und eine Handvoll Schnittlauch unterrührt, weiß, was er tut und kann seinen Spargel zu Tisch bringen. Und da kann man sich dann noch ein Löffelchen Schmand unter den Spargel rühren. Der kühle Schmand, der heiße, nussige Spargel… herrlich!
Dazu passt ein Riesling, ein Silvaner, ein Gutedel, aber auch ein schönes Bier ist nicht verkehrt. Mahlzeit!

Was liegt an? 2.5. bis 8.5.

Das ist nicht zu fassen! Die Slowakei geschlagen und dann die Russen! Die Russen! Im Eishockey! Geschlagen! Die Eishockey-WM diktiert ab sofort den Terminkalender. Morgen geht’s noch gegen Slowenien (16 Uhr, Sport1), dann steht die bereits gesicherte Zwischenrunde an, Wahnsinn!
Wirklich gut, dass das Eishockey in die Bresche springt, denn aus dem Fußball ist die Luft derzeit ziemlich raus. Dortmund ist Meister, auf den Abstiegsrängen wird sich wohl auch nicht mehr allzuviel ändern, nuja, die Saison ist rum. In Liga zwo geht‘s immerhin noch um die Plätze hinter Hertha BSC, Augsburg kann heute gegen Cottbus Platz 2 (fast) sichern, der Eishockey-Sender Sport1 überträgt.
Am Tag des Eishockey-Spiels gegen Slowenien wurde auch Clásico 4 angesetzt, das Rückspiel im Champions-League-Halbfinale zwischen Barcelona und Real Madrid. Wird Mourinho endlich mal den Betonmischer in der Kabine lassen, weil Barca mit zwei Treffern vorne liegt? Oder werden wieder die Verschwörungstheorien auf der PK deutlich unterhaltsamer sein als das sture Gemaure auf dem Platz? Wer Sky einschaltet, wird es sehen.
Am Mittwoch laufen die letzten Gruppenspiele der Eishockey-WM, sowie das andere CL-Halbfinal-Rückspiel, ManU gegen Schalke, und das ist ungefähr so spannend wie die xte Wiederholung eines Miss-Marple-Krimis: ManU ist durch.
Am Donnerstag beginnt dann die Zwischenrunde der Eishockey-WM. Wenn Deutschland am Donnerstag nicht spielt, können wir ins Kino gehen, zwei möglicherweise interessante Filme stehen an, zum einen „Scream 4“, Original-Regisseur Wes Craven und Original-Drehbuchautor Kevin Williamson haben sich der Sache wieder angenommen, das Ergebnis soll mehr als akzeptabel sein.
Der Preis für den Filmtitel der Woche geht – natürlich – an „Metaller, die auf Brüste starren“, eine Doku über Kerle, die beim Festival in Wacken derbe abfeiern. Der Trailer sagt alles:

Bleibt die Frage, ob es wirklich lustig ist, anderen Kerlen beim Feiern zuzugucken, ich würd ja lieber selber mitmachen. Nuja. Es gibt ja noch Eishockey.
Und die U17-Fußball-EM, die Eurosport während der Woche überträgt. Und heute das Finale der Snooker-WM in Sheffield, Judd Trump führt gegen John Higgins 10:7, da ist noch alles drin.
Donnerstagabend überrascht Kabel1 mit einer Konferenz der Euro-League-Halbfinalspiele Villarreal – FC Porto, Sporting Braga – Benfica Lissabon. Am Wochenende dann die Bundesliga, die Formel 1 in der Türkei (Sky und RTL), Samstagnacht-Boxen in der ARD (Sebastian Sylvester – Daniel Geale) und – natürlich – die Eishockey-WM!
Und sonst? Den Weg in die Videothek kann man sich sparen, vor allen Dingen Finger weg von „Meine Frau, unsere Kinder und ich“, lauter alte Witze, schlecht erzählt.
Im Fernsehen läuft heute um 20 Uhr 15 unsere Lieblingsserie „Der letzte Bulle“ auf Sat1, und auf arte gibt‘s noch einen Monty-Python-Abend, sie zeigen „Die Ritter der Kokosnuss“ (Beim ersten Mal Anschauen wäre ich schon während des Vorspanns beinahe erstickt) und zwei weitere Folgen einer Doku über die Komik-Legenden.
Am Mittwoch kann man sich Liefers als Rocker im Seniorenheim angucken, „Die Spätzünder“ (ARD, 20 Uhr 15), sollen ein paar nette Dialoge drin sein. Freitag kann man – wenn die deutsche Eishockey-Mannschaft nicht spielt – auf Pro Sieben einen Martial-Arts-Abend einlegen, erst Jackie Chan in dem Spaß-Karate-Western „Shang-High Noon“ und dann der sehr sehenswerte „Ong Bak 2“.

http://www.youtube.com/watch?v=hIVOv1JQgsk

Alles okay? Eishockey! Viel Spaß, eine schöne Woche.

„Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Bange machen gilt nicht

Als Tschernobyl in die Luft flog, dachte ich noch: Naja, die Russen…
Als Fukushima in die Luft flog, bekam ich Angst, und die Angst hat mich seitdem nicht mehr verlassen.
Ich weiß, es ist nicht sexy, sich als Mann zu einer Angst zu bekennen, aber es muss sein, um zwei Arten von Angst zu unterscheiden.
Die eine ist eine sehr reale, auf Erfahrung beruhende Angst, das Ergebnis eines Lernprozesses. Alle 25.000 Jahre, so prophezeiten die „Atomkraftexperten“ einst, könne es zu einem GAU kommen. Von Tschernobyl bis Fukushima hat es ganze 25 gedauert. Daraus kann man lernen.
Die andere Angst ist eine künstlich erzeugte Angst. Gerne in ihrer Hilflosigkeit von Politikern und Managern verbreitet, die im Rahmen eines Umbruchs um ihre Posten fürchten. Sie hängen sich ein grünes Mäntelchen über und verweisen schulterzuckend darauf, der Atomausstieg sei „nicht zum Nulltarif zu haben“. So schüren sie bewusst Angst in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen immer weniger auszugeben haben.
Bullshit! Die Solarbranche und die Windenergiebranche sind jetzt schon boomende und hochentwickelte Geschäftszweige -und Jobmaschinen par excellence. Die Investoren stehen in den Startlöchern. Die Chance ist riesengroß, dass Deutschland zum Marktführer bei den Erneuerbaren Energien wird. Und da soll es abwärts gehen?
17 Prozent unserer Energie (der Atomanteil) müssen kurzfristig und die restlichen Luftverpester mittelfristig ersetzt werden. Mit deutscher Handwerks- und Ingenieurskunst ist das doch wohl zu packen.
Apropos Männlichkeit: Solange wir nur in dem Maß wachsen, wie unser Spielzeug größer, teurer und zahlreicher wird, bleiben wir große Jungs. Zum Mann-Sein gehören unter anderem Mut, Prinzipientreue (von Frauen auch schon mal als Sturheit missdeutet) sowie zur rechten Zeit übertragene oder übernommene Verantwortung.
Kopf hoch, Männer, lasst euch nicht für dumm verkaufen. Jeden Montag finden in hunderten deutscher Städte Veranstaltungen für den Atomausstieg statt. Geht da hin und bekennt Farbe. Bange machen gilt nicht.
Mutprobe: Einen Windpark besuchen und sich unter die drehenden Rotoren stellen. Die Dinger sind gigantisch.
Suchbegriff gefällig? „Windgas/Solargas“. Könnte die Antwort auf die Frage nach der Speicherung erneuerbarer Energie sein.

Schaumermal

Ansgar Tolksdorf ist Übersetzer für Englisch und Französisch und Töpfer. Er hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Rheinbach bei Bonn.

Links der Woche – 22.4. bis 29. 4.

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Was wäre wenn…
die Enterprise für Queen Victoria geflogen wäre

„Mit dem W210 hat Mercedes den Rost neu erfunden.“
Interessantes MB- und Schrempp-Bashing im SpOn-Forum

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