Tour de France – 9. Etappe

Da müssen sie heute durch.

Was hat Tour-Direktor Christian Prudhomme sich bei dieser Etappe gedacht? Es geht rauf und runter.

3, 2, 2, 3, 3, 2, 4. Das ist nicht die Grifffolge auf der Gitarre für das Chanson L’Auvergnat von George Brassens, sondern das sind die Kategorien der Berge, die heute auf der Etappe von Issoire nach Saint-Flour im Département Cantal zu überwinden sind.

Prudhomme hofft, dass sich einer der Favoriten ein Herz nimmt und mit einer Ausreißergruppe die Gesamtwertung vor den Pyrenäen ordentlich durcheinander wirbelt. Er möchte die Regel durchbrechen, dass die Tour entweder in den Alpen oder in den Pyrenäen gewonnen wird. Daher die drei relativ schweren Mittelgebirgsetappen in Folge. Im vergangenen Jahr hat das nicht geklappt. Allerdings soll Andy Schleck im Ziel der 7. Etappe nach Les Rousses gesagt haben, er habe sich bedauerlicherweise das Profil der Etappe nicht so genau angesehen – sonst wäre mehr drin gewesen. Vielleicht riskiert Schleck ja in diesem Jahr mal einen Blick ins Roadbook. Eine Premiere ist übrigens die Überfahrt über den Col de Perthus – dem 3. Berg an diesem Tag.

Das letzte große Ausrufezeichen setzte in Saint-Flour übrigens ein gewisser Richard Virenque. Der gebürtige Marokkaner erzielte hier den siebten und letzten Tour-de-France-Etappensieg seiner Karriere.

Als es mit der Karriere von George Brassens richtig los ging, widmete er Louis Cambon das Chanson L’Auvergnat. Cambon ist im März dieses Jahres mit 95 Jahren in Raulhac im Cantal  verstorben. Bis in die frühen 70er-Jahre betrieb er im 14. Arrondissemont die Bar des Amis, in der Barssens regelmäßig aufschlug. Brassens lebte damals mit einem Rudel Haustiere in der Impasse Florimont an der Rue Alésia – im wahrsten Sinne des Wortes völlig abgebrannt. Cambon half ihm mit ein paar Scheiten Feuerholz aus. Als sich beim Chansonnier aus Sète der Erfolg einstellte, hatte Brassens den Patron aus der Bar nicht vergessen und verewigte ihn mit diesem Chanson.
http://www.youtube.com/watch?v=Yzj8U_TSBzg

Fakten-Check:
Länge: 208 Kilometer. Profil: Mittelgebirge. Drei Bergwertungen der 2. Kategorie, drei Wertung der 3. Kategorie und einen Hügel der Kategorie 4. Wer gewinnt? Thomas Voeckler.

Bike-Check:
Viele Fahrer im Peloton schalten mittlerweile elektrisch. Das hat viele Vorteile: Der Schaltvorgang wird schneller und präziser. Irgendwelches Scheuern an den den Leitblechen gleicht die Elektronik aus. Egal ob die Finger nass, kalt oder beides sind. Ein Druck auf den Schalter genügt und schon fährt man im nächsten Gang. Was allerdings nicht geht: Vor einem Hügel drei Gänge auf einmal mit einer Handbewegung runter schalten. Bei der Elektrischen muss drei Mal aufs Knöpfchen gedrückt werden.

Fromage du Terroir1: Cantal
Plinius (der Ältere) hat schon von ihm im antiken Rom berichtet. Diderot hat einen Artikel über seine Herstellung für die Encyclopédie verfasst. Und weil wir gerade in der Gegend sind, bekommt er auch in dieser Kolumne seinen Platz. Drei Varianten sind im Handel: Jeune – ein bis zwei Monate alt, entre-deux – drei bis sieben Monate alt und vieux dann muss er mindestens acht Monate auf dem Puckel haben. Was trinken? Wir bleiben bei der Rebsorte Gamay von gestern, testen sie heute aber mal gut gekühlt als Rosé. Ein Côtes-d’Auvergne aus Corent ist sicher eine gute Wahl.

Foto Cantal-Landschaft: B.Navez – 09 AUG 2005 Creative Commons (CC BY-SA 2.5), via Wikimedia Commons
Foto Cantal-Käse by Muesse (Eigenes Werk) [GFDL or CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 8. Etappe

Am Berg

Es geht in die Auvergne, ins Zentralmassiv. Heute gibt es die erste richtige Bergankunft.

Die saftigen Zeitabstände stehen ins Haus. Im Finale dieser Etappe werden wir die großen Namen dieser Tour de France an der Spitze des Fahrerfeldes sehen. Doppel-Schleck, Evans und natürlich Contador. Contador steht an Stelle 24 mit 1:42 Rückstand. Er darf heute nichts anbrennen lassen, denn überübermorgen – nach dem Ruhetag, wird die Gesamtwertung in den Pyrenäen langsam in die abschließende Form geknetet.

L’Alpe d’Huez ist der Berg der Holländer. Dort sind wir am übernächsten Freitag. Heute geht es nach Super-Besse Sancy, dem Berg der Doper. Berg der Doper? Sowas gibt’s? Ja, leider. Werfen wir einen Blick auf die letzte Ankunft hier oben an der Wintersportstation im Dépatrtement Puy-de-Dôme im Jahr 2008: Der Deutsche Stefan Schumacher (Doper) vom Team Gerolsteiner fuhr im Gelben Trikot. Das hatte er beim Einzelzeitfahren in Cholet übernommen. Er verlor es, als er wenige hundert Meter vor dem Ziel stürzte. Riccardo Riccò (Doper) siegte vor Alejandro Valverde (Doper).

Damals wie heute an zweiter Position in der Gesamtwertung: Cadel Evans. Der hat diesmal beste Chancen, das Gelbe Trikot zu übernehmen.

Der Col de la Croix de Saint-Robert liegt rund 20 Kilometer vor dem Ziel. Der Anstieg der 2. Kategorie wird erstmals im Rahmen der Tour überquert. Thor Hushovd, der Norweger, – noch in Gelb – dürfte vielleicht noch einigermaßen nach der Überquerung wieder nach vorne rollen. Spätestens am Schlussanstieg ist für Hushovd dann aber Ende im Gelände. Gelb ist futsch.

Fakten-Check:
Länge: 189 Kilometer. Profil: Mittelgebirge. Zwei Bergwertungen der 4. Kategorie. Eine Wertung der 2. Kategorie. Und die Bergankunft mit der 3. Kategorie. Sieger? Fränk Schleck übernimmt das Gelbe Trikot.

Bike-Check:
Jetzt kommen die großen Ritzel zum Einsatz. Während Otto-Normal-Radler hinten mit 27 oder 28 Zähnen fährt, packt Contador ein 32er drauf. Das erlaubt ihm diesen eigentümlichen hochfrequenten Tritt am Berg, den wir schon von Armstrong kennen.

Fromage du Terroir1: Gaperon
Es gibt ihn zwar rund um’s Jahr, aber im Sommer schmeckt er am besten, weil die Kühe dann auf der Weide stehen. Er wird mit schwarzem Pfeffer und Knoblauch gewürzt. Lange Reifung – manche räuchern ihn sogar –  bringt keine Vorteile. Einfach jung aufschneiden und mit einem ordentlichen roten Gamay von den Côtes-du-Forez runterspülen.

Foto: eugen haug  / pixelio.de

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Links der Woche – 2.7. bis 8.7.

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Der Sommer ist endgültig angekommen, in Berlin sind schon Schulferien, und die Schulhöfe sind leer. Und woran denk ich bei Schulhöfen? Was hatte man für die große Pause immer dabeizuhaben. Ja, klar. Auto-Quartett. Und? Richtig. Fußball-Bilder. Auf Spiegel Online steht eine hübsche Geschichte über Panini-Bilder.

Wo wir geradeauf dem Schulhof sind: Volker Pispers über Lehrer.

Weg vom Schulhof, es sind Ferien. Auch für Andy und Lou von „Little Britain“.
http://www.youtube.com/watch?v=QoS_ZS6fGr4

Eine Seite, die ich nie, nie, nie ansurfen darf, wenn Arbeit anliegt, ist „How to be a Retronaut„. Es sind zwar „nur“ Fotostrecken, aber was für welche. Da kann ich mich nicht losreißen, die Bilder kann ich mir stundenlang anschauen. Also, wenn noch was anliegt, guckt euch auf keinen Fall die amerikanischen Restaurants und Bars aus der Nachkriegszeit an!

Im Sommer macht man gerne Radtouren mit dem Nachwuchs. Und wenn die Kids noch keine acht Jahre sind, sollen sie auf dem Bürgersteig radeln. Wo die Aufsichtspersonen nicht radeln dürfen. Wie die STVO Väter zu potentiellen Gesetzesübertretern macht.

Waren ziemlich ferienmäßige Links, nicht wahr? Ja, doch, damit hab ich mich selbst in Urlaubsstimmung versetzt, denn die Redaktion von „Männer unter sich“ geht in Urlaub, wir machen Sommerpause bis zum 11. August.
Nein, keine Sorge, Fahrradprediger Carsten Sohn geht während der Tour de France natürlich nicht in Urlaub, seine Beiträge erscheinen weiterhin täglich, bis das Peloton die Champs Elysée erreicht.
Und natürlich machen wir den Laden nicht ganz dicht. In den 4 Wochen Redaktionspause gibt’s hier trotzdem jeden Tag ein Stückchen Sommertheater: youtube-Clips, Witze, Lesetipps… alles, was Männer in den Ferien interessieren könnte.

Wir wünschen euch – und uns! – viel Spaß in den Ferien!

And the winner is…

Herzlichen Dank für die rege Beteiligung an unserem Gewinnspiel. Eine originelle Bildunterschrift galt es zu erfinden, zu gewinnen gab’s 1 Komplettset Maine-Shave-Nassrasurprodukte aus dem Nassrasur.com-Shop und 5 mal zwei Freikarten für den Oldtimer Grand Prix am Nürburgring. Genug geschwafelt, Butter bei die Fische. Wer hat abgeräumt?

"Küstennebel bis in die Eifel. Aus Angst vor dem Klimawandel werden Rennwagen ab sofort nur noch geschoben."

Herzlichen Glückwunsch, Ronald, dein Vorschlag hat der Jury (Robert Hill, Stefan P. Wolf, Chris Kurbjuhn) am besten Gefallen, du gewinnst 2 Freikarten für den Oldtimer Grand Prix und das Maine-Shave-Set.
Über die Gewinner der weiteren 4×2 Freikarten hat das Los entschieden: derhessenmann,  Ludwig Titz, Thom und Philipp dürfen schon mal den Nürburgring ins Navi einprogrammieren, die Freikarten gehören euch.
Wir bitten alle Gewinner, ihre Postadresse per Mail an redaktion@maenneruntersich.de zu übermitteln, damit wir ihnen die Freikarten zuschicken können.

Tour de France – 7. Etappe

Warten auf die Tour

Zwiebelchen – “Super Mario” Cipollini war 1998 der Sieger bei der ersten Etappenankunft in Châteauroux. Erik Zabel war damals Zweiter. Zehn Jahre später ging es erneut in die Geburtsstadt von Gérard Depardieu. Diesmal siegte Mark Cavendish. Zabel wurde Dritter. Für Cavendish war es der erste Etappensieg bei einer Tour de France – bis jetzt folgten 15 weitere.

Cipollini gilt als erster, der konsequent Sprinterzüge im Rennverlauf formierte, um am Ende der Etappe aus einer optimalen Ausgangsposition antreten zu können. Diese Taktik hat sich durchgesetzt. Zudem hat jeder Sprintstar noch seinen eigenen letzten Anfahrer: Mark Cavendish hat Mark Renshaw als Anfahrer, Marcel Sieberg bringt André Greipel in Position und Thor Hushovd, der Norweger, fuhr am vergangenen Montag Tyler Farrar zum Etappenerfolg.

Los geht’s in Le Mans. Wenn Meteo France mit der Wetterprognose richtig liegt, bekommen wir heute Regen und Windböen aus Südwest. Wir fahren – mit einigen Kurven – in Richtung Südosten. Jetzt könnte das passieren, was für die Bretagne erwartet worden war: Windkanten.
Dann bricht das Peloton unweigerlich auseinander. Die Straßenbreite bestimmt die Anzahl der Fahrer, die sich maximal in Kreisender Formation gegen den schräg von vorne kommenden Wind stemmen können. Auf einer normalen zweispurigen Straße sind das rund 20.

Fakten-Check:
Länge: 218 Kilometer. Profil: Topfboden – heute keine Bergwertung. Wer gewinnt: Cavendish. Es ist einfach nichts zu machen.

Bike-Check:
Trarah. Das Urlaubsgeld ist da. Jetzt holen wir uns Carbonlaufräder und flitzen wie die Profis. Lieber nicht. Die Dinger kosten ein Vermögen – 1000 EUR ist hier eine Hausnummer – und eignen sich außerhalb des professionellen Rennbetriebs allenfalls für Eisdielen-Poser.
Warum? Plattfuß – mal eben flicken. Geht nicht. Man kann nicht einfach den Schlauch wechseln, weil hier geklebte Schlauchreifen zum Einsatz kommen. Auch Beschädigungen sind oft nicht zu erkennen. Die Fasern trennen sich. Im schlimmsten Fall “schmilzt” das Rad, wie bei Mark Cavendish während der 4. Etappe der Tour de Suisse 2010 beim Sprint nach Wettingen.

Fromage du Terroir1: Crottin de Chavignol
So wie er ist schmeckt dieser Ziegenkäse gut. Man kann ihn aber auch kurz in der Pfanne erwärmen, um mit ein paar Salatblättern einen salade de chavignol chaud daraus zu machen, der sich hervorragend mit einem Gläschen weißem Sancerre verkasematuckeln lässt. Lässt man ihn länger reifen, bekommt er einen bläulichen Überzug. Dann ist er nicht etwa verdorben. Im Gegenteil: Mit einem Glas Rotwein aus Chinon macht er immer noch eine gute Figur.

Foto: Hans-Peter Reichartz  / pixelio.de

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Drei-Teiler

Dies ist ein Beitrag in der Themenserie „Rasierapparate„.

Das nenne ich mal Einigkeit: Über die Herstellergrenzen hinweg können diese Hobelköpfe auf die unterschiedlichsten Griffe geschraubt werden. Vom kleinen Merkur-Reisehobel über die diversen Mühle-Griffe aus Metall, Holz, Edelharz bis hin zum Edelstahl von Feather. Alles passt. Je nach Lust und Laune könnt Ihr kombinieren. Ich habe die Köpfe mal portraitiert. Der erfahrene Hobler wird seine Rückschlüsse daraus ziehen!

(vlnr) Merkur Zahnkamm - Mühle Zahnkamm - Mühle glatte Kante - Merkur glatte Kante - Feather AS

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Fotografiert, wenn privat, immer noch am liebsten auf Diafilm. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Die Merkurhobel und der Feather-Rasierer sind im Shop von Nassrasur.com erhältlich!

 

Tour de France – 6. Etappe

Das Land, wo Milch und Calvados fließen.

Wo der Calvados herkommt...

Los geht’s in Dinan. Wir verlassen die Bretagne und erreichen die Normandie. Der Zielort, Lisieux, stand bisher zwei Mal als Ankunftsort auf dem Tourprogramm. 1964 war die Hauptstadt der Basse Normandie Schlusspunkt der Auftaktetappe. Damals gewann ein Belgier: Edward Sels. Bei der zweiten Ankunft 1970 lag mit Walter Godefroot abermals ein Belgier vorne.

Die Tour in der Bretagne

Ist das schon wieder so eine typische Etappe für einen Belgier? Im Grunde schon. Potteben wie auf der Etappe morgen ist es in der Normandie nämlich nicht. Es geht immer mal wieder rauf und runter. Allerdings sind die heutigen drei Bergwertungen nicht der Rede wert. Aber: Wer heute das Polka-Shirt bekommt, behält es auch morgen. Denn dann geht’s durch Pfannekuchenland – ohne Bergwertung.

Was Philippe Gilbert schmecken könnte: 3 Kilometer vor dem Ziel geht es noch einmal stramm bergauf zur Basilika Sainte-Thérèse von Lisieux. Danach wird es bis zur Linie wieder flacher. Wenn es das Fahrerfeld an diesem Anstieg zerlegt, hat er eine Chance. Rollt die verdächtige Truppe der Top-Sprinter  – was nach Cavs Sieg gestern nicht ganz unwahrscheinlich ist –  geschlossen den Abhang rauf, sind andere am Drücker.

Lisieux steht übrigens dem Wallfahrtort Lourdes, den wir am kommenden Freitag erreichen, in nichts nach. Auch hier geben sich die Pilger sich die Klinke in die Hand.

Fakten-Check:
Länge: Verdammt lange 226,5 Kilometer. Profil: Flach. Drei Bergwertungen – aber nix wildes: Zwomal 3. und einmal 4. Kategorie. Wer gewinnt? Thor Hushovd, der Norweger. Ihm gefällt ein Sieg im Gelben Trikot. Cavendish ist morgen wieder dran.

Bike-Check:
Wenn das ein oder andere Pils eine Ehrfurcht gebietende Leibesmitte geschaffen hat, sitzt man nicht mehr ganz so bequem auf dem Rennrad. Damit einem nicht bei jeder Pedalumdrehung das Frühstück wieder zwischen die Zähne befördert wird, gibt es einen “Trick” – einen Vorbau, der leicht nach oben weist. Man sitzt dann insgesamt etwas aufrechter. Das ist zwar bequem, aber nicht aerodynamisch. Sprinter wie André Greipel montieren daher negative Vorbauten, manche bis zu minus 20 Grad. So erreichen sie eine Haltung, die ohne Fahrrad, der eines Skiläufer in der Schussposition ähnelt.

Fromage du Terroir1: Livarot
Endlich brauche ich nicht lange suchen, um den Käse der Gegend zu finden. Die Tour fährt heute mitten durch den namensgebenden Ort. Es ist ein Käse aus Kuhmilch mit sehr kräftigem Geschmack. Manche nennen ihn erdig, weniger zartbesaitete Naturen sprechen von Misthaufen oder Unaussprechlichem. Wegen der fünf Riedgrasstreifen – die sollen an militärische Rangabzeichen erinnern – mit denen er umwickelt ist, hat er den Spitznamen Colonel. Die optimale Reife ist nicht ganz leicht zu treffen. Weich sollte er schon sein, wenn er nach Amoniak riecht, ist er um. Was trinken? Echte Normannen stellen eine Buddel Calvados auf den Tisch. Mir schmeckt eine bolée (Tasse) Cidre aus dem Pays d’Auge besser. Schön von der Farm aus alten Apfelsorten, gut gekühlt und natürlich trocken – brut.

Fotos: Kito von Visceral, Rhian vK , beide under Creative Commons (CC BY 2.0)

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 5. Etappe

Heute geht's durch die Bretagne

“Interessiert Dich die Tour de France?” – “Nö.” – “Und warum guckst Du dann jeden Tag den Mist?” – “Wegen der schönen Landschaft.”

Ans Meer

Wer so argumentiert, hat heute besonders gute Karten. Es geht ans Meer. Die Etappe rollt komplett durch die Bretagne. Los geht’s im Finistère im beschaulichen Carhaix-Plouguer, einem Partnerstädtchen von Waldkappel am Hohen Meißner. Während am Wegesrand die Gwenn-ha-Du, die schwarz-weiße Fahne der Bretagne, flattert und Karsten Migels, Andreas Schulz, Gerd Leinauer und Jean-Claude Leclercq auf eurosport, dicht gedrängt im Kommentatorenhäuschen, eine Werbepause nach der anderen abfeuern, stellen wir den Ton etwas leiser, neigen die Rückenlehne etwas nach hinten und gehen in den erholsamen Lock-on-Lock-off-Modus.

So gegen 16 Uhr öffnen wir die Äuglein langsam wieder und geben uns der Hoffnung hin, dass die Wolken sich verzogen haben, damit die Helikopter aufsteigen und uns schöne Bilder von der Baie de Saint-Brieuc liefern. Auch heute ist der Name Bernard Hinault noch einmal präsent: Gegen halb fünf fährt der Tross durch Yffiniac, den Geburtsort des vierfachen Champions der Champions und fünffachen Toursiegers.

Sollte das Peloton nicht gerade durch Sturmböen oder Massenstürze auseinander gerissen worden sein, gibt es heute wieder einen Massensprint. Und das an einer ganz besonders schönen Ecke: An den beiden Leuchttürmen von Cap Fréhel.

Fakten-Check:
Länge: 165 Kilometer. Profil: Flach. Eine Bergwertung der 4. Kategorie zu Beginn der Etappe.
Wer gewinnt? Mark Cavendish. Die Zeit ist reif.

Bike-Check:
Heute mal ein Blick nach vorn. Die Profis fahren nicht herkömmlichen innen geklemmten Vorbauten, sondern mit Aheadsets. Die werden von außen in der Regel mit zwei Schrauben auf den Gabelschaft geklemmt. Das ist zwar sehr stabil, aber der Lenker kann nicht mehr ohne weiteres in der Höhe verstellt werden, verstellt sich aber auch nicht von alleine.

Fromage du Terroir: Chandamour

Britt ou...

Der Chandamour ist ein Weichkäse aus Kuhmilch mit einer weißen Schimmelschicht. Im Grunde nichts anderes als ein Brie, der aus der Bretagne kommt. Was dazu trinken? Bitte ein Britt – das bretonische Bier. Die Brauerei wirbt mit dem possierlichen Slogan: Chérie, une Britt ou je te quitte! – Schätzchen ein Britt oder ich verlasse Dich!

 

 

Foto Britt: Carsten Sohn
Fotos Bretagne: la niña-niña under Creative Commons CC BY-ND 2.0