Früher war alles besser – Der apochromatische Anachronismus, 3. Teil

Im ersten Teil dieser kleinen Serie haben wir uns mit der Photographie als elitäres Hobby humanistisch geschulter Professoren, Ärzte, Apotheker und Künstler befasst. Im zweiten Abschnitt unserer kleinen Reihe ging es um die Entwicklung. Nicht die von Filmen, sondern um die Entwicklung der Photographie zur Fotografie als Hobby für die Massen. Alle guten Dinge sind drei: Auf Film fotografieren, die Dias dann scannen und selbst ausdrucken: Die Renaissance des Heimlabors!

Mein allererstes Foto habe ich am 21. Mai 1970 gemacht. Es war der 30. Geburtstag meiner Mutter…

Ich habe vor einigen Jahren das Foto-Archiv meines Vaters gescannt. Viele Dias waren schon arg ausgebleicht. Aber mit einem guten Filmscanner und Photoshop konnten die meisten Bilder gerettet werden. Dank moderner Technik sehen sie jetzt sogar besser aus als vor 40 Jahren. Wenn meine Eltern in den 60igern „digital“ fotografiert hätten: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die wahrscheinlich kilometerlangen Lochstreifen heute irgendwie auslesbar wären.

... ihre Voigtländer Vito BL von 1956 habe ich seitdem nicht mehr hergegeben.

Wenn Dir diese Argumente immer noch nicht ausreichen, es einmal mit einer schönen, gerne auch alten, Kleinbildkamera und Film zu versuchen: Mach ruhig das selbe Foto zwei Mal. Einmal mit Deiner kompakten, stylischen Digicam und einmal mit einer Kleinbildkamera, die mal in Mark ungefähr das selbe gekostet hat. Das selbe Motiv, der selbe Ausschnitt. Lass beide Fotos auf die selbe Größe abziehen, sagen wir, 13 mal 18 Zentimeter. Lege die Prints nebeneinander. Den Unterschied siehst Du wahrscheinlich auf den ersten Blick: Hier eine eher künstliche Tiefenschärfe über die gesamte Aufnahme. Und dort das Hauptmotiv zwar scharf, doch mit einem angenehmen Verlauf: Vorder- und Hintergrund verschwinden stufenlos in Unschärfe, das Foto wirkt ungemein plastisch, fast schon dreidimensional. Dass der bewusste Einsatz von Schärfe und vor allem Unschärfe eines der wichtigsten Gestaltungsmittel ist, hat man im allgemeinen Digihype lange Zeit vergessen. Geschuldet ist dieser Umstand der ewigen Hatz nach noch kleineren, schlankeren Kameras. Möglich ist die nur, wenn der Sensor sehr klein ist und das Objektiv eine kurze Brennweite hat. Eine Ausnahme sind in diesem Punkt nur Digitalkameras mit einem Sensor, der mindestens das APS-C-Format hat.

Blende auf, Summicron 90 und ein Diafilm in der Leica: Mehr braucht’s nicht...

Und hier schließt sich der Kreis: Du kannst für relativ wenig Kohle das eine tun, ohne das andere zu lassen. Die Objektive von Nikon oder Canon EOS passen sowohl auf die Gehäuse der digitalen, als auch klassischen Kameragehäuse. Man muss zwar, je nach Modell und Objektivgeneration mit gewissen Komfort-Abstrichen rechnen, aber in vielen Fällen ist die Kombination möglich. Die Kameras dazu findest Du im Second-Hand-Fenster von Fachhändlern und natürlich bei Online-Auktionen. Oft bekommst Du eine gut erhaltene Spiegelreflex aus den Achzigern oder sogar Neunzigern für weniger, als ein neues Taschenbuch kostet. Sucherkameras aus den späten 50igern sind oft sogar noch günstiger und haben ein ganz spezielles Flair. Es muss nicht immer die Leica sein. Aber sogar die ist gebraucht mittlerweile durchaus erschwinglich geworden.

Meine erste „richtige“ Spiegelreflex: Nikon FE von 1980. Eine schöne, klassische Spiegelreflex. Kameras dieser Art gibt es heute für wenig Geld. Ein Versuch damit lohnt sich!

Wenn Du Dich ein wenig mit der „Retro-Technik“ befasst, kommst Du damit erstaunlich schnell zu ansprechenden Ergebnissen. Auch wenn Du noch nie eine M-Leica in den Händen hattest, fühlst Du Dich schnell vertraut. Wunderbar ausgewogen, angenehm und satt liegt sie in der Hand, nicht zu leicht und nicht zu schwer. Die Blenden rasten spürbar sauber ein, der geschmeidige Fokussierring und der leise, mechanische Verschluss sprechen vor allem diejenigen an, die lieber einen Chronometer mit Handaufzug Schweizer Herkunft, als eine Digitaluhr aus Fernost am Handgelenk tragen. Sich lieber mit einem edlen Dachs und Rasiercreme einschäumen als zur Dose greifen. Und dann mit einem Fatboy oder Wacker rasieren…
Ergo: Es lohnt sich durchaus, mal wieder die gute alte Kleinbildkamera aus dem Wohnzimmerschrank zu holen. Und wenn Du es nur machst, weil Du das Gefühl genießen willst, wieder mal auf ein Kuvert mit entwickelten Dias im Briefkasten zu warten…
Mit der Leica MP beim Oldtimer Grand Prix am Nürburgring.Ansel Adams, wohl der beste Fotograf, der jemals mit einem Packesel durch den Yosemite -Nationalpark gelatscht ist, hat es einst sehr präzise benannt: Das Negativ (bzw. Dia) ist die Komposition. Die Vergrößerung ist die Aufführung. Genauso wie die beste Sinfonie bei einem uninspirierten Orchester zum Gedudel wird, wird auch ein Abzug aus dem Großlabor nie das exakt wiedergeben, was der Fotograf mit dem Bild aussagen will. Bis vor wenigen Jahren war deshalb ein eigenes Labor der Traum jedes Hobbyfotografen. Heute brauchst Du keine Dunkelkammer mehr. Der PC, ein guter Scanner und ein hochwertiger Fotodrucker schließen den Kreis: Das Beste aus zwei Welten.

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de

Tour de France – 4. Etappe

Es wird steil.

Mûr-de-Bretagne. Spitzname: Bretonisches L’Alpe d’Huez. Die heutige Etappe wird richtig schwer. Wie bei Etappe 1 auf den Mont des Alouettes handelt es sich hier zwar nicht um eine alpine Bergankunft – auf dem Papier ist es sogar eine Flachetappe. Aber: Es geht speziell den vorletzten Kilometer brutal steil bergauf.

In den Achtzigern hatte man noch echt gut haftende Farbe. Auf den letzten Kilometern ins Ziel können die Fahrer noch den Namen des fünfmaligen Toursiegers Bernard Hinault auf dem Asphalt lesen. Le Blaireau („der Dachs“) ist hier einige Male in seiner Karriere vorbei gekommen und erlebte eine überwältigende Kulisse.

Bernard Hinault beim Giro 82, zwischen Tony Primm (links) und Lucien van Impe (rechts)

Eine überwältigend verregnete Kulisse gab es bei der letzten Überfahrt an der Mûr-de-Bretagne 2008 als Sylvain Chavanel vor Thomas Voeckler hier die Bergwertung abstaubte. Das Etappenziel war damals nicht hier oben, sondern in Saint-Brieuc. Es gab also noch genügend Luft für die klassischen Sprinterteams, die Ausreißer einzuholen. Das gelang auch und im Sprint des Hauptfeldes siegte Thor Hushovd – der aktuell im Gelben Trikot des Gesamtführenden fährt.

Einen klassischen Sprint des Hauptfeldes gibt es heute nicht. Dafür ist es kurz vor der Linie einfach zu steil – passagenweise sind bis zu 15 Prozent annonciert. Das ist nix für die Herren Greipel, Cavendish & Co. Hier muss wieder wie bei der ersten Etappe ein Berserker ans Werk.

Maßgeschneidert ist die Ankunft für Philippe Gilbert, den Ardennen-König. Der hat in diesem Jahr immerhin schon den Pfeil von Brabant, das Amstel Gold Race, den Flèche Wallonne und Lüttich–Bastogne–Lüttich gewonnen. Aber Thor Hushovd ist auch ein Puncher. Sensationell, wie der gestern den Sprint für Tyler Farrar angefahren hat. Ein schöner Erfolg am Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten für den Amerikaner.

Fakten-Check:
Länge: 172 Kilometer. Profil: Flach. Eine Bergwertung der 4. Kategorie etwa in der Mitte der Etappe. Zum Schluss die Mûr – die Bergankunft. Sie ist härter als bei der ersten Etappe. Wer gewinnt? Philippe Gilbert.

Bike-Check:
Gestern hatten wir die schnellen Zeitfahrmaschinen auf die Strecke gebracht. Wenn die so super schnell sind, warum nehmen wir sie nicht immer? Sobald es auch nur etwas hügelig wird, stoßen die Dinger mit ihren Hammerkurbeln an Grenzen. Sie sind einfach zu unbequem und schlecht kontrollierbar sind sie auch. Für 30 bis 40 Kilometer kann man eine gedrungene Position einnehmen – aber nicht für knapp 200. Gute Renner schlucken einen Teil der vertikalen Schläge – der Fahrer muss den Lenker weniger festkrallen.

Fromage du Terroir: Caillebotte
Das ist ein Frischkäse, der meistens aus Kuh- manchmal aber auch aus Schafsmilch hergestellt wird. Viele essen ihn wie Quark mit Früchten und Zimtzucker zum Dessert. Da ich nicht so auf Desserts stehe, gibt es den Caillebotte bei mir mit Frühlingszwiebeln und frischen Kräutern vorweg auf frischem bretonischem Baguette Sarrasin aus Buchweizen. Dazu ein Sauvignon aus der Tourraine.

Foto Tour: Hans-Peter Reichartz  / pixelio.de
Foto Giro: Numerius under Creative Commons CC-by-ND 2.0

Tour de France – 3. Etappe

Sprintankunft

Sprintankunft in Redon. Alles andere wäre eine absolute Überraschung. Wir verlassen die Vendée und nehmen Kurs auf die Bretagne. Hoffentlich kommt es heute zum prognostizierten Show-down zwischen André Greipel und Mark Cavendish. Thor Hushovd, der Norweger, der gestern das Gelbe Trikot übernahm, ist ebenfalls ein Sprinter, der noch ein Wörtchen mitreden könnte. Immerhin: Im vergangen Oktober hat er die Straßenweltmeisterschaft in Melbourne nach einem brutal langen Sprint vor dem Dänen Matti Breschel gewonnen.

Interessant wird heute die Renntaktik. Es gibt nur noch einen Zwischensprint pro Etappe – und der wurde erheblich aufgewertet. Der Erste bekommt 20 Punkte. Das ist fast die Hälfte der 45 Punkte, die es für einen Etappensieg gibt. Ein “Scheiß drauf, ist ein Zwischensprint!”, dürfte den sportlichen Leitern nicht mehr so leicht über die Lippen kommen.

Gibt es eine kleine Ausreißergruppe mit zwei, drei Mann? Oder halten die Sprinterteams den Laden auf Teufel komm raus zusammen?

Ich vermute: Letzteres. Denn das Profil morgen an der Mûr-de-Bretagne wird wellig und da sacken vermutlich die Allrounder oder Ausreißergruppen die Punkte fürs Grüne Trikot ein. Greipel & Co. brauchen die Punkte von heute! Die Ansicht von Tourchef Christian Prudhomme, der vermutet, dass das Rennen nur bis zum Zwischensprint “blockiert” sei, teile ich nicht. Warum sollte man für den kleinen Lohn rackern und den großen Fisch dann von der Angel lassen?

Hach, Redon. Da hab ich noch eine schöne Geschichte auf Lager. Die hat zwar nix mit der Tour zu tun, aber mit Fisch und “Männer unter sich”: Letztes Jahrhundert: Es muss irgendwann Anfang Oktober gewesen sein. Wir tuckerten mit der Diane über die Vilaine. Es war die erste reine Männer-Tour: Mein Onkel, mein Vater und ich. Ziel war La Roche-Bernard. Zwischenstopp in Redon. Ich war Smutje an Bord und die Mannschaft wollte Fisch.
Ich in den nächsten Lebensmittelladen rein. Monsieur im weißen Kittel stand hinter der Frischtheke. Ich so: “Quelles pêches avez vous.” [Meinte Fische, faselte aber ungewollt was von Pfirsichen] Er so: “Uhlala, Monsieur, c’est n’est plus la saison. Allez-y, on va voir le rest.” Kommt um die Theke rum und geht in die Obst Abteilung. “Voilà!” Ich:”No, no, les pêches du pêcheur.” – “Ah, les poissons [die Fische]. C’est le pêcher [Pfirsichbaum] qui donne les pêches et c’est le pêcheur [Fischer] qui pêche [fischt] les poissons.”.
Kein Pech hatte ich dann mit den erstandenen Seezungen. Nur waren die sündhaft teuer – le pêche, die Sünde eben.

Weiter im Text.

Fakten-Check:
Länge: 198 Kilometer. Profil: Flach mit mit einem einzigen Anstieg im letzten Drittel – der Loirebrücke Pont de Saint-Nazaire (4. Kategorie). Wer gewinnt? André Greipel. Heute will er es wissen. Marcel Sieberg wird ihn nach vorne fahren.

Bike-Check:
Auffälligste Neuerung für Sprinter, die elektrisch mit Shimano Di2 schalten: Satellite Shifter. Das sind kleine zusätzliche Elektroschalter, die im Bogen des Lenkers verbaut werden. Damit lässt sich die Kette per Daumendruck Ritzel für Ritzel am Hinterrad abwärts bewegen. Die Finger bleiben so komplett am Lenker. Mark Cavendish nutzt diese Shifter. André Greipel schaltet konventionell per Seilzug mit Campagnolo-Record.

Fromage du Terroir1: Noyal.
Nach zwei Ziegen- ist heute ein Kuhmilchkäse dran. Er kommt aus Noyal-sur-Vilaine – ein paar Flusskilometer auf der Vilaine nördlich vom heutigen Etappenort. Auf der Höhe von Rennes. Es ist ein halbfester Schnittkäse in ovaler Form mit mildem Geschmack. Was trinken? Ein Bonnezeaux. Das ist ein eigentümlicher edelsüßer Weißwein aus dem Loiretal, der nach Pfirsich und Honig duftet.

Foto Tour: wfbakker2 under CC by SA 2.0
Foto Seezunge: wrw  / pixelio.de

  1. “Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?” – “Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?”, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von “Männer unter sich” natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Was liegt an? – 4.7. bis 10.7.

Was nächste Woche auf uns zukommt.

Was haben wir uns alle auf Klitschko gegen den Hayemaker gefreut. Endlich mal wieder spannendes Schwergewichts-Boxen sollte das werden, und dann entpuppte sich das abseitige Ballyhoo, mit dem der Kampf vorbereitet worden war, als wesentlich unterhaltsamer als das eigentliche Sportereignis. Ansonsten die übliche Klitschko-Ödnis: Roboter-Boxen at it‘s best. Und nach wie vor kein Herausforderer in Sicht. Wo bleibt der Kerl, der sein Herz in beide Hände nimmt und diesem grauen Kalkül-Boxen ein Ende macht?
Nun gut, zumindest ein Gutes hat die kommende Woche: keine Boxübertragung. Dafür geht‘s am Mittwoch um die Vergabe der Winterspiele 2018, Pyeongchang, Annecy und München sind in der Endauswahl. Man kann sich das ganze staatsgetragen und ehrpusselig nachmittags in der ARD angucken, man kann aber auch das hier schön mehrfach empfohlene Blog des Sportjournalisten Jens Weinreich aufsuchen, wo man all die Hintergründe serviert bekommt, um die sich die Öffentlich-Rechtlichen gern herumdrücken. Um das IOC nicht zu verärgern.

Bleiben wir beim Fernsehen, den Wochen-Höhepunkt gibt‘s gleich heute Abend auf Kabel1, „Kung Fu Hustle“, genau die Sorte Film, für die ich eine Schwäche habe: ordentlich Martial-Arts-Action, jede Menge Slapstick, absurde Komik und schräge Plotwendungen. Anders als bei Klitschko-Haye ist hier der Film sogar noch besser als der Trailer.
http://www.youtube.com/watch?v=yaIMcO0ukg8

Ansonsten schleicht sich die TV-Sommerpause an. Wiederholungen auf allen Kanälen, einzig und allein zwei am Samstagabend auf arte laufende Dokus über Atlantis, die den Indiana Jones in uns allen ansprechen, scheinen anschauenswert.

Auch im Kino gab es schon aufregendere Premieren. „Company Men“, ein Job-Verlust-Drama mit Ben Affleck, und „Der Zoowärter“ – Tier-Slapstick immerhin mit dem stets gern gesehenen „King of Queens“ Kevin James in der Titelrolle – scheinen doch eher spezielle Zielgruppen anzusprechen.

Die Videotheken können wir diese Woche ganz links liegen lassen, was tut sich denn sportlich so? Eurosport kümmert sich – wie ARD und ZDF – um die Tour de France (das Backgroundwissen für die einzelnen Etappen liefert unser Fahrradprediger Carsten Sohn). Heute Abend um 21 Uhr 50 kommt der ewige Fußball-Klassiker Deutschland-England, diesmal bei der U-17-WM. Ansonsten sendet Eurosport noch von der Leichtathletik-Junioren-WM in Lille und am kommenden Wochenende vom Beach-Soccer-League-Turnier in Berlin.
Sport1 versucht sich, mit eher bedeutungsarmen Fußball über die Runden zu bringen. Testspiele (zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung besonders aussagekräftig), Turniere wie den „Derby Cup“ aus Aachen… wollen wir das wirklich sehen? Okay, ein paar Partien von der Copa America gibt‘s auch, das versöhnt ein wenig. Und Leichtathletik: zwei Diamond-League-Meetinsg, eins am Freitagabend aus Paris, das andere am Sonnatgabend aus Birmingham. Und Tennis-Daviscup, Deutschland-Frankreich. Sollte man ansehen können.
Bleibt noch der Große Preis von England, den üebrtragen – wie immer – RTL und Sky, und sie helfen mir, abschließend die Grand-Prix-Kurve zu kriegen und nochmal auf unser Gewinnspiel zum Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring hinzuweisen. Bis Donnerstag könnt ihr noch mitmachen und Freikarten für das Event bzw. einen Komplett-Set Maine-Shave-Produkte gewinnen.

Nicht nur dabei viel Spaß, eine schöne Woche!

Was liegt an“ ist die montäglich erscheinende Wochenvorschau von „Männer unter sich“. Was Männer in den nächsten 7 Tagen interessieren könnte in total subjektiver Auswahl: TV, Sport, Kino, Musik, DVD, Events, was eben anliegt. Haben wir was vergessen? Sollen wir auf was hinweisen? Jederzeit gern, bitte die Kommentare benutzen oder unsere Mailadresse redaktion@maenneruntersich.de .

Foto Ausguck: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Tour de France – 2. Etappe

Iban Mayoz beim Zeitfahren

Mannschaftszeitfahren in Les Essarts – wir sind also weiterhin in der Vendée. Was hat es mit dem Mannschaftszeitfahren auf sich? Walter Goodefrot bringt es auf den Punkt: “Das ist ein Scheißrennen.” Defekte, Stürze, Fahrer die zu früh abgehängt werden. Beim Contre-la-montre par équipes wird die Tour zwar nicht gewonnen, aber durch irgendein Pech ruck-zuck verloren.

Team Milram beim Training

Ruck-zuck zerschlugen sich die Hoffnungen von Linus Gerdemann 2009 in Montpellier, als seine Milram-Mannschaft gleich zwei Mal zu Boden ging. Vor dem team time trial hatte er noch auf einen Platz unter den Top-Ten spekuliert. Nach der Veranstaltung war er über 40 Plätze abgerutscht.

Spekuliert auf den Toursieg hatte 1993 Tony Rominger. Zum Unglück zwei Mannschaftskameraden auf der Passage du Gois gelassen zu haben, kam auch noch Pech mit dem Wetter hinzu. Er startete mit dem geschwächten und dezimierten Team im Regen nach Avranches. Als Induráin in Dinard an den Start ging, war schönster Sonnenschein und die Strecke pupstrocken. Das schlug mit brutalen vier von insgesamt fünf Minuten zu Buche, die der Schweizer am Ende hinter dem Spanier lag.

Zu Buche schlug 1993 auch die Länge der Strecke – über 80 Kilometer! Streckenchef Francois Pescheux war in diesem Jahr gnädig: Es sind “nur” 23 Kilometer geworden. Aber: Schon mal versucht 23 Kilometer an einem Fahrer dran zu bleiben, der eigentlich viel schneller als man selber ist? Geht nicht. Irgendwann muss man reißen lassen. Und das kann übel werden. Denn beim Mannschaftszeitfahren stoppt die Uhr erst, wenn der fünfte Fahrer eines Teams über die Linie fährt. Eine Deckelung der maximalen Zeitabstände gibt es diesmal nicht – denn so groß dürften die heute nicht werden.

Damit mindestens fünf Fahrer gemeinsam über die Linie flitzen, kommt es drauf an, in einer günstigen Formation zu fahren. Beim öffentlich-rechtlichen murmeln sie an dieser Stelle immer was vom Belgischen Kreisel – alle Fahrer leisten gleichviel Führungsarbeit, gehen zügig aus der Spitze raus und reihen sich hinten im Windschatten ein. Die Windrichtung bestimmt dabei die Rotationsrichtung. Den Kreisel werden wir aber in Reinkultur nicht zu sehen bekommen. Denn damit der rollt, müssten die Fahrer in etwa gleich stark sein.

Gleich stark sind die Fahrer bei Leopard-Trek zum Beispiel auf keinen Fall. Besser gesagt: Die Stärken sind anders verteilt. Die Chancen das die Leoparden heute Gelb übernehmen stehen nicht schlecht. Immerhin haben sie mit Fabian Cancellara den Zeitfahrweltmeister von 2006, 7, 9 und 2010 im Boot. Der kann den Gebrüdern Schleck ordentlich Windschatten spendieren. Auch Garmin-Cervélo darf sich mit den beiden Davids, Millar und Zabriskie, Hoffnungen machen.

Ist Mannschaftszeitfahren wirklich ein Scheißrennen? Nee, wir Zuschauer dürfen uns auf spektakuläre Bilder freuen. Endlich sieht man mal die Teams komplett im Rennbetrieb. Allemann in geschmeidigen Rennanzügen. Stylische Helme. Im besten Fall fahren sie wie Uhrwerke auf ihren high-tech Zeitfahrmaschinen.

Für die schwächeren Fahrer ist es aber eine Tortur. Für sie ist das Rennen wie das Gummi einer alten Unterhose. Ein paar mal reicht die Elastizität, aber irgendwann kommt der Punkt, wo es den Laden nicht mehr zusammen hält.

Fakten-Check:
Länge: 23 Kilometer. Profil: Flach. Die höchste Welle ist kurz vor dem Ende. Zwischenzeiten werden bei Kilometer 9 in Boulogne und bei Kilometer 16,5 in La Merlatière genommen. Wer gewinnt? HTC. Weltklasse Zeitfahrer Tony Martin fährt ins Gelbe Trikot.

Bike-Check:
Aerodynamik ist heute Trumpf. Bei einigen Zeitfahrmaschinen verschwinden die Bremsen hinter der Gabel. Disc-Laufräder senken den Luftwiderstand. Und: Riesige Kettenblätter. Bei einigen werden die ganz dicken Dinger mit 56 Zähnen montiert.

Fromage du Terroir1: Trois Cornes de Vendée
Ein Ziegenkäse in Dreiecksform mit einer Seitenlänge von etwa 10 Zentimetern. Er erinnert etwas an einen frischen Camembert. Wer keinen Ziegenkäse mag, wird ihn nicht mögen – er kann seine Herkunft nicht verleugnen. Welches Getränk passt? Ein Gros-Plants. Er ist der kleine Bruder des Muscadet. Dieser Weißwein aus dem Gebiet von Nantes. Ist preiswert und schmeckt gut gekühlt.

Fotos: Carsten Sohn

  1. „Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?“ – „Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?“, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von „Männer unter sich“ natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Tour de France – 1. Etappe

Die Passage de Gois

4,5 Kilometer lang. Zwei Mal am Tag komplett vom Atlantik überflutet. Immer überzogen mit einer Schicht aus salzigem Schlick und Schlamm aus der Baie de Bourgneuf. Auftakt der Tour de France 2011 in der Vendée an der Passage de Gois. Das hat was.

Pathos, die ganz große Geschichte, der Hang zum Historischen, dramatische Bilder, die interessante Kleinigkeit am Rande und die Wucht des Scheiterns. Wenn Christian Prudomme, Monsieur le Directeur du Tour de France, eins kann: Schnittstellen für allerlei Kommunikationen herstellen.

Anno tuc floh der französische Adel vor den Normannen über Sandbänke vom Festland auf die Île de Noirmoutier. Während der Revolution nutzten die Royalisten die PdG als Rückzugsweg. Irgendwann kamen dann Pflastersteine auf den Schlick – hier und da etwas Asphalt. Zwei Mal war sie bereits im Programm der Tour. Beide Male gab es schlimme Stürze – mit Ansagen. Etliche Favoriten flogen dabei früh im Tourverlauf raus. Ausgerechnet hier die erste Etappe einer Tour zu starten – das hat eine unwiderstehliche Dreistigkeit, Herr Prudhomme!

Le Tour

“Sous les pavés, la plage – Unter den Pflastersteinen liegt der Strand.” Das dieses Motto der 68er-Bewegung ausgerechnet in der nationalkonservativen Vendée mit der PdG verwirklicht wurde, ist ein Beleg dafür, dass die Verfasser der Menschheitsgeschichte auch mal für einen kleinen Spaß im Detail zu haben sind.

Weniger Spaß dürfte Abraham Olano am 5. Juli 1993 gehabt haben, als er mit seinem Mannschaftskameraden Arsenio González Gutiérrez auf der rutschigen PdG auf die Nase flog. Olano war sofort aus dem Rennen, González schaffte es noch bis ins Ziel, strich aber am nächsten Tag die Segel.

Die Segel streichen konnte auch sein Kapitän Tony Rominger, der sich den Zeitfahrer Olano in die Mannschaft geholt hatte, um gegen Miguel Induráin anzustinken. Mit nur sechs Fahrern bei Mannschaftszeitfahren von Dinard nach Avranches bekam er nicht nur keine Schnitte, sondern auch noch eine Zeitstrafe eingeschenkt, weil zwei Mannschaftskollegen von Clas-Cajastur sich regelwidrig gegenseitig angeschoben hatten. Kein schöner Tag für den Schweizer.

Kein schöner Tag für einen anderen Schweizer war die Überfahrt der Passage du Gois am 5. Juli 1999. Diesmal erwischte es Alex Zülle. “Wer vorne stürzt, fährt sicherer”, meinte Reporterurgestein Dr. Jürgen Emig. Umgekehrt wird ein Schuh drauss, muss sich ein gewisser Lance Armstrong gedacht haben, der mit der Spitzengruppe über die Passage schlitterte und Zülle geschmeidige sechs von sieben Minuten einschenkte, die am Ende den Toursieg ausmachen sollten.

Mit dem Schuh raus war Armstrong am 2. Juli 2005 – allerdings dauerte es nur eine Schrecksekunde bis er ihn beim Prolog von Fromentine auf die Île de Noirmoutier wieder ins Pedal klicken konnte. Dass David Zabriskie den Prolog vor sechs Jahren gewann, hatte ich schon so gut wie vergessen. Das Bild dieses Rennens: Armstrong überholt den eine Minute vor ihm gestarteten Jan Ullrich.

2005 ging es zwar nicht über die Passage du Gois, sondern über die Brücke zur Île. Sie wird auch diesmal wieder Ausgangspunkt sein. Die Fahrer starten offiziell, neutral in La Barre-de-Monts – genauer gesagt: An der Place de la Gare in Fromentine vorm Hotel de Bretagne. Es geht dann über die D 38 zur Brücke. Und nach einem Rechtsknick auf die Passage du Gois, wo Tourchef Prudhomme das Fähnchen wedelt, um den scharfen Start freizugeben. Sollte die Passage du Gois noch feucht sein – gute Nacht zusammen.

Mit einer Sprintankunft rechne ich nach den ersten 191,5 Kilometern allerdings nicht, denn am Ende warten zwei Berge auf die Fahrer. Von einer alpinen Bergankunft kann man natürlich nicht reden, aber immerhin die letzten 2 Kilometer bis ins Ziel auf dem Mont des Alouettes (4. Kategorie) geht es stramm bergauf.

Fakten-Check:
Länge: 191,5 Kilometer. Profil: Flach mit zwei Anstiegen gegen Ende. Der bissigste zum Schluss 2,2 Kilometer mit 4,7 Prozent. Wer gewinnt? Andy Schleck? Contador? Nee, hier muss ein Fahrer im Berserkerformat das Rennen machen: Fabian Cancellara.

Bike-Check:
Laut RoadBIKE soll Andy Schleck ein Chain Catcher gefehlt haben, als er im vergangenen Jahr bei der 15. Etappe nach Bagnères-de-Luchon Gelb verlor, weil er die Kette aufs Tretlager schaltete. Das sollte in diesem Jahr nicht passieren, denn sein aktueller Sponsor verbaut sie serienmäßig.

Fromage du Terroir1: Bûchette du Pont d’Yeu.
Von der Brücke aus kann man sie sehen: Die Île d’Yeu. Dort wird dieser cremige Ziegenkäse in Form eines Zylinders rund ums Jahr produziert. Er ist mit einer dünnen, grauen Schicht aus Asche und Schimmel überzogen, die im salzigen Klima der Insel besonders gut gedeiht. Beste Saison ist der Frühsommer. Welchen Wein dazu? Einen weißen: Muscadet. Aber sur lie s’il vous plaît. Dann hat er lange Kontakt mit der Hefe gehabt und moussiert noch ein wenig.

Carsten Sohn, Jahrgang 70, arbeitet als Blogger und Tagedieb im Mitzwinkel, dem hintersten Winkel des Internet. In seiner Freizeit betätigt er sich als Hobby-Koch und Fahrrad-Evangelist. Für “Männer unter sich” kommentiert er die Tour de France.

Foto Passage de Gois: pics by brian under Creative Commons CC by 2.0
Foto Fahrer: by Simon Styles (originally posted to Flickr as IMG_3315) [CC-BY-2.0 ], via Wikimedia Commons

  1. „Comment voulez-vous gouverner un pays qui a deux cent quarante-six variétés de fromage?“ – „Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 146 Käsesorten gibt?“, fragte Charles de Gaulle, der erste Präsident der V. Republik. Das können wir von „Männer unter sich“ natürlich auch nicht beantworten, aber wir stellen während die Tour läuft – passend zur Region – jeden Tag einen der kleinen Stinker vor.

Der Tanz um das goldige Weib

Anfang der Siebziger Jahre wohnte ich mit Blick auf den Sportplatz des PSV Recklinghausen und konnte deshalb dem Training der ersten Mädchen-Fußballmannschaft im ganzen Landkreis aus dem Fenster zusehen. Mein Urteil damals: „Das wird nie was. Auch in 100 Jahren nicht.“ Heute, 40 Jahre später, sehe ich aus dem Fenster erfreulicherweise nur Wald, dafür im TV eine weibliche Fußball-Nationalmannschaft und muß feststellen, daß das Weib offensichtlich bildsamer ist, als ich mir damals vorstellen konnte: Das Laufen – seinerzeit ein seltsames Ineinander von Trippeln und Hüpfen –  wurde in den vierzig Jahren richtig erlernt, Stop- und Schußtechniken wurden mit Erfolg geübt, und die Mädchen sind heute immer im Bilde, wo rechts und links, bzw. das eigene und das gegnerische Tor liegt. Das alles kann man würdigen trotz mancher Slapstick-Einlagen, wenn etwa zwei Verteidigerinnen und zwei Angreiferinnen (immer nur paarweise, man kennt’s von anderen Lokalitäten) auf den Ball gehen und dabei so stumpf aufeinanderprallen, daß hinterher alle vier platt auf dem Boden liegen. Auch die Torsteherinnen erheitern mitunter, aber das – ich weiß – darf man einem Geschlecht nicht ankreiden, das zehntausendjahrelang immer nur das Haus, hin und wieder eine Gänseherde,  niemals aber das Fußballtor hat hüten dürfen.

Also, alles ganz ok, und wenn die Mädchen Spaß am Kicken haben, sollen sie kicken. Und wer Spaß am Zuschauen hat, soll sie kicken sehen.

Auf einem ganz anderen Blatt steht aber, daß erstens der DFB das von seinen Männermannschaften im Übermaß verdiente Geld für seine Frauenmannschaften in solcher Fülle zum Fenster hinauswirft, und daß sich zweitens auf einen Schlag die gesamte Qualitätsjournalistentruppe – im Druck, „online“ und „auf Sendung“ – zu einem völlig durchgeknallten Cheerleader-Team formiert und mit giftigsten Ausfällen auf die naheliegende Rückfrage reagiert, ob sie denn nun total bekloppt geworden seien.

Steffen Dobbert, einer der erbarmungswürdigen Männer in der schwer gegenderten Redaktion der ZEIT, legte jüngst brav dar, dass die Missachtung des Frauenfußballs gar nichts mit dem Fußball zu tun habe, sondern sich nur gegen „starke Frauen“ richte. Nein, Herr Dobbert, wenn man nicht ohnehin wild entschlossen ist, sie auch dort zu entdecken, dann sieht man keine „starken Frauen“ auf dem Platz, sondern bestürzend schwache Fußballer. Das ist erstens offensichtlich und zweitens auch empirisch erhärtet: Ihre streng geheimgehaltenen Trainingsspiele gegen Männer verlieren die Weltmeisterelf und die besten Bundesliga-Frauschaften sowohl gegen die zur Schmerbäuchigkeit tendierenden Senioren von Fortuna Seppenrade (Bezirksliga) als auch gegen die Knaben (B-Jugend/U16) des VFB Stuttgart und der Frankfurter Eintracht. Und wenn’s mal gegen aktive Männer aus der 6. Ligaklasse (Verbandsliga: FC Teltow) geht, gibt‘s erwartungsgemäß eine zweistellige Putze.

Der notorische Einwand: Männer und Frauenfußball seien aufgrund der unterschiedlichen konstitutionellen Gegebenheiten auch völlig unterschiedliche Sportarten, ist natürlich dummes Zeug: auch die E-Jugend (8-10 Jahre) spielt bei völlig anderen körperlichen Voraussetzungen dasselbe Spiel, nur taktisch, läuferisch, technisch sehr viel schlechter als die Bundesliga. Was das Zuschauen trotzdem lohnt, ist die Neugier darauf, wieviel Talent sich gerade dort entfaltet. Auch das entfällt bei den 20- bis 30-jährigen Damen.

Ansonsten ist dieses Argument natürlich Teil jener kirchentäglichen Weltverkennung, nach der alle Unterschiede „ungerecht“ und demnach einzuebnen sind: vor allem die zwischen Können und Wollen und „Vielleicht- ein-bißchen-Wollen“. Alles gleichwertig, gemäß dem Weibliche-Lehrkraft-Motto: „Wenn alle mitgemacht und sich gut eingebracht haben, verdienen auch alle eine 1“. Oder Schweinsteigers Gehalt. Oder einen Sitz im Aufsichtsrat.

Frauen bleiben in allen Sportarten – außer im deswegen berüchtigten „Gemischten Tennis-Doppel“ – klugerweise unter sich; auch beim Schach übrigens, obwohl etwaige körperliche Nachteile sich in dieser Sportart allein durch einen höhenverstellbaren Stuhl ausgleichen ließen. Das alles ist nicht sonderlich bemerkenswert: Auch etwas, das man sehr viel schlechter beherrscht, als die jeweiligen Könner, kann ja sehr viel Spaß machen. Darum gibt es Theken-Mannschaften. Nur zwei Dinge sollte man bei der freudvollen Betätigung von Dilettantismus vermeiden: Auf die große Bühne zu streben, denn eine allzu heftige Diskrepanz zwischen Schauplatz und Darbietung ist nun einmal lächerlich. Und zweitens: großmäuliges Sprücheklopfen wie: „3. Plätze sind für Männer. Männer spielen, Frauen siegen.“ Es besagt nun mal nicht viel, wenn unter Lahmen der Halbbeinige König wird, und ansonsten gilt bereits nach je einer peinvollen Halbzeit Deutschland-Kanada und Brasilien-Australien: Männer spielen, Frauen stolpern.

Aber die schmerzliche Peinlichkeit dieser Mißverhältnisse haben wahrscheinlich weniger die fußballspielenden Frauen zu verantworten als vielmehr die Medien. Für unsere Fernseherziehungsanstalten ist die „FIFA-WM 2011“ nur Anlaß für eine weitere Schrittfolge in ihrem rituellen „Tanz um das goldige Weib“, den sie seit 20 Jahren in tranceähnlicher Verzückung stampfen – mit dem Ergebnis einer nicht mehr milden Form des Irreseins.

Daß das jetzt offensichtlich wird, ist immerhin ein achtbares Ergebnis einer Frauen-WM, die ansonsten geeignet ist, alte männliche Tugenden im Umgang mit den Frauen wiederzuerwecken: Schonung und großzügiges Drüberhinwegsehen.

Abbildung: Heike/pixelio.de

Links der Woche – 25.6. bis 1.7.

Jeden Freitag auf “Männer unter sich”: Links, die uns während der Woche untergekommen sind – Sport, Cartoons, Reportagen, Hintergründe zu unseren Artikeln usw. Männlicher Lesestoff zum Wochenende, viel Spaß!

Die schnellen Räder werden klargemacht, morgen beginnt die Tour de France, unser Fahrradprediger Carsten Sohn wird täglich berichten, da könnt ihr euch drauf freuen. Einer der ganz großen der Tour, des Radsports überhaupt war Eddy Merckx, der „Kannibale“, der vor einer ganzen Weile, als das Fahren von Stundenweltrekorden noch große Mode war, einen einigermaßen unglaublichen Stundenweltrekord gefahren ist, der Stundenweltrekorde schlagartig aus der Mode brachte. Die Story hinter Merckxs (ist das der korrekte Genitiv?) Rekord steht hier (die PDFs sind ein bisschen unscharf, aber man kann’s lesen).

Morgen sitzt die Damenwelt wieder keuchend vorm Fernseher und… guckt natürlich nicht Frauenfußball, sondern die ungleich interessantere Fürstenhochzeit in Monaco. Albert scheint’s mit der Ehe Ernst zu meinen und will endgültig zum Langeweiler mutieren, oder wie sollen wir die Auswahl der Hochzeitskutsche verstehen? Etwas rasanter hätte es ruhig sein können, auch wenn ein Jensen Interceptor vielleicht zuviel des Guten gewesen wäre. Etwas gediegener, aber ebenso retro wäre voll okay.

Apropos retro und voll okay: Wer sich noch nicht an unserem Gewinnspiel zum Oldtimer Grand Prix am Nürburgring beteiligt hat, kann das am Wochenende nachholen. Apropos Hochzeit: Den ultimativen Clip zu diesem Thema  hab ich auf youtube gefunden:

Schließlich: die Frauenfußball-WM. Tjaja. Die Frauenfußball-WM. Ist im Prinzip Schnee von gestern. Schon 1970 hat Wim Thoelke sich mit Zicken-Kicken auseinandergesetzt.

Und, seien wir ehrlich, es hätte noch viel schlimmer kommen könne. Es hätte „Waldis Frauenfußball-WM-Club“ geben könne. Laut der taz und Waldi sind wir in der Tat der Katastrophe nur knapp entronnen. Einige interessante Anmerkungen zum Unterschied zwischen Männer- und Frauen-Fußball hat Matthias Heitmann gemacht. Klartext zum Thema Frauenfußball gibt’s auch gleich hier bei „Männer unter sich“.

Euch allen ein schönes Wochenende, viel Spaß!


Treffen der Motorsport-Legenden: Der Oldtimer Grand Prix am Nürburgring

Am Nürburgring geht die Post ab

Wenn der traditionsreichste deutsche Automobilclub AvD einmal im Jahr zum AvD-Oldtimer-Grand-Prix lädt, strömen Fans klassischer Automobile aus aller Welt an den Nürburgring. Denn bei keiner anderen historischen Rennveranstaltung in Europa gibt es eine solche Bandbreite und so viele außergewöhnliche und seltene Sportfahrzeuge aus über acht Jahrzehnten Motorsportgeschichte zu sehen. Nun steht der Termin für die 39. Auflage des AvD-Oldtimer-Grand-Prix fest: In fast genau sechs Wochen, vom 12. bis 14 August 2011, wird der Ring einmal mehr zum rollenden Museum. Rund 600 Teilnehmer und über 60.000 Besucher werden erwartet.

Vom Tourenwagen-Zwerg bis zum Formel-1-Boliden

Unverkennbar Lotus

Monoposti und Tourenwagen, Sportwagen und GTs werden am zweiten Augustwochenende den legendären Nürburgring bevölkern, um Legenden lebendig werden zu lassen. Die Spanne der zwölf Rennen und Gleichmäßigkeitsprüfungen reicht von den frühesten Zeiten des Rudolf Carraciola in den 20er Jahren bis zu jener Ära der Formel 1, in der die Weltmeister Niki Lauda und Keke Rosberg hießen. Tourenwagen und GTs aus der frühen Nachkriegsära bis zu den Boliden aus DTM und Deutscher Rennsport-Meisterschaft erinnern an die Höhepunkte der nationalen Motorsportszene. Sportwagen-Prototypen und Grand-Prix-1-Boliden erlauben mit begeisternden Rennen einen Rückblick auf die internationalen Top-Klassen.

Jubiläumsrennen für britische Ikone

Ein E-Type in Front

Auf eine Zeitreise in die wilden 60er, die Swinging Sixties, entführt das diesjährige Geburtstagskind: Der Jaguar E-Type wird 50 und die Besitzer der britischen Ikone freuen sich schon darauf, sich während des AvD-Oldtimer-Grand-Prix bei einem eigenen Rennen zu duellieren – bei der „Jaguar E-Type Challenge“. Der Supersportwagen mit der unverwechselbaren Silhouette wurde zwischen 1961 und 1975 rund 70.000-mal produziert und begeistert immer noch alle Generationen. Von den Lesern des britischen „Daily Telegraph“ wurde der E-Type beispielsweise vor wenigen Jahren auf Platz 1 der Liste der 100 schönsten Autos aller Zeiten gewählt.

Außergewöhnliche Boxenatmosphäre

Boxengasse

Ein weiterer Blickfang wird in diesem Jahr das historische Fahrerlager am Nürburgring, das momentan aufwendig restauriert und in seinen Urzustand zurückversetzt wird. Die charakteristischen Wellblech-Garagen sind die weltweit ältesten noch erhaltenen und wurden 1927 mit der Rennstrecke in Betrieb genommen. Nach alten Unterlagen gebaute Emaillelampen sowie neu aufgetragene alte Farbmischungen werden nun für besonderen Glanz sorgen. Die Vorkriegsmodelle, die während des AvD-Oldtimer-Grand-Prix starten und ausgestellt werden, kehren also diesmal in ihre ureigene Kulisse zurück. Den Zuschauern und Oldtimer-Freunden steht aber selbstverständlich neben dem historischen auch erneut das „neue“ Fahrerlager an der Start-Ziel-Geraden offen, es lädt ein zum Flanieren und zur Foto-Safari. Die Mischung aus Motorsport zum Anfassen und historischem Rennspektakel macht den AvD-Oldtimer-Grand-Prix so einzigartig. Für die besondere Atmosphäre sorgen auch die zahlreich vertretenen Markenclubs, die ihre liebevoll polierten Klassiker rund um den Ring präsentieren werden. Die Einkaufsmeile lockt zudem mit Literatur und Accessoires, Ersatzteilen und Equipment.

Action und Faszination von Freitag bis Sonntag

Action ohne Ende

Bereits am Freitag wird der AvD-Oldtimer-Grand-Prix mit einem Klassik-Highlight eröffnet, das mittlerweile selbst schon ein Klassiker ist: Die 21. Auflage des AvD-Historic-Marathon auf der Nordschleife und GP-Strecke lässt die Langstrecken-Tradition der längsten und spektakulärsten Rennstrecke der Welt aufleben. Höhepunkte am Samstag und Sonntag sind die spektakulären Formel-1-Boliden der 60er und 70er Jahre, die flankiert werden von einem einmaligen Programm, in dem sich Fahrzeuge aller Epochen und Rennsportklassen annähernd im Halbstundenrhythmus abwechseln. Bis in die Abendstunden hinein geht es am Samstag, an dem die zweisitzigen Rennwagen und GTs der 50er und 60er Jahre gegen 20.30 Uhr zum einstündigen Rennen auf die Strecke gehen und in der Dämmerung Le-Mans-Flair verbreiten. Ein Höhepunkt unter den zahlreichen Präsentationen legendärer Fahrzeugmarken ist in diesem Jahr der Auftritt der Mercedes-Legenden, die direkt aus dem Werksmuseum zum Ring kommen werden.

Kartenvorverkauf gestartet

Kraftzentrum

Der Kartenvorverkauf für den 39. AvD-Oldtimer-Grand-Prix läuft bereits, an den bekannten Vorverkaufsstellen von CTS/Eventim, online unter www.eventim.de sowie über die Ticket-Hotline 0180 5 311210 (0,14 €/Min aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreis max 0,42 €/Min). Jugendliche bis 17 Jahren haben in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt (ausgenommen ist der Historic Paddock Club).
Tagestickets für Erwachsene kosten Freitag 18 Euro, Samstag und Sonntag 38 Euro, Wochenendtickets 58 Euro. AvD-Mitglieder erhalten beim AvD-Servicecenter in Frankfurt (www.avd.de) bis zum 25. Juli 30% Ermäßigung auf alle Tickets.

Das Beste zum Schluss: 5 x 2 Freikarten für die Leser von „Männer unter sich“

Wem fällt die originellste Bildunterschrift ein?

Welche Bildunterschrift fällt Dir zu diesem Foto ein? Schreib deinen Vorschlag als Kommentar zu diesem Beitrag. Die originellste Bildunterschrift wird von einer Expertenkommission bestehend aus Stefan P. Wolf, Robert Hill und Chris Kurbjuhn ausgewählt und erhält 1 mal zwo Freikarten für das gesamte Rennwochenende und einen Komplett-Set der Maine-Shave-Produkte aus dem Nassrasur-Shop. Die anderen 4×2 Freikarten werden unter allen Kommentierenden verlost. Ihr habt Zeit bis zum 7. 7. 2011 um 24 Uhr, dann ist Teilnahmeschluss und wir schließen die Kommentare zu diesem Beitrag. Von der Teilnahme ausgeschlossen sind alle Mitarbeiter von nassrasur.com und die Autoren dieses Blogs. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Spaß!

Fotos: Robert Hill

Nachtrag: die Verlosung ist beendet, hier geht’s zur Gewinnerliste:

https://blog.nassrasur.com/2011-07-08/and-the-winner-is/

Früher war alles besser – Der apochromatische Anachronismus, 2. Teil

Im ersten Teil dieser kleinen Serie haben wir uns mit der Photographie als elitäres Hobby humanistisch geschulter Professoren, Ärzte, Apotheker und Künstler befasst. Jetzt, im zweiten Abschnitt unserer kleinen Reihe geht es um die Entwicklung. Nicht die von Filmen, sondern um die Entwicklung der Photographie zur Fotografie als Hobby für die Massen.
Lebendige, spannende Reportagefotos waren ein Traum der erst mit Oskar Barnack’s Leica erfüllt wurde. Kleine Kameras gab es schon vorher. Auch der Massenmarkt Fotografie wurde frühzeitig, im späten 19. Jahrhundert, von George Eastman entdeckt. “You press the button, we do the rest”: Die “KODAK Camera” war die erste Schnappschuss Kamera.
Fotografie für jedermann war also schon vor über 100 Jahren möglich. Für die Industrie zudem ein gutes Geschäft, dem Erfindungsreichtum waren kaum Grenzen gesetzt. Die Kameras wurden immer besser, vielseitiger und leichter zu bedienen. Aber eines blieb immer gleich: Egal wie gut Kamera und Objektiv, wie schön die Farben der Filme waren: Die mussten erst mal entwickelt werden, bevor man die Bilder stolz präsentieren konnte. Das war nie ganz billig. Und mit einem mehr oder weniger langen Zeitraum zwischen Belichtung und Präsentation verbunden. Ergo: Wer auf Film fotografiert, macht sich vor der Aufnahme Gedanken. Denn der Moment, der fotografiert werden sollte, war längst passé, wenn man oft Wochen später die Abzüge in den Händen hielt. Nicht nur über die korrekte Einstellung von Zeit, Blende und Entfernung, auch über die Bildgestaltung. Gute Fotografen haben das Bild fertig im Kopf, bevor sie auf den Auslöser drücken. Das wird durch die elektronische Bildaufzeichnung zwar nicht verhindert, aber auch nicht unbedingt geschult…

Mit der Leica kam eine handliche Kamera für lebendige Reportagen auf den Markt

Ohne groß weiter nachzudenken wird ein Foto nach dem anderen belichtet und bei Digitalkameras, anschließend wieder gelöscht. Der moderne Mensch hat sich halt längst daran gewöhnt, vor Inbetriebnahme eines technischen Geräts durch unzählige Menüs und Untermenüs zu klicken bis es endlich einsatzbereit ist. Einmal programmiert läuft dann alles automatisch. Und so sehen die meisten Aufnahmen dann auch aus. Kein Vergleich zu den wohlüberlegt gestalteten Bildern, die unsere Großeltern noch gemacht haben, als alles noch viel „umständlicher“ war. Denn damals, wie heute bei einer mechanischen Kamera, musste man nur Belichtungszeit, Blende, sowie Entfernung einstellen. Man brauchte weder ein Informatikstudium, noch Englisch- oder Japanischkenntnisse um ein Foto zu machen, an das man sich noch in Jahren gerne erinnert.
Letztendlich ist ein klassischer Fotoapparat ein feinmechanisches und optisches Wunderwerk, das jahrzehntelang seinen Dienst verrichtet. Eine Digitalkamera dagegen ein Eingabegerät für den Computer, das wie Scanner, Tastatur und Maus alle paar Jahre von der nächsten Generation ersetzt wird.

Anfang der 50iger Jahre war die zweiäugige Rolleiflex eine beliebte Reportagekamera

Eine Generation ohne Bilder:
Wir hatten es ja schon mal. Anfang der 90iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wanderten viele Fotoapparate in den Schrank, wo die Super 8-Filmkamera schon ein trauriges Dasein fristete. Videokameras wurden dank Hi8, VHS-C & Co. plötzlich erschwinglich. Jeder, der auf seinen Nachwuchs stolz war, filmte, was das Zeug hielt. Immer feste druff. In Farbe und sogar mit Originalton! Was nix taugt, wird gelöscht! Nicht nur, dass die magnetischen Bänder heute kaum noch in annehmbarer Qualität wiedergegeben werden können, weil der Zahn der Zeit ihnen übel zugesetzt hat: Auch wer sogar noch ein funktionierendes Abspielgerät und einen Fernseher hat, an den dieses angeschlossen werden kann: Diese belanglosen, uninspirierten Machwerke will heute kaum noch jemand sehen.
Doch haben wir damit ein weiteres, wichtiges Argument für den guten alten Film als „Daten“speicher für wichtige Erinnerungen: Zum Betrachten eines Dias reichen zur Not auch eine Lupe und eine Lichtquelle. Beides sollte verfügbar sein, solange sich Menschen auf unserem Planten tummeln. Ein sorgfältig entwickeltes Dia kann, richtig gelagert, viele Jahrzehnte überstehen. Ob es in fünf oder zehn Jahren noch Laufwerke für die DVDs, CDs, Speicherkarten usw. gibt, auf denen wir unsere digitalen Erinnerungen für die Nachwelt festgehalten haben, ist wirklich nicht sicher. Oder kannst Du Dich noch an DAT-Bänder, MO-Laufwerke und ZIP-Disketten erinnern? Hat der Computer, an dem Du grade sitzt, noch ein Diskettenlaufwerk?

Ein Klassiker, der sich noch heute großer Beliebtheit erfreut: Die Leica M3

Im dritten Abschnitt unserer kleinen Reihe geht es um das Beste aus zwei Welten. Lass dich überraschen!

Robert Hill, freier Journalist und Fotograf. Kommt eigentlich aus München, wohnt im Taunus. Mag mechanische Uhren und klassische Kameras. Hat es geschafft, im letzten Jahr mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto zu fahren.
www.roberthill.de